Project Snowblind (PC-Test)
(von Patrick Streppel)

Ein Genre, so viele Spielweisen: Die einen gehen bei Ego-Shootern aufs Ganze und preschen mit roher Gewalt voran, die anderen erfreuen sich an Hi-Tech-Waffen und Bond-ähnlichen Gadgets und eine dritte

Fraktion meidet Feindkontakt am liebsten ganz - selten bringt ein Titel zwei davon unter einen Hut. Beim Deus Ex-Ableger Project Snowblind werden dagegen alle drei glücklich.

Project: Snowblind - Trailer Nr. 102 weitere Videos

In Gerüchten steckt meist die halbe Wahrheit: Noch während der Deus Ex-Nachfolger Invisible War für PC und Xbox in Entwicklung war, tauchten Informationen über einen PS2-Ableger auf. Ausgehend von der Annahme, dass die aufgemotzte Unreal Engine auf Sonys Konsole nicht machbar ist - Ubisoft sollte uns später das Gegenteil beweisen - war von einem actionreichen Ableger zu Warren Spectors Hit-Serie die Rede.

Doch dann kam alles anders: Deus Ex - Invisible War floppte, Spector verließ das sinkende Schiff und Ion Storm Austin wurde endgültig geschlossen. Gut, dass Project Snowblind bei Chrystal Dynamics (Gex, Pandemonium, Legacy of Kain) den Trubel überlebt hat.

Project: Snowblind - 100 ways to kill – Warum Snowblind einer der coolsten Shooter des Jahres ist

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Rebellion in ChinaDenn auch ohne Deus Ex im Titel erinnert Snowblind an die von Spector erdachte Sci-Fi Welt. Ein Aufstand in China führt eine internationale Friedenstruppe in die asiatische Region - doch von Frieden kann nicht die Rede sein. Das muss Nathan Frost am eigenen Leib erfahren: Kurz nachdem der Rekrut aus dem Helikopter steigt, fliegen Rebellen einen Angriff auf die Basis. Ohne viel nachzudenken schnappt sich unser Held die nächste Waffe und stellt sich den
angelandeten Feinden entgegen - vergeblich, wie sich herausstellt. Der erste Tag in China ist zugleich Frosts letzter. Zumindest als Lebender, denn obwohl der junge Mann bei dem Angriff das Zeitliche segnet, ist er schon bald wieder im Einsatz: Ein geheimes Regierungsprogramm - wie sollte es auch anders sein - erweckt den Rekruten nicht nur wieder zum Leben, sondern motzt ihn auf Nano-Ebene zum idealen Super-Soldaten auf.

Packshot zu Project: SnowblindProject: SnowblindErschienen für PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

"Ich wollte schon immer die Zukunft des Krieges in Aktion sehen" ruft ein Kamerad begeistert, doch Frost soll erst noch herausfinden, wozu er eigentlich fähig ist. Dank des Eingriffs verfügt unser Held beispielsweise über einen zuschaltbaren Schutzschild, der für Minuten jeden Treffer abfängt. Alternativ kann die Zeit verlangsamt werden, um so beispielsweise Kugeln auszuweichen. Infrarot-Blick und Energieblitze gehören ebenfalls zum Inventar. Oder Frost macht sich für kurze Zeit komplett unsichtbar.Randvolle WaffenkammerDie Vielfalt spielt sich auch bei Frosts Spielzeugen wieder: Neben den üblichen Schießprügeln wie Raketenwerfer, Maschinengewehr oder Schrotflinte haben sich die Designer eine Vielzahl an außergewöhnlichen Waffen einfallen lassen, die ganz neue Vorgehensweisen erlauben.

So verschießt das Scharfschützengewehr im Sekundärmodus kleine Nanoviren, die einen getroffenen Gegner Amok laufen und auf seine Kollegen schießen lassen - ideal um Chaos zu stiften.

