Ja, kann es denn sein? Sind denn wirklich schon beinahe fünf Jahre vergangen, seit wir in Prey von außerirdischen Fressmaschinen entführt und fast durch den Fleischhäcksler gedreht wurden. Nachdem wir mit einem Indianer namens Tommy Portale durchschritten und wundersame Geisterreisen unternahmen, um der Vernichtung zu entgehen? Es muss wohl so sein.

Irrtum ausgeschlossen? Ja, denn bei unserem Besuch der Bethesda Game Days in Utah wurde "bereits" der Nachfolger vorgestellt. Doch was uns da als Logo entgegenprangt, erinnert eher an Call of Splinter Prey oder Splinter Prey of Duty. Aber ich kann euch beruhigen - auch wenn Prey 2 auf den ersten Blick nicht mehr viel mit seinem Vorgänger zu tun hat, sind solche Vergleiche alles andere als angebracht.

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Denn, das hat auch Entwickler Human Heads bereits freimütig eingestanden, das erste veröffentlichte Bild entspricht überhaupt nicht dem Setting, dem Feeling, das man mit Prey 2 verbunden haben will. Schwamm drüber, wir haben es ohnehin schon verdrängt, aus dem Oberstübchen bugsiert, als wäre es durch ein unsichtbares Portal ausgemistet worden. Womit wir auch bereits beim Thema wären, denn die lieb gewonnenen Dimensionsportale, mithin das coolste Feature des Vorgängers, spielen in der Fortsetzung keine Rolle mehr.

Prey 2 - Ganz anders und doch richtig gut

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Blade Runner lässt grüßen: Alien Noir!
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Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Das Spiel der Portale, bevor es sie in "Portals" überhaupt gab, verzichtet freiwillig darauf. Das ist mutig, doch Matt Bisenius, seines Zeichens Associate Producer erklärt das folgendermaßen: "Die Portale haben wirklich Spaß gemacht, aber wir wollen jetzt einfach etwas anderes machen und uns mit neuen, coolen Einfällen von der Konkurrenz absetzen."

Was soll Prey 2 also zukünftig interessant machen, nachdem mit Tommy auch der Protagonist des ersten Teils ausscheidet und durch einen gewissen Killian Samuels (ein US-Marshall) ersetzt wird? Eine ganze Menge! Zunächst hat das Team, berichtet Project Leader Chris Reinhart in seiner Präsentation, die wichtigsten Kernelemente herausgefiltert: Außerirdischen-Entführung, die "Keeper" und der Kampf eines Mannes gegen viele Aliens.

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Der Barkeeper bleibt auch in den wildesten Schießereien cool und nimmt Bestellungen entgegen.
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Doch diesmal wird der Spieß umgedreht - das Opfer wird zum Jäger und die Jäger zu Gejagten. Kämpfte Tommy noch um sein Überleben, tritt Killian als verachteter Kopfgeldjäger auf den Plan. Einige Jahre nach der Invasion auf der Erde ist unbekannt, wie es ihn auf den Planeten "Exodus" verschlagen hat. Samuels versucht aber nicht nur seine Vergangenheit und seine Rolle in den Geschehnissen auf Exodus aufzudecken, es soll zudem auch Antworten auf Tommys Schicksal geben...

Offene Welt voller Kletterei

Prey 2 ist, anders als sein Vorgänger, als Open-World-Actionspiel angelegt, in dem ihr sehr viele Entscheidungsfreiheiten bezüglich des Spielablaufs besitzt. Um der mysteriösen Hauptgeschichte zu folgen, absolviert man traditionell eine Reihe bestimmter Missionen. Ihr könnt jedoch auch einfach in die "Bowery" gehen, den Rotlichtbezirk, und dort verschiedenste Aufträge annehmen. Reinhart beschreibt die Gestaltung dieses Teils von Prey 2 als "Alien Noir" und spielt damit auf Vorbilder wie Blade Runner an.

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Einmal gefangene Ziele können verhört werden, aber auch dabei sterben.
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Während im Hintergrund bunte Leuchtreklamen vor einem dunklen Szenario um die Wette strahlen und elektronische Musik vor sich hin wummert, bewegt sich der Held geschmeidig über Plattformen, klammert sich an Vorsprünge und überwindet mit eleganten Sprüngen tiefe Abgründe. Diese Parcours-ähnliche Fortbewegung ist einer der Grundpfeiler des Spiels, zu denen auch ein leicht zu beherrschendes Deckungsfeature gehört.

Um feindlichem Beschuss zu entgehen, rutscht ihr rechtzeitig hinter Mauern und andere Abschirmungen. Die Parcourselemente sind zudem sehr wichtig für die Erforschung der Welt, die sehr vertikal aufgebaut ist und somit bedeutenden Einfluss auf das Spieldesign hat. Auf diesem Wege findet ihr später übrigens auch eine ganze Reihe versteckter Gegenstände und erhaltet sogar Spezialmissionen.

