Lange habe ich mich darauf gefreut, dass endlich ein neues Pokémon-Spiel rauskommt. Endlich wieder als junger Bub (wahlweise auch Madel) durchs hohe Gras rennen, Pokémon fangen und der beste Trainer der Welt werden. Dabei habe ich mich besonders über die Ankündigung gefreut, dass es etliche neue Pokémon ins Spiel schaffen und die Hintergrundgeschichte ein Leckerbissen werden soll.

Nun mal im Ernst: Ein 27-Jähriger, der mit einem Handheld unterwegs ist und unter Dauerberieselung von japanischem Synthi-Pop kleine Viecher einfängt, die stets und stetig ihren eigenen Namen rufen - das ist schon etwas skurril.

Pokemon: Weiße Edition - Ganz schön viel Bunt für Schwarz-Weiß

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Schweinchen Floink ist eines der Starter-Pokémon.
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Pokémon, was zeichnet das Franchise aus Japan also aus? Im Laufe der Jahre, in denen es schon Pokémon-Editionen in fast allen Farben des Regenbogens - Braun ist keine davon - gegeben hat, ist eines doch stets gleich geblieben. Das ist die Faszination, durch eine fantastische Welt zu reisen und nach stundenlanger Suche DAS eine Pokémon zu finden, das noch in der Sammlung gefehlt hat. Tötet man es allerdings dann aus Versehen, statt es einzufangen, kommt Frust auf.

Doch hat es sich am Ende gelohnt, so viele Jahre auf die mittlerweile fünfte Generation der Pokémon zu warten? Ich konnte die weiße Edition testen, und ihr könnt nun auf den folgenden Seiten lesen, zu welchem Schluss ein alternder Spieler über eines seiner Lieblingsspiele kam.

Alle Jahre wieder und wieder und wieder

Wie viel Handlung braucht man eigentlich bei einem Spiel, das größtenteils durch die Sammelwut, vielleicht auch noch das Tauschfieber oder die Kampfeslust der Spieler lebt? Ist die Handlung wirklich wichtig oder leitet sie den Spieler nur und bildet mehr so etwas wie einen Rahmen? Ohne Handlung würde ein kleiner, aber bedeutender Bestandteil bei Pokémon fehlen: der Hintergrund.

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Die Einall-Region. Erinnert ein wenig an die Dubai-Palme.
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Und genau darum geht es in allen Pokémon-Editionen: den Hintergrund und die Herkunft der kleinen Taschenmonster. Sie werden erforscht, die Technologie ist sogar so weit, sie in kleine Bälle einzukerkern, doch wo sie herkommen, weiß keiner so richtig. In Pokémon Weiß versucht Professor Esche, dieses Geheimnis zu lüften.

Ich dachte, ich wär allmählich zu alt für so was. Dann hörte ich von einem Mittdreißiger, der sich voller Wonne auf seinen DS stürzte, um Pokémon zu testen.Fazit lesen

Dafür schickt sie drei Kinder mit einem High-Tech-Spielzeug namens Pokédex in die weite wilde Welt, um Informationen über die Fauna der Einall-Region zu sammeln. Unverantwortlich, werden nun einige rufen. Nein, keine Bange, Mutti hat ihr Einverständnis gegeben und heißt das Erwachsenwerden auf Wanderschaft gut. Dass ihr euer Brot durch Straßenkämpfe verdient, stört sie anscheinend auch nicht, denn im Gegensatz zu vielen vorherigen Editionen spart sie kein Geld für euch, sie ruft auch nicht mehr so häufig an.

Um also zum Manne oder Weibe zu werden, erhaltet ihr und eure beiden Freunde Cheren und Bell von der Frau Professor jeweils ein Pokémon und den Pokédex überreicht und macht euch auf zur nächsten Stadt. Dort tretet ihr gegen erwachsene Menschen in fragwürdigen Outfits an, die euch dafür auch noch einen Orden verleihen. Ist hier alles ein wenig anders, bevor ihr fragt.

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In der zweiten Arena ist Ausdauer gefragt.
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Ein Negativpunkt ist also schon einmal deutlich: Die Handlung klingt wie in jedem anderen Pokémon-Teil auch. Ein Kind zieht aus, um Pokémon-Champion zu werden, trifft dabei auf ein Team von Bösewichten, die versuchen, durch Pokémon zur Weltherrschaft zu gelangen, und bringt diese zur Strecke, um dann der Held der Region zu werden. In der weißen Edition ist es diesmal Team Plasma, das Arges im Schilde führt.

Das legendäre Pokémon wird von eurer persönlichen Nemesis in Person des Kerls namens N. gesucht. Dessen Beweggründe sind geheimnisumwittert, doch fordert er euch, neben den Freunden Bell und Cheren, auf dem Weg zur Top-vier immer wieder zu extrem harten Kämpfen heraus. Was er mit Team Plasma zu schaffen hat, ergibt sich im Laufe des Spiels.

Schneeflöckchen, Synthi-Pöpchen

Positive Erwähnung findet definitiv die aufgeputschte Grafik. Durch die neue 3-D-Grafik-Engine ist der Blickwinkel leicht angewinkelt und erzeugt einen hübschen 3-D-Effekt der gesamten Umwelt. Das kommt besonders gut bei den Hochhäusern von Stratos City oder der Himmelspfeilbrücke zur Geltung. Aber auch die Wälder wirken echter, da die Bäume mit der Kamera mitschwenken.

