Die letzten Jahre war es eigentlich pünktlich Ende September so weit: Der Glaubenskrieg der FIFA- und PES-Lager stand bevor: „Voller Lizenzumfang“, „stetige (Ball-)Physikverbesserungen“ und „zugänglicheres Gameplay“, schoss es beispielsweise aus dem Lager der FIFA-Anhänger - „große Modding-Community“, „bislang unerreichter (Ball-)Realismus“ und „Gameplay für die richtigen Fußballer“, schoss aus aus dem PES-Lager zurück. Dieses Jahr ist es alles irgendwie etwas anders.

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Eigentlich ist es schon eine Art Bekriegen auf hohem Niveau, was die Fußballspiel-Enthusiasten unter uns dort Jahr um Jahr ausfechten. Gerade anhand der 2013er-Vorgänger aus beiden Lagern muss man mittlerweile festhalten, dass man sich als Fußballfan hier nicht zwischen einem Fiat und einem Bentley entscheiden muss – Audi und BMW wäre wohl ein treffender Vergleich.

Ironischerweise auch, weil die Audi-Jünger sich wie die PES-Fans gern mit einem gewissen Understatement hinsichtlich ihres Lieblings umgeben, während die BMW-Fahrer eher einen protzigeren Ruf haben – in dem Falle wohl eine passende Metapher für das fette Lizenzpaket, das nach Meinung der PES-Fans ja viel verschleiert und ablenken will vom mangelnden Realismus.

Könnte man sich generell nicht darauf einigen, dass beide Marken - sowohl PES als auch FIFA - mittlerweile auf verdammt hohem Niveau spielen und die Wahl zwischen beiden mehr eine Geschmacksfrage denn eine Fußballverständnis-Frage geworden ist? Ich habe beide Teile das gesamte letzte Jahr über im stetigen Wechsel eingelegt und mir damit mit Freunden mitunter Nächte um die Ohren geschlagen – beide Teile, richtig.

Pro Evolution Soccer 2014 - Wenn eine neue Engine und Serien-Deadline in der heißen Nadel gipfeln

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Juventus gegen Bayern. Ein Fest.
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Doch dieses Jahr bin ich hinsichtlich Pro Evolution Soccer 2014 etwas zwiegespalten. Hat es einen Schritt nach vorn gemacht? Ja, hat es. Warum dann zwiegespalten? Weil sowohl die Fortschritte als auch die Basis unfertig wirken, leider.

Es beginnt mit dem Menüdesign: Was ist an dem alten Menüdesign so schlecht gewesen, dass man sich jetzt auf eines geeinigt hat, das an PS2-Zeiten erinnert? Geschmacksfrage. Aber diese optische Aufmachung in Kombination mit dem unsagbar nervenden Soundtrack, der aus kaum mehr als sechs Songs besteht – von denen gefühlt nur Dario G mit seiner WM-98-Hymne „Carneval de Paris“ rauf und runter dudelt -, hat mich nach kürzester Zeit dazu genötigt, die Menümusik abzustellen.

Ist jetzt nicht weiter tragisch oder spielentscheidend, verleitet mich aber zu der Frage, warum hier so wenig Auswahl im Vergleich zu einem PES 2012 untergebracht wurde. Bei den Spielmodi hat sich nicht allzu viel getan: In „Be a Legend“ durchlauft ihr mit eurem Kicker die Karriere eines Profifußballers, in der Meisterliga seid ihr wieder Trainer und Manager in Personalunion.

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Wie ein Fuchs entgeht er der Grätsche. Kein Wunder, ist ja auch die Fox-Engine.
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Hinzu kommen die einzeln spielbaren Turniere in der Champions League, der Europa League, der Copa Libertadores (die Champions League Südamerikas), der Copa und Recopa Sudamericana (die Europa League Südamerikas) und in diesem Teil auch der asiatische Pendant, die AFC Champions League.

