Versucht ihr bei einem Spiel alle Trophäen zu sammeln oder strebt ihr lieber ein oder zwei gute Spieldurchläufe an? Wieso ich euch das frage? Die Antwort wird euch sagen können, ob ihr mit der Mooncrash-Erweiterung zu Prey etwas anfangen könnt oder nicht.

Eines muss man ihnen lassen - die Musik im Trailer ist genial:

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Täglich grüßt das Alien-Tier

Im SciFi-Film Edge of Tomorrow erlebt Tom Cruise jeden Tag dieselbe Space-Schlacht aufs Neue. Logisch, dass er die ersten vierzig Mal auf irgendeine Weise stirbt, zerlasert, erschossen oder von einem brennenden Trümmerteil erwischt wird. Ab dem hundertsten Mal aber kennt er das Schlachtfeld komplett auswendig, weicht jeglichem Material elegant aus und kann seinen Kameraden wie ein Meteorologe genauestens vorhersagen, wann Ereignis A Ereignis B auslösen wird.

Darf ich euch eure Überlebenden-Crew vorstellen?

Aus fremder Sicht sind diese prophetischen Fähigkeiten sicherlich sehr beeindruckend, für Tom Cruise’ Charakter ist es hingegen irgendwann nur langweilige Routine-Arbeit. Zum Glück bekommen wir im Film nur wenige von seinen Durchläufen zu sehen und nicht alle. Der Mooncrash-DLC hat sich die Frage gestellt, ob dieses Prinzip auch spielerisch interessant sein könnte. Hier spielt ihr den Hacker Peter, der für ein Unternehmen untersuchen soll, was auf einer der Raumstationen des Hauptspiels passiert ist. Spoiler: Alien-Ausbruch!

Über eine Simulation sollt ihr dabei in fünf verschiedene Überlebende schlüpfen und ihnen allen zur Flucht verhelfen. Da sie alle unterschiedliche Fähigkeiten haben - der eine ist eher schießwütig, die andere kennt sich mehr mit Maschinen aus, die Putzkraft kann gar nichts - bietet sich für jeden von ihnen eine andere Vorgehensweise und Fluchtmöglichkeit an. Ihr habt unendlich viele Durchläufe, könnt alles behalten, was ihr unterwegs sammelt, und gewinnt letztendlich, wenn ihr es schafft, alle Personen in einem Rutsch von der Station herunterzubringen. In der Vorstellung klingt das noch mega-cool und ich bin ein wenig traurig darüber, dass ich nicht meine alleinige Vorstellung bewerten darf.

Wunderschön, nicht wahr? Nicht mehr beim zwölften Mal

Nun zur Realität - Ächz - Fünf Tom Cruises kämpfen sich immer wieder durch dieselbe Raumstation. Aus dem Startraum raus, heruntergesprungen, Jetpack geschnappt, durch die Aliens geballert, Fähigkeiten hochgeskillt, Notkapsel gefunden, Gurt umgeschnallt und Tschüss! Ihr werdet viele Tode sterben, viel Munition verschießen und an manchen Stellend vermutlich das Echo eines früheren Seufzers von euch nachhallen hören. Wenn ihr einem Freund irgendwann euren letzten Durchlauf zeigt und dabei fast einen Speedrun hinlegt, wird er aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Ihr dagegen werdet sagen: “Übung macht den Meister...viel Übung...sehr viel.”

Die Mooncrash-Erweiterung hat den Vorteil, dass sie in der großartigen Spielwelt von Prey stattfindet. Ihr werdet viele Anspielungen zur Hauptgeschichte wiederfinden, mit altbekannten Waffen-Lieblingen schmusen können und euch dabei erwischen, wie ihr in Erinnerungen vergangener Kämpfe schwelgt. Aber das ist nicht Prey, nur eine Arcade-Simulation. Dark Souls-Masochisten werden sich in den ewigen Try and Error-Schleifen wie zuhause fühlen, für alle anderen Spieler gibt es hier nicht viel zu verpassen.

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Es gibt noch eine bestimmte Liste an Aufgaben, die euch dazu anspornen soll, bestimmte Durchläufe zu meistern, aber wenn ihr einmal von der Basis entkommen seid, wieso wollt ihr dann wieder und wieder entkommen? Weil eine Jury Preise für die schönste Flucht mit Pirouette vergibt? Sobald ihr alles einmal gesehen, verstanden und die Aliens gebändigt habt, stellt sich wegen der fehlenden Dringlichkeit auch die Frage, warum ihr überhaupt noch fliehen solltet.