Autor: Andreas Müller

Endlich ist es soweit - das Videosportspielereignis des Jahres steht uns ins Haus. Die Kontrahenten "FIFA 07" und "Pro Evolution Soccer 6" treten zum großen Duell in der Xbox 360-Arena an. Während man in der EA Sports-Kabine noch die Schuhe schnürt, betritt der Herausforderer "PES" unter euphorischem Jubel der Fans den Rasen. Wir schreiten zum Test und berichten, ob "PES" die Genrespitze auch weiterhin verteidigen kann.

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Bereits auf der diesjährigen Games Convention konnten wir "Pro Evolution Soccer 6" auf der Xbox 360 anspielen, während bei EA Sports lediglich die PS2-Version von "FIFA 07" spielbar war. Vor einigen Wochen wurde dann zum ersten Mal die Katze aus dem Sack gelassen und eine spielbare Demo von "FIFA 07" für die Xbox 360 veröffentlicht. Bereits die Demo ist eine erneute Kampfansage an die Konkurrenz von Konami, denn neben zahlreichen Lizenzen und der gewohnt superben Präsentation, bietet das Spiel spürbar realistischeres Gameplay. Optimale Voraussetzungen für ein spannendes Duell - Zeit für den Anstoss!

Pro Evolution Soccer 6 - Fußball ist immer noch wichtig: PES 6 stürmt die virtuellen Stadien!

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Tor gegen Inter Mailand - der Stürmer freut sich, in der Abwehr gibt's lange Gesichter.
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Bereits kurz nach dem Einlegen der Disc, präsentiert sich das neue "PES" durchaus ansprechend. Ein dynamisches Intro mit flotter Musik und sehenswerten Tricks versprüht den neuen Charme der Serie. Auch die Menüs wirken aufgeräumt und wurden mit frischen Farben sehr angenehm gestaltet. Die eher hektische Musik im japanischen Stil dürfte stark polarisieren und erstaunte uns angesichts der Tatsache, dass beim letzten Mal bereits Tracks verwendet wurden, die auf den westlichen Markt ausgerichtet waren.

Lizenzmisere
Bei der Wahl der Teams wird zwischen Nationalmannschaften und Vereinen unterschieden. Wenig begeistert hat uns die Tatsache, dass die deutsche Liga durch Abwesenheit glänzt. Lediglich den FC Bayern München findet ihr unter "Andere Ligen". Selbst in vorhandenen Divisionen wie beispielsweise der englischen Premier League wurden die Namen einiger Vereine verfremdet. Da ihr per Editor zwar die Spieler bearbeiten, dafür aber weder Vereine erstellen noch editieren könnt, lässt sich dieses unschöne Defizit auch nicht beseitigen.

Packshot zu Pro Evolution Soccer 6Pro Evolution Soccer 6Erschienen für PC, PS2, Xbox 360 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Die Wahrheit liegt auf dem Platz!
So ärgerlich die Lizenzmisere auch ist, die uns in Deutschland dieses Jahr besonders hart trifft, so schnell ist das Ganze vergessen, sobald ihr ein Spiel bestreitet und in den Genuss des genialen Gameplays kommt. Wie von "Pro Evolution Soccer" gewohnt, merkt man dem Spiel ständig an, dass der Chefentwickler selbst Fan des Sports ist und das Spiel so realistisch wie möglich gestaltet.

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Schön zu sehen, dass die Trikots (wie hier das der Holländer) dem realen Vorbild entsprechen.
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Angefangen bei der Ballphysik über die KI der Mitspieler bis hin zu den unzähligen Animationen - das Spiel bietet Fußball, wie man ihn sonst nur von realen Partien kennt. So lässt sich beispielsweise beobachten, wie ein angreifender Spieler aus vollem Lauf in das Tornetz rennt, wo er sich mit den Händen abfängt. Beim Torjubel springt der Schütze auch gelegentlich über die Bande, um den Treffer mit den Fans zu zelebrieren. Besonders bei den Kopfbällen wurden der neusten Version viele zusätzliche Animationsphasen spendiert. Der Zusammenschnitt der Highlights zur Halbzeit und am Ende des Spiels zeigt zudem durchweg Szenen, die völlig authentisch wirken.

