Als Spiele-Redakteur hat man es nicht immer leicht. Vor allem die letzten Monate haben das gezeigt. Unter den so genannten Videospiel-Neuheiten befanden sich oftmals mehr oder weniger laue Aufgüsse schon bekannter Spiele. Vor allem PlayStation 3 und Nintendo Wii "glänzten" mit einem Überangebot solcher Software, wobei die Spiele selbst gar nicht mal schlecht waren oder sind.

Das zeigt auch das Beispiel »Prince of Persia: Rival Swords«, das anderthalb Jahre nach seiner Erstveröffentlichung als »Prince of Persia: Two Thrones« Ende 2005 nun eine Neuauflage für Nintendos Wii feiert. Doch wie schon viele Ubisoft-Umsetzungen für diese Konsole ist der Mehrwert auch in diesem Fall nur schwer zu erkennen.

Prince of Persia Rival Swords - Wii Trailer 1

Kalter Kaffee?
Im Großen und Ganzen handelt es sich bei Prince of Persia: Rival Swords um dasselbe Spiel wie vor anderthalb Jahren mit dem Unterschied, dass wir es bei der Wii-Fassung natürlich mit einer anderen Steuerungsmethode zu tun bekommen: Also wird brav der Nunchuk an die Wiimote gestöpselt, um die Abenteuer des persischen Metzel-Prinzen abermals unter neuen Vorzeichen zu erleben.

Prince of Persia Rival Swords - Zahn der Zeit: Auf der Wii hat der Prinz schon etwas Sand im Getriebe...

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Als Dunkler Prinz setzt ihr eure Waffe nicht nur im Kampf ein.
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Das Action-Adventure schloss damals wie heute die Trilogie um den Orientalen, der sich mit den Mächten der Zeit anlegt und damit nicht nur Gutes vollbringt. So rettet er zwar in Teil 2 (Warrior Within) die Herrscherin der Zeit, Kaileena, die sich nun mit ihm zurück ins antike Babylon begibt. Doch statt sich aufs Altenteil setzen zu können, findet der Prinz ein vom Krieg verwüstetes Königreich vor. Zu allem Überfluss wird gleich zu Beginn der dritten Episode seine Begleiterin entführt und damit die Basis für das neue Abenteuer gesetzt.

Als wäre das nicht schon genug, wird der wackere Doppelklingen-Fuchtler zudem vom Sand der Zeit befallen, der ihn immer wieder mutieren lässt und den "Dunklen Prinzen" in ihm zum Vorschein bringt.

All das ist bereits seit Längerem bekannt, und Fans werden Prince of Persia: Rival Swords in einer seiner anderen Ausgaben wohl schon gespielt haben. Doch sei's drum. Auch diesmal hat sich am bewährten PoP-Gameplay nichts geändert: Der Prinz ist ein talentierter, athletischer Artist und vermag es daher, auch die verrücktesten Abgründe und Hindernisse zu bewältigen: Ob das Überwinden endlos tiefer Schluchten, das Hangeln an Felsvorsprüngen, das Balancieren auf dünnen Balken oder sogar das Laufen an Wänden - all das beherrscht er aus dem Effeff.

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So wird ein Speedkill initiiert...
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Aber nur, wenn ihr in nicht im Stich lasst, sprich: die Steuerung beherrscht. Und die ist bei der Wii selbstverständlich auf das spezielle Handling angepasst. Die Umsetzung ist überzeugend gelungen - intuitiv steuert ihr die Spielfigur durch den Hindernisparcours. Mit dem Control Stick des Nunchuk dirigiert ihr euer Alter Ego über den Bildschirm, mit den A- und B-Tasten der Wiimote löst ihr Aktionen aus, lauft also an Mauern entlang, zieht oder drückt Objekte, springt, blockt Angriffe usw.

Wenn ihr die Kameraansicht drehen wollt, was häufig der Fall sein wird, genügt es, den Controller zur entsprechenden Seite zu kippen. Alternativ geht das auch über das Digi-Steuerkreuz, doch das klappt weitaus unkomfortabler.

Intuitive Wii-Steuerung
Absolut flüssig gehen auch die Kampfaktionen von der Hand, für die ihr beide Pads benötigt, da der Prinz seinen Kontrahenten bekanntlich beidhändig zu Leibe rückt. Zum einen steht euch hier erneut das Speed-Kill-System zur Verfügung, mit dem ihr den Widersachern im Handumdrehen den Garaus macht. Gelingt es euch, unbemerkt an eure Feinde heranzuschleichen (z.B. von hinten oder oben), wird dies durch einen Bildeffekt angezeigt. Dann schwingt ihr euren Nunchuk für eine schnelle Dolchattacke, und mit einer schnellen Bewegung der Wiimote wird der Gegner ratz-fatz einen Kopf kürzer gemacht.

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...und auf diese Weise abgeschlossen.
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Nicht nur die Speed-Kill-Fights sind kinderleicht, auch sonst gestalten sich die Kämpfe gegen Bösewichte mäßig herausfordernd. Das liegt einerseits an der eher schwachen Feind-KI, andererseits an dem anspruchslosen Kampfsystem: Zwar stehen grundsätzlich jede Menge Kombos zur Verfügung, meist genügt jedoch schon ein chaotisches Fuchteln mit den beiden Controllern, um die Schurken zur Strecke zu bringen. Wer trotzdem einmal in eine heikle Situation gerät, aktiviert einfach die später zur Verfügung stehenden "Mächte der Zeit" und bringt in verlangsamtem Spieltempo die Gegner um die Ecke.

Etwas spannender und hektischer gestaltet sich das Gameplay, wenn ihr zum Dunklen Prinzen mutiert. Dann ist man zwar mit der durchschlagskräftigen Klingenkette ausgestattet, dafür läuft aber kontinuierlich die Lebensenergie ab - was sich nur durch das Sammeln und Absorbieren von Sand aufhalten lässt, der von besiegten Feinden hinterlassen wird. Das soll jedoch nicht heißen, dass die Mischung aus Jump'n'Run-Einlagen, Plattform-Rätseln und deftigen Metzel-Einlagen bei Rival Swords nicht aufgeht. Im Gegenteil…

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Auch für Klettereinlagen erweist sich die Klingenkette als sehr hilfreich.
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Komplettiert wird der Mix durch eine gut erzählte Story, die von dem charismatischen Prinzen getragen wird und immer wieder durch eine nette und gekonnt vertonte Anekdote begleitet wird. Optisch hat sich allerdings in den anderthalb Jahren nichts getan: Die grobkörnige Grafik mit Low-Res-Texturen reicht gerade einmal an die Xbox heran - wenn überhaupt. Atmosphärisch wird zwar Vieles durch das nette orientalische Ambiente und den orchestralen Soundtrack wettgemacht, zum Übertünchen sämtlicher Schwachstellen reicht das aber nicht. Der Zahn der Zeit nagt diesbezüglich eindeutig am Prinzen.