Portal ist das dritte neue Spiel, das im Rahmen der "Orange Box" neben Half-Life 2: Episode 2 und Team Fortress 2 von Valve veröffentlicht wurde. Wie bei TF2 griff das Entwicklerteam auf eine teilweise vorhandene Spielidee zurück, nämlich die Freeware bzw. Technologiedemo Narbacular Drop, das als Studienprojekt von Nuclear Monkey Software am DigiPen Institute of Technology entwickelt wurde.

Allerdings unterscheidet sich das Spiel in einem entscheidenden Punkt von den beiden anderen: es ist praktisch völlig gewaltfrei, mit Shooter-Action hat es praktisch nichts mehr gemeinsam. Vielmehr handelt es sich bei Portal um ein cleveres Knobelgame, das eure grauen Zellen mal so richtig auf Trab bringt und zudem perfekt inszeniert ist.

Portal - No EscapeEin weiteres Video

Hilfe, ich will hier raus!

Im Mittelpunkt steht ein weibliches Wesen namens Chell, das an einer Testreihe der Aperture Science Enrichment Center der Aperture Laboratories teilnimmt. Pikanterweise handelt es sich dabei um einen direkten Konkurrenten von Black Mesa - womit geschickt der inhaltliche Bogen zum Half-Life-Universum geschlagen wird. Wer die Filmserie "Cube" gesehen hat, kann sich in ungefähr vorstellen, in was für eine klaustrophobische Umgebung es die Heldin verschlägt.

Portal - Durch das Tor der guten Spielideen - Portal setzt neue Maßstäbe.

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Wie kommt man nur da rauf?
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In den geschlossenen Räumen, steril anmutend und Gummizellen nicht ganz unähnlich, bietet sich immer nur ein Weg in die Freiheit bzw. in die nächste Testanordnung, die insgesamt aus 19 Räumen besteht. Nur mithilfe der Portal-Gun ist es euch möglich, die Puzzles zu lösen. Mit ihr erschafft ihr Dimensionsportale, die euch über unüberwindbare Hindernisse, auf Plattformen, über Säureseen oder andere potenziell todbringende Probleme hinweghelfen.

Allerdings hat es zunächst gar nicht den Anschein, als befinde man sich in unmittelbarer Gefahr. Die Künstliche Intelligenz Namens GLaDOS (Genetic Lifeform and Disk Operating System) begleitet euch während des gesamten Spiels, das nur eine Länge von etwa drei Stunden hat, verbal über den Hindernisparcours und ermuntert euch bzw. gibt euch gelegentlich Tipps. Sie macht auch einen großen Teil der gelungenen Atmosphäre aus.

Packshot zu PortalPortalErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die säuselnde Stimme warnt euch vor Fehltritten, später jedoch wird sie zunehmend widerborstig und sogar feindselig und offenbart so ihren schizophrenen Charakter. Das äußert sich z.B. so: "Please note, we have added a consequence for failure. Any contact with the chamber floor will result in an unsatisfactory mark on your official testing record, followed by death. Good luck." Mehr wollen wir über die spannende Story jedoch nicht verraten. Nur soviel: Mit Raum 19 ist eure Odyssee durch das Testcenter nicht unbedingt beendet. Es sei denn, ihr steht auf gebackenen Kuchen...

Die Spielidee ist so einfach wie genial und bietet in Kombination mit der tollen Präsentation einen Mix, den man sich nicht entgehen lassen sollte.Fazit lesen

Backe, backe Kuchen...

Das geniale an Portal ist aber neben der astreinen Präsentation, die zwar insgesamt sehr schlicht, dafür aber bis in kleinste Detail ausgetüftelt, daherkommt, in erster Linie das Knobel-Gameplay. Kein Raum ist wie der vorherige aufgebaut und langsam aber sicher steigert sich die Schwierigkeit zusehends. Während es zu Beginn noch genügen mag, eine kleine Schlucht mit nur einem Portal zu überbrücken, müssen später gleich Dutzende Räume überwunden werden und nur selten erschließt sich der Lösungsweg auf den ersten Blick.

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Jetzt aber nix wie weg!
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Häufig genug muss man "um die Ecke denken" und nutzt Gegenstände, um beispielsweise Schalter auszulösen. Dann wieder lasst ihr euch im freien Fall durch mehrere Portale hintereinander fallen und gelangt nur durch dieses gewonnene Momentum über die vor euch liegenden Hindernisse oder z.B. auf höher gelegene Plattformen. In jedem Fall aber an Orte, die sonst völlig unerreichbar wären. Oder wie bemerkt GLaDOS doch so schön: "Speedy thing goes in, speedy thing comes out."

Besonders "tricky" wird es, wenn ihr Problemstellungen völlig unterschiedlicher Räume miteinander kombinieren müsst. So seid ihr beispielsweise in der Lage, Portale in einem Raum zu öffnen und den Ausgang ganz woanders zu platzieren. Auf diese Weise ist es möglich, auch auf den ersten Blick unlösbare Rätsel letztendlich im Handstreich zu bewältigen, indem man Energiekugeln oder sogar Raketen umlenkt. Man muss nur drauf kommen - und sollte diesen Geschossen bei ihrer Passage durch das "Raum-Zeit-Kontinuum" möglichst nicht selber im Wege stehen...

Bei aller Finesse sind die Rätsel jedoch immer fair und nie fies. Mit ein bisschen Geduld kann man eigentlich immer auf die Lösung kommen, den einen oder anderen virtuellen Tod kann es durch Unfälle aber durchaus geben. Bis auf ganz wenige Ausnahmen werdet ihr auch nie unter Druck gesetzt und könnt euch in aller Ruhe den Kopf darüber zerbrechen, wie ihr der teuflischen Versuchsanordnung entkommen könnt.

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Oh je, ist das kompliziert!
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Die Kombination der sich nur sehr langsam, dafür aber umso heftiger aufbauenden Story und der Portal-Rätsel resultiert schließlich in einem innovativen Stil-Mix, den es so bisher noch nicht gegeben hat. Gerade im zweiten Spielabschnitt zieht nicht nur die Schwierigkeit deutlich an, auch die Spannung um das Schicksal Chells steigert sich zusehends bis in ein dramatisches Thriller-Finale und motiviert ungemein bis zum Ende dabei zu bleiben.

Einziges Manko ist die geringe Spielzeit von lediglich etwa drei Stunden. Neue Maps wurden aber bereits in Aussicht gestellt. Grafikfetischisten werden ebenfalls nicht wirklich auf ihre Kosten kommen. Doch im Hinblick auf die überaus gelungene Gesamtpräsentation und Atmosphäre sollte man sich Portal deswegen sicher nicht entgehen lassen.