Rund einen Monat nach dem furiosen Auftakt der FIFA-Serie steht jetzt der große Konkurrent von Konami bereit. Nach zahlreichen Vorschußlorbeeren, die der Titel bereits nach Präsentationen auf Messen erhalten hat, kann PES seine wahren Qualitäten nun unter Beweis stellen. Wir verraten euch, wie das diesjährige Duell zwischen FIFA und Pro Evolution Soccer ausgeht.

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Spielanalyse

Pro Evolution Soccer (PES) gilt als Garant für authentisches Gameplay und konnte damit in den letzten Jahren immer wieder die Genrespitze erklimmen. In keinem anderen Fußballspiel waren die Spielzüge so realistisch, die Strafraumszenen so spannend und der Anspruch so hoch. Mit der Neuauflage von EAs FIFA-Serie ist die Luft auf dem Fußballolymp nun jedoch deutlich dünner geworden. Realismus ist ein Begriff, der auf dem virtuellen Rasenplatz zukünftig nicht mehr allein durch Konami definiert wird.

Pro Evolution Soccer 2008 - Meister im freien Fall: Erstmals verliert Pro Evo gegen Konkurrent FIFA.

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Coverstar Christiano Ronaldo spielt die Gegner schwindelig.
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Im stetigen Konkurrenzkampf haben die Entwickler von PES 2008 daran gearbeitet, routiniert ihre Führung auszubauen. Kernfeature des neuesten Teils der Serie ist das „Teamvision“ getaufte, intelligente Gegnerverhalten. Statt unbeeindruckt das Standardprogramm abzuspulen, stellt sich die gegnerische Elf nun spürbar auf euere Rasenperformance ein und wirkt Angriffen effektiv entgegen. Marschieren eure Flügelspieler dem Tor regelmäßig über die Außen entgegen, wird euch dies durch eine breiter stehende Abwehr erschwert. Wer dagegen ständig mit Steilpässen durch die Mitte spurtet, bemerkt eine enger und tiefer stehende Verteidigungslinie.

Ebenfalls gelungen ist die Tatsache, dass sich der KI-Gegner scheinbar stets des aktuellen Spielstandes bewusst ist. Ist euch das gegnerische Team nominell klar unterlegen, werden die Herren nach glücklicher Führung alles daran setzen, den Ball zu halten. So lässt sich beobachten, dass sich die gegnerischen Spieler gemächlich den Ball zuschieben, ohne dabei aus der eigenen Hälfte heraus zu kommen. Solche Aktionen lassen fast schon vergessen, dass ihr es nicht mit einem menschlichen Kontrahenten sondern mit der Computer-KI zu tun habt.

Schwalbenkönige und Trikotzupfer

In Zeiten, in denen selbst Welttorhüter wie Milans Dida beim geringsten Anlass dem sterbenden Schwan ähneln, ist es natürlich Zeit für die Einführung der Schwalben. Durch gleichzeitiges Drücken von drei Schultertasten stellt der aktuell kontrollierte Spieler sein schauspielerisches Talent unter Beweis. Ganz gleich wo sich euer Akteur befindet, ob er im Ballbesitz ist oder sich ein Gegner in der Nähe befindet, fällt er wie vom Blitz getroffen zu Boden.

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Das Trikotziehen hält nun auch auf den Konsolen Einzug.
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Nun liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, ob er auf die Aktion reinfällt oder ob er – was sehr häufig passiert – die Unsportlichkeit mit einer gelben Karte bestraft. Somit ist das Schwalbenfeature höchstens eine letzte Option in aussichtslosen Situationen, die durch konsequente Sanktionen des Unparteiischen entschärft wird. Wer mit seinem Täuschungsversuch Erfolg haben möchte, sollte also möglichst in unübersichtlichen Momenten und bei enger Deckung aktiv werden.

PES 2008 muss sich erstmalig gegen FIFA geschlagen geben. Technische Stagnation und fehlende Lizenzen führen trotz gutem Gameplay zur Niederlage.Fazit lesen

Neben den Schwalben hält mit dem Trikotzupfen sogar noch eine zweite Unsportlichkeit Einzug in das neue PES. Bei den üblichen Abwehrversuchen lässt sich neuerdings gelegentlich beobachten, wie der Abwehrspieler die Arbeitskleidung seines Gegners weitet. Kommt es bei all den fragwürdigen Aktionen zu einem Freistoß, freuen sich beide Parteien über neue Optionen. So dürft ihr die Anzahl der Spieler in der Mauer selbst bestimmen oder eigene Freistöße per Tastendruck schnell ausführen und den Gegner überlisten. Dies funktioniert völlig übergangslos. Gelungen ist auch die Integration des Schiedsrichters, der stets auf Ballhöhe ist und aus dem Spiel heraus agiert.