Mit der argentinischen und chilenischen Liga halten auch zusätzliche südamerikanische Ligen Einzug und in Europa darf man sich jetzt aus deutscher Sicht inklusive der schon immer vertretenen Bayern sogar über mittlerweile drei deutsche Vertreter freuen – warum einem Bayer 04 Leverkusen oder Schalke 04 hier Borussia Dortmund der Vorzug gegeben wurde, ist mir trotzdem unerklärlich. Auch auf den Stadion-Editor wird in diesem Jahr aus lizenzrechtlichen Gründen verzichtet – genauso wie auf viele im Vorgänger noch lizenzierte Stadien. Auch wenn Konami da sicherlich kaum Schuld dran tragen wird, schade ist es allemal.

Die Meisterliga auf Sparkurs

Schade ist in diesem Jahr auch, dass die Meisterliga sehr beschnitten wurde. Der Kalender simuliert nicht mehr tageweise, eine Transferperiode ist jetzt nach vier Simulationsrunden vorüber – Transfers müssen also schnell abgesegnet und abgeschlossen werden.

Trotz guter und neuer Ansätze ist PES durch die neue Engine in diesem Jahr leider noch zu unausgereift.Fazit lesen

Was an sich auch kein Problem ist, da man vonseiten des anderen Vereins keine Gegenwehr bekommt und man Spielern nicht mal perspektivisch etwas versprechen muss. Zumal Neuzugänge wie noch in den letzten beiden Jahren nicht mehr - abhängig vom medialen Interesse am Spieler - durch eine stimmige Pressekonferenz oder gar eine Stadionvorführung vorgestellt wurde.

Hier fliegt einem nach Transferabschluss das Konterfei des erstandenen Spielers kurz entgegen und dann ist er eben da. Und wo sind die individuellen Trainingseinheiten hin? Damit meine ich die aus dem 2011er-Teil, nicht diese aus den letzten beiden Vorgängern bekannten „Trainingsslots“, die den Spieler sofort verbessert haben – von der unglaublich sinnfreien Möglichkeit, mit besseren Schuhen erheblich bessere Leistungen zu erzielen, ganz zu schweigen.

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Hier bleibt einem wieder nur die Möglichkeit, das Training durch Zuweisung von Fokuspunkten allgemein etwas mehr auf allgemeine Schwerpunkte zu legen. Wo sind diese kleinen Lagebesprechungen vorm nächsten Spiel mit einer kleinen Unterweisung bezüglich des nächsten Gegners hin?

Ja, ich stehe dazu, das waren für mich kleine Bausteine in der Meisterliga, die das Ganze etwas atmosphärischer und liebevoller gestalteten. Dass EA sich im Karrieremodus hinsichtlich des jährlichen „Fussball Manager“ im Managermodus schon seit fast sechs Jahren nur auf das Nötigste beschränkt, hat mittlerweile auch der Letzte mitbekommen – gerade deswegen war die Meisterliga in den PES-Teilen immer die umfangreichere und über längere Zeit motivierende Alternative. Davon mal abgesehen dürft ihr jetzt aber auch – wie in FIFA schon gang und gäbe – auch den Verein wechseln oder zusätzlich den Posten eines Nationaltrainers antreten.

Altes Spielgefühl mit unausgereiften Neuerungen

Genug über den kastrierten Karrieremodus lamentiert und ab auf den Rasen. Hier geht Konami mit dem Einsatz seiner für die Nex-Gen-Konsolen bestimmte Fox-Engine einen gewagten Schritt.

Denn während EA seine Ignite-Engine erst mit der nächsten Generation auf die Spieler loslässt, feiert Konamis Pendant noch auf der derzeitigen Konsolengeration seine Premiere. Auch die Barycenter-Physik und das Motion-Animation-Stability-System (MASS) sollen den Spielern die Art von Körperlichkeit geben, die in Form der Locomotion-Engine beim aktuellen Konkurrenten für mehr Physis sorgt.

Hier liegen Licht und Schatten dicht beieinander – und das schattigste Plätzchen hat hier leider der PS3-Besitzer erwischt. Während es auf dem PC bis auf kleine Macken weitestgehend flüssig läuft, ist das Rasenschach in weiten Teilen auf der PS3 wirklich nervig. Xbox-360-Besitzer trifft es hier minimal weniger hart, aber auch hier zwingt die Fox-Engine die Konsolen in die Knie.

