Es fing an mit einem unscheinbaren Videospieljournalisten, der eine einschlagende Idee hatte. Denn Satoshi Tajiri, der Erfinder von Pokémon, war lange Zeit gar kein Videospielentwickler. Nachdem er sein Abi aufgrund von zu hohem Videospielkonsum beinahe versemmelte, entschied er sich, ein Videospiel-Fanzine zu starten. Der Titel? Ein Name, der jedem Pokémon-Fan ein Begriff sein sollte: Game Freak. So lernte er unter anderem Ken Sugimori kennen, der bis heute der wohl einflussreichste Zeichner der Taschenmonster geblieben ist. Doch um die ganze Geschichte zu erzählen, müssen wir die Zeit um einige Jahre zurückdrehen. Bis ins Jahr 1970, als Tajiri gerade einmal fünf Jahre alt war.

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Den Grundstein für seinen späteren Geniestreich legte Tajiri schon im Kindesalter. Als Heranwachsender liebte er es, durch die Wiesen und Wälder von Machida, einem sehr ländlich gelegenen Teil Tokyos, zu wandern und Insekten zu sammeln. Diese Sammelwut brachte ihm unter Gleichaltrigen den Spitznamen “Dr. Bug” ein, darf man den Erzählungen seines Vaters Glauben schenken. Jahrelang beschäftigte sich Tajiri mit kaum einem anderen Thema, doch die Urbanisation machte auch vor Machida nicht Halt. “Den Wäldern wichen Häuserblocks, statt vor meinem Lieblingstümpel stand ich eines Tages vor einer Arcade-Halle”, so beschrieb es Tajiri in einem Interview mit dem Times Magazine im Jahre 1999. Mit der Verdrängung der Natur veränderte sich auch sein Lieblingshobby: Fortan widmete er sich Videospielen.

Videospiele bestimmten Tajiris Lebensinhalt jedoch zu einem ungesunden Maße: Tage und Nächte verbrachte er in Arcade-Hallen. Bei seinem Lieblingsspiel Space Invaders wurde er irgendwann so gut, dass der Besitzer seiner Stamm-Halle ihm einen eigenen Automaten schenkte. Seine schulischen Leistungen brachen ein, bis irgendwann einer seiner Lehrer bei seinem Vater anrief und ihm attestierte, dass Tajiri sein Abi nicht abschließen würde. Doch er hatte schon längst andere Pläne.

Pokémon - Die Geburt von Pokémon - Vom Bankrott zum Millionär

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Die ersten sechs Seiten der ersten Game Freak Ausgabe - alles von Hand gezeichnet!
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Mit 17 startete er Game Freak, ein Videospiel-Fanzine, in dem er sein gesammeltes Wissen über die verschiedensten Arcade-Hits notierte und der Öffentlichkeit detailliert offenbarte. In Zeiten vor Internet und Smartphones war die Game Freak für viele Spieler eine der wenigen verfügbaren Informationsquellen und dazu auch noch sehr preiswert: Gerade mal 300 Yen kostete eine Ausgabe, umgerechnet waren das Zwei Euro Vierzig. Grund für den niedrigen Preis waren unter anderem die geringen Produktionskosten: Tajiri schrieb und layoutete alles von Hand, fotokopierte dann das Heft und verschickte es anschließend per Post. Zusammengehalten wurde jedes dieser Hefte von Büroklammern. Klingt ziemlich verrückt, wenn man sich das heute vorstellt.

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Die ersten fünf Seiten der zehnten Ausgabe der Game Freak
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Trotz der fehlenden Ressourcen lief Game Freak sehr gut, hatte zwischenzeitlich über 300 Abonnenten. Bereits mit der zweiten Ausgabe konnte Tajiri viel Aufsehen erregen: Sie handelte vom damals frisch erschienen Arcade-Dauerbrenner Xevious. Da der neue Hit von Namco auch bei Arcade-Gamern schnell beliebt wurde, holten sich dementsprechend viele Interessenten auch die Game Freak Ausgabe, die viele Tipps und Tricks zum Spiel enthielt. Kurz nach Veröffentlichung der zweiten Ausgabe ging außerdem das Gerücht um, dass ein Spieler bereits nach einer Woche nach Release des Automaten die 10 Millionen Punkte-Marke geknackt hätte.

Dieser Spieler wurde daraufhin von Namco kontaktiert, er solle doch bitte einen Strategy-Guide zu Xevious schreiben. Namco übergab ihm zudem exklusives Pressematerial und nie genutzte Zeichnungen zum Spiel. Da er allerdings mitten im Hochschul-Examen steckte, kontaktierte dieser Spieler dann Tajiri und bat ihn, den Strategy Guide zu veröffentlichen. Satoshi übernahm diese Aufgabe gerne und verkaufte 1984 allein vom Xevious-Fanbook über 10.000 Exemplare. Satoshi und Game Freak wurden dadurch ebenfalls deutlich bekannter und so wuchs Game Freak stetig.

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Unfassbar populär: Der Strategy Guide zu Xevious
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Durch Zufall stieß auch auch Ken Sugimori, der heutige Art Director von Pokémon und Zeichner sämtlicher Videospiel-Cover der Reihe, auf das Magazin, als er seinen lokalen Spieleladen nach neuen Produkten durchforstete. Sugimori war begeistert und setzte sich gleich mit Tajiri in Kontakt. Von dortan verlieh Sugimori Game Freak einen wertigen Schliff - dank seiner Zeichnungen und einem verbessertem Layout wirkte Game Freak nun wie ein richtiges Magazin. Während er am Game Freak Magazin arbeitete, schaffte es Tajiri sogar, seine verpassten Schulstunden an Abendschulen und damit auch sein Abi nachzuholen.

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