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Die Himmelspfeilbrücke. Steht die nicht in Manhattan?
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Hinzu kommt der Jahreszeitenwechsel. In vorherigen Editionen kam der Tag-Nacht-Zyklus schon mehrfach zum Einsatz, doch durch die Datumeinstellung eures Nintendo DS wechselt die Jahreszeit nun zusätzlich im Monatsintervall. Das bedeutet, dass jede Jahreszeit dreimal pro echtem Jahr durchlebt werden kann. Ich hatte mich beim Test nämlich schon gewundert, dass wir im März Herbst haben sollen. Ist ja Quatsch.

Neben netten visuellen Effekten, wie treibenden Pollen, Schneeflocken oder roten Blättern, hat dies aber auch noch andere Nutzen. Denn im Winter können so zum Beispiel Orte erreicht werden, die vorher durch Wasserflächen oder andere Hindernisse versperrt waren. Nun laufen wir einfach über die Schneedecke. Auch sind saisonal unterschiedliche Pokémon unterwegs.

Während in den Jahreszeiten Frühling bis Herbst der Eisbär Petznief und die Robbe Seejong vergeblich gesucht werden, schlafen im Winter Käfer-Pokémon unter der Schneedecke und können so nicht gefangen werden. Auch das Angeln gestaltet sich im Winter schwerer, aber wem erzählen wir das? Einige Pokémon wechseln auch einfach nur ihr Kleid entsprechend der Jahreszeit.

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Die Steuerung bleibt trotz sich bewegender Kamera lässig.
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Während die Pokémon um einiges detaillierter gestaltet wurden, müssen wir leider mit Game Freaks wegen der Kampfoptik meckern. Zwar bewegen sich die Viecher nun mehr, blinzeln auch mal, doch sind die Effekte alles andere als schön. Verpixelt kommen die Spezialattacken daher, dass es mich graust. Das hätte besser sein können.

Der Soundtrack ist bei weitem nicht so nervig und monoton wie in den Vorgängern. Fetzig in Szene gesetzt, wird er nicht so schnell langweilig wie das 8-Bit-Gedingel des GameBoy. Wo der Soundtrack gelungen ist, ist es die Synchronisierung der Pokémon mal wieder nicht. Vergebens warte ich darauf, dass eines der Knuddelmonster seinen Namen klar artikuliert, stattdessen kommt aber wieder nur ein Störgeräusch beim Auftauchen und Ableben.

Pokéhier, Pokéda

156 neue Pokémon gibt es mittlerweile in der fünften Generation der Pokémon-Serie. Das klingt zuerst nicht sonderlich viel, hatte doch allein die erste Edition schon 151 Pokémon. Wer sich allerdings schon einmal die Zeit genommen hat, alle Pokémon zu fangen und weiterzuentwickeln, weiß, dass das eine Aufgabe für längere Zeit ist.

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Die Straßen von Stratos City sind sehr belebt.
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Das Gute bei Pokémon: Weiße Edition ist, dass das Aufsteigen deutlich schneller geht als in anderen Teilen. Schon relativ früh erhält man den EP-Teiler, mit dessen Hilfe man ein schwächeres Pokémon, ohne in den Kampf involviert zu sein, leveln kann. Auch das Weiterentwickeln kommt mitunter überraschend früh und sorgt für einige glückliche Momente beim Spielen.

Wer eine der vorherigen Editionen gespielt hat, wird in den neuen Scheißerchen nichts großartig Neues entdecken. Sie ähneln sehr ihren Vorgängern, sogar im Aussehen. Die Unlicht-Katze Felilou ähnelt doch sehr Nachtara, wobei Nagelotz und Rattfratz wohl aus einem Wurf stammen könnten.

Ihr belächelt jetzt schon die Namen? Da gibt es noch viel mehr, die das jeweilige Element schnell erraten lassen und gleichzeitig ein Schmunzeln hervorrufen, sollte man in der Bahn plötzlich lauthals anfangen zu schreien: „Hutsassa, du bist dran!“

Jede Menge Spaß mit Pokémon

Neben Sammeln, Tauschen und Kämpfen gibt es aber noch genügend andere Aktivitäten, mit denen ihr den Spielzeit-Timer in die Höhe schießen lassen könnt. Da wäre zum einen das Musical-Theater in Rayono City. Hier könnt ihr mit Dekoartikeln eure Lieblinge ausschmücken und sie auf die Bühne schicken. Je erfolgreicher ihr sie kleidet und sie performen, desto mehr Fans sammeln sich in der Vorhalle und schenken euch neue Artikel. Wo das hinführt, hab ich noch nicht herausgefunden, aber ich habe VIELE Fans.

Ansonsten bietet sich ein Freundeskreis mit gleichen Interessen an, oder wenigstens welche mit Nintendo DS und Pokémon-Spielen. Neben Harmonietests zwischen euren Pokémon könnt ihr Umfragen für das APUK durchführen oder gemeinsam Aufgaben durchführen. Das bedeutet leider nicht, die Geschichte gemeinsam durchzuspielen, sondern es ist eigentlich nur ein Minispiel, bei dem ein Spieler etwas verstecken und der andere es finden muss.

Das integrierte C-Gear kann bei eingeschaltetem Modus Daten von anderen Pokémon-Spielern unterwegs erfassen. So könnt ihr, ohne selbst zu suchen, neue Freunde finden und euch, sofern ihr einen Nintendo DSi besitzt, via Videochat unterhalten, tauschen und Kämpfe austragen.

Für alle, die alte Kameraden schmerzlich vermissen, bleibt zu erwähnen, dass nach Abschluss der Hauptgeschichte Pokémon aus den alten Editionen importiert werden können. Hierfür ist natürlich das Originalspiel auf dem DS vonnöten. Eingeschlossen sind aber nur die Editionen Diamant, Pearl, Platin sowie HeartGold und SoulSilver.

Pokemon: Weiße Edition - Deutscher Trailer