Pokémon Tekken klingt nach einem fantastischen Konzept: Man nehme zwei sehr beliebte Videospiel-Franchises und mixe sie zu einem spaßigen Klopper für Zocker jeden Alters zusammen. Dass solche Videospiel-Pürees funktionieren können, offenbarten nicht zuletzt Marvel vs Capcom und Mario + Rabbids. Warum Pokémon Tekken sich leider hinter diesen tollen Titeln einreihen muss, lest ihr im Test.

Gleich vorweg: Pokémon Tekken DX bietet im Vergleich zum Vorgänger nicht allzu viele Neuerungen. Ein paar neue Pokémon in Form von Darkrai, Glibunkel, Impoleon, Scherox und Silvarro stürzen sich nun ebenfalls in den Ring. Nichts weltbewegendes, allerdings sind neue Charaktere meistens auch das einzige, was sich bei neueren Kampfspiel-Ablegern verändert, das grundsätzliche Gameplay bleibt gleich.

Alle Änderungen und neuen Pokémon von Pokémon Tekken DX im Überblick:

Pokémon Tekken DX - AnkündigungstrailerEin weiteres Video

Zunächst verläuft alles wie gewohnt. Eine Stimme aus dem Off begrüßt euch, erklärt euch die Welt der Pokémon und stellt euch Ferrum vor – eine Insel, auf der sich Pokémon auf eine etwas andere Art aufs Fressbrett geben. Statt rundenbasierten Kämpfen bietet Pokémon Tekken nämlich ein 3D-Action-Kampfsystem, das man beispielsweise aus Dragonball Budokai oder Naruto: Ultimate Ninja Storm kennt.

Die Stimme stellt sich als Nia vor, eure vorläufige Mentorin. Sehr nett: Anders als in anderen Pokémon-Teilen hat Nia tatsächlich eine Synchronstimme verliehen bekommen. Nicht nett: Diese Stimme ist auf Dauer in etwa so ertragbar wie ein 10-Stunden-Loop von “Atemlos”. Besonders da Nia immer wieder dieselben Phrasen à la “I hope you’re ready for this fight!” und “This opponent looks strong!” raushaut, möchte man sie am liebsten sofort stummstellen. Kann man auch. Zum Glück. Leider ist diese Stimme ein schlechtes Vorzeichen für den Rest des Spiels, das viel versucht, aber leider nur wenig richtig macht.

Pokémon Tekken weiß offenbar nicht wirklich was es will, ist nichts Halbes und nichts Ganzes, nicht Fisch, nicht Fleisch. Schade, hier wäre hier deutlich mehr drin gewesen.Fazit lesen

Und wo ist das jetzt Tekken?

Insgesamt hat Pokémon Tekken, außer dem Titel, fast gar nichts mit dem beliebten Prügel-Franchise zu tun. Denn durch die 3D-Perspektive fehlt es an Präzision, oft könnt ihr größere Angriffe kaum genau platzieren. Das auch so wichtige Positionieren von Angriffen in tiefe, mittlere und höhere Attacken sind kaum vorhanden, die Kombos schauen gut aus, sind aber rudimentär und offenbaren nicht gerade viel Spieltiefe. Und sind Letztere nicht genau das, was die Tekken-Reihe immer ausgemacht hat?

Lest ihr euch Entwickler-Interviews durch, offenbart sich euch, woran das liegt: Relativ früh wurde klar, dass sich die beiden Franchises nicht gut miteinander kombinieren lassen, bewegt sich ein Großteil der Taschenmonster doch auf vier Pfoten. Deshalb musste die 3D-Perspektive her. Was bleibt, ist ein Experiment, das bereits in der Entwicklungsphase gescheitert war und gerade Tekken-Fans maßlos enttäuschen würde.

Leider würde es Pokémon-Fans wohl ähnlich ergehen. Die Taschenmonster sehen meistens fantastisch aus, mit der Ausnahme von Mewtu, das aufgrund des realistischen Stils beängstigend ausschaut. Auch die Attacken sind detailreich animiert. Die Stadien schauen fantastisch aus, der Ton ist… Am besten stummzustellen, wenn ihr keine Lust auf eine 08/15-Geräuschkulisse habt. Pokémon Tekken Präsentiert sich also weitgehend richtig. Auch die vielen Optionen um euren Charakter zu gestalten, sind motivierend und zu honorieren. Aber das reicht nicht, wenn ihr das Spiel nicht nach einer halben Stunde beiseite legen wollt.

Ist halt kein Smash Bros

Vielleicht sollte es ja aber auch an mir liegen, dass ich an dem Button-Gemashe einfach keine Freude finden konnte. Sollte ein Spielkamerad Besserung versprechen? Leider nein. Nach kürzester Zeit ist die Luft raus – Gerade, da ich kurz vorher noch die Demo zu Dragon Ball FighterZ gespielt habe.

Im Grunde gibt es zwei Arten von Kampfspielen: Die, die Spaß machen sollen und die, die in einem kompetitiven Rahmen gespielt werden sollen. In der ersten Kategorie findet man die bereits genannten Anime-Brawler, Super Smash Bros. Brawl oder Arms. In der zweiten befinden sich Franchises à la Street Fighter, Tekken, BlazBlue oder das kommende Dragon Ball FighterZ. Pokémon Tekken passt in keine der beiden Gruppen wirklich rein. Es fehlt sowohl an spaßigem als auch an tiefergehendem Gameplay. Eine verpasste Chance. Schade.

Für alle findigen Leser, die den Text wirklich komplett gelesen haben, hier ein kleiner Fun-Fact: Pokémon Tekken heißt in jeder anderen Sprache “Pokkén Tournament”. Warum wurde der Titel ausgerechnet nur für Deutschland abgeändert? Pokkén ähnelt zu sehr der Aussprache von “Pocken”, einer lästigen Kinderkrankheit.