La Vita – das Leben. Auf Italienisch. Auf Sonytisch heißt das vermutlich so viel wie „Rund um die Uhr höchster Spielgenuss“. Der kommt mit Wahnsinnsgrafik und ausgeklügelter Steuerung, hat aber auch einen Preis, den man nicht in Geld abwiegen kann.

Wie soll ich es nennen? Zweiter Versuch? Neuanfang? Tabula rasa? Sucht es euch aus. Nur eines ist PlayStation Vita nicht: ein schnell aus dem Ärmel geschüttelter „Nachfolger“ der PlayStation Portable. Ja, beide Handhelds sehen sich unheimlich ähnlich, beide glänzen – im Lichte ihrer Zeitperiode – mit starken Multimedia-Eigenschaften und beide sind für den Kern der zockenden Zielgruppe, den sogenannten Core-Gamer, gedacht.

Das Gefühl beim Bedienen des pompösen neuen Sony-Alleinunterhalters ist jedoch ein ganz anderes als noch beim 2004er-Modell. Egal ob Menüoberfläche, Button-Layout, Datenträger oder Bildschirm, nichts ist mehr an dem Platz, den man mal verinnerlicht hatte. Außerdem wurde PS-Vita bis zum Backenzahn mit Gimmicks ausgestattet, von denen sich manche erst noch beweisen müssen. Ob ich daran mal wieder was auszusetzen hätte? Teilweise. Eigentlich nur, wenn es um die Software geht.

Was die äußerlichen Attribute des Zeitvernichters betrifft, staunt man erst mal Bauklötze. Das Ding ist richtig schick und die Bedienelemente sind dermaßen ordentlich auf dem Gerät verteilt, dass man die Augen gar nicht mehr davon abwenden möchte. Zwei Schulter-Buttons, Netzschalter, Modulschacht samt fixierter Abdeckung und Lautstärkeregler wurden sauber und staubresistent auf der schmalen oberen Seite eingelassen, während Ladekabel-Slot und Kopfhörer die untere Seite für sich haben. Da gibt's kein Gewusel und keinen Kabelsalat.

PlayStation Vita - Der Luxusliner unter den Handhelds - was kann Sonys Neuer?

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Auch wenn die Vita auf den Bildern filigran aussieht - sie ist ein ganz schöner Klopper.
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Vorderseitig bleibt es ebenfalls übersichtlich. Ein relativ kleines Steuerkreuz und geradezu winzige Feuerknöpfe nach klassischem Layout werden von zwei niedlichen kleinen Analogsticks begleitet. Select und Start zur Rechten sowie der Home-Knopf zur Linken wurden tief eingelassen, um nicht unbeabsichtigt durch die Handballen aktiviert zu werden.

Wer den Rücken des Geräts mit den Zeigefingern begrabbelt, aktiviert außerdem ein weiteres berührungssensitives Feld, das etwa die gleichen Maße hat wie der Bildschirm auf der Vorderseite. Vorne und hinten findet man jeweils eine Kameralinse und im Inneren schlummert obendrein ein sechsachsiger Gyrosensor. Mehr Gimmicks hat Sony nicht reinbekommen. Halt, ich lüge, die 3G-Fassung beinhaltet noch ein GPS-Modul. Puuh, ein Haufen Holz!

Trotzdem hinterlässt das Gerät einen klar strukturierten Eindruck. Sonys PlayStation Vita ist stylisch, vielseitig, aufgeräumt und hochwertig. Dagegen wirkt das Vorgängermodell geradezu chaotisch und überladen, speziell am unteren Rand. Allerdings ist das Vita-Schnuckelchen auch ein Wurfgeschoss, das nicht so schnell herauseitert.

Will sagen, sie ist ein Mordsklotz. Mit Maßen von 18,2 cm Breite, 8,4 cm Höhe und 1,9 cm Tiefe übertrifft sie sogar die uralte Fat-Version der PSP in jeder Dimension um ein paar Millimeter. Ohne den Mut zur Maximierung hätte Sony aber keinen Platz für den Star des Ensembles gefunden: den leuchtstarken, monströsen Fünf-Zoll-OLED-Touchscreen.

