Die Rennspielsaison beginnt und der britische Entwickler Slightly Mad Studios bringt Project Cars 2 frühzeitig an den Start. Hilft der Vorsprung im Konkurrenzkampf mit Forza Motorsport 7 und Gran Turismo Sportt?

Schöne Autos, schöner Song im Hintergrund - so gut sieht Project CARS 2 aus:

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Mit dem Aufkommen von 3D-Grafikkarten und leistungsfähigen Heimkonsolen Mitte der Neunzigerjahre erlebten Rennspiele einen wahren Boom. Doch in den vergangenen Jahren fristete das Genre eher ein Schattendasein und man hatte das Gefühl, als sei dessen beste Zeit erst einmal vorbei.

Doch ein Blick auf die Release-Liste des kommenden Weihnachtsgeschäfts offenbart eine Renaissance der Racing-Games: F1 2017 stellte seine Klasse bereits unter Beweis, Need for Speed: Payback steht in den Startlöchern und mit Forza Motorsport 7 und Gran Turismo Sport treten in Kürze zwei Exklusiv-Schwergewichte zum Duell an.

Project CARS 2 - Geiler Racer, müde Karriere

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Project Cars 2 besitzt viele Lizenzen, stellt aber beispielsweise Rennklassen wie Formel 1 mit nachgebauten Modellen nach
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Den Anfang macht jedoch Slightly Mads Rennsimulation Project CARS 2. Nachdem der 2014 veröffentlichte Vorgänger noch die Unterstützung der Crowdfunding-Community benötigte, erscheint der zweite Teil nun ganz offiziell und misst sich auch sogleich mit den ganz Großen des Genres.

Auch für Einsteiger?

Rennsimulationen richten sich in erster Linie an eingefleischte Fans. Und diese sind gerne bereit, auch die langen Wege zu gehen. Das sah man beispielsweise im ersten Project Cars. Mit dem Nachfolger aber entfernen die Macher sich spürbar von dieser Marschroute und so begrüßt mich der Renningenieur freundlich, aber bestimmt und erklärt mir jeden Bildschirm und seine Funktionen.

Packshot zu Project CARS 2Project CARS 2Release: PC, PS4, Xbox One: 22.9.2017 kaufen: Jetzt kaufen:

Während Erläuterungen für das Hauptmenü für einen erfahrenen Spiele zweifellos mühsam sind, macht sich der gute Mann spätestens im Tuning-Bereich bezahlt. Denn anstatt dass ich mich hier mit Bremskraft und Reifendruck herumplagen muss, gibt es nach der ersten Probefahrt ein einfaches Frage-Antwort-Spiel und schon liefert der Renningenieur ein passables Wagen-Setup. Für jemanden wie mich, der Rennsimulationen zwar liebt, aber nur selten Zeit und Muße für das Austüfteln neuer Einstellungen mitbringt, ist das ideal.

In die gleiche Richtung gehen die Optionen zur Fahrphysik selbst. Ich bestimme, wie anspruchsvoll Project Cars 2 sein soll. Mit Fahrhilfen bleibt das Spiel für Einsteiger gut kontrollierbar oder eignet sich für eine launige Runde zwischendurch. Doch spätestens beim Schwierigkeitsgrad „Authentisch“ wird es kompliziert – dann steuern sich die Boliden wie in der Realität (oder zumindest fast). Ältere Fahrzeuge besitzen weniger Komfortfunktionen, fühlen sich aber weitaus schwerer an. Aktuelle Modelle dagegen haben deutlich mehr Power und sind dadurch sensibler.

Project CARS 2 - Geiler Racer, müde Karriere

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Im Open-Wheeler sitzt ihr tief auf der Strecke. Das sorgt für ein noch unmittelbareres Geschwindigkeitsgefühl.
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Das grenzt fast schon an Arbeit

Den besten Eindruck hinterlässt Project Cars 2 zweifellos mit der Kombination aus Lenkrad und Pedalen. Dank Force-Feedback-Unterstützung spüre ich die Kraft der Autos und muss selbst in Kurven dagegen ankämpfen. Die Rennsimulation ist dann keine „Spielerei für nebenbei“ mehr, sondern erfordert höchste Konzentration und Muskelschmalz. Puristen werden das Spiel für diesen Authentizitätsgrad lieben. Löblich: Die Controller-Steuerung war im Vorgänger noch eine einzige Baustelle, diesmal funktionieren die Standardeinstellungen besser. Wer jedoch wirklich Bestzeiten einfahren will, sollte hier noch einmal einen Blick in die Optionen riskieren. Ich jedenfalls habe die Einstellungen noch ein klein wenig auf meine Wünsche angepasst.

