Autor: Nedzad Hurabasic

Shooter gibts wie Sand am Meer. Bei einigen ist allein schon die Erwähnung eines möglichen Release-Zeitpunktes ein Running Gag, bei anderen haben die Fans schon alle Hoffnung fahren lassen. Heute erscheint mit Prey ein weiterer Vertreter des

Actiongrenres auf dem Markt und das, obwohl die Entwicklung theoretisch schon vor gut zehn Jahren begonnen hat. Doch mit dem damals eingestellten Projekt hat das heutige Spiel kaum noch etwas zu tun. Warum sich Prey nicht hinter aktuellen Top-Hits verstecken muss, erfahrt ihr in unserem Review.

Prey (2006) - E3 Cinematic Trailer7 weitere Videos

Eigentlich beginnt das Spiel so, wie bei vielen der Alltag abläuft: Man sieht in den Spiegel, fragt sich, warum man seiner Freundin nicht sagen kann, dass man sie liebt; streitet ein wenig mit seinem Großvater, der einen an die indianischen Wurzeln erinnert und schlägt noch zwei Säufer zu Brei, die sich an die besagte Freundin rangemacht haben.

Ein ganz normaler Tag also. Nicht Ungewöhnliches. Plötzlich kommt aber Leben in die Bude, bzw. in das Rasthaus, in dem die Freundin namens Jen arbeitet. Es rumpelt, das halbe Haus bricht zusammen, die Lichter gehen aus, Scheinwerfer-ähnliche Lichtstrahlen scannen den Raum und lassen Mobiliar und Menschen durch die Luft schweben. Nein, wir sind nicht bei Ilja Richters "Disco" und in dem Spotlight möchte jemand, der noch halbwegs bei Verstand ist, auch nicht stehen. Der Grund für das ganze Schlamassel: Außerirdische überfallen die Erde und verschleppen die Bewohner - uns! - um sie als Rohstoffe auszuschlachten.

Prey (2006) - Fette Beute auf PC und XBox360. Wir sagen euch, ob 10 Jahre Entwicklung genug waren.

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Doch die Fieslinge haben die Rechnung ohne den Helden Tommy gemacht. Dieser widersetzt sich, auch wenn er nicht an die Prophezeiungen seines Opas Enisi glauben mag. Seine Cherokee-Wurzeln sind ihm nämlich anfangs genauso piepegal wie die Gründe für den Überfall, bei dem er mitsamt den beiden anderen Protagonisten auf das Mutterschiff der Aliens verschleppt wird.
Eigentlich möchte er nur seine Freundin retten und mit ihr zurück nach Hause. Dass sich Flucht und Rettung nicht so einfach gestalten, kann sich jeder denken. Sonst wäre das Spiel ja schneller vorbei als ihr "Duke Nukem forever" sagen könnt.

Packshot zu Prey (2006)Prey (2006)Erschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Glücklicherweise hat Tommy noch seine Rohrzange dabei, als er mit seiner Odyssee durch die "Sphäre", so die Bezeichnung des riesigen Schiffes, beginnt. Damit braten wir gleich zu Beginn einem der Alien-Jäger gehörig eins über den Schädel und nehmen eine von insgesamt sieben außerirdischen Waffen in unseren Besitz.

Die so genannte Jäger-Kanone verfügt wie alle anderen Schießprügel über zwei Feuermodi. Der normale Feuerbetrieb ähnelt einem Maschinengewehr, die Alternative dazu ist ein Sniper-Modus mit sehr durchschlagskräftiger Wirkung. Während für alle anderen Waffen Munitionsnachschub benötigt wird, lädt sich diese auf einem sehr niedrigen Niveau selbsttätig wieder auf und erlaubt immer wieder einige Schüsse. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass Tommy niemals unbewaffnet weiterziehen muss.

Wer mit ein wenig Augenmaß ballert, dürfte aber kaum einmal in eine solche Situation kommen, da reichlich für Nachschub gesorgt wird. Dass einem das Nachladen erspart bleibt verwundert nicht, denn das Spiel präsentiert sich insgesamt überaus spielerfreundlich. Im niedrigsten Schwierigkeitslevel "normal" gleicht das Gameplay oft genug einem Spaziergang.

Zum einen bleiben die Gegnerhorden stets überschaubar, zum anderen sind die KI-Feinde nicht wirklich mit hoher Intelligenz ausgestattet. Bisweilen verstecken sie sich zwar hinter Kisten oder anderen Objekten, doch einigen gezielten Schüssen haben sie in der Regel nichts Vergleichbares entgegenzusetzen.Rumstehen sollte Tommy aber nicht, denn auch die Jäger verwenden den Scharfschützen-Modus. Das ziemlich coole Waffenarsenal bietet einige kleine Gimmicks, ist aber im Grunde nicht allzu innovativ.

