„Bleib mir bloß mit der Fuchtelscheiße vom Leib“ oder „Schlimmer als Pest und Cholera“ sind die häufigsten Kommentare meiner Kumpels, wenn ich ihnen erklären möchte, dass die Wii gar keine sooo schlechten Spiele hat. Fühlen sich alle sicher in ihrem PS3-Hafen. Ganz ohne Zappel- und Hampelei. Zumindest bis zum 15. September. Dann lässt Sony den Move-Jet abheben. Wir haben uns vorab an Bord geschmuggelt.

Jetzt aber! Lange genug war Sonys Playstation-Eye-Kamera höhnischen Stänkerern ausgesetzt. Gebt’s ruhig zu! Und das zu Recht: Wer will schon einem mutierten Monchichi-Äffchen beim Grinsen zusehen oder doof in der Luft herumgrabschen? „Eye Toy“ nennen die das… Gut, man sollte die Überzeugungskraft und Rehaugen der „Ist der süüüß!“-Fraktion vielleicht nicht unterschätzen. Aber wenn schon, dann richtig, oder? Und mal ehrlich: Mit so was gibt’s im Casual-Zug gerade mal einen billigen Gangplatz neben dem müffelnden Klo, während Nintendo bereits jahrelang wie Gott in Frankreich in der Luxusklasse schmaust und sich den Bauch pinseln lässt.

PlayStation Move - Feuchte Casual-Träume: Sony führt den Glühstab ein - ein Grund zum Frohlocken?

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Move-Controller, Navigation-Handfuchtel, Eye-Kamera - was davon braucht man eigentlich?
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Wer bislang mit der Playstation keine Eye-Toy-Erfahrung gesammelt hat und sich von der Move-Lady bewegungssensitiv bezirzen lassen will, steht beim Kauf vor einem denkbar einfachen Problem: was nun? Eye-Kamera, Move-Controller, Navigation-Controller – was brauche ich davon überhaupt? Zur Grundausstattung gehören die Kamera, die im besten Fall schon seit PS2-Zeiten unter oder über eurer Glotze Staub ansetzt, und ein Move-Controller. Letzterer zwackt euch einzeln 39,99 Euro aus der Brieftasche, ein Frischlings-Bundle mit beiden Geräten gibt’s für 59,99 Piepen.

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Den Navigation-Controller braucht ihr noch nicht unbedingt, erst für die "richtigen" Spiele.
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Der Navigation-Controller – also die Art, wie man bei Sony „Nunchuk“ buchstabiert – wird nicht zwingend benötigt. Weder für Minispiele à la „Start the Party“ noch für „Sports Champions“, das wir uns später vorknöpfen, nicht mal für „Killzone 3“ und den Rest. Da der sekundäre Richtungsvermittler „nur“ einen Analogstick, ein Digikreuz, zwei Schulter- (L1, L2) und zwei Daumentasten in sich vereint, könnt ihr euch theoretisch auch einen stinknormalen Dualshock-Controller schnappen und die anfallende Stick- sowie Klickarbeit damit erledigen – etwa beim kommenden Socom-Teil oder der für Move zurechtgebürsteten Heavy-Rain-Version.

Aber glaubt mir: Ohne Krake-Paul-Finger ist das kein Spaß. Echt nicht. Wer vor dem Gang zum Händler in die Spendierhosen schlüpft, wird für den Navigation-Controller noch mal ungefähr 29,99 Euro los. Macht summa summarum 90 Tacken fürs Komplettpaket mit allem Pipapo – für einen Spieler, wohlgemerkt.

Layout, Tasten, Anschlüsse

Dennoch schön, dass zumindest die Partyspiele „Sports Champion“ – also die Art, wie man bei Sony „Wii Sports“ buchstabiert – und „Start the Party“ eine Rumreichfunktion unterstützen. Ihr kennt das aus eurer Schul- oder Studentenzeit, allerdings mit einer billigen Rotweinflasche statt einer Plastikeiscremetüte mit Leuchtknubbel obendrauf. Klappt bei allen Spielen, in denen die Teilnehmer nacheinander und nicht gleichzeitig im Drücker sind.

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Das Wichtigste zum Herumschubsen des Cursors und Grundlage der Move-Steuerung: der Move-Controller.
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Warum der leuchtende Golfball da überhaupt drauf ist? Und wieso Rosa, Hellgrün und Hellblau? Zum einen natürlich, um anhand der Farbgebung die Spieler auseinanderzuhalten, andererseits wird durch das Leuchten sichergestellt, dass Move auch in abgedunkelten Räumen seinen Dienst verrichtet. Die Kamera erfasst das leuchtende Dingsbums und somit die Position des Spielers im Raum, was bei normalen, gedämpften Lichtverhältnissen wunderbar funktioniert. Lediglich Sonnenseitenanwohner dürften in ihren Wohnungen Probleme bekommen, zumindest im Hochsommer, wenn das Zimmer von den hellen Strahlen verschlungen wird.

