Kaum hat die virtuelle Fußballsaison 2009 begonnen, steht auch schon das große Finale bevor. Nach einem fulminanten Auftakt der FIFA-Serie holt Konami nun mit PES 2010 zum Gegenschlag aus. Wir haben beide Spiele ausführlich gespielt und unterziehen nun auch Pro Evo unserem großen Fußballtest. Ob es zu einem Wechsel an der Genrespitze kommt oder ob EA Sports den Vorsprung ausbaut, erfahrt ihr bei uns.

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Grafischer Aufwind in den PES-Arenen

Viele Jahre war es die „Pro Evolution Soccer“-Serie, die das Fußballgenre beherrschte und dominierte. Leider war es eben genau diese Zeit, in der man sich scheinbar auf den Erfolgen ausruhte und die heranwachsende Konkurrenz nicht ernst nahm. Für den Weckruf der PES Entwickler sorgte dann spätestens FIFA 08, das erstmalig die ohnehin ausgefeilte Präsentation mit einem realistischen Gameplay kombinierte. Ein erschreckendes Onlinemodi-Fiasko bei PES 2009 trug auf Seiten von Konami ebenfalls zum vorläufigen Untergang des Genrekönigs bei.

Pro Evolution Soccer 2010 - Erobert Konami den Meistertitel zurück?

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Dank Lizenz der spanischen Liga und tollen Gesichtstexturen wirkt Messi lebensecht!
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So kam es, dass Konami schon im letzten Jahr in Erklärungsnot kam. Technisch ohnehin völlig veraltet, rückten auch zunehmend KI-Schwächen und andere Probleme in den Vordergrund. Letztlich wurde aus der einst so souveränen PES-Serie eine Großbaustelle, die im Laufe der letzten 12 Monate eifrig bearbeitet wurde. Das Ergebnis kann sich größtenteils sehen lassen, denn PES 2010 wirkt optisch frisch und einigermaßen zeitgemäß. Angefangen bei erstmalig schicken und gut strukturierten Menüs über viele Detailverbesserungen bis hin zu einer überarbeiteten Spielpräsentation.

Zu den optischen Highlights zählen in diesem Jahr sicherlich die authentischen Spielergesichter, die denen ihrer FIFA-Kollegen größtenteils weit überlegen sind. Das liegt vor allem an den höchst realistischen Texturen, die für einen nahezu fotorealistischen Eindruck sorgen. Ebenfalls verbessert wurde die Stadiondarstellung.

Sämtliche Arenen wurden detaillierter modelliert und werden mit einer neuen Beleuchtungsengine ins richtige Licht gerückt. Mit der effektvollen Beleuchtung hat man es jedoch stellenweise ein wenig übertrieben. Sonneneinfall und die Auswirkungen des Fluchtlichts wirken schon fast zu grell und dadurch gelegentlich unrealistisch.

Packshot zu Pro Evolution Soccer 2010Pro Evolution Soccer 2010Erschienen für PC, PS3, Wii, Xbox 360, PS2 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Der Zahn der Zeit nagt weiter

Negativ fallen erneut die Zuschauer auf den Rängen auf, die nicht nur akustisch wenig hergeben, sondern auch in punkto Bewegung und Vielfalt durchfallen. An den einst so hoch gelobten Spieleranimationen nagt ebenfalls zunehmend der Zahn der Zeit. So wirken die Übergänge zwischen den Bewegungen nicht immer flüssig und die Beinarbeit passt häufig nicht zur Spielerbewegung, wodurch Akteure und Untergrund in einigen Spielsituationen ein wenig separiert wirken.

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Das Kopfballspiel zählt leider nicht zu den Stärken der KI-Spieler.
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Am Gameplay wurde wenig verändert und selbst die vorhandenen Änderungen wirken sich kaum spürbar aus. Auffällig sind Schwächen der KI und die Dominanz von Starspielern. Ersteres macht sich vor allem bei hohen Bällen und dem Torwartverhalten bemerkbar. Während unseres Tests stellten wir fest, dass die KI-Gegner nahezu kein Kopfballduell gewinnen konnten und die Schlussmänner Torschüsse häufig mehr als ungeschickt vor die Beine nahender Stürmer abwehrten. Beides ist gleichermaßen ärgerlich und unrealistisch, was sich leider auch unmittelbar negativ auf die Simulationsansprüche der Serie auswirkt.