Da haben wir ihn schon, den ersten Konflikt im Zockergemüt. Bin ich gewillt, wegen eines großen Bildschirms eine eigene Tasche mitzunehmen, oder muss mein Reiseunterhalter in ein Jackensäckel passen? Letzteres könnt ihr euch abschminken. PlayStation Vita nimmt nicht mal eben in eure Jackentasche Platz, und wenn doch, dann nur mit so viel Gezwänge, dass ihr die Alarmglocken jedes umstehenden Kaufhausdetektivs zum Bimmeln bringt. Gemessen an seiner Größe ist das Konsölchen sogar ausgesprochen leicht, aber angesichts des hochwertigen Screens und der Staubfängerqualitäten des Lacks auf der Vorderseite ist PS-Vita nichts für den „Huch, ich brauch ja in der U-Bahn schnell was zum Zocken“-Notfall.

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Das Vergleichsbild trifft es ganz gut. Wer an die PSP gewöhnt ist, muss noch mehr Platz in der Tasche freiräumen
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Um mal zu verdeutlichen, von welchen Dimensionen ich spreche, ziehe ich gern mein aktuelles Smartphone zum Vergleich heran. Mein Galaxy S2, das im Reich der Smartphones schon als Riese gilt und gerade noch wegen seiner schmalen Taille ein Hosentaschensiegel abstaubt, passt problemlos zwischen die beiden Analogsticks des Sony-Handhelds. Uff.

Abseits der Bildschirmqualitäten, zu denen ich später noch komme, möchte ich aber das Thema Handy gegen Handheld vermeiden. Denn genau wie das Thema Größe ist auch das Thema Spielinhalt ein wichtiger Aspekt bei der Kaufentscheidung, und da stinken Smartphones gnadenlos ab. Nicht nur wenn es um Doodle Jump und Angry Birds geht, auch abgewandelte Fassungen von Need for Speed, Fifa und Metal Gear haben ihre Handycaps. Sei es durch die nachteilhafte Begrenzung auf Touchscreen-Eingaben, die nun mal kein greifbares Steuerelement ersetzen können und obendrein die Grafik verdecken, oder schlichtweg durch den irre hohen Batterieverbrauch, der bei einem Mobiltelefon – so smart es auch sein mag – verschwendet scheint.

PlayStation Vita ist dagegen ein dediziertes Spielgerät mit offenherzigen Multimedia-Talenten. Es will euch auf Reisen oder abends im Hotelbett ein ähnliches komfortables Vergnügen bereiten wie eine Heimkonsole, ohne nennenswerte Kompromisse. Ist es das, was ihr sucht? Dann herzlich willkommen im Wunderland des mobilen Spielens.

Das neue Startmenü

Genug der Theorie. Wenn der Saft erst über die Halbleiter läuft, kommen sowieso ganz andere Fragen auf. Etwa „Wie hat sich Sony das eigentlich gedacht?“. Fangen wir mit dem Basismenü an, das grundsätzlich dem Prinzip anderer Touchscreen-Plattformen folgt. Wie bei Nintendos 3DS oder einem Smartphone bildet eine per Fingerschubser scrollbare Oberfläche die Steuerzentrale des Systems, in dem jedes Programm einen Platz in Form eines Icons findet. Das gilt für alles. Für vorinstallierte Funktionen wie die leider ziemlich krisseligen und niedrig aufgelösten VGA-Kameras, den Internet-Browser und für Spiele, egal ob ihr sie heruntergeladen habt oder ob sie von Modulen gespeist werden.

Spielmodule für PS-Vita heißen PS-Vita-Karte, haben eine Flashkarten-typische Form und fassen vorerst bis zu vier Gigabyte Speicher. Legt ihr ein Modul ein, so wird das enthaltene Programm automatisch auf der Speicherkarte installiert, woraufhin ein weiteres Symbol auf der Benutzeroberfläche erscheint. Für das Abspielen benötigt man in diesem Fall noch immer ein eingelegtes Modul, das zugehörige Symbol bleibt jedoch permanent im Menü erhalten. Die erwähnte Speicherkarte liegt dem System übrigens nicht bei, sondern muss separat erworben werden. Mehr dazu später, denn jetzt bleiben wir erst mal beim Menü.

