Eine Reise über mehrere Generationen

Wieder andere Folgen tauchten in unterschiedliche Genres – Mystery, Romanze, Krimi, nichts war zu gut für diesen Anime, der durch seine Offenheit selbst gut wurde. Sie beschäftigten sich mit Pokémon-fernen, aber für jeden Menschen, auch die jüngsten, wichtigen Themen. Angst. Liebe. Verlust. Tod. Pokémon nahm seine Zuschauer ernst, was einer der wichtigeren Schritte auf dem Weg war, sein Publikum zu erreichen.

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Ebenfalls wichtig war die relative Abwesenheit einer allzu festen Formel. Natürlich kam es oft zu Pokémon-Kämpfen, die in typischer Shonen-Manier für Spannung und Action sorgten, doch im Gegensatz zu vergleichbaren Tie-In-Anime hielt es sich in besseren Grenzen. Ja, auch Team Rocket wollte die Welt vermittels Pokémon erobern, aber sie heckten unterschiedliche Pläne aus und waren vielfältiger. Wollte man in, sagen wir, der Welt von Yu-Gi-Oh! auf Toilette gehen, musste man zwangsläufig erst mal ein Kartenspiel gegen die Klofrau absolvieren. "Oh Gott, der Mann dort hat einen Herzinfarkt – Zeit für ein Du-Du-Du-Duell darum, wer den Notarzt ruft!"

Der Luxus von Ash und den anderen Figuren in Pokémon war, dass zwar ihre Welt von Pokémon getrieben war, doch Pokémon sind eben auch lebende, unterschiedliche und sich charakterlich entwickelnde Bewohner dieser Welt, und die Rolle, die sie spielen, ist vielseitiger und vielschichtiger als die eines Brummkreisels in Beyblade. Es war zwar bei Pokémon auch die Interaktion mit einem Gimmick, aber eben einem, das man nicht nur cool fand, sondern das auch erzählerisch mehr Möglichkeiten bot. Die konzeptionelle Nähe zu Echtwelt-Tieren half auch, einen unmittelbaren Zugang zu finden. Man muss Kindern nicht erklären, was cool ist am Konzept einer Riesenechse, die Feuer speien kann und dein Freund ist.

Pokémon - Die Anime-Serie - Ich lern von dir und du von mir - Warum die Serie zum Spiel einfach großartig war

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Ein zeitloses Konzept - oder zumindest verdammt nah dran.
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Und da wir gerade bei Yu-Gi-Oh! waren: Dieser Anime, so gut er im Grunde war, krankte zusätzlich daran, dass die genauen Regeln des Spiels sich nicht nur begrenzt gut in ein Echtzeit-Action-Format transportieren lassen, sie waren zumindest in der Anfangszeit des Anime auch nur unzureichend bekannt und wurden daher nicht vernünftig dargestellt. Bei Pokémon hingegen ist es fast umgekehrt: Das rundenbasierte Geschwurbel der Games ist, wie in quasi allen rundenbasierten Rollenspielen, nur eine mechanische Aufarbeitung eines Vorgangs, der im echten Leben natürlich zeitgleich passieren würde und das in der Serie dann auch tat. Ein Gegner in einem Kartenspiel ist durch die Regeln verpflichtet, auf seinen Zug zu warten. Ein wildes Rattikarl, das in einem Busch darauf lauert, dir die Nase abzubeißen, nicht. Durch diesen Umstand hat Pokémon bei der Verwandlung in einen Anime gewonnen, wo viele andere Tie-Ins eher verlieren.

Pokémon läuft, auch in seiner Anime-Form, seit fast 20 Jahren und ist immer noch gut dabei. Es zählt über 900 Episoden. Es hat Dutzende Specials, Filme und Spin-offs. Es hat Kinder zum Lachen, Weinen und Spielen gebracht, die mittlerweile selbst Kinder haben, die wiederum all das auch erleben können. Es hat mehr Menschen geprägt, als man einem auf Kinder-Rollenspielen basierenden Anime zutrauen sollte. All das wäre nicht möglich, wenn es ein lieblos hingeschluderter Zeichentrick zum Verkauf von Zeugs wäre. Und auch, wenn ich schon vor langer Zeit aufgehört habe, die Serie zu gucken, wärmt es mir doch das alte, verfettete Herz, zu wissen, dass Kinder da draußen immer noch eine der besten Verknüpfungen von Spiel und Cartoon genießen können, die es gibt – ganz, wie ich es tat.

Wenn ihr mehr zu Pokémon und der Geschichte der Spielreihe erfahren möchtet, empfehlen wir euch unser Special zur Entstehung von Pokémon.

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