Zwei Trilogien, sechs Teile – mit „Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant“ geht eine echte Erfolgsgeschichte zu Ende. Angeregt durch die Errungenschaften von Dr. Kawashima und der damit verbundenen Etablierung von Handheld-Denksport, startete 2008 eine Knobel-Saga von bisher unerreichter Qualität. Deswegen ist es nur verständlich, dass die Entwickler von Level-5 seit dem Serien-Erstling kaum einen Zentimeter von ihrer Erfolgsformel abgewichen sind.

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„Wie wär's mit 'nem Tausch? Ich sage euch, was ich weiß, wenn ihr mir vorher ein Rätsel löst. Einverstanden?“ Dieses verlockende Angebot eines kleinen Mädchens relativ zu Beginn der Handlung erklärt im Wesentlichen das Grundprinzip der „Professor-Layton“-Spiele. Durchfragen und Rätsel lösen – das ist die verblüffend erfolgreiche wie unaufgeregte Ermittlungstaktik des renommierten Archäologen, der sich mit ganzem Herzen der Wissenschaft verschrieben hat.

Überraschend und witzig

Des Professors Neugier führt euch dieses Mal auf die Fährte einer längst vergessenen Zivilisation. Als Unterstützung sind – wie gewohnt - der naive Lehrling Luke und die pragmatische Assistentin Emmy mit an Board. Auch der Verlauf der Handlung weicht zunächst kaum von ausgetretenen Pfaden ab. Ihr sucht Artefakte und müsst euch dabei machtgierigen Kontrahenten erwehren, die zweifelsohne böse Absichten zu hegen scheinen.

Auf den ersten Blick schreit eine solche Expedition nicht wirklich nach Spannung. Das ist aber ein fataler Trugschluss. Tatsächlich treten mit zunehmender Spieldauer immer mehr Dinge zu Tage, die die Ausgangslage enorm verändern und dadurch einen erkenntnisreichen zweiten Blick auf das bisher Erlebte zulassen.

Wer also die Gespräche der handelnden Personen ignoriert, um sich ungebremst in die Rätsel zu stürzen, dem entgeht einiges. Neben der Story versäumt man auch die z.T. recht witzigen Dialoge, die ein wenig mit den Klischees der Reihe spielen und auch Anspielungen auf spätere Wendungen bereithalten. Zudem betritt eine ganze Schar an unterschiedlichsten Personen die Bildfläche, von denen so ziemlich jede ihren ganz eigenen Charme versprüht. Vom hilflosen kleinen Mädchen bis zum griesgrämigen alten Haudegen ist alles dabei.

Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant - Ob es wohl auch Badekappen in Zylinderform gibt?

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Da hat unsere Begleitung aber Glück gehabt.
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Ein Lächeln auf die Lippen zaubern natürlich auch die Rätsel wieder. Wenn nach zwei, drei knüppelharten Logik-Marathons die Lösung plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt, man den Wald aber vor lauter Bäumen nicht gesehen hat, läuft das Gesicht rot an und man hofft, dass nie einer heraus bekommt, dass man für dieses Rätsel wirklich Hinweismünzen verschwendet hat.

Packshot zu Professor Layton und das Vermächtnis von AslantProfessor Layton und das Vermächtnis von AslantErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Ein alter Hut

Dass Level-5 bei den Rätseln mal wieder die Muskeln spielen lässt, ist die eine Seite der Medaille. Ein großer Wermutstropfen aber ist die verpasste Innovation. Warum zum Teufel soll ich mich z.B. durch jedes einzelne Areal klicken, um lieblos versteckte Hinweismünzen aufzusammeln? Diese vollkommen veraltete Spielmechanik ödet nicht nur an, sondern kann einen vor allem in der spannenden Endphase auch emotional rausreißen. Ein simples Belohnungssystem für gutes Abschneiden in den Rätseln oder kurzweilige Minispiele, in denen man sein Münzenkonto auffüllen kann, würden den Spielfluss viel besser am Laufen halten und sich weniger zwanghaft anfühlen.

Umso ärgerlicher, dass der einzig neue Impuls, die Krempeljagd, bei der ihr via SpotPass eure Freunde zum Sachensuchen schicken könnt, ein ebenso dröges Vergnügen darstellt. In jeder neuen Ortschaft findet man so viele unterschiedliche Sachen, dass dabei selbst die Freude über das Finden der eigentlich abwechslungsreich im Spiel integrierten Kuriositäten verpufft.

