Als ich anfing, Pokémon Go zu spielen, gab es Pokémon Go noch gar nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Als die ersten Versionen ausrollten, mit denen Niantic die Server testen wollte, wurden diese nur an Australier vergeben. Glücklicherweise hatte ich dank meines Studiums „down under“ einige Freundschaften geschlossen, von denen mir ein Code zugespielt wurde.

Als ich das erste mal Pokémon Go startete, fühlte ich mich wie eine fünfjährige Version meiner selbst zu Weihnachten. Mit dem Unterschied, dass mich hinter der Geschenkverpackung statt eines Game Boy-Spiels eine Enzyklopädie erwarten sollte.

Denn Pokémon Go war anfangs schlicht langweilig und dröge. Es gab nur vereinzelt Pokéstops, auch traf man nur auf die einschlägigen Pokémon wie Rattfratz, Taubsi und Habitak. Vollkommen normal eigentlich, ergeht es einem am Anfang der ersten Pokémon-Generation doch ganz ähnlich. Allerdings änderte sich dies über die ersten 20 Spielstunden nicht wirklich - anders als bei den Rollenspiel-Originalen. Zwar lief mir hin und wieder ein Nebulak, Sterndu oder Goldini über den Weg, aber da es viel zu wenige waren, konnte ich keinen meiner neuen Mitstreiter entwickeln. Auch das Distanz-System war verwirrend, was Niantic im Nachhinein zugab und seitdem veränderte.

Entsprach nicht dem finalen Spiel: Der erste Pokémon Go-Trailer

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Nach etwa zwei Wochen war bei mir Schluss: Für meinen Geschmack war Pokémon Go schlicht zu unausgereift, das extrem simple Sammeln der Pokémon erschien mir meinem Lieblings-Franchise unwürdig. Von dem extremen Batterieverbrauch, dem für mich nicht motivierenden Gameplay und den fehlenden Multiplayer-Modi ganz abgesehen.

Die Rückkehr

Nun habe ich Pokémon Go vor wenigen Wochen erneut auf mein Handy geladen, spiele es seitdem auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause und auch sonst wenn ich mich mal für fünf Minuten ablenken will. Warum? Weil Niantic es nach über einem Jahr endlich geschafft hat, ein kurzweiliges aber gleichzeitig vollwertiges Spiel auf den Markt zu bringen, das gerade während der Event-Zeit sehr motivierend ist. So erhielten Spieler vor etwa zwei Wochen die doppelte Anzahl an Erfahrungspunkten und Bonbons für ihre Pokémon.

Das hieß im Klartext: Ein Pokémon zu entwickeln, war keine Sisyphos-Arbeit mehr. Im Gegenteil. Auch deshalb, weil die Anzahl an unterschiedlichen Pokémon, die spawnen können, deutlich aufgestockt wurde und seit meiner Pause unter anderem Beeren eingeführt wurden. Die haben es stark erleichtert, Pokémon zu fangen und zu sammeln.

So bekommt ihr beispielsweise dank einer Sananabeere statt normalerweise drei ganze sechs Pokémon-Bonbons, wenn ihr ein Taschenmonster einfangt. Während des Events resultierte das in einem Dutzend Bonbons, wodurch ihr etwa ein Taubsi sofort zu einem Tauboga entwickeln konntet. Das sorgte für viele Erfahrungspunkte. So stieg ich innerhalb von wenigen Tagen von Trainer-Level 13 auf Level 20 auf. Das Level, auf dem Pokémon Go endlich Spaß macht.

Aber abgesehen von den Pokémon der zweiten Generation und den Beeren kam vor kurzem das wohl wichtigste Feature heraus, wodurch ich jetzt unentwegt Pokémon Go spiele: Raids. In Straßenschlachten stürzt ihr und eure Freunde euch jetzt auf seltene, teils sogar legendäre Pokémon. Das ist motivierend, da es jetzt nicht mehr kaum schaffbar ist, ein voll entwickeltes Machomei oder Bisaflor sein Eigen zu nennen. Außerdem fördert es das Kernprinzip von Pokémon Go: Das Zusammenspiel zwischen Freunden.

Endlich dabei: Legendäre Pokémon

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Ohne Mitstreiter seht ihr nämlich in den meisten Raids keine Sonne, außer der Raid-Boss ist ein schwaches Pokémon Marke Karpador. In Mittagspausen wird also nicht mehr über das Berliner Wetter lamentiert, stattdessen machen sich alle auf den Weg, um ein Turtok oder sogar ein Lavados zu erledigen. Endlich habe ich das Gefühl, Pokémon Go in einer zusammenhaltenden Gruppe spielen zu können, anstatt einfach durch die Gegend zu laufen und dieselben Pokémon zu fangen. Ein wirkliches Miteinander. Kein passiver, gleichzeitiger Konsum eines Einzelspieler-Modus.

Insgesamt macht Pokémon Go endlich Lust auf mehr. Die Änderungen motivieren. Gerade das Beeren-System war ein wichtiger Nachschlag für alle Pokésammler. Seitdem die Raids eingeführt wurden, sieht man endlich richtige Spielergruppen, nicht nur einzelne Nerds, die verloren durch die Wildnis der Großstadt wandern. Vielleicht ist Pokémon Go immer noch nicht das umfangreiche und abwechslungsreiche Abenteuer, dass sich jeder Pokémon-Fan vorgestellt hat. Aber Niantic hat in der vergangenen Zeit bewiesen, dass sie die richtigen Schritte in die Wege leiten, um dieses Ziel irgendwann zu erreichen.