Als Samuel Eto'o vor vielen Jahren seinen Dienst beim altehrwürdigen FC Barcelona antrat, bekamen die anwesenden Journalisten auf dessen erster Pressekonferenz Folgendes zu hören: „Ich verspreche keine Tore. Ich verspreche nur zu laufen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weißer.“ Solch ein Satz wäre unter dem riesigen medialen Brennglas, unter dem die Stars der Fußballbühne heutzutage stehen, ein Grund für ein mittleres Erdbeben gewesen. Insbesondere in Anbetracht unserer aktuellen Social-Media-Landschaft ist kaum vorstellbar, dass die provokante Aussage Eto'os damals kaum jemanden zu interessieren schien. In der Hinsicht hat sich seitdem viel geändert. Nicht geändert hingegen hat sich der Stellenwert, den der FC Barcelona im Weltfußball besitzt und so hat sich Konami eben jenen katalanischen Weltklub als Exklusivpartner gesichert – aber auch einen für vor allem deutsche Fans essenziellen Klub der PES-Reihe ziehen lassen müssen: den FC Bayern München.

Der deutsche Rekordmeister ist in diesem Jahr nämlich Exklusivpartner der FIFA-Reihe aus dem Hause EA und so müssen die Fans sich mit den Bayern-Spielern begnügen, die auch in ihrer jeweiligen Nationalmannschaft vertreten und so wieder auf dem freien Markt zu finden sind. Generell ist die Lizenzarmut in diesem Jahr so deutlich wie lange nicht mehr. Die Bundesliga fehlt wie immer vollständig. Die italienische Liga ist unter den vier Top-Ligen noch die mit den meisten lizensierten Mannschaften – Juventus Turin musste aber trotzdem verfremdet werden, auch wenn das nur den Vereinsnamen betrifft und der Klub ansonsten natürlich den echten Kader besitzt.

Das gleiche Schicksal hat in diesem Jahr aber auch ein Real Madrid, Bilbao und sogar FC Porto ereilt. Das war für PES-Fans nie ein großes Problem, zumal das Patchen auf der PS4 in diesem Jahr stark vereinfacht wurde. Für mich als Xbox-One-Besitzer aber leider weiterhin ärgerlich. Würde man mich fragen, würde ich im Lizensierungsbereich von Sportligen generell für ein Exklusivrechte-Verbot plädieren.

Denn so könnte die kritische Stimme ja auch argumentieren, dass EA sich immer mehr Exklusivrechte sichert, weil es spielerisch permanent den Atem im Nacken spürt und sich so gegen sinkende Zahlen absichern will in Zukunft. Ich bin für gleiche Rechte für alle Kontrahenten – denn nur so entsteht ein eigentlich fairer Wettbewerb. Aber zurück zu erfreulicheren Dingen, nämlich den Neuheiten in den beiden beliebtesten Modi der Reihe: der Meisterliga und dem myClub. Diese beiden Mod haben auch die größten Änderungen erfahren, denn ein Pendant zu FIFAs sehr beliebtem Pro-Club-Modus sucht man auch in diesem Jahr vergeblich.

Dafür ist der Menüaufbau überholt worden und wurde deutlich strukturierter, übersichtlicher und hübscher aufgearbeitet. Das fällt auch in der Meisterliga auf, die in diesem Jahr mehr mit punktuellen Verbesserungen als einer Generalüberholung daherkommt. So gibt es jetzt am letzten Transfertag, dem sogenannten „Deadline Day“ die Möglichkeit, den letzten Tag im Stundentakt fortlaufen zu lassen, um wichtige Transfers noch in wortwörtlich letzter Minute realisieren zu können. Praktisch: Damit ihr nicht alle Nase lang lächerliche Angebote für eure verdienten Spieler bekommt, könnt ihr nun auch angeben, für welche Spieler ihr nur bei entsprechend interessantem Angebot gesprächsbereit wärt.