Anstelle der üblichen abgerundeten Quadrat-Icons nahm Sony mit runden Blasen vorlieb, was sich zwar stark von anderen Systemen abhebt, aber ästhetisch ein wenig grenzwertig erscheint. Geradezu im Kontrast zum slicken, aufgeräumten Design der Hardware verschwendet die Benutzeroberfläche unnötig Platz und irritiert in der Voreinstellung mit überaus kontrastreichen Farbtönen auf leuchtendem Blau.

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Schön übersichtliches Menü - muss man Sony lassen.
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Eines muss man Sony aber lassen: Das neue Menü ist weit übersichtlicher als das überladene XMB, das noch heute auf der PlayStation 3 Verwendung findet. Die neue Fummeloberfläche ist zudem verspielter, was man bereits sieht, wenn man das Ende einer Seite erreicht hat und versucht, weiter zu scrollen. In dem Fall wird das ganze Bild kurzzeitig gestreckt und wabbelt, als sei es ein Blatt Backgelatine. Und dazu noch diese haltlos plätschernde Wohlfühlmusik im Hintergrund. Meine Güte, das riecht verdächtig nach Nintendo. Vielleicht noch eine kleine Spur cooler mit dem Sony-typischen Goldkanten-Pimp-Bonus, aber grundsätzlich pflegt Sony hier Nintendos warmherzigen Stil. Faszinierend.

Was lediglich ein wenig stört, ist die Kontrolle über Programme. Startet man eine Anwendung durch Berührung des zugehörigen Icons, so läuft sie nicht gleich vordergründig. Stattdessen wird sie in Form eines farbigen Blattes angezeigt, auf dem ein weiterer „Starte mich“-Schalter erscheint. An sich übersichtlich gelöst, weil hintergründig laufende Programme bei Betätigung des Home-Buttons als überlappende Blätter angezeigt werden. Aber warum muss man zum Abschalten einer Anwendung dieses Blatt einmal quer über den ganzen Screen ziehen? Bei fünf Zoll Diagonale ist das eine sehr mühselig wirkende Methode, auch wenn sie hundertprozentig sicherstellt, dass man ein Programm nicht aus Versehen an- oder abschaltet.

Außerdem fehlt mir die Navigation per Face-Buttons. Wer es gewohnt ist, Menüaktionen mit dem X-Knopf zu bestätigen und mit Kreis abzubrechen, wird sich zwangsweise mit dem Bildschirmgefummel anfreunden müssen. Eine alternative Navigation mit den Face-Buttons ist nicht vorgesehen.

Gewusst wie – die Kniffe der Steuerung

Abseits davon ist an der Haptik nichts auszusetzen. Alle Bedienelemente reagieren dank des zuverlässigen kapazitiven Touchscreens prompt auf sämtliche Wünsche. Multi-Touch-Gesten wie das Spreizen zweier Finger zum Zoomen von Fotos oder Webseiten funktionieren ebenfalls tadellos. Einzig die Unterscheidung zwischen einem Schubser und fortlaufendem Scrollen per Fingerzeig scheint PS-Vita noch nicht immer zuverlässig unterscheiden zu können. Ich kenne die Schubsgeste vom iPhone und ein paar Android-Geräten und wunderte mich des Öfteren über das plötzliche Abbremsen im Webbrowser.

Liegt vielleicht daran, dass der vorinstallierte Netznavigator alle Webseiten zerhackstückelt und immer nur die Teile lädt, die man gerade auf dem Bildschirm sehen kann. Scrollt man zu weit, sieht man eine Weile lang eine transparente Fläche. Nicht sehr schön gelöst, aber sparsam. Wobei das sowieso nur für die Besitzer eines 3G-Modells ausschlaggebend sein dürfte, deren Vodafone-Datenflat weniger strapaziert wird. Mit dem WiFi-Modell, das uns vorliegt, muss man sich in ein lokales Netzwerk oder einen öffentlichen Hotspot einklinken, da ist das Datenvolumen meist zu vernachlässigen.