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Wer hier Jäger und wer Gejagter ist, muss sich erst noch zeigen.
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Ein Aspekt, den man niemals vernachlässigen sollte: Exodus ist ein fremder, feindlicher Planet, der eine Seite stets der Sonne zuwendet - die andere bleibt (wie "Bowery") immer im Schatten. Ohne technische Gadgets verschiedenster Art wäre Samuels daher ziemlich aufgeschmissen, beispielsweise übersetzt der "Visor" nicht nur die Aliensprache, er gibt auch visuelle Tipps. Befindet sich etwa ein Opfer auf der Flucht, ist es aufgrund einer roten Silhouette sogar durch Wände hindurch sichtbar.

Prey 2 überrascht trotz der Abwesenheit von Portalen und einem neuen Open-World-Ansatz mit interessanten Spielmechaniken abseits des Mainstreams.Ausblick lesen

Ihr werdet auf euren Streifzügen viele unterschiedliche Optionen besitzen, wie ihr Aufgaben löst und wie ihr Geld verdient. Helft ihr einfach einem in Not geratenen Passanten (wenig Belohnung), stiftet ihr Unruhe und legt euch mit automatisierten Gesetzeshütern an oder nehmt ihr schwierigere Missionen an, die aber eine gute Bezahlung versprechen?

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Unbegrenzte Möglichkeiten: Wie ihr mit NPCs verfahrt, bleibt euch überlassen.
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Auch bei der Erfüllung solcher Aufträge seid ihr bei der Wahl der Mittel recht flexibel: Natürlich könnt ihr auch einfach mit der gezogenen Waffe (per Default sind alle Wummen geholstert) in eine Bar stürmen und das Ziel eliminieren. Doch es gibt auch die Option, eure Opfer gefangen zu nehmen und durch (potenziell tödliche) Befragung wichtige Informationen zu erhalten. Es gibt meist, so betont Reinhart, nicht nur den einen "richtigen" Weg, eine Mission erfolgreich abzuschließen. Ob ihr lieber redet, zu Gewalt greift, verschiedene Wege oder Waffen einsetzt, hängt von vielen Faktoren ab, und in der Regel soll es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten geben, sogar Geiselnahmen sind möglich.

Erst denken, dann schießen!

Doch häufig genug widersetzen sich die Ziele natürlich einer Gefangennahme und besitzen eine kleine Privatarmee, die ihre kostbare Alienhaut beschützt. Oft ergreifen sie auch die Flucht und setzen dabei Technologien wie Mini-Teleporter ein. In diesen Momenten kommt der Mix aus Action und Kletterei zum Tragen, der im Mittelpunkt des Spielgeschehens steht und den die Humand Heads "agile combat" nennen.

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Auf Exodus trefft ihr etliche verschiedene Alien-Rassen.
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Beide Elemente sind sehr gut miteinander verbunden, Ballerei sowie Hüpf- und Kraxelei scheinen eine Einheit darzustellen. Glücklicherweise haben die Entwickler mit den Hover Boots ein sehr nützliches Feature integriert, sodass nervige Abstürze aus großer Höhe nicht an der Tagesordnung stehen dürften. Selbst wenn Killian mit nur einer Hand an einem Vorsprung hängt, schießt er mit der anderen über Brüstungen. Gleichzeitig versorgt ihn das minimale aber sehr aussagekräftige HUD-System mit den wichtigsten Informationen über seine Feinde.

Einen tollen Eindruck hinterlassen bisher die Gefechte, in denen allerhand interessanter Waffen zum Einsatz kommen und die verschiedenste taktische Optionen eröffnen: So setzt Samuels neben durchschlagskräftigen Schießprügeln auch Gravitationsgadgets ein, pinnt seine Feinde im Flug mit Nailgun ähnlichen Geschossen die Rübe weg (blutig!) oder benutzt als Zweitwaffe parallel zur Standardwaffe noch einen zielsuchenden Raketenwerfer.

Nicht nur in diesen Momenten zeigt die modifizierte idtech-4-Engine, dass sie noch einiges auf dem Kasten hat - die Baller- und Physikeffekte können sich wahrlich sehen lassen. Das gilt übrigens auch für den riesigen Gegner, der das Ende der Präsentation einläutet... Es soll nicht bei dieser einzigen monströsen Gefahr bleiben, verspricht man.

Die abschließende Frage nach dem Mehrspielermodus beantwortet Matt Bisenius übrigens mit einem klaren "Nein". Man fokussiere sich voll und ganz auf den Einzelspielermodus, für mehr sei das Human-Heads-Team einfach zu klein. Nach dem halbgaren Multiplayer-Ansatz des Vorgängers wird darüber vermutlich kaum jemand traurig sein - solange eine spannende Kampagne geboten wird.