Die im Verlauf des Spiels zugänglichen dicken Wummen lassen darüber hinaus teilweise den rechten Bumms vermissen. Größere Herausforderungen bieten da schon einige wirklich neuartige Gameplay-Ansätze, die es so bisher noch nie gegeben hat.

An erster Stelle muss dabei der Wall Walk genannt werden. Dieser erlaubt euch - aber auch den Feinden! - an Wänden und Decken entlang zu laufen, nachdem Laufbahnen mit Energie aktiviert wurden. Das sorgt für Verwirrung und Abwechslung und den einen oder anderen überraschenden Angriff aus bisher ungekannter Perspektive. Diese Methode ist zum Glück relativ sparsam eingesetzt, sodass sie immer wieder für einige knifflige Rätsel und interessante Begegnungen gut ist, sich aber nicht vorschnell abnutzt.

Innovativ ist auch die Verwendung der Gravitation, die vom Spieler anhand von Objekten manipuliert werden kann. In einigen Räumen ist das Weiterkommen nur möglich, wenn unten plötzlich oben ist, oder die Wand zum Boden wird. Ein gutes räumliches Denkvermögen ist bei solchen Rätseln von Vorteil, nach einiger Zeit dürfte aber jeder den Dreh raushaben. Ein weiterer Ansatz den Spieler zu verwirren und ihn in der gespenstisch-bedrohlichen Atmosphäre den Überblick verlieren zu lassen, sind die Portale. Sie sind nicht nur das bevorzugte Transportmittel der Aliens, sondern auch (fast) die einzige Reise-Möglichkeit für Tommy.

Portale treten in verschiedenen Formen auf und können beispielsweise aus einem stählernen Rahmen bestehen, der von der einen Seite völlig normal wie ein Reck aussieht. Von der anderen Seite jedoch bietet das Gebilde Zugang zu einem ganz anderen Raum. Deutlich häufiger wird der Held aber mit Portalen konfrontiert, die mitten im Raum materialisieren.Der dafür verwendete Effekt sieht prachtvoll aus und zeugt von der hervorragenden Arbeit, die die Designer des Spiels insgesamt abgeliefert haben. Stellt man sich hinter die Portale, sind sie meist nicht zu sehen, von der Seite wird die Luft sowie das Licht sichtbar verwirbelt und gebrochen, von vorne zeigt sich nicht nur schon der nächste Raum, man kann auch etwaige Feinde bereits unter Beschuss nehmen. Klasse!

Neben dieser physischen Welt bietet Prey aber auch noch zwei weitere Existenzebenen, die in das Spielgeschehen integriert sind. Dies ist einerseits der so genannte Spirit Walk, eine fürs Spielgeschehen äußerst wichtige Möglichkeit, den Geist vom Körper zu trennen. Sie beruht auf den indianischen Kräften, an die Tommy nicht glauben will, die aber trotzdem in ihm stecken.

Diese Abkopplung vom fleischlichen Dasein bringt den Vorteil, dass viele Hindernisse auf diese Weise besser oder gar nur so überwunden werden können.So können Energiefelder durchquert, Suchsensoren durchschritten und geheime Wege aufgetan werden, die normalerweise nicht zugänglich bzw. passierbar wären.

Andererseits kann der Spieler trotzdem Sensoren oder Tasten bedienen und auf diese Weise Kraftfelder deaktivieren. Zudem ist der Held in dieser körperlosen Form noch mit einem Bogen ausgerüstet, mit dem sich Feinde recht effektiv aufs Korn nehmen lassen. Das funktioniert jedoch nur, wenn man gerade über genügend Geisteskraft verfügt. Diese gibt es wiederum für das Beseitigen der fiesen Aliens, Mutationen und anderen Fieslinge.

Die dritte Existenzebene ist die Welt der Toten. Oder fast Toten. Der Death Walk bietet die Chance, Tommy am Ort seines Ablebens wiederauferstehen zu lassen, ohne einen Speicherstand bemühen zu müssen. Während des etwa 15-sekündigen Prozederes kann Tommy mit seinem Bogen auf blaue und rote Albs ballern, die ihm die Lebensenergie wieder auffüllen, bzw. die Geisteskraft auffrischen. Auf diese Weise sind Speicherstände so gut wie unnötig, können aber trotzdem beliebig oft angelegt werden. Allerdings ist dies auch ein kleiner Schwachpunkt. Denn wer den Tod nicht fürchtet, weil er keine Konsequenzen hat, hat auch weniger Angst davor. Ergo leidet die Spannung ein wenig darunter, denn ein Tod mehr oder weniger macht nichts aus. Eine gute Idee und gelungene Alternative zum ständigen Neuladen ist das aber trotzdem allemal.