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Der obligatorische Griff an den Zylinder darf in keinem Gespräch fehlen.
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Eine antiquierte Spielerfahrung beschert euch „Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant“ aber nicht. Hübsche Landschaften, die durch vorbeifahrende und fliegende Objekte zum Leben erweckt werden und Zwischensequenzen auf hohem Anime-Niveau kitzeln einiges aus dem 3DS heraus. Dennoch schade, dass die Mimik und Gestik außerhalb des geskripteten Materials selten über einen gestreckten Zeigefinger oder eine immer gleich platzierte Träne hinausgeht.

„Ob es wohl auch Badekappen in Zylinderform gibt?“

Das mit der regungslosen Mimik gehört aber natürlich auch zum klassischen Typus des unterkühlten Gentlemans, der von Professor Layton mal wieder par excellence vertreten wird. Sein Konterpart, der etwas schmierige Professor Locklair, weiß ebenfalls bestens zu unterhalten, wenn es darum geht, witzige Reaktionen anderer Figuren hervorzurufen. Immer mal wieder werden die beiden Professoren ordentlich aufs Korn genommen. Und dann gibt es da noch diese charmante „Layton-Logik“, die dafür sorgt, dass Frauen Türen eintreten und ein Mann, der seit Jahr und Tag mit dem selben orangefarbenen Oberteil unterwegs ist, Outfits für die Damenwelt zusammenstellt.

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Auf seiner letzten Reise muss sich der Professor einiges gefallen lassen.
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Zu einer echten Ulknudel wird der Professor auf seine alten Tage aber nicht mehr. Humor wird an den Stellen eingestreut, an denen sich auch die Handlung eine Pause nimmt und unsere Helden ausnahmsweise mal über die immense Bedeutung ihrer Mission hinwegsehen können. Bei einer solch breiten Zielgruppe, wie sie von „Professor Layton“ angesprochen wird, darf es dann im Gegenzug aber ebenso wenig verwundern, dass zahlreiche Story-Elemente nur mit viel kindlicher Naivität zu akzeptieren sind. Fragt euch am besten nicht, wie der Toaster in den Saloon kommt und eine einzelne Person an drei Orten gleichzeitig Urlaub machen kann.

Hut ab, Herr Professor. Der konservative Gentleman bleibt sich treu und bei seinen Fans in guter Erinnerung.Fazit lesen

Vieles bleibt ein Rätsel

Die Einbindung der Rätsel im Spiel entbehrt z.T. auch einer gewissen Logik. Ein Beispiel: Um von Ort zu Ort zu kommen, ist ein Tank zu befüllen. Doch dieses Rätsel ist nur optional und das Fortbewegen klappt unabhängig davon. Dies ist letztlich aber eine der wenigen Ungereimtheiten, die einem Großteil an Rätseln gegenüberstehen, die wirklich passend im Spiel integriert sind. Das Routen berechnen, Schlösser knacken und Schriftzeichen entschlüsseln macht nicht nur Spaß, sondern fühlt sich auch sinnvoll an.

Obwohl das ein oder andere Rätsel mal recycelt wird, ist innerhalb der Rätsel eine hohe Abwechslung geboten. Selbst die wiedergekäuten Versionen einiger Rätsel sorgen statt Überdruss eher für Wiedersehensfreude. Es steckt nämlich viel Liebe im Detail. Die Umstände, die zu den Problemen bzw. den Rätseln geführt haben, sorgen genau wie die kleinen Anmerkungen danach für ein paar Schmunzler. Zudem sprechen eingebaute Wortwitze sowie dem Kulturkreis angepasste Beschreibungstexte für ein fähiges Übersetzer-Team.

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Nach sechs Teilen stoßen auch die fiesesten Bösewichte mal an ihre Grenzen.
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Die drei Minispiele, für die man nach und nach Level freischalten kann, sind ebenfalls gut gelungen und bieten eine schöne Alternativbeschäftigung, wenn man mal eine Auszeit von der Handlung braucht. Das kann bei der immensen Spieldauer schon mal vorkommen. Minispiele, Sammelbares und die riesige Palette an Rätseln bieten zusammengenommen einen Umfang von ca. 30-50 Spielstunden; natürlich stark davon abhängig, wie schnell es bei dem ein oder anderen Rätsel jeweils Klick macht.

Solltet ihr an einer Stelle feststecken, könnte sich ein Blick in unsere Prof. Layton Komplettlösung lohnen.