Die EM steht vor der Tür, Jogis Nuss-Nougat-Creme-Buben sind schon beinahe in Top-Form und die Merchandisingwelle zum Alpenspektakel schwappt bereits durch die Werbeblöcke. Daneben steht Schalke im Viertelfinale der Champions League und Leverkusen und die Bayern halten die schwarz-rot-goldene Flagge im UEFA-Cup aufrecht. Kurzum: Es herrscht Fußballfieber.

Damit beim allabendlichen Partyprogramm die Präsenz des runden Leders nicht zu kurz kommt, steht mit der Wii-Fassung von „PES 2008“ nun auch ein echter Gute-Laune-Titel für den Kick zwischen Drinks und Knabbersachen parat – denkste! Denn der Konami-Titel ist alles andere als ein leicht zugänglicher Dribbler für Zwischendurch, sondern überrascht mit viel Tiefgang und einem vollkommen neuen Ansatz im Bereich des virtuellen Kicks.

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Warum, Waldi, warum?

Dabei setzt das Spiel vollends auf das Zusammenspiel zwischen Wiimote und der notwendigen Nunchuk-Erweiterung. Wer nun jedoch glaubt, als wichtigste Komponente der Steuerung den Analogstick des Miniknüppels identifiziert zu haben, der irrt so dermaßen, wie die öffentlich-rechtlichen Fußball-Kommentatoren bezüglich ihrer Berufswahl. Denn anstatt die elf Freunde mühsam über den Platz zu scheuchen, konzentriert man sich bei „PES 2008“ auf deren Spielaktionen.

Pro Evolution Soccer 2008 - Schüttel dich zum Fußball-Gott: Auf der Wii bringt euch PES gehörig ins Schwitzen

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Im Champions-Road-Modus lassen sich die Fähigkeiten der eigenen Kicker mit der Zeit verbessern.
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Drückt man etwa bei eigenem Ballbesitz die A-Taste, beginnt der Spieler zu dribbeln. Die Richtung wird dabei durch Zeigen mit der Fernbedienung vorgegeben, was durch eingeblendete Laufwege vereinfacht wird. Möchte man die Kugel stattdessen loswerden, wählt man mit der Wiimote entweder einen Mitspieler oder einen Punkt auf dem Spielfeld an und drückt dann die B-Taste. Der Zeiger wird dabei jederzeit durch ein kleines Kästchen dargestellt.

Könnte man bislang noch meinen, dass die japanischen Entwickler lediglich eine innovative Anpassung der Steuerung an die Nintendo-Konsole gefunden haben, erschließt sich das ganze Ausmaß des neuartigen Bedienkonzepts bei komplexeren Passstafetten. Denn wo man in altbekannten Fußballversoftungen bislang auf das Auslösen von einstufigen Pässen und Doppelpässen sowie auf Abspiele in den freien Raum festgelegt war, lassen sich hier durch rasche Auswahl von aufeinanderfolgenden Anspielstationen ganze Kombinationen in Gang setzen.

Packshot zu Pro Evolution Soccer 2008Pro Evolution Soccer 2008Erschienen für PC, PS2, PS3, Xbox 360, DS, PSP und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Damit das Ganze nicht allzu kompliziert wird, lässt sich wahlweise eine Computerhilfe zuschalten, die automatisch darüber entscheidet, ob ein Pass flach oder hoch gespielt werden soll. Ist das Zuspiel gelungen, möchte man natürlich einnetzen. Dies geschieht in „PES 2008“ durch Schütteln des Nunchuks, um Schüsse auszulösen, oder durch Anheben der Wiimote, um den gegnerischen Keeper zu überlupfen.

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Mit Pässen in den freien Raum lassen sich ganze Abwehrreihen austricksen, so dass man auf diese Weise frei zum Torschuss kommt.
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Doch während das Passsystem in der Wii-Fassung des Bolzhits sehr gut funktioniert, weist die Bedienung des Torabschlusses Schwächen auf. So reagieren die Spieler immer wieder nur behäbig auf die Anweisung zum Schuss und letztlich fehlt es der Umsetzung an Tiefgang.

Denn im Grunde nutzt das Spiel in erster Linie die statistischen Werte des jeweiligen Spielers aus und entscheidet so über Erfolg und Misserfolg des Torversuchs. Wer hingegen sein Schicksal durch Justieren von Effet, Härte und Richtung des Balltritts selbst in die Hand nehmen möchte, wird enttäuscht. Ähnlich sieht es bei den Standardsituationen aus, auch hier gibt man in erster Linie lediglich die Richtung vor, den Rest übernimmt die Konsole.

Hau ihn um!

Weniger unterstützend greift die weiße Box hingegen in das Defensivverhalten der eigenen Truppe ein. Wie in der Offensive dürfen hier Laufwege per A-Taste bestimmt werden, um so dem Gegner den Weg abzuschneiden und ihm schließlich den Ball abzuluchsen, notfalls auch per durch Nunchuk-Rütteln ausgelöster Grätsche. Klickt man mit der A-Taste mehrmals auf den Spieler am Ball, bewegen sich mehrere Verteidiger zum Opponenten – sinnvoll bei dribbelstarken Kickern.

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Nicht immer verhalten sich die Abwehrspieler optimal, so dass man häufig mit einfachen Mitteln die Defensivreihen durchbrechen kann.
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Ist der Ball hingegen als Flanke auf dem Weg in den eigenen Strafraum, hilft ebenfalls das Gefuchtel mit dem Nunchuk, denn auf diese Weise löst man Befreiungsschläge aus. Was nun alles noch recht simpel klingt, funktioniert im eigentlichen Spiel leider nur mittelmäßig. Denn weist man die eigene Abwehrreihe nicht Spieler für Spieler einzeln an, stellt diese bisweilen ihre Arbeit ein und lässt den Gegner einfach laufen – willkommen beim BVB!

