Mercedes oder Audi? Xbox- oder PlayStation-Controller? FIFA oder PES? Eigentlich kann man es sehr leicht runterbrechen, auch wenn die Lager sich seit jeher mit größter Inbrunst beharken: Hier kann mittlerweile nicht mehr die grundsätzliche Qualität der entsprechenden Kontrahenten infrage gestellt werden – das Zünglein an der Wage für eine der Seiten macht letzten Endes der persönliche Geschmack aus. Gut, ein wenig unfair ist das schon, schließlich hat EA mit der FIFA-Reihe seit knapp zwei Jahren eigentlich eine Monopolstellung in seinem Genre inne. Doch was ist das? Da tut sich was im PES-Lager...

Früher war mehr Lametta – aber auch weniger Baum

Konami hat es seinen Fans in den vergangenen Jahren schon nicht leicht gemacht. Zu weit weg vom Fußball, der die PES-Reihe schon immer ausgezeichnet hat, zu versucht darin, das Spielgeschehen noch mehr von den individuellen Spielerfähigkeiten abhängig zu machen, als die große Stärke der Serie – das schnörkellose Passspiel und den taktischen Tiefgang – weiter zu optimieren. Man kann sogar sagen, dass die Reihe sich nicht zuletzt auch mit PES 2014 in einer Sinnkrise befand.

Weiterführende Links

Zu sehr hat man versucht, auch die eingefleischten FIFA-Fans beeindrucken zu wollen und sich somit aber so gereckt und gestreckt, dass man dabei die eigene Basis verlassen hatte. Ich muss es hier mal grundsätzlich festhalten und das wird sich auch bis zum Fazit so durchziehen: PES und FIFA sind gar nicht mehr so unglaublich grundverschieden. Mit Pro Evolution Soccer 2015 besinnt sich die Reihe auf ihre Stärken und grenzt sich wieder mehr von der FIFA-Reihe ab. Was aber nicht bedeutet, dass die Entwickler um FIFA 15 nicht wissen, was Fußball ausmacht. FIFA hat trotz der Tatsache, dass es das beste FIFA seiner bisherigen Historie ist, seine Schwächen – so aber auch das neue PES 2015, was trotzdem das beste PES der letzten Jahre geworden ist. Auch den Vergleich zum aktuellen FIFA werde ich öfter aufgreifen.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 9/171/17
Endlich ist das alte PES-Gefühl wieder da!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch widmen wir uns jetzt nicht weiter der Grundsatzdiskussion, sondern all unsere Aufmerksamkeit dem neuesten Baby aus dem Hause Konami. Was einem sofort ins Auge springt, ist das Kachelmenü – seit mittlerweile zwei Jahren jedem FIFA-Spieler bereits bekannt – das die Menüs übersichtlicher und aufgeräumter erscheinen lässt. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde auch der Soundtrack aufgebohrt, leider ist dieser aber nicht sehr umfangreich ausgefallen. Nach elf Songs repetiert sich Avicii zusammen mit Aloe Blacc schon erneut durch unsere Gehörgänge und ich tat etwas, was ich sonst nie tun würde: ich schaltete die drei Konami-eigenen Songs mit dazu, um die Auswahl wenigstens etwas aufzustocken.

Davon mal abgesehen bietet Pro Evolution Soccer 2015 an Spielmodi all das, was im aktuellen FIFA auch möglich ist: Freundschaftsspiele, Online-Ligen, 11-gegen-11, eigene Pokalturniere, Werde-zur-Legende-Modus, aber auch das Austragen der offiziell lizensierten Champions League, der Euro League, der AFC Champions League - dem asiatischen Pendant der Champions League – und natürlich dem Copa Libertadores, der südamerikansichen Champions League. Das Herzstück sind aber der Meister-Modus und der My-Club-Modus.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Die Meisterliga wurde vorsichtig verbessert und auch der My-Club-Modus (quasi das FUT-Gegenstück) kann sich langsam sehen lassen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und die Meisterliga erinnert schon fast wieder an die guten alten Zeiten. Während der letztjährige Modus ja an Minimalismus kaum zu unterbieten war, hat man dieses Jahr wieder etwas mehr das Gefühl, dass sich endlich um Fans des Managermodus' gekümmert wird. Die Zeit läuft wieder kalendarisch und nicht in Wochenblocks ab und Spieler lassen sich individuell trainieren, ohne dafür Kärtchen oder alberne Superschuhe einsetzen zu müssen. Neben der eigenen Jugendmannschaft darf man den Scout entsenden, um sich detaillierte Spieler aus beliebigen Ländern vorschlagen zu lassen.