Pro Evolution Soccer 2017 - Die spielerische Essenz der schönsten Nebensache der Welt

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Nach all den Jahren immer noch dabei und der unangefochtene Star: der Ball.
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Neu ist auch die Möglichkeit, einmal im Jahr einen Lieblingsspieler eures Teams festzulegen. Inwiefern euch das Vorteile bringt, kann noch nicht gesagt werden, aber vielleicht entwickelt der Spieler sich dann besser oder ist bei eurem Vereinswechsel als Trainer eher gewillt, euch zu folgen. Manager, die Spiele auch im Co-Trainer-Modus simuliert haben, um Zeit gegen schwächere Teams zu sparen, wird auch freuen, dass diese Partien nun ebenfalls bei der monatlichen Spielerstatistik gewertet werden und nicht mehr nur die Spiele, die man selbst gespielt hat. Die größte Änderung in der Meisterliga hat aber wohl das Training erfahren, in dem es jetzt möglich ist, jede erdenkliche Spezialfähigkeit, Teamrolle, Positionsausrichtung oder jeder gezielte Spielerattribut zu trainieren und für jeden Spieler festzulegen.

Packshot zu Pro Evolution Soccer 2017Pro Evolution Soccer 2017Erschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: ab 48,22€

Wer die Geschicke seines Vereins lieber online und gegen andere Spieler lenken möchte, der greift natürlich zum MyClub-Modus – und der hat wirklich sinnvolle Ideen spendiert bekommen, die den Modus unterhaltsamer als noch im letzten Jahr gestalten. Im letzten Jahr musste man sich sein Team entweder mit viel Geld oder viel Glück nach seinen Wünschen zusammenstellen und sich mit dem arrangieren, was einem das Ball-Roulette ausgespuckt hat. Auch in diesem Jahr setzt Konami wieder auf das Zufallsprinzip, allerdings lassen sich die möglichen zu ziehenden Spieler nun dank des Einsatzes von bis zu drei Scouts so dramatisch eingrenzen, dass (dank Vorschau über die in der Kombination zu ziehenden Spieler) der eigene Lieblingsspieler wirklich gezogen werden kann – die richtige Kombination an Scouts und deren Qualität (1-5 Sterne) natürlich vorausgesetzt.

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Lange fühlte sich der beliebteste Sport der Welt nicht mehr so gut an.
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Nach jedem gespielten oder simulierten Spiel erhält der Spieler einen solchen Scout. Wer einen entscheidenden Scout nicht hat, ihn aber partout nicht zugelost bekommt, kann sich im Auktionshaus umschauen, in dem die Spieler sich ein Wettbieten um begehrte Scouts liefern. Verkauft ihr eure Scouts, wandern diese allerdings nicht ins Auktionshaus. Durch das Versteigern der eigenen Agenten wird also niemand zum Millionär – zumindest nicht in diesem Jahr.

Durch dieses übersichtlichere und berechenbarere System steigert Konami den Motivationsfaktor allerdings erheblich, weil der Spieler nun weiß, dass jeder Scout das entscheidende letzte Puzzleteil auf der Jagd nach seinem Lieblingsspieler sein kann. Auch in diesem Jahr können Spieler wieder von aussortierten Spielern trainiert werden, und es kann an wöchentlichen Turnieren, Herausforderungspokalen und natürlich wieder den klassischen Ligen teilgenommen werden.

Wer PES 6 immer noch für den King hält, hat in diesem Jahr seinen Thronfolger.Fazit lesen

Mach mal (Fußball-)Ballett jetze!

Genug der Neuheiten abseits des Rasens, denn auf dem Rasen hat sich ein virtuelles Spielchen lange nicht mehr so befriedigend angefühlt. Das Spielgeschehen läuft in diesem Jahr noch ein Stück langsamer ab als im letzten Jahr, was sich somit noch authentischer anfühlt. Es mag ja sowohl im PES- als auch im FIFA-Fanlager diese Geschwindigkeits-Fetischisten geben, denen es in einem „realistischen“ Fußballspiel offenbar nicht schnell genug gehen kann. Meiner Meinung nach entscheidet in solch einem Match dann aber nicht der Spieler die Partie für sich, der die besten Entscheidungen trifft, sondern nur der, der die schnellste Reaktionsfähigkeit besitzt. Ein bisschen wie der Vergleich zwischen der Tony-Hawk-Reihe und der Skate-Serie.