Zum Sortiment an Granaten gehört unter anderem die Riot Wall, die nach dem Wurf einen Energieschild nach oben strahlt, der als Deckung dient. Eine tolle Idee sind auch die Spider-Roboter, die den Spieler treu begleiten und bis zu ihrem Ableben selbstständig auf Gegner feuern - Details zu diesen und weiteren Waffen haben wir in einem Kasten zusammengestellt. Wem das Arsenal noch nicht reicht, der darf hinter Geschützen oder in Fahrzeugen Platz nehmen. Die Vehikel eignen sich hervorragend um Soldaten zu überfahren, sind zum Teil aber auch stark bewaffnet. Neben einem Buggy-Verschnitt und dem schweren Panzer ist vor allem der Walker eine schlagkräftige Alternative, um ganze Level zu säubern. Apropos: Die kleineren Kampfroboter lassen sich mit einem Icepick ebenso übernehmen wie Selbstschussanlagen und Kameras - die Auswahl des Ziels ist bei der knappen Munition jedoch eine strategische Entscheidung. Entweder man sabotiert die Kameras und hofft so auf die Inaktivität der Roboter, oder man schnappt sich einen der Blechkameraden um gleich kräftig aufzuräumen.

Lineare Spielfreiheit
Wie die Unmenge an Fähigkeiten und Waffen erahnen lässt, erhält der Spieler eine relativ große Freiheit, wie er das Missionsziel erreichen möchte. Das reicht von zahllosen Möglichkeiten, Gegner auszuschalten, bis zur weitgehenden Vermeidung von Feindkontakt - auch wenn Snowblind von waschechten Schleich-Shootern entfernt ist, gibt es immer einen Weg um für Ablenkung zu sorgen, oder einen Lüftungsschacht, durch den Gefahren umgangen werden können.

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Wer mag, darf sich also Zeit nehmen, sein Vorgehen planen und später an der erfolgreichen Ausführung des Plans erfreuen - wer sich rastlos voranballert, kommt aber ebenso ans Ziel und hat unter Umständen genauso viel Spaß dabei.

Diese Flexibilität des Gamedesigns macht den Reiz aus, denn die Entwickler schreiben keinen Spielstil vor. Auch kurzfristige Meinungswechsel sind kein Problem, am Ende zählt nur das Ergebnis. Trotz dieser Freiheiten ist das Leveldesign jedoch relativ linear gehalten - weiträumige Gegenden zur Erkundung oder komplexe Verzweigungen gibt es nicht.Die Levelabschnitte sind relativ kurz, zudem wird der Spieler durch zahlreiche Scripts förmlich hindurch getrieben. Das ist aber kein Widerspruch: Snowblind ist wie ein temporeicher Actionfilm und diesem Vergleich hält das Geschehen durchaus stand: Plötzlich explodiert etwas, Dutzende Feinde stürmen herbei und über Funk kommen neue Befehle - dann sind kurzfristige Entscheidungen und schnelles Handeln gefragt. Wer speichern will, sollte die Augen offen halten. Denn die dafür vorgesehenen Punkte befinden sich hinter speziell markierten Türen abseits vom Spielgeschehen. Man muss schon hindurchgehen und sich in eine Konsole einloggen.

Gehobenes PS2-Niveau
Optisch zeigt Snowblind deutlich, wie weit PS2, Xbox und PC technisch auseinander gedriftet sind. Die PS2-Version des Spiels sieht mit bunten Waffeneffekten, toll animierten Charakteren und großen Explosionen klasse aus und sollte alle Sony-Besitzer wunschlos

glücklich machen - auf PC oder Xbox ist die von Chrystal Dynamics entwickelte Engine dagegen nicht annähernd so beeindruckend. Hierzu fehlen dynamische Beleuchtung, Echtzeit-Schattenspiele und Bump Mapping, wie man es aus Chronicles of Riddick oder Doom 3 kennt.