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Der Bildschirm ist recht schnell verschmiert, wie das mit Touch-Kram nun mal so ist.
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Innerhalb der Spiele verrichten beide berührungssensitiven Flächen störungsfrei ihren Dienst. Zumindest in dem Rahmen, den die Entwickler der Software festgelegt haben. In der neuen Katamari-Episode wird der Touchscreen zum Beispiel sehr feinfühlig zum Rollen des Utensilienballs eingesetzt. Diese Steuermethode ist optional, macht aber einen zuverlässigen Eindruck. Nicht zuletzt, weil der riesige Screen breit genug ist, um nicht permanent von den Fingern verdeckt zu werden.

Die schlauere Lösung ist natürlich das hintere Touch-Feld, denn da sind die Finger gar nicht im Weg. Trotzdem fällt die Bedienung ähnlich intuitiv, ja gar kinderleicht aus, obwohl man die Begrenzung des sensitiven Fläche nicht sieht. Zwei griffige Mulden auf der Rückseite sorgen dafür, dass man deren Grenzen gut abschätzen kann. Und die Ergonomie erhöhen sie obendrein. Klasse!

Ein noch größeres Lob geht an das Layout der klassischen Bedienelemente, im Speziellen die vollwertigen Analogsticks. Das Steuerkreuz wirkt extrem klein und auch ein wenig wabbelig. Geht aber noch in Ordnung. Die wie üblich mit X, Kreis, Quadrat und Dreieck ausgewiesenen Face-Buttons scheinen ebenfalls winzig, schauen jedoch so weit aus dem Gehäuse heraus, dass man jede Taste erfühlen und problemlos drücken kann, ohne eine andere Taste mitzunehmen. Der Weg, den die Schalter beim Drücken zurücklegen, ist ähnlich kurz wie beim offiziellen PlayStation-Handy „Xperia Play“, der Druckpunkt wie auch das Material fühlen sich aber angenehmer an.

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Auch auf Vita macht Nathan Drake eine gute Figur - nie war Handheld-Grafik schöner.
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Der Witz an der Sache ist, dass man alle Knöpfe noch immer besonders schnell erreicht, wenn man seine Daumen flach auf die Analogsticks legt, statt sie mit den Daumenspitzen zu dirigieren. Dazu sind die Miniknüppel sowieso viel zu klein und viel zu empfindlich. Es erfordert ein wenig Umgewöhnung, doch schon nach wenigen Spielstunden macht man das ganz von selbst.

Sogar das häufig verlangte Umgreifen von den Sticks zum Touchscreen und zurück vollziehe ich mittlerweile ganz selbstverständlich, weil der Aufbau logisch und ungeheuer komfortabel ist. Ja, lest und glaubt es, das Wort „komfortabel“ in Verbindung mit einer Handheld-Steuerung - unglaublich. Selbst den Sprung zwischen Sticks und Face-Buttons empfinde ich als deutlich angenehmer und unkomplizierter als auf dem Dual-Shock-Controller der PS3.

Grobmotoriker seien trotz allem gewarnt: Die wenige Millimeter aus dem Gehäuse herausschauenden Mini-Analogsticks sind wirklich extrem feinfühlig. Wenn ihr schon bei vergessenem Morgenkaffee die Zitteritis bekommt oder euch gerade dem Tabak-Entwöhnungs-Turkey hingebt, zuckelt Nathan Drake gerne mal wie ein geköpftes Huhn über das Feld.

PS3 Inside?

Apropos Nathan Drake. Vor lauter Drumherum bin ich noch gar nicht zu den Spielen gekommen. Eine Spielbesprechung der vorliegenden Software hat hier keinen Platz, das ist in gesonderten Artikeln besser aufgehoben, aber der audiovisuelle Eindruck lässt sich ganz gut zusammenfassen.

Zuallererst sollten sich alle Smartphone-Besitzer von der Erwartung eines bombastischen ersten Moments trennen. Der riesige OLED-Bildschirm ist leuchtstark, kontrastreich, farbenfroh und mit einer Auflösung von 960×544 Pixeln bei 220 ppi unheimlich dicht gewoben. Wer ein aktuelles iPhone oder ein hochgradiges Android-Handy in Aktion erlebt hat, zuckt trotzdem nur noch mit den Schultern. Ich musste ein wenig schmunzeln, als meine Frau beim Anblick von Uncharted auf der PS-Vita meinte: „Schöne Grafik und schön groß, aber seit meinem neuen Handy kann mich der Bildschirm nicht mehr beeindrucken“. Und sie ist nun wirklich kein technikaffiner Mensch.