Unbestritten ist auch, dass die prominenten Spieler mitunter erschreckend realistisch aussehen – wenn man das Problem mit den Augen (scheinbar hat jeder zweite Spieler stahlblaue Cyborg-Augen) mal außen vorlässt, sehen die meisten Spieler sogar trotzdem lebensechter aus als beim diesjährigen Konkurrenten. Konami weiß seine Fox-Engine in puncto Spielerdarstellung weitaus besser zu nutzen. Das Publikum wirkt höher aufgelöst, auch wenn dort noch Luft nach oben und auch die Stadionvielfalt leider sehr überschaubar ist.

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Bessere Physik und die Fox Engine machen eine Menge her.
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Die Physik bei Kollisionen wurde verbessert und die Spieleranimationen wirken jetzt vielseitiger und flüssiger und transportieren sogar Emotionen im Laufe des Spielverlaufs. Während der Stürmer nach einer verpassten Torchance in den Anfangsminuten oder bei einer Führung noch relativ entspannt abtut, wird da bei größerem Druck schon mal die Faust ins Gras geschlagen oder es kommt bei einem Foul bei entsprechendem Spielstand zu Rudelbildung. Das lässt sich bei jeder einzelnen Spielsituation beobachten - die Spieler reagieren auf jede Spielsituation, ob nun Fouls, Einwürfe, Abstöße, Ecken, gute Grätschen, verpasste Chancen – die fließenden Übergänge der Spieler zwischen den Animationen sind wunderbar anzusehen.

Die Schiedsrichter pfeifen nun deutlich kleinlicher als noch im Vorgänger und sparen auch nicht mit roten Karten – bei entsprechend inflationärem Einsatz der Blutgrätsche zückt der Unparteiische auch schnell mal den roten Karton. Aber den größten Sprung haben wohl die Torhüter gemacht. War ein flacher Ball in eine der Ecken beim Vorgänger noch das Allheilmittel, reagieren die Torhüter bereits ab der Schwierigkeit „Profi“ (der dritten von fünf Schwierigkeiten) mitunter so gut, dass sich ein Swansea-Keeper in diesem Jahr besser als Manuel Neuer im Vorjahr anstellt. Das kann mit der etwas erschwerten Zielhilfe bei Schüssen mitunter für Verzweiflungsmomente sorgen, macht doch aber auch den Reiz aus und gibt dem Spiel auch das befriedigende Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben. Selbst Nachschüsse in die unteren Ecken aus kürzester Distanz wurden teilweise so unglaublich gut abgewehrt, dass ich nicht wissen möchte, was mich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad erwarten wird.

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Bessere Physik und die Fox Engine machen eine Menge her.
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Dagegen hilft nur ausgeklügeltes Passspiel und eine gute Chancenerarbeitung, die sich nun mit den zusätzlichen taktischen Möglichkeiten bieten. Neben zusätzlichen taktischen Schnellbefehlen, die auf die vier Digipad-Tasten gelegt werden können, können sowohl offensiv als auch defensiv mit denselben Tasten Eckstoßstrategien ausgelöst werden, die vom Team auch sofort umgesetzt werden und gut funktionieren. Auch die adaptive KI macht ihren Job bisher sehr gut und richtet sich nach eurem Spiel. Spielt ihr gern über die Außen, werden diese früher angelaufen oder gedoppelt.

Konzentriert sich euer Spiel auf ein, zwei Mittelfeldstrategen, die den Gegner mit kurzem Passspiel knacken wollen, werden euch die Passwege dichtgemacht und ihr müsst eure Taktik dementsprechend anpassen – oder einfach beharrlicher euren Stiefel runterspielen und einfach besser sein als der Gegner. Spielerisch wirkt PES 2017 in jeglicher Hinsicht verbessert und auf die Kritik aus der Community wurde gehört. Das einzige große Manko der Reihe ist und bleibt die Akustik.

Sowohl was die Vielfalt der Playlist – welche ganze zwölf Songs umfasst – als auch die Kommentare angeht gibt es weiterhin sehr viel Luft nach oben. Man muss dem deutschen Kommentatoren-Duo Hagemann/Küpper zugutehalten, dass sie jetzt ein wenig mehr miteinander interagieren, allerdings wiederholen sich die Kommentare und – was viel schlimmer ist – die alten Kalauer viel zu häufig und so bleibt dann doch nur wieder das Abstellen oder Wechseln zum englischen Kommentar.