Die Spieleszene ist manchmal eklig: Voller Besserwisser, Möchtegerns und Wichtigtuer. Besonders beliebt ist das Lästern über schlechte Spiele. Das heißt es dann auf den Schulhöfen, im Büro oder auf der Messe: „Also ich hab ja von Anfang an gesagt, dass das nichts werden kann!“ So wie im Fußballstadion Woche für Woche Hunderttausende Trainer sitzen, gibt es im Videospielgeschäft unzählige Spieledesigner.

Project Spark - E3 2014 Trailer4 weitere Videos

Microsoft lässt es mit „Project Spark“ darauf ankommen. Gottmodus? Bitteschön. Terraforming? Aber sicher. Questdesign? Auch das. NPC-Verhalten? Einfach. Zumindest sieht es in der Präsentation des ambitionierten Titels so aus. Hier führen uns zwei Entwickler vor, was sie mit all den Möchtegerns vorhaben. „Project Spark“ soll die Kreativität der Spieler zu einem Feuer anfachen. Sie bekommen einen Welteditor vorgesetzt, was die Windows- und Xbox-One-Nutzer damit anfangen, ist ihre Sache. Die Basisversion wird auf beiden Plattformen Free-to-play.

„Project Spark“ ist also kein Spiel an sich, sondern ein Spiel mit unzähligen Spielen. Da ist zunächst die Welt an sich, wie sie aussieht, welche Wesen darin hausen, welche Monster, Charaktere oder Helden. Das Terraforming findet per Mausklick oder Controller statt. Wer auf God-Games im Sinne von „From Dust“ steht, wählt eine solche Fast-Totale als Ansicht.

Project Spark - Die spieleerschaffende Wollmilchsau: Jeder ist ein Spieldesigner

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 22/251/25
Ein Spielplatz für Kreative soll Project Spark werden. Könnte klappen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Andere ziehen es vor, mit einer Spielfigur in dritter Person herumzulaufen und unter ihren Füßen den Boden samt Wildwuchs aus dem Wasser emporwachsen zu sehen. Die Grundfläche der Karte wächst dabei automatisch mit. Jede einzelne ist zwar auf fünf mal fünf Kilometer begrenzt. Allerdings können die erschaffenen Schauplätze über Portale miteinander verbunden werden.

Eine lustige Vorstellung: Ich kann so etwa einen Missionshub bauen, von dem aus die einzelnen Karten zugänglich sind. Auf der gamescom geben mir die Entwickler auch ein paar Einblicke, wozu das führen kann. 1000 Personen basteln in einer internen Alpha bereits an Inhalten für „Project Spark“. Sportspiele, Sidescroller, Ego-Shooter im Comicstil oder Action-Adventures: All das gibt es bereits.

Packshot zu Project SparkProject SparkErschienen für PC und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Von Gehirnen und haarigen Monsterhintern

Schlüsselelement ist die Ansicht, die über die Kameraeinstellung gewechselt wird. Das identische Level wandelt sich da vom Plattformer im düsteren Anstrich à la „Limbo“ plötzlich zum begehbaren Naturpark aus der Ich-Perspektive.

Project Spark - Die spieleerschaffende Wollmilchsau: Jeder ist ein Spieldesigner

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 22/251/25
Der meistkopierte Stil der letzten Videospieljahre darf auch in Project Spark nicht fehlen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings ist der Editor auch für andere Dinge verwendbar: „Das populärste Projekt ist derzeit eine 15 Minuten lange Filmepisode von Miami Vice“, freuen sich die Entwickler. Zuschauen statt eingreifen. Damit all die Möglichkeiten nicht die Spieler erschlagen, gibt es einen einfachen Modus, eine Art Welt-Wizard, der mit ein paar Klicks bereits etwas Ansehnliches hervorbringt. Experten können sich natürlich in jegliche Details vertiefen.

Eine der eindrucksvollsten Möglichkeiten ist der Gehirn-Editor. Endlich, Gehirrrrrrn, denke ich! Aber ich muss meinen Zombieinstinkt unterdrücken, sonst wird das Spiel eine Totgeburt. Stattdessen heißt es: im Kopf eines Monsters herumpfuschen, Synapsen verbinden. Das Verhalten der Monster wird über „Wenn-Dann“-Beziehungen festgelegt. Etwa: Wenn Spieler in die Nähe kommt, laufe weg. Oder greife an. Oder starte Animation.

Oh Freude schöner Spielefunken, Project Spark hat riesiges Potenzial.Ausblick lesen

Hier liegt ein Werkzeug begraben, über das sich Pseudo-Spieledesigner in „Project Spark“ auch hörbar einen Platz sichern können: Über das Kinect-Modul der Xbox One nimmt der Spieler seine eigenen Bewegungen und Sprache auf, die die Software dem Monster dann überstülpt. Natürlich ist auch diese Aufnahme im Nachhinein editierbar.

Project Spark - Die spieleerschaffende Wollmilchsau: Jeder ist ein Spieldesigner

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 22/251/25
Mittels Kinect können Bewegungen sowie Stimmen aufgenommen und implementiert werden. Wir prophezeien schon jetzt unzählige selbsterstelle Zombies.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wenn nun etwa der Akteur vor dem Bildschirm in einem Adventure-Setting dem Ungetüm seinen Goldschatz unterm haarigen Hintern hervorholen will, schreit er sich womöglich selber an: „Meine Goldstücke bekommst du nicht!“ Da die erschaffenen Welten plattformübergreifend für Windows 8 und Xbox One online gestellt werden können, erklingt die beeindruckende Drohung wohl bald in zahlreichen Wohnzimmern.

Bereitgestellte Karten oder Komplexe sind von allen anderen editierbar – so können interessante Kollaborationen entstehen. Der Credit für die Arbeit geht dabei jedoch nie verloren. Immer soll ersichtlich sein, wer zuvor Zeit in das Projekt gesteckt hat.

Natürlich kann der kreative Kopf auch dem furchterregendsten Troll ein Spatzenhirn verpassen. Auch die „Wenn-Dann“-Beziehungen des Protagonisten, den der Spieler durch die Welt steuert, kann er verändern. Dabei geht es jedoch um die Tastenbelegung für dessen Fähigkeiten – wie etwa Springen oder Terraforming.

„Alles hat ein Gehirn“, sagen die Entwickler grinsend.

Project Spark - Screenshots zum Weltenerschaffer

Klicken, um Bilderstrecke zu starten (18 Bilder)

Project Spark - Screenshots zum Weltenerschaffer

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/19Bild 7/251/25
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken