Captain Future war in meiner Kindheit eine meiner TV-Lieblingsserien: die Titelmelodie, die "Comet" und viele bunte Raumgefechte hatten es mir angetan. Project Sylpheed vom renommierten Entwickler Square Enix schlägt dabei in eine ähnliche Kerbe, wenn auch die Vorbilder eher im Shoot-Em-Up-Genre der Videospielvergangenheit zu finden sind. Die Zutaten sind jedoch ähnlich, nur mit einigen weiteren Action- und Storyelementen gewürzt. Was dabei rauskommt, wenn man die genannten Ingredienzien mit einer asiatisch angehauchten Geschichte kreuzt und das Ganze ins 27. Jahrhundert versetzt, haben wir hinter dem Steuerknüppel eines Delta Sabre-Fighters des White Griffon-Geschwaders der Erdstreitkräfte herausgefunden.

Nix geht ohne Training!
Konsequente Tutorial-Ignoranten und erfahrene Raumpiloten, die sich schon durch diverse Wingman-Abenteuer und ähnliche Spiele geballert haben, seien gewarnt: Diesmal werdet ihr kaum an der ausführlichen Einleitung vorbeikommen, denn Project Sylpheed konfrontiert die angehenden Delta Sabre-Piloten mit einer ziemlich komplexen Steuerung. Es gibt kaum einen Knopf auf dem Xbox 360-Pad, der nicht mit einer Funktion belegt ist.

Project Sylpheed - Square Enix macht auf Weltraum-Action und schlägt sich gar nicht schlecht.

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Rhino 3 an Geschwader: Attacke!
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Und das Wichtigste: fast alle werden in den ausschweifenden Raumschlachten benötigt - das gilt erst recht, wenn man alle taktischen Möglichkeiten nutzen will und die Profi-Steuerung wählt. So stehen euch nicht nur profane Steuer- und Balleroptionen zur Verfügung. Um eure Feinde effizient bekämpfen zu können gibt es darüber hinaus eine Vielzahl anderer wichtiger Features. Darunter beispielsweise Spezialmanöver, mit denen ihr gleich ein ganzes Arsenal an tödlichen Raketen, Bomben und anderen Waffen abfeuert, Kontrahenten rammt oder mit halsbrecherischen Manövern umgehend 180-Grad Rollen auslöst.

Profis nutzen zudem die Gierfunktionen der wendigen Flieger oder setzen die Möglichkeit ein, das eigene Tempo dem des angepeilten Ziels anzugleichen und die Kamerasicht darauf festzustellen. Dieses Feature ist vor allem bei den vielen Dogfights von großer Hilfe und erlaubt das zielgerichtete Ausschalten von wichtigen Missionszielen. Trotz oder gerade wegen dieser vielseitigen Steuerung fällt die Lernkurve sehr steil aus und man benötigt daher eine ganze Weile, um sich in den vierdimensionalen Schlachten zurechtzufinden.

Bevor wir auf die Kämpfe selbst zu sprechen kommen sei eine kurze Erklärung der Story gestattet, schließlich sollte man schon wissen, weshalb man sich in die gefährlichen Gefechte stürzt: Wir schreiben das Jahr 2632, ein Zeitalter, in dem sich die Menschheit im All breitgemacht hat und Kolonien gegründet hat. Das hört sich eigentlich ziemlich gut an, doch auf einigen der terraformten Planeten macht sich Unmut über die Zentralregierung breit, der schließlich in einer offenen, bewaffneten Rebellion mündet.

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Und da beschwere sich noch jemand über das Schilderchaos auf deutschen Straßen ...
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Damit das Ganze auch noch eine emotionale Basis bekommt, stehen sich auf den beiden Seiten ehemalige Freunde gegenüber: Katana (eure Spielfigur), ein aufstrebendes Fliegerass verteidigt die Erde und Margras kämpft aufseiten von ADAN, den vier aufmüpfigen Kolonien. Verpackt ist dieses Hintergrundgeschehen in hübschen Zwischensequenzen, die die 16 Missionen miteinander verbinden und einen Anime-Touch nicht verbergen können. Vielleicht etwas zu viel Klischee und Kitsch, aber sehenswert allemal.