Trotzdem muss man sagen, dass hier weiterhin noch Luft nach oben ist, denn manche werden sich an all die Features erinnern, die man mittlerweile aus unerfindlichen Gründen weggestrichen hat. So hatte man Mitarbeiter für die verschiedensten Aufgabenbereiche innerhalb des Vereins, mit den Spielern konnten Gespräche abgehalten werden, um diese bei Laune zu halten oder ihnen weniger erfreuliche Nachrichten zu überbringen und getätigte Transfers wurden je nach Prominenz des Neuzugangs entweder per Pressekonferenz oder sogar im Stadion willkommen geheißen. Alles Aspekte, die ich an der Meisterliga von Pro Evolution Soccer immer sehr geschätzt habe und ausschlaggebend dafür, dass ich diesen Managermodus gegenüber dem der Konkurrenz stets bevorzugte.

Vertragsverhandlungen gehen hier weniger komplex über die Bühne. Natürlich lässt sich trotz der Abstinenz von Borussia Dortmund ein Marco Reus verpflichten. Während man als FC Bayern München bei FIFA 15 schon an der Erzfeind-Hürde abprallen, dem guten Reus erst einmal seine Rolle im Verein zusichern und um die Vertragslänge feilschen müssen, muss hier einfach nur das Geld stimmen. Das macht Spielerkäufe/leihen im aktuellen FIFA deutlich interessanter und spannender als in Pro Evolution Soccer 2015

Pro Evolution Soccer hat trotz Mängeln in der Präsentation zu alter Stärke zurückgefunden und bietet hinsichtlich der Spielbarkeit endlich wieder längst vermisstes PES-Feeling.Fazit lesen

Hingegen herausragend gelungen ist der Co-Trainer-Modus. So lässt sich jedes Spiel eurer Mannschaft verfolgen, ohne aktiv eingreifen zu dürfen. Der Clou ist, dass ihr hier jederzeit zwischen einer grafischen Übersicht und der normalen Ansicht des Spielgeschehens wechseln dürft und auf die Echtzeitstatistiken Zugriff habt. Ihr seht jederzeit, wo sich das Spiel bisher größtenteils abgespielt hat, wer bis dato wie viel Ballkontakte hatte, Pässe gespielt hat, auf welcher Höhe sich die Abwehrreihen der beiden Mannschaften befinden und könnt jederzeit taktisch eingreifen. Und das Beste ist: Diese taktischen Änderungen werden sofort umgesetzt und das auch sichtbar. Allein dieser Modus zeigt, mit was für einem Selbstbewusstsein Pro Evolution Soccer 2015 gegenüber der eigenen Umsetzungsfähigkeit der Taktikoptionen heran geht.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 9/171/17
Unrealistisch: Wayne Rooney sitzt nicht auf der Bank.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

My Club! - Nein, my Club!

Mittlerweile dürfte jedem fußballverrückten Spieler klar sein, dass sich im aktuellen FIFA fast alles um den Ultimate-Team-Modus dreht, da dieser einfach um ein Vielfaches mehr als jeder andere gespielt wird – auch als der Managermodus. Konami versuchte seinen treuen Anhängern bereits im letzten Jahr ähnliches zu bieten – mit dem My-Club-Modus.

Nur dass sich dieser in einem elementaren Punkt von FUT (FIFA Ultimate Team) unterscheidet: es gibt keinen Transfermarkt. Spieler werden hier über Agenten verpflichtet, die ihr bei Siegen oder Unentschieden gewinnt oder euch für die entsprechenden GP kauft. Diese Agenten haben unterschiedlichste Spezialgebiete neben der zu suchenden Position: so ist der eine Agent auf portugiesische Spieler spezialisiert, ein anderer auf Spieler, die 30 Jahre und älter sind und so weiter. Diese Agenten sind je nach Fähigkeit eingestuft. Je besser diese sind, desto höher ist die prozentuale Wahrscheinlichkeit, einen Spieler in einem gewissen Stärkebereich zu ergattern.

Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich noch exponentiell steigern, indem ihr mehrere Agenten für eine Suche „verbraucht“. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf einen Treffer in einem bestimmten Spielerstärken-Bereich sind, wird euch auch grafisch dargestellt. Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass ihr den Spieler eurer Wahl bekommt, allerdings lassen sich somit Position und Stärke schon mal eingrenzen. Was dann folgt, ist das klassische Zufallsprinzip mit dem Ziehen eines Balles. Weiße Bälle beinhalten die untersten Stärken, schwarze Bälle stehen für die Top-Spieler der internationalen Ligen.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Jubel!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was bei FIFA die FIFA Points, sind hier die myClub Coins, die mit Echtgeld erworben werden können, was aber bei der Suche nach den Wunschspielern keinen Vorteil bringt – lediglich die Möglichkeit, sich öfter Agenten zu kaufen. Was dann am Ende aber dabei rumkommt, lässt sich trotzdem nicht beeinflussen. Die Frage ist, ob das jetzt fairer ist ohne Transfermarkt. Natürlich gibt es Spieler, die ins FUT 200 Euro aufwärts investieren, ohne Ende Goldpakete ziehen, diese dann verkaufen und sich von dem Erlös ihre Traumelf zusammenstellen.

Spieler, die ohne Ingame-Käufe auskommen wollen, sehen sich da relativ früh in der FUT-Saison Mannschaften gegenüber, die um ein Vielfaches besser als die eigene ist. Im My Club hingegen hat selbst bei prall gefülltem myCoins-Konto niemand gleichzeitig die Garantie auf eine Traumelf, denn auch der beste Agent hat nur eine gewisse Anzahl an schwarzen Kugeln im Lostopf und die Losfee entscheidet über das Fortune.

Es ist und bleibt Geschmackssache. Der eine möchte sich mit dem erspielten oder gekauften Kleingeld seine Traumelf zusammenstellen, auf der anderen Seite muss man sich durch dieses Zufallsprinzip eben auf die gezogenen Spieler einlassen und sich mit diesen näher beschäftigen, um diese in sein Team zu integrieren, denn auch hier ist die Teamchemie ein nicht unwesentlicher Faktor, der durch gleiche Nationalitäten oder Vereine natürlich schneller steigt.

Noch wichtiger ist allerdings der Trainer. Bietet dieser bei FUT nur einen Bonus auf Nationalität oder Liga, verpflichtet ihr hier nicht nur einen Karten-Platzhalter, sondern einen Trainer mit einer festen Formation und taktischen Vorstellungen des Spiels. Da nur ein Trainer pro Partie auf dem Platz kann, sollte man sich also im Vornherein klar über das eigene taktische Konzept sein, denn jeder Trainer bevorzugt neben der Formation auch unterschiedliche Spielweisen, die den Spielern mit gleichen taktischen Vorlieben einen besonderen Bonus verleihen.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 9/171/17
Taktische Anweisungen werden deutlich direkter Umgesetzt als beim großen EA-Konkurrent.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ist das Team gefunden, darf man die Mannschaft entweder gegen computergesteuerte Mannschaften echter PES-Spieler antreten lassen, sich in das direkte Duell mit diesen im klassischen Ligensystem stürzen, oder – und das ist das interessante – sich in der Liga gegen andere Spieler messen, allerdings im Co-Trainer-Modus. Ihr und euer Gegner können also nicht direkt eingreifen, sondern sich nur über taktische Veränderungen und Reaktionen auf den Gegner einstellen. Ein sehr interessanter Modus, der vor allem für Spieler, die grundsätzlich Schwierigkeiten beim Spiel gegen andere PES-Spieler haben, praktisch, aber auch für erfahrene PESler eine interessante Möglichkeit ist, die eigenen taktischen Kenntnisse auf den Prüfstand zu bringen.

Wettbewerbe stehen auch zur Verfügung, nur war davon bis jetzt noch nichts zu sehen. Das wird sich wahrscheinlich erst mit den nächsten Tagen und Wochen ergeben, wenn sich weltweit genug Spieler im My-Club-Modus eingefunden haben. Man darf aber jetzt schon prognostizieren, dass der Umfang an Pokalen wohl kaum die Vielfalt eines FUT bieten wird, zumal diese dort ja auch alle paar Tage mit neuen Pokalturnieren gefüttert werden. Der My-Club-Modus ist Geschmackssache, wobei ich das System ohne Transfermarkt sehr interessant finde – nicht nur, weil Search-Bots somit schon mal gar keinen Zugriff finden dürften und auch ein Schwarzmarkt gar nicht erst zustande kommt.

Pro Evolution Soccer 2015 - Teaser TrailerEin weiteres Video

Das Zusammenstellen des eigenen Traumteams wird somit etwas Besonderes – selbst wenn man sich für Echtgeld einen Vorteil verschaffen will, bleibt einem nichts anderes als ein glückliches Händchen – oder ein Lieblingsteam, das überraschenderweise nicht aus den ursprünglichen Wunschspielern besteht, weil man die Spieler, die man bekommen hat, zu schätzen gelernt hat.

