Die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber dem, in Amerika geplanten SOPA-Gesetzentwurf, nimmt immer krassere Züge an. Nachdem große Publisher wie EA, Sony und Nintendo ihre Unterstützung für den Entwurf zurückgezogen haben, drohen nun auch Facebook und Google mit etwas, das als Äquivalent zur thermonuklearen Katharsis gedeutet werden kann: Die Totalabschaltung ihrer Dienste.

Was ist der SOPA?

Die Abkürzung steht für Stop Online Piracy Act und wurde im Oktober 2011 vor dem US-Repräsentantenhaus vorgestellt. Bei dem Gesetzentwurf handelt es sich um einen Versuch, die Rechte der Musik- und Medienindustrie zu stärken. Eine Umsetzung würde allerdings das Internet, in seiner aktuell bestehenden Form, völlig zerstören. Alle Dienstleister, die ihre Angebote online abwickeln, also jede Firma vom Provider über Kreditkartenunternehmen, Webhoster oder Serveranbieter wie Amazon, wären damit verpflichtet, ihre Dienste einzustellen, über die direkt oder indirekt Urheberrechtsverletzungen begangen werden könnten. Im Klartext hieße das: Wenn ein Anbieter einen Server im Netz vermietet, was ja gang und gäbe ist, dann darf er das nicht mehr machen, da es ja möglich wäre, urheberrechtlich geschütztes Material auf diesem Server zu verbreiten. Und auch für Suchmaschinen wie Google ist das ein Problem: Auch über automatisch aufgebaute Suchindizes können schließlich Urheberrechtsverletzungen verbreitet werden. Und jeder, der bei Facebook ein YouTube-Video auf seinem Profil veröffentlicht, das ein Musikstück enthält, an dem er nicht das Urheberrecht hat, verbreitet ebenfalls geschütztes Material. Maßgeblich initiiert wurde der Gesetzentwurf von der amerikanischen Film- und Musikindustrie, um eine Handhabe gegen Seiten wie z.B. The Pirate Bay zu haben.

Die Konsequenz

Große Anbieter wie Google und Facebook drohen daher im Zweifel mit einer drakonischen Lösung: Wenn der Gesetzentwurf durchgeht, sehen sie sich gezwungen ihre Dienste abzuschalten. Komplett und radikal. Das wäre nicht nur das Aus für das Internet, wie wir es kennen - auch von Google und Facebook abhängige Wirtschaftszweige würden komplett zusammenbrechen. Online-Magazinen würden die Leser wegbrechen, Firmen die Produkte verkaufen und über Google bewerben erlitten massive Verdiensteinbrüche - kurzum: Die Katastrophe wäre perfekt. Seitens Wikipedia wird ebenfalls eine breite Unterstützung der Abschaltpläne signalisiert. Sollten die Unternehmen ihre Drohungen in die Tat umsetzen, für den Fall, dass der SOPA Realität wird, wird es schlagartig still und dunkel im Netz.

Aber nicht nur die großen Anbieter protestieren gegen den Gesetzentwurf. Bereits 87.834 Anrufungen an den Kongress konnten vom Microblogging-Dienst Tumbler generiert werden. Die Protestwellen werden auch von Anonymous unterstützt, die mit massiven Anschlägen drohen, sollte der Gesetzentwurf durchgehen.

Die Spielepublisher Sony, EA und Nintendo haben derweil ihre Unterstützung für den SOPA zurückgezocken. Unter anderem womöglich auch, weil sie sich ebenfalls durch Anonymous-Anschläge bedroht sahen. Allerdings ist dieser Rückzug nur sehr oberflächlich. Immerhin unterstützt die Entertainment Software Association, das Vorhaben weiterhin. Und die Unternehmen sind Mitglied der ESA. Es macht also nur einen rein oberflächlichen Unterschied, ob sie ihre Unterstützung zurückziehen, wenn die Dachorganisation eben genau das nicht macht.