Von der erfolgreichen TV-Serie Prison Break hat jeder zumindestens schon einmal gehört. Es geht um den smarten Michael Scofield, der sich in den Knast sperren lässt, um seinem Bruder Lincoln Burrows von dort zur Flucht zu verhelfen. Der sitzt in der Todeszelle – aber unschuldig, davon ist Michael überzeugt. Nun wurde die Serie als Game umgesetzt. Wie lautet das Urteil?

Beihilfe zur Flucht

Ihr schlüpft allerdings nicht in die Rolle von Michael, seinem Bruder oder einer anderen aus der Serie bekannten Figuren, sondern seid Tom Paxton. Der ist Agent der geheimnisvollen Company, die unbedingt Burrows auf dem elektrischen Stuhl sehen will. Ihr werdet im Auftrag der Company in das Fox-River-Gefängnis eingeschleust und sollt herausfinden, was Michael Scofield und sein Bruder planen, und sie an einer etwaigen Flucht hindern.

Prison Break: The Conspiracy - Zellenbruder von Michael Scofield gesucht

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Die Charaktere sind ihren Serien-Vorbildern exzellent nachempfunden.
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Die Geschichte ist geschickt um die Handlung der ersten Staffel herum aufgebaut. Ständig habt ihr das Gefühl, ganz dicht am Geschehen zu sein, ohne aber die aus der Serie bekannten Ereignisse nachhaltig zu verändern. Ganz im Gegenteil: Immer wieder erlebt ihr bekannte Serien-Momente aus einer anderen Perspektive. Das ist wirklich sehr gut gelungen und zumindest für Fans der Serie sehr interessant.

Ihr als Paxton erlebt aber eine ganz eigene Geschichte. Ihr müsst euch mit den aus der Serie bekannten Knastbrüdern wie Abruzzi und T-Bag anfreunden, euch in der Hierarchie nach oben arbeiten und ständig kleine Gefallen für jemanden erledigen, die üblicherweise in geheimen Schleichmissionen bestehen. Nur komisch, dass ihr offensichtlich eure Zelle verlassen, Prügeleien anfangen und herumlaufen könnt, wie ihr wollt, ohne dass es dem Personal wirklich auffallen würde.

Aber egal – so nach und nach kommt ihr dem Plan der Brüder auf die Schliche. Doch deren Plan werdet ihr nicht ernsthaft gefährden können (dann würdet ihr euch ja in die Ereignisse aus der Serie einmischen) - dafür wartet im entscheidenden Moment auch auf Paxton ein gehöriger Storytwist, am Ende muss er selber ausbrechen und im finalen Fight gegen einen für Videogame-erfahrene Spieler nicht ganz so überraschenden Endgegner antreten.

Schleich Dich!

Den größten Anteil des Spieles über müsst ihr auf Schleichmissionen gehen und ungesehen von A nach B gelangen, um irgendwelche Dinge zu erledigen oder zu besorgen. Ihr könnt Kameras verdrehen, euch in Schränken verstecken und in Minigames Schlösser knacken oder Lüftungsklappen losschrauben. Sobald ihr entdeckt werdet, seid ihr gescheitert und müsst es erneut versuchen.

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Meistens schleicht ihr auf leisen Sohlen durchs Gefängnis.
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Oft findet ihr einfach über Ausprobieren heraus, wie ihr ungesehen an den Wachen vorbeikommt, nur selten gibt es mehrere wirkliche Wegalternativen. Das kann manchmal etwas frustrieren, da die Speicherpunkte teilweise etwas unglücklich gelegt sind und ihr nach einem misslungenen Versuch eine längere Passage wiederholen müsst. Per Hand zu speichern ist nämlich Fehlanzeige. Damit es etwas abwechslungsreicher wird, sind in das Umhergeschleiche auch ein paar Kletterelemente gestreut, die allerdings überhaupt kein Geschick erfordern, sondern bestenfalls etwas Timing, wenn ihr beispielsweise Suchscheinwerfern ausweichen müsst.