Und der Clou am Ganzen: Die GP, die ihr für eure Käufe benötigt, könnt ihr in jedem anderen Spielmodus genauso erspielen wie im My-Club-Modus, so lässt sich das Geld also bei Pokalturnieren genau so verdienen wie in der Meisterliga. Großartige Idee.

Taktik ist kein Pfefferminz-Drop: Lizenzen-Dilemma

Man muss der FIFA-Reihe zugute halten, dass sie aktuell wirklich umfangreiche Möglichkeiten zur taktischen Feinjustierung bereitstellt. Nicht nur dass an allen Stellschrauben des Abwehrverhaltens, dem Spielaufbau und Passstilen gedreht werden kann, auch individuelle Anweisungen sind nun noch mal genauer konkretisiert worden. Dahingegen ist der taktische Umfang in Pro Evolution Soccer 2015 relativ überschaubar. Und bevor jetzt der große Aufschrei losgeht, erkläre ich das etwas genauer.

Qualität geht über Quantität

Während FIFA mittlerweile jede erdenkliche Taktikoption implementiert hat, hapert es nach wie vor an der Umsetzung. Bestes Beispiel ist der klassische rechte oder linke Mittelfeldspieler. Diesem kann man zwar auftragen, dass er die gegnerische Abwehr überlaufen und sich nach außen orientieren soll, so ganz verstehen wollen die entsprechenden Spieler es aber trotzdem nicht. Es sei denn, man macht aus ihnen einen Links- bzw. Rechtsaußen. Positionen, die im Endeffekt mehr Stürmer als Mittelfeldspieler darstellen, aber die beste Möglichkeit sind, diese Spieler zum gewünschten Verhalten bringen. An sich ist es bei FIFA ohne weiteres möglich, die Spieler in taktischer Hinsicht zu ihrem Glück zu zwingen – für Gelegenheitsspieler ist das aber schnell mal überfordernd.

Bei PES 2015 hingegen kann ich mich nicht jedem einzelnen Spieler widmen. Hier zählt eher das taktische Gesamtkonzept. Wenn ich also festlege, dass ich gerne kontere, mit langen Bällen, frühem Pressing und einem weiten Unterstützungsbereich spielen will, dann wissen auch meine Außen-Mittelfeldspieler, dass sie sich sofort nach vorn mit einzuschalten haben – und das dann sie dann auch.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Gleich geht's hier mächtig rund.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein Robben und ein Lahm wissen scheinbar von Hause aus, dass sie sich auf den Außen gegenseitig anzubieten haben. Meine Viererkette schaltet bei Ballverlust sofort um und orientiert sich nach hinten. Es ist auch einfach ein schönes Gefühl, wenn meine Mitspieler auch ohne meine Mitwirkung Passwege so zustellen, dass sie die Pässe auch ohne mein Mitwirken abfangen. Auch die gegnerischen Spieler agieren intelligent auf meine Vorstöße und kloppen den Ball nicht panisch ins Aus, nur weil ich mich ihnen auf fünf Meter in deren Hälfte nähere, wie es erwa bei FIFA der Fall ist.

Kurzum: Die unzähligen Stellschrauben eines FIFA bietet es nicht, dafür werden die vorhandenen taktischen Möglichkeiten aber jederzeit sicht- und spürbar umgesetzt. Wer also nicht mit taktischen Varianten zugeschmissen werden will, erfreut sich an einer überschaubaren Palette, die dann aber deutlich genauer greift. Und wenn die Mitspieler mal nicht so mitlaufen, wie ihr das gern hättet, haltet ihr die Taste zum manuellen Schicken und den rechten Stick in die Richtung des jeweiligen Spielers. Dieser nimmt dann ohne große Verzögerung Fahrt auf und bietet sich an. Sehr viel intuitiver funktioniert auch der Spielerwechsel mit dem rechten Stick. Während man bei FIFA oft das Gefühl hat, dass das reiner Zufall ist, teilt euch PES genau den Spieler zu, den ihr auswählt.

Was die Animationen hingegen betrifft, wirken vor allem die physischen Zweikämpfe mitunter etwas steif und Spieler finden so manches Mal komische Wege, nach einem Rempler oder leichten Berührung das Grün zu küssen. Auch Clipping-Fehler sind hier nicht selten vertreten, man muss aber auch festhalten, dass sich PES 2015 zwischen Rasen, Ball und Schuh keine Schusselfehler erlaubt und die Standfüße der Spieler beim Schuss förmlich ins Grün gräbt, ohne dass die Fox-Engine hier noch groß nachjustiert. Schön auch, dass die Spieler nicht übereinander fallen, sondern den am Boden liegenden Mitspieler elegant überspringen.