Im Gegensatz zu beispielsweise Rainbow Six 3 wurde also nicht für das beste System entwickelt und dann Details reduziert, sondern hier war scheinbar die PS2 die Primärplattform. Trotzdem sieht das Geschehen durchaus nett aus, was vor allem an dem ausgiebigen Einsatz von grellen Waffen-Effekten, zerberstenden Scheiben und Störfiltern liegt - wird Frost beispielsweise von einer EMP-Granate getroffen, schneit es für eine Weile im Bild. Auch bei den Echtzeit-Zwischensequenzen kann sich die Grafik sehen lassen - schnelle Schnitte, schräge Kameraeinstellungen und eine perfekte Vertonung unterstreichen das Flair eines Hollywood-Actionfilms.

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Apropos Vertonung: Wie gewohnt hat Eidos bei der deutschen Version erstklassige Arbeit geleistet und hochkarätige Sprecher engagiert. Auch der Soundtrack fügt sich perfekt ins Spielgeschehen ein.

Die Waffen des Nathan Frost

Kicker Schiebt oder zieht Gegenstände, jedoch keine Gegner.

Pistole Standartwaffe mit Schalldämpfer, die auch Marker für Zielsuchraketen verschießt.

Sturmgewehr Standardwaffe mit Schnellfeuerfunktion, die im Sekundärmodus freundliche Ziele ignoriert.

Raketenwerfer Feuert im Primärmodus einen Gefechtskopf, im Sekundärmodus vier Lenkraketen, die dank Suchsystem sogar selbstständig ihre Ziele treffen.

Herf Gun Feuert einen EMP-Strahl, der selbsständig auf weitere, nahe Gegner überspringt. Im

Sekundärmodus wird eine an Oberflächen haftende Kugel abgeschossen, die eigenständig angreift.
Icepick Feuert einen Virus, der die Kontrolle über Computer, Kameras und Kampfroboter erlaubt.

Sniper Gewehr Erlaubt das gezielte ausschalten oder die Infektion von Gegnern, so dass sie ihre Kameraden angreifen.

Flechette Waffe Feuert Nadelgeschosse, die von Wänden abprallen, jedoch Türen und Gegner durchlöchern. Im Sekundärmodus fliegt der "Schwarm" auf ein Ziel zu.

Shotgun Schrotflinte, die im Sekundärmodus Kontaktsprengstoff verschießt. Istvor allem auf kurze Distanz effektiv.
Mine Gun Verschießt Minen entweder mit Fern- oder Annäherungszünder.

Rail Laser Kann durch Wände schießen. Im Sekundärmodus wird eine art Energiebombe abgeschossen, die alles in der Umgebung vernichtet.

Riot Wall Erzeugt nach dem Wurf einen Energieschild als Barriere, um in Deckung gehen zu können.

Spider Bot Folgt dem Spieler und schießt eigenständig auf Gegner, so lange bis der Bot zerstört wird.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ packend gescriptete, temporeiche Missionen + umfangreiches, ausgeklügeltes Waffenarsenal + hohe Spielfreiheit trotz linearen Missionsverlaufs + erstklassige Synchronisation und filmreifer Soundtrack + Online-Mehrspielermodus + Optisch gelungene PS2-Version …

Contra:
- …aber kaum verbesserte Grafik auf PC und Xbox - relativ kurze Spielzeitvor allem auf kurze Distanz effektiv.
Mine Gun Verschießt Minen entweder mit Fern- oder Annäherungszünder.

Rail Laser Kann durch Wände schießen. Im Sekundärmodus wird eine art Energiebombe abgeschossen, die alles in der Umgebung vernichtet.

Riot Wall Erzeugt nach dem Wurf einen Energieschild als Barriere, um in Deckung gehen zu können.

Spider Bot Folgt dem Spieler und schießt eigenständig auf Gegner, so lange bis der Bot zerstört wird.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ packend gescriptete, temporeiche Missionen + umfangreiches, ausgeklügeltes Waffenarsenal + hohe Spielfreiheit trotz linearen Missionsverlaufs + erstklassige Synchronisation und filmreifer Soundtrack + Online-Mehrspielermodus + Optisch gelungene PS2-Version …

Contra:
- …aber kaum verbesserte Grafik auf PC und Xbox - relativ kurze Spielzeit