Auch mich hat der Bildschirm im ersten Moment nicht vom Hocker gehauen. Beschweren würde ich mich trotzdem nicht. Nachleuchten oder Verschmieren? Fehlanzeige. Das knallbunte Pop-Art-Intro von „Touch my Katamari“ ist so scharf, dass man es für eine animierte Papierkollage halten könnte. Unsaubere Kanten oder Verpixelungen? Nicht auszumachen. Gut, beim goldenen Ladesymbol von Uncharted, das isoliert vor schwarzen Hintergrund rotiert, erkennt man die fehlende Kantenglättung. Aber das Flimmern ist so winzig, dass jeder, der es anprangert, von mir ein Nörgeldiplom erhält.

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Schon beeindruckend, was für eine Grafik der Knirps aus seiner Hardware zwängt.
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Ähnlich steht es um die grafische Leistung. Die Kombination von ARM-CortexTM-A9-Core-CPU und PowerVR-SGX-543-MP4+-Grafikchip – beides übrigens Quad-Core-Prozessoren – zaubert beeindruckende 3-D-Grafik mit vielen Effekten auf den Schirm. PS3- oder Xbox-360-Niveau wird nicht ganz erreicht, auch wenn die Effektvielfalt ähnlich hoch ist. Selbst beim Grafikwunder Uncharted fallen einige Modelle noch ein wenig gröber aus als auf dem heimischen Bildschirm, während viele schlauchige Abschnitte wenig Weitsicht offerieren. Es wird also derzeit noch gemogelt... äh... geübt.

Auf der deutlich kleineren Bildfläche fällt das jedoch kaum auf, zumal wunderbar knackscharfe Texturen viele Kanten effektvoll übertünchen. Außerdem befindet sich das System noch in den Kinderschuhen. Mit 512 MB Arbeitsspeicher und dedizierten 128 MB Videospeicher verfügt Sonys Handheld sogar über ein größeres Kurzzeitgedächtnis als die aktuellen Heimkonsolen. Ideale Bedingungen für parallele Entwicklungen für PS3 und PSV. Systemspezifische Anpassungen dürften mit steigender Hardware-Erfahrung immer geringer ausfallen.

Schon jetzt sind sogenannte Cross-Play-Inhalte vorgesehen, die ihr sowohl auf der PS3 als auch auf der Vita nutzen könnt. Etwa Motorstorm RC, ein Rennspiel, das lediglich als Download-Fassung angeboten wird. Erwerbt ihr es – völlig gleich, auf welcher Plattform –, bekommt ihr das Gegenstück für die jeweils andere Konsole kostenlos dazu. Für die zusätzlichen Download-Inhalte von Ultimate Marvel vs. Capcom gilt dasselbe. Einmal gekauft könnt ihr sie auf PS3 und auf Vita nutzen.

Sony hat tatsächlich dazugelernt. Einer der größten Kritikpunkte an der alten PSP war noch die Zweigleisigkeit des Software-Angebots. Wollte man Spiel X, das man bereits für die Heimkonsole besaß, unterwegs zocken, so musste für eine zweite Version auf PSP noch einmal der Geldbeutel geleert werden. Deren Spielstände waren in der Regel nicht einmal untereinander kompatibel. Außerdem verließen sich Lizenznehmer auf einfache Umsetzungen und spendierten der PSP nur wenige hervorstechende Exklusivtitel. Das soll bei PS-Vita nicht noch einmal geschehen.

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Die Vita verknüpft mit Skyrim und Co.? Mal sehen, was die Entwickler draus machen.
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Niemand kann euch garantieren, dass euer Lieblingstitel von der Cross-Plattform-Politik profitiert, aber den Entwicklern stehen nun Tür und Tor offen. Mal sehen, was sie daraus machen. Vita könnte sogar ähnlich wie das Tablet der Wii-U eine spielerische Ergänzung für den heimischen Daddelspaß werden. Der Gesamteindruck fällt somit fantastisch aus und übertrifft alles, was man bisher im mobilen Sektor bestaunen durfte. Dennoch hält der integrierte Akku länger als bei Nintendos 3DS.