„Guck mal wie der aussieht!“

Bei Balleroberung hängt man bei FIFA dann trotzdem gern am gerade noch gefoppten Gegenspieler fest, weil dieser einfach den Weg versperrt. Hier umkurvt unser Spieler nach erfolgreichem Ausfallschritt den Gegner elegant und nimmt das Tempo für den Gegenangriff gleich mit, was das Umschaltspiel deutlich direkter macht, da auch die Reaktionszeiten der Spieler kürzer als beim Konkurrenten ausfallen.Trotzdem wirken Konfrontationen etwas unbeholfener, aber Fakt ist auch, dass der Schwerpunkt in PES mehr auf dem Passen und Freispielen liegt, weniger auf Ballbesitz und Torejagd durch gewonnene Zweikämpfe wie bei FIFA.

Die Ballphysik ist Konami in diesem Teil sensationell gut gelungen, da spürt man einfach den satten Schuss, den mit der Pike gerade noch so weitergestocherten letzten Pass, den wuchtigen Kopfball, der bei PES generell weitaus erfolgreicher ist als beim FIFA-Pendant. Es fühlt sich einfach wieder wie PES an. Dieses PES-Gefühl, das man schon fast verloren zu haben schien – und ich bin heilfroh, dass Konami es wiedergefunden hat. Doch auch FIFA muss sich da mittlerweile nicht mehr verstecken, auch wenn der Zufallsanteil hier höher ist, wenn dieser entscheidet, ob das Leder nun im Netz landet oder eben nicht.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 9/171/17
Viele Spieler sehen richtig klasse aus, einige Totalausfälle sind aber dennoch durch die Qualitätssicherung gerutscht. Stichwort: Toni Kroos.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch die Fox-Engine kann mehr als bloße Ballberechnung: Die Spieler sehen teilweise aus, als würde man sich ein Standbild einer Übertragung anschauen. Ein Xabi Alonso, Podolski und Boateng sind erschreckend gut gelungen, was vor allem an der gefühlt besseren „Tiefe“ der Gesichter im Vergleich zu FIFA liegt. Doch es gibt auch unschönere Beispiele: Toni Kroos ähnelt seinem realen Vorbild in keinster Weise und das betrifft auch andere bekanntere Gesichter.

Auch das Publikum ist einer Next-Gen-Version absolut unwürdig und die einstimmenden Kamerafahrten der Vorgänger oder auf den Torschützen zu stürmende Ersatzspieler fehlen leider komplett. Dafür kommt die Player-ID wieder zum Einsatz und haucht immer mehr Spielern Leben in Form von ganz eigenen Bewegungsmustern, Pässen, Schüssen und Jublern ein. Das erstreckt sich natürlich nicht auf den letzten Reservespieler eines Mittelklassevereins, doch in den letzten zwei Jahren ist der Pool aus individualisierten Spielern stetig gewachsen und schafft so eine Brücke aus Teamwork-Grundgedanken und (optischen) Individualisten.

Pro Evolution Soccer 2015 - Konkurrenz belebt (endlich wieder) das Geschäft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Im Allgemeinen ist die Präsentation schon ganz okay, aber da muss noch mehr gehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Leider kann die Lizenz und der Stadienumfang da nicht mithalten – mehr als eine Handvoll Originalstadien gibt es nicht. Doch selbst die Fantasiestadien sind ziemlich abwechslungsarm und hätten ruhig eine größere Vielfalt vertragen können. Von den Lizenzen ganz zu schweigen. Deutsche PES-Fans müssen bis auf Schalke, Bayern und Leverkusen auf die Bundesliga verzichten und die englische Premier League muss immer noch mit Fantasie-Vereinsnamen auskommen. Dafür wurden der englischen, französischen, spanischen und italienischen Liga jetzt erstmals auch die jeweilige zweite Liga spendiert. Trotzdem reicht der Lizenzumfang leider nicht ansatzweise an den aus dem Hause EA heran.

Das Kommentatorenduo um Wolf Fuß und Hansi Küpper eifert dem Duo aus dem Hause EA an Einfallslosigkeit nach, nur dass man hier leider nicht auf die englischen Kommentatoren ausweichen kann. Natürlich sind Champions-League-Begegnungen dank der offiziellen Lizenz da noch etwas stimmungsvoller aufgemacht, aber der Punkt der Präsentation geht eindeutig an FIFA 15. Nichtsdestotrotz hat Konami endlich wieder zu alter Stärke gefunden und das Versprechen des diesjährigen Slogans gehalten: The pitch is ours.