Realismus pur!
Wer die Qualität eines Fußballspiels über die Anzahl der gefallenen Tore definiert, wird bei "Pro Evolution Soccer" womöglich nicht auf seine Kosten kommen. Ein Match zwischen zwei erfahrenen Gamern kann durchaus torlos enden und trotzdem seinen Reiz haben. Dies liegt vor allem daran, dass die Feldspieler geschickt die Räume eng machen und ihre Gegner diszipliniert decken.

Zudem ist auch der Abschluss bei "PES" recht schwierig: Die Schusstaste muss mit äußerster Präzision bedient werden, und viele weitere Faktoren wie die Position zum Tor oder die Anzahl von Abwehrspielern in unmittelbarer Nähe entscheiden darüber, ob der Ball gefährlich wird oder hoch auf die Tribüne fliegt. Beim Dribbling habt ihr mit Übersteigern und der mittlerweile nahezu legendären Zidane-Drehung einige Möglichkeiten, die gegnerische Abwehr alt aussehen zu lassen. Das eigentliche Dribbling passiert jedoch bei "PES" - vorzugsweise per Steuerkreuz - durch gezielte Richtungsänderungen, mit denen ihr den Ball abdeckt und euch Vorteile erarbeitet.

Gute Schiedsrichterleistung!
Erfreulich ist, dass die Schiedsrichter dieses Jahr etwas großzügiger agieren und kleinere Fouls und Schubser gelegentlich durchgehen lassen. Das wirkt sich positiv auf den Spielfluss aus, ohne unfaires Spielverhalten zu tolerieren. Wer unbeherrscht zu Werke geht, von hinten in die Beine grätscht oder als letzter Mann die Notbremse zieht, fliegt gnadenlos vom Platz. Die Vorteilsregel wurde sogar soweit ausgebaut, dass der Spielzug zu Ende geführt werden kann und der foulende Gegenspieler im Anschluss gegebenenfalls noch mit einer gelben Karte bedacht wird.

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Auch bei "PES" ist der gut zwei Meter große Jan Koller ein Albtraum für die Abwehr!
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Freistöße im Mittelfeld könnt ihr neuerdings sogar schnell ausführen, indem ihr beide Schultertasten gedrückt lasst. Auf diese Weise spielt ihr schon den Steilpass in die Spitze, während sich die Abwehr noch auf einen Freistoß einstellt.

Technische Schwächen
Wer beim ersten "PES" für eine Next-Generation-Konsole einen grafischen Quantensprung erwartet hat, wird leider enttäuscht. Zwar profitiert das Spiel von der hohen HD-Auflösung, darüber hinaus wird aber leider wenig Neues geboten. Spieler und Stadien wirken kaum detaillierter als im Vorjahr, und auch mit Lichteffekten wird gegeizt. Da das Spiel aufgrund der zahlreichen und hervorragenden Animationen jedoch in Bewegung deutlich besser aussieht als auf Standbildern, sind unsere Screenshots nicht unbedingt repräsentativ. Sobald man das Spiel in Bewegung sieht, stellt sich trotz technischer Schwächen sehr bald das Gefühl ein, einer realen Fußballübertragung beizuwohnen.

Meisterlich
Auch dieses Jahr sorgt der Meisterliga-Modus bei Einzelspielern für Langzeitmotivation. Dabei wählt ihr einen Club eurer Wahl und startet mit einer sprichwörtlichen Gurkentruppe in einer der unteren Ligen. Mit jedem geschossenen Tor und jedem erzielten Punkt fließt Geld in die Vereinskasse, mit dem ihr euren Kader finanzieren und aufstocken könnt. Dank Konditionstraining und umfangreichen taktischen Möglichkeiten, kitzelt ihr die optimale Leistung aus eurer Mannschaft.

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Stars wie Adriano wurden besonders authentisch nachgebildet.
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Im Gegensatz zu früheren Teilen erfolgt das Training jetzt schnell und einfach per Tastendruck. Statt tatsächlich auf dem Übungsplatz zu landen, bekommt ihr das Ergebnis der Trainingssession nun direkt im Menü präsentiert. Im Laufe der Saison entwickeln sich eure Spieler - sowohl positiv als auch negativ. Neben dem Ligaalltag dürft ihr auch an lukrativen Pokalwettbewerben teilnehmen und somit zusätzliche Gelder einfahren. Insgesamt ein sehr interessanter Spielmodus, der auch langfristig Spaß macht!