Kürzlich feierte die Piratenpartei in Berlin ihren historischen Sieg, mit dem sie in den Landtag einzog. Ihr schwedisches Vorbild, das sogar Sitze im Europaparlament hat, hatte letzte Woche weniger Glück: Bei der größten, schwedischen Spielemesse Gamex, warf man sie wieder raus. Der Grund: Sie wären zu kontrovers!

Auf der schwedischen Gamex, die vom 3. bis 6. November stattfand, waren alle großen Publisher vertreten. Activision, Electronic Arts genauso wie Microsoft und Nintendo. Eigentlich wäre die Piratenpartei auch da gewesen - sie hatte sogar Werbung gemacht, bereits Hotelzimmer gebucht und alles für einen Stand auf der Messe vorbereitet. Allerdings sagte man ihr in letzter Minute ab.

Anna Troberg, die Vorsitzende der schwedischen Piratenpartei kommentierte diese Tatsache damit, dass sie schlicht nicht länger willkommen seien. Dabei hatten die Verkäufer der Messe die Partei monatelang vor der Ausstellung darum gebeten teilzunehmen. Also buchten und bezahlten sie für einen Messestand, stimmten einem Werbepakt zu und nahmen sich Hotelzimmer. Alles war für eine Teilnahme an der Messe vorbereitet.

Die überraschende Nachricht kam dann kurz vor dem Beginn der Ausstellung.

„Am Dienstagnachmittag rief ich einen Vertreter der Show an, um ein paar einfache, praktische Fragen zu stellen, aber sie schien total gestresst zu sein, sagte nur etwas sehr vages über die Show und dass sie keine Probleme haben wollte, bevor sie auflegte. Ich habe das für ein wenig seltsam gehalten, aber am Nachmittag klärte sich das Ganze auf, als einer der Ausstellungsmanager, Bear Wengse, mich anrief und freundlich aber bestimmt erklärte, dass die Piratenpartei nicht länger auf der Messe willkommen sei.“

Wengse teilte Troberg mit, dass die Ausstellung ein Treffpunkt sei und kein Austragungsort für politische Konflikte und dass die Anwesenheit der Partei Probleme verursachen könnte; ein Teil ihrer Arbeit „könnte als kriminell aufgefasst werden“. Zwar entgegnete Troberg, dass man als politische Partei einige Gesetze demokratisch ändern wolle, was keineswegs als Verbrechen aufgefasst werden kann, trotzdem blieb die Partei verbannt.

Einen kompletten Ausschluss der Politik gab es übrigens nicht. Die Swedish Social Democratic Youth League (SSU) durfte ohne große Probleme erscheinen - und das, obwohl auch sie die Entkriminalisierung des nichtkommerziellen File-Sharings unterstützen.

Wer dann aber seine Solidarität mit der Piratenpartei zeigen wollte, wurde nicht enttäuscht: Die Jugendgruppe der Partei verteilte vor der Messe kostenlose T-Shirts.