Bei voll aufgedrehter Leuchtkraft, Lautstärke auf Anschlag, aktiviertem Wifi und Uncharted im Dauerbetrieb hielt unser Modell genau 3 Stunden und 36 Minuten durch. Sind Helligkeit und Lautstärke auf die Hälfte heruntergedreht, macht Vita erst eine Stunde später schlapp, wobei ich eine Helligkeit von 75% für den Spielbetrieb empfehle.

Haken und Ösen

Bei aller Schwärmerei für Hardware und Konzept solltet ihr trotzdem nicht die Schwächen des Systems außer Acht lassen. Und von denen gibt es einige. Ich empfinde knapp fünf Stunden Akkulaufzeit zum Beispiel als grenzwertig. Bei einem Flug in die USA ist schon auf halbem Weg Schluss mit lustig, zumal man den fest verbauten Akku nicht auswechseln kann. Klar, weder Nintendo noch Smartphones bieten in Sachen Akkulaufzeit keine Alternative, aber deswegen ist Sonys Ergebnis noch lange nicht zufriedenstellend. Der Spagat zwischen Reisetauglichkeit und audiovisuellem Genuss geht hier in die Extreme.

Auch die Account-Bindung der PSV ist als Fußfessel anzusehen, denn so bleibt Vita ein Vergnügen für eine Einzelperson. Die Maschine akzeptiert nur einen einzigen PlayStation-Network-Account, was sich sowohl auf die DLC-Rechte als auch auf Nebensächlichkeiten wie das voll integrierte Trophy-System auswirkt.

Mal angenommen, ein Pärchen oder eine Familie mit mehreren Kindern schafft sich nur eine einzelne PSV an, die reihum geht, so kann immer nur derjenige Trophys einsacken, der das aktuelle Spiel als erstes genießt. Je nach Titel stehen zwar durchaus mal mehrere Speicherslots bereit, aber wer seine eigene Spielchronik ausbauen möchte, kommt um die Anschaffung eines eigenen Gerätes nicht herum. Wollt ihr ein anderes Konto nutzen, etwa beim Kauf einer gebrauchten PSV, so müsst ihr erst das komplette System inklusive der gespeicherten Inhalten plattmachen.

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Übrigens sinnlos und wahnsinnig verwirrend: Das Ladekabel passt in beiden Richtungen. Aber nur eine ist die richtige.
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Apropos gespeicherte Inhalte: Eine Speicherkarte für DLC und Spielstände ist für die Anschaffung obligatorisch, da PSV keinen internen Speicher mitbringt. Ohne Karte könnt ihr kein Spiel installieren und keine Spielstände speichern. Mit anderen Worten: Ohne Flashkarte ist das Ding nutzlos. Und da braucht ihr gar nicht erst mit den mickrigen vier Gigabyte anzufangen, die im unteren Preissegment liegen. Mindestens acht, besser aber sechzehn Gigabyte solltet ihr euch sofort gönnen, was den Anschaffungspreis von 249 Euro um etwa 35 bis 50 Euro erhöht.

Dazu noch ein Spiel (Preis: 45 bis 50 Euro) und ihr werdet beim ersten Einkauf rund 350 Glocken auf einen Schlag los. Zumindest bei der WiFi-Fassung. Das 3G-Modell schlägt mit 50 weiteren Euro und einer Datenflat bei Vodafone zu Buche. Kein günstiges Vergnügen. Für das gleiche Geld erhaltet ihr eine PS3 samt einem aktuellen Softwareknaller oder eine Xbox 360 inklusive Kinect. Man gönnt sich ja sonst nichts.