Strafraumangst und Dribbelkunst

Überarbeitet wurde auch ein weiteres Mal das Schussverhalten und die Möglichkeiten, die euch das Spiel bei Dribblings gibt. Je nach aktueller Spielsituation führt ihr mit Kombinationen aus Schultertasten und Richtungsänderungen zahlreiche Finten aus, mit denen ihr die Gegner stehen lassen könnt. Das große Repertoire an Tricks, das euch bei FIFA 08 zur Verfügung steht, bietet PES allerdings bei weitem nicht.

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Proteste und Beanstandungen dürft ihr auch bei PES bestaunen.
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Besonders effektiv ist nach wie vor ein plötzlicher Antritt per Turbotaste, der insbesondere mit pfeilschnellen Spielern wie Barcas Eto’o große Wirkung zeigt. Sobald ihr in Schussposition seid, beeinflussen neben den Attributen eures Spielers zahlreiche Faktoren die Flugbahn des Balles. So spielt es durchaus eine Rolle, ob ihr unbedrängt seid oder euch ein Verteidiger im Nacken sitzt. Stürmer legen nämlich unter Druck eine gewisse Nervosität an den Tag und zimmern das Rund womöglich auf die oberen Tribünenränge.

So schön die Ergänzungen des Gameplays auch sind, so scheint die Serie in punkto Präsentation doch leider auf der Stelle zu treten. Vergleicht man PES und FIFA 08 miteinander, ist ein deutlicher Klassenunterschied festzustellen. Während Konami die eigene Serie in den letzten Jahren durch höhere Auflösung und leichtes Drehen an der Detailschraube lediglich aufpoliert hat, durchlebte FIFA analog zur Konsolenwelt einen kompletten Generationswechsel.

Zwar sind die Gesichter und Animationen der PES-Kicker noch durchaus sehenswert, doch leider fällt die Gesamtqualität spätestens mit der Modellierung der Stadien deutlich ab. Auch der Spielkommentar bietet nicht die Frische und Vielfalt der FIFA-Serie. Hochglanzmenüs mit qualitativ hochwertiger Musikuntermalung dürft ihr bei PES ebenfalls nicht erwarten – immerhin wurde das Gedudel im Vergleich zum Vorgänger wieder etwas mehr auf den europäischen Markt abgestimmt.

Keine Bundesliga, nur die Bayern!

Ebenfalls ärgerlich ist die Tatsache, dass Konami weiterhin konsequent die Wünsche der deutschen Community außer Acht lässt. Statt endlich mal in Teamlizenzen der Bundesliga zu investieren, wird einer der wichtigsten Absatzmärkte einzig und allein mit dem FC Bayern München abgespeist, der sich irgendwo unter „Andere Ligen“ wieder findet.

Niemand erwartet ein Lizenzmonster wie es FIFA 08 ist, aber eine etwas umfangreichere Auswahl realer Teams sollte doch möglich sein. Neue Teams wie der FC Basel, Tottenham oder Fenerbahçe Istanbul dürften für viele Spieler nur ein schwacher Trost sein. Unter diesem Umstand leidet auch der Wert eines Turniermodus. Wer möchte schon ein Turnier bestreiten, bei dem der Lieblingsverein durch Abwesenheit glänzt? Gelungen ist dagegen erneut der Meisterliga-Modus, bei dem ihr eine Gurkentruppe über mehrere virtuelle Jahre durch hartes Training und geschickte Transfers an die Spitze bringt.

Absolut unverständlich sind die alljährlichen Probleme mit dem Onlinemodus. Während man in den ersten Tagen nach Erscheinen des Spiels komplett auf Onlinematches verzichten musste, funktioniert das Onlinespiel auch jetzt noch alles andere als einwandfrei. Statt normalen Rucklern oder Verlangsamungen bewegen sich die Spieler bei schlechter Verbindung zu schnell und sprunghaft über das Feld.

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Während der Saison sorgen solche Bilder für Auflockerung.
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Greift ihr einen nahenden Stürmer an, springt er plötzlich an eine andere Stelle. Das sorgt für sehr viel Frust und macht das Spiel online nahezu unspielbar. Gelungen ist dagegen die Möglichkeit, dem menschlichen Kontrahenten mit einfachen Tastenkombinationen Standardmitteilungen zukommen zu lassen. So würdigt ihr blitzschnell einen gelungenen Torschuss oder feiert eure eigenen Leistungen.