Die Obergrenze für gleichzeitig mit der Playstation hin und her funkende Geräte beträgt übrigens sieben. Eine schön krumme Zahl, die im Normalfall auf ein Spielerquartett mit jeweils einem Move-Controller oder ein Duo mit Move-Navigation-Kombination hinausläuft. Theoretisch wären wohl auch drei mit beiden Geräten bewaffnete Teilnehmer möglich, der vierte müsste dann lediglich mit einem auskommen – ein Rückschritt gegenüber der Wii. Was dem vergleichsweise kleinen Sichtfeld der Kamera geschuldet ist, die ihre liebe Müh damit hätte, mehr als zwei, drei Spieler im Raum zu erfassen. Zumal der Platz vor dem Fernseher beim motorischen Herumfuhrwerken ohnehin dünn würde…

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Der größte Vorteil gegenüber der Wii: die Nutzung beider Steuerungsgeräte ohne störendes Kabel.
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Womit die Wii theoretisch im Vorteil ist. Bis zu einem gewissen Grad ist es Nintendos Sensorleistentechnik egal, wo man sich im Zimmer befindet, solange der Abstand nicht zu groß wird. Move zetert schon herum, sobald man die Hand aus dem von der Kamera abgedeckten Bereich führt. Ohne sich ins Gehege zu kommen, dürften kaum mehr als zwei Spieler gleichzeitig vor der Flimmerkiste glücklich werden.

Was das Controller-Layout angeht, hat Sony die meisten Klippen geschickt umschifft. Die Playstation-Taste zum Aufrufen des Systemmenüs ist ein Stückchen ins Plastik eingelassen, nach innen gewölbt und kann nicht aus Versehen betätigt werden. Jeder, der mal in der Hitze des Gefechts auf der Wiimote über den Home-Knopf gerutscht ist und das Spiel damit unterbrochen hat, wird’s zu schätzen wissen. Ins untere Ende eingebrannte Buttons, wie sie bei Nintendo zu finden sind, gibt es nicht – verknotete Finger braucht ihr nicht zu befürchten. Die wichtigsten Tasten sind der als T bezeichnete Trigger an der Hinterseite (vergleichbar mit der B-Taste der Wiimote) und der breite Move-Knopf, den man bequem mit dem Daumen erreicht.

Sportsfreunde, antreten!

Drumherum tummeln sich die vier üblichen Playstation-Daumentasten, natürlich merklich verkleinert und zusammengestaucht, damit alles auf den kleinen, äh, Stab passt – schon nach kurzer Zeit hatte ich keine Probleme damit. Komfortabel auch, dass Select und Start seitlich ins Gehäuse eingelassen sind – ungewolltes Drüberrutschen ausgeschlossen. An der Unterseite baumelt eine Handgelenkschlaufe, die so etwas wie im folgenden Video hoffentlich verhindert, zudem gibt’s einen Mini-USB-Anschluss zum Aufladen des Controllers und einen weiteren, noch nicht näher spezifizierten Eingang, der, nun ja, wahrscheinlich irgendwann zum Einsatz kommt. Playstation Move Plus? Move Premium? Premium Pils?

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Willkommen zu "Playstation Sports"... ääääh, "Sports Champions" natürlich.
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Schmuck sieht das Teil aus, die Verarbeitung ist gut, die Tastenbelegung nach kurzer Einarbeitungszeit zu meistern, aber eigentlich wollten wir auch was Richtiges zocken. Die Move-Machung von „Heavy Rain“ und „Resident Evil 5“ dauert noch ein paar Tage, „Socom 4“ und „Killzone 3“ lassen sich ebenfalls nicht hetzen. Wie sich die Bewegungssteuerung im kernigen Shooter-Einsatz schlägt, darüber können wir uns zu gegebener Zeit den Kopf zermartern. Für den Anfang müssen wir mit Party-Mini-Wini-Tüdeli-Spielchen der Marke „Sports Champions“ und „Start the Party“ vorliebnehmen.

Als Kollege Matthias und ich zum ersten Mal „Sports Champions“ ausprobieren, fühlt sich das wie ein groooßes Déjà-vu an. Im positiven Sinn. Viele Partien haben wir zum Beispiel auf den Golf-… pardon… Frisbee-Plätzen versumpft, prächtigen Parkanlagen mit schön animierten Bäumen und Büschen. Das Ziel: eine Frisbee-Scheibe in ein käfigartiges Etwas befördern. Mehr Unterschiede zum klassischen Golfsport gibt’s nicht; selbst die Bezeichnungen „Bogey“, „Birdy“ und „Par“ bleiben erhalten. Die Steuerung ist wunderbar einfach: Trigger gedrückt halten, schmissige Handbewegung, Trigger loslassen – schon saust die Rundscheibe dem Ziel entgegen. Vielleicht sogar mit einem Drall, wenn man es geschickt anstellt.

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Strunzlangweiliger Reaktionstest auf Schienen: das Beach-Volleyball.
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Nicht nur hier schielt Sony in Richtung „Wii Sports Resort“: Wer außer mir denkt bei der Schwertkampfdisziplin noch ans Fechten auf der Wii? Und verdammt, es funktioniert! Wer seinem Spendieropa gleich zwei Move-Controller aus den Rippen leiern kann, darf Schwert und Schild gesondert steuern – ähnlich wie im kommenden Zelda auf Wii. Ansonsten reicht das Gedrückthalten des Triggers, um von der Klinge zum Schild zu wechseln. Die Bewegungsübertragung auf den virtuellen Charakter, den man übrigens aus einem Pool an verschiedenen Figuren auswählt, klappt ohne große (oder besser: störende) Verzögerung, die Schlagrichtung wird präzise erkannt.