PES 2008 für Wii ist wie weiland Mainz 05: Neuartig, erfrischend – doch technisch noch etwas zu schwach für die erste Liga.Fazit lesen

Nicht viel leichter wird das Abwehrgewusel durch die Spieldarstellung gemacht. Denn einerseits benötigt man die weitläufige Perspektive um gelungene Spielzüge schon im Voraus zu planen, andererseits ist so nicht immer gut zu erkennen, wie erfolgsversprechend ein Tackling oder ein Befreiungsschlag gerade sind. Überhaupt scheint man in der Entwicklungsabteilung bei Konami überaus gute Augen zu haben.

Denn sämtliche Schriften im Spiel sind für die Wii-Auflösung zu klein und unscharf geraten, so dass man gerade in den Statistik- und Mannschaftsmenüs häufig nah an den Fernseher rücken muss, um die Inhalte zu erkennen. Und auch bei den Auswechslungen stört die Darstellung, da man beim Ziehen und Ablegen der Einwechselspieler auf dem Platz ob der zu kleinen und zusammengerückten Mannschaften häufig die falschen Kicker vom Feld nimmt.

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Angefangen mit Turnieren gegen schwache Gegner, spielt man sich im Karrierepart nach und nach vor an die Spitze Europas.
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Doch auch die Präsentation der Matches selbst lässt zu wünschen übrig. Immer wieder spielt man auf grauenhaft texturierten Untergründen und auch die Arenen mit ihren Zuschauern wirken antiquiert. Die Spieler hingegen sind ordentlich geraten – auch wenn man sich als Kenner der Next-Gen-Fassungen von „PES“ erst wieder an die etwa drei bis vier Jahre alte Engine gewöhnen muss.

Wenig Umgewöhnung erfordern die verfügbaren Spielmodi. Denn die Klassiker Liga-, Pokal- und Freundschaftsspiel sind „PES“-Fans wohl mittlerweile in Fleisch und Blut übergangen und auch Neulingen auf dem Konami-Trainingsgelände müssen diese Varianten wohl kaum erklärt werden. Stichwort „Training“: Dieses nimmt glücklicherweise einen großen Teil des Wii-„PES“ ein – wobei alles andere bei so vielen Neuerungen im Bereich der Eingabe auch blanker Hohn gewesen wäre.

Dennoch: Immer wieder stößt man während des Spielfortschritts auf kleine Trainingscamps, die zunächst jeweils einen Teil des Spiels, wie etwa Doppelpässe, erklären, den Spieler diesen dann Schritt für Schritt üben lassen und letztlich in Form einer kurzen Prüfung das Gelernte abfragen. Der erwähnte Spielfortschritt bezieht sich hier übrigens auf den Kernmodus von „PES 2008“, die Champions Road. Diese Straße zum Erfolg beginnt als kleiner Trampelpfad, an dessen Beginn man wahlweise ein fiktives Team oder einen bekannten Club, jedoch mit unbekannten Spielern, übernimmt. Schritt für Schritt spielt man sich dann durch kleine Turniere, deren Teilnehmer von Stufe zu Stufe stärker werden.

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Falls Fußballer wirklich nichts im Kopf haben sollten, dann eignen sich die Rüben dieser Kicker zur Unterbringung von Aquarien oder sonstigen Einrichtungsgegenständen.
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Während am Anfang schlechte, sprich: holländische, Clubs das Teilnehmerfeld bilden, geht es am Ende gegen die europäischen Top-Vereine. Besonders motivierend ist dabei die Ausbildung der eigenen Kicker, die nach erfolgreichen Matches Erfahrungspunkte erhalten und so nach und nach ihre Fähigkeiten verbessern oder gar besondere Aktionen erlernen. Wer hingegen lieber starke Spieler von anderen Clubs holt, darf dies auch tun, jedoch mit verbundenen Augen. Denn hat man seine Gegner in Grund und Boden gespielt, hat man danach die Möglichkeit, in ihrem Kader zu wildern.

Dieser wird in Form eines Kartendecks angezeigt, wobei die Spielernamen verborgen sind. Führt man den Cursor über eine Spielerkarte, erhält man lediglich einen Hinweis auf die Ausrichtung des Sportlers. So weiß man zwar, dass es sich um ein Konditionswunder, einen Dribbelkünstler oder einen eisenharten Verteidiger handelt, wer sich da letztlich dem eigenen Kader anschließt und wie stark der Neuzugang schließlich ist, erfährt man aber erst bei Abschluss des Transfers.

Schwerverletzt im Netz

Eine Verstärkung durch namhafte Neuzugänge hat auch der Onlinemodus nötig. Denn durch die verletzten – will sagen: nicht vorhandenen - Stars Turnier- und Ligasystem, Rangliste und Lobby- und Kommunikationssystem, droht diesem Bereich von „PES 2008“ der Absturz in die Niederungen der Multiplayertabelle. Allein die Tauschoption von Kickern mit Freunden und die direkten Einladungen zu Spielen mit selbigen entschädigen da ein wenig.

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Das gelungene Training führt Neulinge Schritt für Schritt in die komplexe Bedienung des Wii-Titels ein.
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Der Fokus von „PES 2008“ auf Wii liegt allerdings deutlich auf dem Einzelspielerlebnis. Und diesem geht es ein wenig wie der deutschen Nationalmannschaft: Beide haben viel Potential, das allerdings erst noch vollständig ausgeschöpft werden muss. Während die Bundeskicker dafür jedoch nur noch bis Juni Zeit haben, steht für Konami das nächste Spiel um Punkte frühestens im Herbst an, denn dann dürfte der Nachfolger von „PES 2008“ den Platz betreten.