Was die angesprochene Dominanz der Starspieler angeht, so konnten wir beispielsweise mit Ibrahimovic problemlos durch einen Pulk von Abwehrspielern laufen und alles abschütteln, was uns das Leder vom Fuß stehlen wollte – und das ohne Tricks und besondere Laufwege. Natürlich sollten talentierte Stürmer mit Geschwindigkeit, Dribbelstärke und körperlicher Präsenz glänzen, doch so plump wie wir hier die Abwehr stehen lassen konnten, haben wir es schon lange nicht mehr erlebt.

Mit verbesserter Optik macht Konami einen Schritt in die richtige Richtung. PES 2010 ist ein gutes Fußballspiel, unterliegt aber der starken Konkurrenz.”Fazit lesen

Fans der Serie dürften in diesem Jahr mit einer leichten aber folgenschweren Verzögerung bei der Umsetzung der Gamepad-Eingaben zu kämpfen haben. Egal ob ihr passen, dribbeln oder schießen wollt – alles scheint erst mit minimaler Verzögerung, die euer Timing dennoch deutlich beeinflusst, ausgeführt zu werden. Ob man das Spiel damit realistischer machen wollte, erschließt sich uns nicht – eine Umstellung ist es aber in jedem Fall.

Schwächen beim Gameplay

Trotz guter Ballphysik und vielfältiger Spieleranimationen spielt sich Pro Evolution Soccer leider nicht mehr so realistisch, wie man es im PES-Fanlager propagiert. Die angesprochenen Schwächen kratzen doch stark am einst so makellosen Simulationslack. Auf dem Platz schafft PES es also leider nicht, die entscheidenden Akzente zu setzen und die Konkurrenz auszustechen. Doch wie sieht es mit den Spielmodi aus?

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Die neuen Menüs sehen gut aus und sind gut strukturiert.
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Nun, auf das erneute Lizenzdilemma wollen wir in diesem Jahr nur kurz eingehen: Die Bundesliga ist mal wieder nicht vertreten. Leider schaffen es nicht mal einzelne deutsche Vereinsmannschaften in die „Rest der Welt“-Auswahl. Weder komplett noch mit Fantasienamen lässt sich ein einziges Team entdecken, das der Bundesliga entspringt. Entschädigt werdet ihr mit der englischen, spanischen, italienischen, französischen und niederländischen Liga.

Leider verliert auch die „UEFA Champions League“-Lizenz dadurch ihren Reiz, dass die Gruppen aufgrund nicht lizenzierter Teilnehmer nicht der Originalauslosung entsprechen. Immerhin ist die deutsche Nationalmannschaft im Spielumfang enthalten – einer authentischen WM-Vorbereitung steht also nichts im Wege.

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Neue Beleuchtungseffekte und schöne Spielermodelle lassen PES 2010 authentisch wirken.
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Ein echtes Highlight ist der gänzlich überarbeitete Meisterliga-Modus. Alles wirkt frisch und durchdacht – die erfundenen Credits der Vorgänger weichen einer harten Währung, die durch die Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder, Sponsoren, Prämien und Stadioneinnahmen auf euer Konto fließen. Wer mag, darf die Trainingsziele seiner Spieler festlegen, bestimmte Fähigkeiten fördern, Verhandlungen führen und den Verein somit zu Ruhm und Ehre führen.

Welcher Verein das ist, steht euch völlig frei – möchtet ihr den Meisterliga-Modus mit dem FC Barcelona bestreiten, so ist auch das möglich, auch wenn es dann kaum noch Ziele gibt, die ihr euch langfristig stecken könnt. Im Laufe der Saison erwarten euch nicht nur Liga- sondern auch Pokalspiele. Zusätzlich bestreitet ihr, bei entsprechender Qualifikation, Champions-League- und Europaliga-Spiele.

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Noch ein Beispiel für die tolle Spielerdarstellung. Fernando Torres ist problemlos zu erkennen.
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Während Einzelspieler mit dem neuen Meisterliga-Modus eine Menge geboten bekommen, scheint es, als ob auch gesellige Spielernaturen in diesem Jahr endlich aufatmen können. In den bisherigen Spielen schien der Onlinemodus endlich von alten Schwächen befreit und zu einer brauchbaren Alternative gereift zu sein. Wir hoffen, dass die Server auch einem bevorstehenden Ansturm gewachsen sein und den Onlinespielspaß garantieren werden.