Von diesen technischen und spielerischen Schmankerln abgesehen bietet Prey natürlich das Genre-übliche Gameplay. Das Spiel verfügt aber über erstklassige Optik und eine gut erzählte Story, die den Spieler bei der Stange hält. Trotzdem weicht auch dieser Actiontitel kaum einmal von seiner linearen Spielentwicklung ab.

Verirren ist trotz der vielen Portale und Gravitationsspielereien nur möglich, falls bei dem ganzen Auf- und Ab die Orientierung flöten gehen sollte. Prey basiert technisch auf der Doom 3 Engine und das sieht man dem Spiel auch deutlich an. Trotzdem weicht auch dieser Actiontitel kaum einmal von seiner linearen Spielentwicklung ab.

Verirren ist trotz der vielen Portale und Gravitationsspielereien nur möglich, falls bei dem ganzen Auf- und Ab die Orientierung flöten gehen sollte. Prey basiert technisch auf der Doom 3 Engine und das sieht man dem Spiel auch deutlich an. Das Auge wird von organisch-anorganischen Verbindungen verwöhnt, metallische Gebilde, die immer wieder mit lebendigen Zusätzen versehen sind. Detaillierte Texturen zeigen aber auch mehr, als für Kinderaugen geeignet ist - "Blood & Gore" ist dabei ein Stichwort, das die 18er Einstufung rechtfertigt.

Aufgelockert wird das Spielgeschehen aber nicht nur durch einige kleine Minispiele (werft mal einen genaueren Blick auf die Spielautomaten in der Bar ...), sondern auch durch subtilen Humor. Herausragend ist dabei die immer wieder eingestreute Radiosendung, die man auf einigen Monitoren empfängt. Dort berichten Hörer von UFO-Sichtungen und anderen merkwürdigen Vorkommnissen, was angesichts der Situation, in der sich der Hauptcharakter und tausende seiner Artgenossen befinden für den einen oder anderen Schmunzler sorgt. Nachdem etwa dreiviertel der Spielzeit von ca. 10 Stunden vorüber ist, muss sich der Spieler darüber hinaus noch hinter das Steuer von Shuttles klemmen.

Einige der imposantesten Anblicke des Spiels werden in diesen Spiel-Sequenzen geboten. Neben der sehr guten Grafik verfügt das Spiel auch über sehr schöne Soundeffekte, die ein ums andere Mal für Gänsehaut sorgen und die beängstigende Atmosphäre perfekt unterstützen. Auch die Dialoge und oft selbstironischen Kommentare von Tommy sind sauber vertont, liegen aber leider nur in englischer Sprache vor. Schade, denn so entgeht Fans mit geringen Sprachkenntnissen ein wichtiger Teil des Spiels, was die Untertitel nicht kompensieren können.

Der Soundtrack ist nicht weiter auffällig, allerdings sorgen die rockigen Songs für unterhaltsame Momente, wenn man in einigen Szenen durch Leichenteile und Blut wandert und plötzlich Judas Priest durch die Gänge hallt ... Leider bietet das Spiel in Sachen Multiplayer mit Deathmatch und Teamdeathmatch nur zwei Modi. Dabei kommt zwar vor allem der Wall Walk als belebendes Element positiv zum Tragen und auch die Maps können überzeugen.

Trotzdem hätte der Mehrspielermodus etwas üppiger ausfallen dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Elemente nicht in Kürze als kostenpflichtige Downloads "nachgeliefert" werden. Auch die Dialoge und oft selbstironischen Kommentare von Tommy sind sauber vertont, liegen aber leider nur in englischer Sprache vor. Schade, denn so entgeht Fans mit geringen Sprachkenntnissen ein wichtiger Teil des Spiels, was die Untertitel nicht kompensieren können.

Der Soundtrack ist nicht weiter auffällig, allerdings sorgen die rockigen Songs für unterhaltsame Momente, wenn man in einigen Szenen durch Leichenteile und Blut wandert und plötzlich Judas Priest durch die Gänge hallt ... Leider bietet das Spiel in Sachen Multiplayer mit Deathmatch und Teamdeathmatch nur zwei Modi. Dabei kommt zwar vor allem der Wall Walk als belebendes Element positiv zum Tragen und auch die Maps können überzeugen.

Trotzdem hätte der Mehrspielermodus etwas üppiger ausfallen dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Elemente nicht in Kürze als kostenpflichtige Downloads "nachgeliefert" werden.