Glücklicherweise zum größten Teil nur abseits des Rasens beim Einmarsch, Jubelsequenzen oder anderen Spielunterbrechungen – sobald es aber zu Spielsituationen kommt, in denen sich viele Spieler auf einem Haufen versammeln, geht vor allem die PS3-Version merklich in die Knie. Und das auch zu Recht: Kurven-Choreographien, die einzelnen Fans an sich und auch die bekannten Spieler sehen einen Tick realistischer aus.

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Mutig, mutig...
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Vor allem auch durch das neue Emotionssystem, das die Spieler Wut oder Freude förmlich herausschreien lässt. Auch wenn der Rasen und die Spieler mitunter glatter und wachsiger wirken. Und das nicht, weil es vorher geregnet hat, denn auf Wettereffekte wurde aufgrund der rechenintensiven Engine, schon im Vorfeld angekündigt, verzichtet.

Die verbesserte Physik und auch der Einsatz des MASS machen sich bezahlt: Zweikämpfe bekommen eine neue Intensität, mit dem rechten Stick kann man jetzt sowohl als Verteidiger als auch Angreifer am Gegenspieler herumzerren und zuppeln, ohne dafür zwingend die deklarierte Zweikampftaste nötigen zu müssen.

Die Spieler bewegen sich im Allgemeinen etwas langsamer, authentischer - was wiederum seine Schattenseiten hat, denn mitunter entsteht der Eindruck, dass nicht nur die Spiel(er)geschwindigkeit angenehm abgenommen hat, sondern auch deren Reaktionszeit auf Befehlseingaben.

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Die Ruckler auf Konsole sind das größte Problem.
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Natürlich ist mir klar, dass ein Spieler im Sprint zum Zeitpunkt meines Schussbefehls erst wieder zum Ball „aufschließen“ muss, um auch schießen zu können, aber mitunter wird da der Ball mit ein, zwei zusätzlichen Ballberührungen weitergetragen, bevor meinem Befehl dann Folge geleistet wird. Besonders ärgerlich bei Direktabnahmen, die von den Spielern mitunter sogar ignoriert werden.

Auch die KI ist nicht frei von Aussetzern. Wenn ich es trotz Dauerpenetrierens der Spielerwechseltaste nicht schaffe, den gewünschten Spieler zu bekommen, steht mein Verteidiger mitunter da und ignoriert den zwei Meter an ihm vorbeikullernden Ball aus unerfindlichen Gründen oder stellt sich bei der Zuhilfenahme eines zweiten Verteidigers an wie der letzte Mensch. Auch der Offensivdrang meiner Mitspieler hält sich trotz darauf ausgelegter Taktik in Grenzen – das hat man in den Vorgängern definitiv schon besser gesehen.

Davon abgesehen konnte Konami schon in dem frühen Stadium des Fox-Engine-Einsatzes erstaunlich gut das gewohnte Rasenschachgefühl einfangen, das sich eben auch durch die wunderbaren Passstafetten und dieses gewisse Gefühl auszeichnet, nie identische Angriffsabläufe in Torraumnähe zu erleben. Dazu zählen auch die erschreckend realistischen individuellen Verhaltensweisen der bekannteren Spieler.

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Wenn man mit einem Arjen Robben an einem Gegenspieler vorbeizischt, dann zieht er seine Schultern so hoch, winkelt seine Unterarme so an, „ballerinat“ so eindrucksvoll realistisch am Verteidiger vorbei und schließt mit seinem charakteristischen Innenrist-Schlenzer in den linken Winkel ab, wie es das Original nicht besser könnte.

Diese Szene ist exemplarisch für den diesjährigen Ableger: eine ungemein detailverliebte Situation, die auch unter Mithilfe der etwas behäbigeren K.I. hätte verschuldet sein können. Oder am Torwart, der zwar dran war, aber dem der Ball buchstäblich durch die Lappen gegangen ist.