Die Erde bebt, die Menschen zittern, die Götter sind erzürnt. Ein Publisher öffnet die Retroschublade und kramt doch tatsächlich das alte Populous hervor. Was vor zwei Jahrzehnten die damals noch junge Welt des Videospiels auf allen gängigen Systemen gehörig ins Wanken brachte, kann in einer Neuauflage für Nintendos Kleinste doch nicht schlecht sein, oder?

Zwanzig Jahre ist es nun tatsächlich schon her, dass ein gewisser Peter Molyneux mit seinem Erstlingswerk Populous die Göttersimulation erfand. Er trug damit nachhaltig zum Wachstum der gesamten Branche bei, sicherte sich einen Platz auf dem Olymp der Spieleentwickler und ließ bei einem Publisher namens Electronic Arts die Kassen klingeln.

Populous - Gameplay Trailer Japanisch

Retro ist in

Möglicherweise klingelte es damals so laut, dass man bei EA noch heute, gerade in solch wirtschaftlich schwierigen Zeiten, das Echo durch die Gänge hören kann. Ein neues Produkt aus einer alten Idee zu zimmern, drängt sich da fast auf. Immerhin ist Retro gehörig in Mode, und außerdem sind die meisten potentiellen Kunden weit jüngeren Datums als der altehrwürdige Titel, an dem sich deutlich erkennen lässt, dass die Menschheit doch eher technisch als kreativ veranlagt ist.

Populous - Peter Molyneux' Meisterwerk ist wieder da

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Die Gefolgsleute unterschiedlicher Gottheiten haben unterschiedliche Eigenschaften. Auf das Gameplay wirkt sich das kaum aus.
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Denn was 1989 noch modernste Prä-Pentium-Plattformen mit Mühe und Not technisch bewerkstelligten, erledigt heute jede Handheld-Konsole im Handumdrehen. Umso erschreckender, dass sich in Sachen Spieldesign auf dem Markt in all den Jahren nur recht wenig getan hat und die wahren Quantensprünge bei der kreativen Softwareentwicklung tatsächlich zum Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre gemacht wurden. Die alten Titel von Leuten wie Sid Meier, Richard Garriott, 'Wild Bill' Stealey und eben Peter Molyneux sind der Beweis.

Wuselfaktor und Gotteszorn

Doch reicht das simple Spielprinzip des göttlichen Klassikers aus, um auch moderne DS-Spieler zu begeistern? Das müsste es, wenn EA an den alten Erfolg anknüpfen will, denn am Gameplay hat sich nicht viel geändert. Noch immer wuselt eine Horde gläubiger Anhänger über die Landschaft, stets darum bemüht, sich auf jeder noch so kleinen Ebene häuslich niederzulassen. Dort vermehren die Gottesfürchtigen dann nicht nur sich selbst, sondern auch die Mediale Energie – eine Art Mana.

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Nur ein ausgelöster Zauber sorgt für eine kurze Unterbrechung der wichtigen Planierarbeiten.
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Und genau davon zehrt der Spieler und darf, in seiner Funktion als oberste Gottheit des Wuselvolks, eine Reihe unterschiedlich destruktiver Zauber wirken. Diesem göttlichen Zorn lässt man im Idealfall im Einflussbereich einer konkurrierenden Gottheit freien Lauf. Denn dort siedelt und wuselt es nicht minder intensiv und niemandem gönnen wir die Mediale Energie weniger als dem unwürdigen Kollegen vom Olymp.

Aufgewärmte Götterspeise ohne taktischen Tiefgang. Wenn so der Alltag einer Gottheit aussieht, dann möchte ich lieber keine sein.Fazit lesen

Klingt insgesamt recht spannend. Könnte es auch sein – wenn da nicht die göttliche Alltagsarbeit wäre. Die besteht darin, den Boden zu heben und zu senken, damit die Untertanen möglichst ohne Hindernisse siedeln können. Denn je größer die Ebene, desto größer und effektiver das Anwesen, das darauf entstehen kann. Wer besonders schnell Berge abträgt und Ozeane trockenlegt, dessen Anhänger leben bald in prunkvollen Schlössern und produzieren entsprechend viel von dem göttlichen Glaubenssaft.