Zwischen den Missionen lauft ihr durch die vermeintliche „Open World“ des Gefängnisses. Zwar erfahrt ihr dabei ein wenig Bewegungsfreiheit und könnt die Gegend erkunden, nur bringt euch das nichts. Nada. Es warten keine Nebenmissionen, nichts zu finden oder sammeln, und auch keine wirkliche Interaktion mit den Mitinsassen (außer der Möglichkeit, sich mit ihnen zu prügeln). Es gibt zwar noch zwei Minigames – Sandsack-Training und Gewichtheben –, mit denen ihr euren Kampfrang verbessern könnt, aber auch die sind einfach nur lahm.

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Die gelegentlichen Kämpfe sind recht einfach.
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Manchmal müsst ihr nämlich auch die Fäuste sprechen lassen, euch beispielsweise in einem Gefängnisaufstand durch die Reihen prügeln oder Untergrundkämpfe bestreiten. Die Kämpfe sind aber öde und trotz eigentlich ganz netter Animationen schon nach ganz kurzer Zeit langweilig. Ihr könnt auch nicht wirklich viel machen: hauen, kräftig hauen oder blocken. Ein bisschen Abwechslung kommt dann hinein, wenn ihr nach einem richtig getimeten Block mal für einen Konterangriff eine andere Taste drücken müsst. Oder die Dreieck-Taste betätigt, um den Gegner zu finishen. Abwechslung sieht anders aus.

Bleibt lieber daheim, anstatt euch freiwillig in den Knast zu begeben!Fazit lesen

Auch Rollenspielelemente sucht ihr vergeblich. Nichts, was ihr sammeln oder steigern könntet. Ihr könnt höchstens in besagten Untergrundkämpfen etwas Kohle verdienen, die ihr aber nur ausgeben könnt, um euch mit ein paar Knast-Tatoos zu personalisieren. Das hat keinen Einfluss aufs Spiel. Das einzige, was es gibt, ist ein Rang, der euren Kämpfer-Skill widerspiegelt. Mehr aber auch nicht. Wirklich nicht.

Langweiliger Knastalltag

Ein letztes Spielelement sollte noch erwähnt werden: die Quicktime-Events. Die werden häufig eingestreut, um kurze cineastische Momente entstehen zu lassen. Kennt man ja zur Genüge von anderen Games, die meisten Leute sind mittlerweile genervt davon. Sie wären ja vielleicht noch zu verdauen, wenn ihr sie in Kombinationen mit Prügelszenen einsetzen müsstet, um Bosse zu besiegen. Aber solche Bosse gibt es bis auf den einen beim Showdown nicht.

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Auch das Klettern ist wenig spannend.
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So richtig fällt das aber auch nicht ins Gewicht, da – und das ist die größte Enttäuschung – die Spielzeit verdammt kurz ist. Deutlich weniger als acht Stunden haben wir benötigt, um alles durchgespielt zu haben. Und selbst dabei haben wir uns gelangweilt, denn spektakuläre Szenen oder Ideen, die uns nachhaltig begeistert haben, gibt es nicht. Die ewig gleich aussehenden Gefängnisörtlichkeiten sind auch nur öde, vor allem, da im Verlaufe der Handlung bestimmte Locations sogar mehrfach besucht werden müssen.

Es gibt auch nach dem Durchspielen keinen Grund, sich erneut ins Fox-River-Gefängnis zu begeben: Nichts lädt zum erneuten Knastaufenthalt ein. Immerhin sollte noch erwähnt werden, dass ihr übers Hauptmenü zu einem Minigame gelangt, in dem ihr euch mit einem Kumpel prügeln könnt.

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Wozu eine Open World, wenn es abseits des Hauptpfads eh nix zu tun gibt?
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Die lahme Grafik hatten wir schon angedeutet – die Locations sehen lieblos und detailarm aus. Beliebteste Stilelemente sind der Matschig-Filter und der Effekt, weiter entfernte hässliche Grashalme im Hof plötzlich ins Bild ploppen zu lassen. Immerhin: Die Charakteranimationen gehen in Ordnung und es ist den Entwicklern gelungen, die aus der Serie bekannten Figuren gut wiedererkennbar nachzubauen. Das geht sogar soweit, dass die originalen Stimmen verwendet wurden – die wirklich gute Synchronisation ist dann auch die einzige echte Stärke des Spiels.