PlayStation Vita gehört somit in die Kategorie Luxusspielzeug. Mal ehrlich: Für den kleinen Zock unterwegs reicht auch ein Nintendo DS, selbst ohne 3-D, denn abendfüllende Inhalte und pompöse Grafik gewinnen erst dann an Relevanz, wenn ihr sie entspannt genießen könnt. Wer bereits eine PS3 besitzt, hat dagegen wenig Grund, einen Fünf-Zoll-Bildschirm seinem heimischen Fernseher vorzuziehen. Nicht jeder Zocker ist Pilot oder Flugbegleiter und verbringt vier Nächte die Woche in fremden Hotelbetten. Die Zielgruppe, die PS Vita als nötige Anschaffung ansehen kann, ist somit ziemlich klein. Für alle anderen ist es Luxus – das verrät schon der Preis der Spiele.

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Um den Kauf einer Speicherkarte kommt ihr nicht herum.
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Die Interaktion zwischen PS3 und PS-Vita könnte zukünftig weitere Anreize schaffen. Schon jetzt dürft ihr Musik und Filme direkt über das Netzwerk streamen und eure PS3 fernsteuern. Auf Wunsch könnt ihr das System sogar so einstellen, dass ihr eure PS3 unterwegs über das Internet einschaltet und einen Film an einen beliebigen Ort auf der Welt streamt.

Allerdings funktioniert der Stream noch nicht ganz reibungslos. Unter den gewaltigen Datenmassen bricht selbst im heimischen Netzwerk der Fluss zusammen, sodass Musikstücke von einem gelegentlichen Knacken begleitet werden. Filme ruckeln mitunter sichtbar im Stream. Nichts für Video-Gourmets und Sound-Enthusiasten, aber als Notlösung durchaus passabel. Notlösung darum, weil Sonys PSV sehr viele Audio- und Videoformate von Hause aus unterstützt. Sie müssen nur auf der Speicherkarte vorliegen.

Fazit

Gibt es einen Bedarf an PS-Vitas? Gibt es eine echte Zielgruppe? Schwer zu sagen. Allein das Abwägen der Vor- und Nachteile in der Größe des High-Tech-Pakets endet in einer Abhandlung in Spielphilosophie. Es kommt eben darauf an, was man von einem mobilen Zeitvernichter erwartet.

PS-Vita hat mich mit seinen technischen Vorzügen begeistert. Der Screen ist schön groß, kontrastreich und leuchtstark, Berührungssensoren und klassische Steuerung lassen sich prima bedienen. Grafik und Sound sind zudem bombastisch und kommen der aktuellen Konsolengeneration sehr nahe. Die Frage ist nur, ob man das ganze Brimborium unterwegs benötigt, um ein wenig Spaß zu haben.

Es muss euch mindestens 330 bis 350 Euro bei der Erstanschaffung wert sein, abendfüllende Spiele wie Uncharted zu genießen oder ein mögliches Call of Duty mit zwei feinen Analogsticks zu bedienen. Ob die beiden Touchfelder sinnvoll genutzt werden, hängt hingegen von den Spielentwicklern ab. Eine Spielspaßrevolution bleibt damit sicherlich aus, aber bislang funktioniert der Mix aus klassischer Steuerung und Touch-Eingaben recht gut.

Potenzial hat PS-Vita definitiv, und wäre sie vor fünf Jahren erschienen, hätte das Gerät sicherlich einen ähnlichen „Muss-ich-haben“-Status wie ein iPhone. Im Jahr 2012 muss Vita sich aber neben diversen Smartphones, Tablets und kompakteren Nintendo-Handhelds einreihen, die zwar technisch schwächer sind, aber nicht unbedingt schlechtere Spiele bereitstellen. Es bleibt eine Frage der Spielphilosophie und des Anwendungsbereiches. Will ich unterwegs ein abendfüllendes Multimedia-Bombardement oder reicht mir kompakter Zockerspaß? Brauche ich ein Statussymbol?

Interaktionen zwischen PS3 und Vita könnten den Mehrwert erhöhen, aber selbst zu diesen Zweck sind 350 Euro ziemlich happig. Wer es sich leisten kann, bekommt von Sony immerhin ein sehr schickes Spielzeug, das mit Gimmicks nur so vollgestopft wurde.

Eindruck: Sehr gut

PlayStation Vita - E3 2011 Trailer3 weitere Videos