Chaotisch-psychedelische Ballerei
Soweit zur Story, zurück zum Gameplay. Allzu Abwechslungsreich sind die Missionen in ihren Aufgabenstellungen naturgemäß nicht geraten, schließlich handelt es sich um ein Shoot-Em-Up, wenn auch von moderner Prägung. So kämpft ihr beispielsweise gegen Dutzende von wendigen Kampfliegern oder durchschlagskräftige Schlachtschiffe und müsst unterwegs Minen aus dem Weg räumen.

Neben ein oder zwei Hauptaufgaben, die für das Weiterkommen wichtig sind, gibt es jedoch immer auch Nebenaufträge, deren erfolgreiche Erledigung mit zusätzlichen Punkten belohnt wird. Anfangs hat man aber auch schon mit den Hauptmissionen genug zu tun, tickt doch im Hintergrund oft ein nervraubender Countdown. So müsst ihr beispielsweise häufig Geleitschutz für wehrlose Transporter, Raumstationen und Schlachtschiffe leisten, wobei in der ablaufenden Zeit keine Verluste erlaubt sind oder zumindest eure Anlaufbasis, die Acropolis, nicht abgeschossen werden darf. Bei den teilweise mehrstufigen Missionen die Übersicht zu behalten ist dabei gar nicht so einfach, denn häufig gestalten sich die Schlachten chaotisch.

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Die Romulaner greifen an! Huch falscher Film, sorry ...
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Zwar stehen euch gleich zwei unabhängige Radarsysteme zur Verfügung, allerdings sind leider beide nicht aussagekräftig genug und stiften bisweilen mehr Verwirrung als sie für Überblick sorgen würden. Zudem kämpft ihr praktisch immer an mehreren Fronten gleichzeitig - dabei auf dem schön gestalteten und bunten, mit nahezu psychedelisch anmutenden Lichteffekten ausstaffierten, Schlachtfeld klaren Kopf zu behalten - fällt alles andere als leicht.

Im Grunde ballert ihr ständig was das Zeug hergibt, steuert zwischendurch Versorgungsschiffe für Neumunitionierung an, behaltet dabei den Countdown im Auge und sucht verzweifelt nach den wichtigsten Zielen. In der Hektik kommen euch auch noch ständig eure Geschwader-Kameraden in die Quere, die sich dann über "Friendly Fire" beschweren - was prompt zu Abzügen in der Missionsauswertung führt.

Somit stehen euch weniger Punkte für die Aufrüstung eures Delta Sabre zur Verfügung, den ihr mit allerlei Schnickschnack ausbauen dürft: Neue Laser, Raketen, Minen, Bomben und so weiter, die euch in späteren Missionen wichtige Dienste leisten. Project Sylpheed verlangt den virtuellen Piloten allerhand ab und das Abschließen der Missionen kostet mitunter richtig Nerven sowie den einen oder anderen Zornesanfall.

Project Sylpheed - Square Enix macht auf Weltraum-Action und schlägt sich gar nicht schlecht.

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Mit einem speziellen Manöver könnt ihr die Sicht auf eines eurer Ziele zentrieren und es dann unter Feuer nehmen.
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Problematisch ist in diesem Zusammenhang vor allem das miese Speichersystem, das euch nur außerhalb der Missionen das Sichern des Spielstands ermöglicht. Habt ihr also Level eins von Mission drei geschafft, aber noch zwei weitere Stufen warten, müsst ihr bis zum Ende weiterzocken oder auf euren teuer erkämpften Fortschritt verzichten.

Immerhin haben die Entwickler eine Option eingebaut, die euch nach einigen Fehlversuchen erlaubt, das Kapitel zu überspringen. Und wenn wir so schön am Meckern sind: Warum zur Hölle gibt es keinen Multiplayer-Modus? Gerade Shot-Em-Ups sind doch für heiße Gefechte über Xbox Live bestens prädestiniert!