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Die Gottheit der Ernte lässt Pilze wuchern, um feindliche Expansionsgelüste einzudämmen.
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Und so hebt und senkt man sich dem Reich des feindlichen Götzen entgegen, der einem von fünf Elementen angehört und entsprechend geartete Zauber wirken kann. Ist der Energiepool des Widersachers aufgeladen, entlädt der seinen Zorn über den schönsten Wohngebieten. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob der Übelwicht nun verbrannt, verseucht, überschwemmt oder weggeblasen hat – wer diesen göttlichen Unfug wieder neutralisieren will, muss erneut planieren. Anfangs mag das noch recht spaßig sein, mit der Zeit ist es nur noch stupide und man bekommt das Bedürfnis, die Runde möglichst schnell zu beenden.

So komplex wie „Mensch ärgere dich nicht“

Und um dem Spiel auch noch den letzten Funken taktischen Anspruch zu nehmen, kann man genau das tun. Dafür muss man nur einen letzten Götterfunken versprühen und zum Endkampf blasen. Dann laufen sämtliche existierenden Anhänger der eigenen Göttlichkeit todesmutig auf die Heerscharen des Götzengegners zu. Diese alles entscheidende Schlacht kennt nur einen Sieger. Immerhin wird das Gemetzel stimmungsvoll von Beethovens 9. Sinfonie untermalt – auch bekannt als 'Ode an die Freude'.

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Freude, schöner Götterfunke! Wird der Endkampf ausgelöst, rennen beide Parteien aufeinander zu, bis nur noch ein Untertan übrig ist. Völlig sinn- und taktikfrei.
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Für einen Götterfunken Abwechslung sorgen die Entwickler wenigstens durch die zehn unterschiedlichen Szenarien, auf denen jeweils leicht veränderte Bedingungen herrschen. So gibt es im Weltall kein Wasser und im antiken Persien brausen die Untertanen auf Teppichen über die Landschaft. Recht kreativ geraten ist vor allem die 8-Bit-Ebene, in der alle früheren und aktuellen Nintendo-Konsolen ihren Auftritt bekommen.

Minispiel und Ohrengraus

Wenig Kreativität bewiesen die Entwickler von Rising Star Games und ihr Publisher Electronic Arts allerdings beim Sound. Der verdient das Prädikat 'besonders nervig'. Die Geräusche entstammen irgendeiner alten Tonsammlung und scheppern unschön aus dem DS. Die Musik beschränkt sich auf ein nervtötendes Gedudel, bei dem sich zwar ein Takt, doch beim besten Willen keine Melodie ausmachen lässt.

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Auf der 8-Bit-Ebene haben alle früheren und aktuellen Nintendo-Konsolen ihren Auftritt.
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Hat man die vorgegebenen Missionen satt, kann man sich auch in einem freien Spiel eigenen Regeln unterwerfen und sich im 'Versus-Modus' mit einem anderen Besitzer von Populous DS im Planieren messen. Und wer es gern noch anspruchsloser hat, darf auf 'Kriegerjagd' gehen. Dabei handelt es sich um eine Art Moorhuhn-Verschnitt, bei dem man auf der Aktionskarte Ziele mit dem Touchpen berühren muss.

Ein solches Minispiel zu integrieren wäre allerdings kaum nötig gewesen, denn viel mehr als ein solches ist auch Populous DS nicht. Gott sei Dank ist der Göttervater und Altmeister Peter Molyneux noch am Leben, sonst hätte er sich spätestens mit dem Erscheinen dieses Ablegers seiner 20 Jahre alten Göttersimulation im Grabe rumgedreht.