Gleiches gilt im Übrigen für Fahrer-KI, deren Aggressivität und Intensität ich justieren kann. Auch hier verzeichnet Project Cars 2 gewaltige Fortschritte im Vergleich zum Vorgänger. An die Drivatare eines Forza reichen die Computer-Piloten noch nicht heran, insgesamt leisten sie aber gute Dienste. Sie wirken nicht wie Fremdkörper, sondern fahren ambitioniert mit und machen zwischendurch Fehler. Gelegentlich sind sie etwas zu rabiat, aber diese Momente sind verschmerzbar.

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Achtung! Wassereffekte sehen nicht nur hübsch aus, sondern sorgen auch für ein gänzlich anderes Spielgefühl
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Driving in the rain

Denn ansonsten gehört Project Cars 2 mit Sicherheit zu den besten Rennspielen der letzten Jahre und legt eine flotte Sohle auf den Asphalt. Mit über 180 teils lizenzierten Autos und insgesamt 29 Rennklassen gibt es mehr als ausreichend Material für hitzige Rennen. Jedes Vehikel fährt sich anders und durch die wilde Mischung aus Touren- und Straßenwagen, sowie Rallye-Boliden, Open-Wheelern und sogar Karts kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Im freien Modus schöpfe ich gleich zu Beginn aus dem Vollen und mixe den Fuhrpark wild durcheinander, ehe ich auch noch 18 Wetterbedingungen in den Topf hineinwerfe.

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Die dynamischen Wetter- und Tages- und Nachtwechsel gehören zu den Highlights des Spiels.
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Wieso nicht mal mit dem Ferrari über die schneebedeckten Straßen Schwedens brettern? Oder mit dem Kart über die Nordschleife? Die Streckenverhältnisse variieren stark und speziell besagte Wetterwechsel zwingen mich immer wieder zum Anpassen meiner Rennstrategie. Beginnt es zu regnen, muss ich mich wirklich in Acht nehmen. Nicht nur, dass die Strecke dann rutschig wird und sich spontan Pfützen bilden, sondern vor allem, weil dadurch meine Reifen abkühlen. Das macht die Sache noch gefährlicher. Project Cars 2 simuliert viele Unwägbarkeiten des Motorsports und erschafft dadurch eine absolut glaubhafte und vor allem fordernde Rennsimulation. Wenn ich einen Fehler mache, dann liegt es nicht am Programm: Ich war einfach zu unaufmerksam, zu risikobereit oder einfach unfähig.

Starke Rennsimulation mit gelungener Technik und vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten. Leider enttäuscht die Karriere!Fazit lesen

Das ist nicht meine Karriere

Meine Euphorie erleidet allerdings im Karrieremodus einen kleinen Dämpfer. Während die freien Rennen Benzin förmlich verströmen, fühlt sich „das Leben eines Rennfahrers“ allzu seicht und langweilig an. Okay, ich entscheide, wo ich einsteige und muss nicht in den untersten Klassen loslegen. Gut, es gibt auch innerhalb der Cups ein paar Entscheidungsmöglichkeiten. Aber insgesamt fehlen mir hier einfach die Emotionalität und das Drumherum. Ein paar Filmchen genügen nicht, um mich so richtig in Rennspielstimmung zu bringen. Vielmehr fühlt es sich so an, als hätte sich Slightly Mad mit seinem Vorgängerkonzept selbst in die Enge getrieben. Daran ändern auch Hersteller-Events, Trophäen und Belohnungen nichts. Insgesamt mangelt es der Karriere an einem wirklichen Grund, weshalb man sie spielen sollte. Die Konkurrenz macht das teils bedeutend besser. Eine völlige Katastrophe ist der Karrieremodus aber trotzdem nicht – schließlich machen die Rennen aufgrund des starken Gameplays immer wieder Spaß.