Hinzu kommen Finessen wie Ausweichschritt und Schildschlag, mit dem man den Gegner zurückdrängt und im Idealfall seiner Deckung beraubt. Fängt man genug Angriffe mit dem Schild ab, glüht das Schwert in Erwartung einer Power-Attacke. Ähnlich wie in „No More Heroes“ auf Wii muss man rasch die eingeblendeten Gesten nachahmen und zieht dem Kontrahent mit ausufernden Schlägen einen schnieken Scheitel. Ach ja, die Ragdoll-Effekte, mit denen die Kämpfer wuchtig aus dem Ring geschleudert werden, sind der Hammer! Sony, ihr wollt nicht zufällig ein spannendes Schwertkampfabenteuer auf dieser Grundlage entwickeln?

Fast wie Wario Ware. Aber nur fast…

Der Rest vom Fest – Boccia, Tischtennis, Bogenschießen, Volleyball – wirkt im Vergleich wie eine nette Dreingabe und fühlt sich reichlich unspektakulär, seicht an. Vor allem Volleyball ist eher ein aufgeblähter Reaktionstest auf Schienen – viel falsch machen kann man nicht.

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Auch wenn sie auf dem Bild alle nur so tun - in der Gruppe macht der Minispielkram mehr Spaß.
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Umständlich obendrein, dass man den Move-Controller vor jeder Disziplin kalibrieren muss. Einmal nach oben über die Schulter richten. Klick. Einmal nach unten hängen lassen. Klick. Einmal in Gürtelhöhe senkrecht halten. Klick. Und den ganzen Körper von der Kamera erfassen lassen. Klick. Kein Weltuntergang, aber zwanzig Sekunden, die flöten gehen.

Wer sich bisher nicht mit der Eye-Pet-Grabbelei anfreunden konnte, darf jetzt weiterlesen. Oder noch mal von vorn anfangen und dann aufhören. „Start the Party“ ist wie sein Vorgänger ein wimmelnder Ameisenhaufen für alberne Minispiele. Bevor es losgeht, lasst ihr von der Kamera euer Gesicht erfassen, quakt, brüllt, stöhnt oder flucht euren Namen ins integrierte Mikro und versammelt euch im besten Fall in einer Traube vor dem Fernseher.

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Damals hatten wir nur Mario Paint und eine Maus. Heute muss jeder gleich übertreiben...
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Ihr habt keine Freunde zur Hand? Vergesst es! Ohne ein, zwei Mitspieler kommt einfach keine Stimmung auf, wenn man sich einen Wolf fächert, um herabfallende Männekens auf ein Floß zu treiben. Oder wenn man Geister mit der Taschenlampe jagt. Oder einem Krokodil den Rachen putzt. In seinen großen Momenten erinnert „Start the Party“ vorsichtig an das genial-durchgekrachte „Wario Ware“ mit seinem Minispiel-Bombardement. Und am Ende geht es wie immer nur um Punkte…

Für knapp 40 Euro ein reichlich happiger Spaß, zumal einen Wario mit seiner Minispiellawine auf Wii förmlich überrollt; auf der PS3 hat man nach zwei Stunden alles gesehen. Gab’s bei Nintendo nicht fast denselben Schmus als Beilage zu einer Wiimote? Macht euch mal Gedanken, Sony.

Fazit

Die Magie des Moments, als die erste virtuelle Bowling-Kugel flog, das werde ich nie vergessen. Eine kribbelnde Faszination fürs Neuartige und Unvertraute hatte mich übermannt und fest im Griff. Das war vor vier Jahren, als ein mit „Wii“ beschriftetes Komponentenkabel gerade zehn Minuten im Fernseher steckte. Und die Flamme wird nie wieder so stark lodern wie damals. Da kann sich die Playstation recken und strecken, wie sie will, Move bleibt vorerst auf dem Niveau, das Nintendo einst im Dezember vorgelegt hat. In Sachen Präzision ist man etwa auf par mit einer Wiimote nebst Motion-Plus-Anhängsel, die Verzögerung ist für meinen Geschmack verkraftbar, das Controller-Layout durchdacht – nach etwas Einarbeitung kam ich sogar prima mit den mickrigen Daumentasten zurecht.

Doch das ändert alles nichts daran, dass Sony vier Jahre nach der Wii „nur“ eine eigene Version von Wiimote und Nunchuk anbietet – und eine Wii-Sports-Nachmache obendrein. Den Start-the-Party-Minikram mal außen vorgelassen. Das ist wirtschaftlich verständlich und zum Warmwerden okay. Aber ich hätte mir gewünscht, dass Sony das Casual-Gestrüpp mit der scharfen Move-Machete zerschnippelt. Wir brauchen echte Abenteuer ohne belanglosen Fuchtelzwang, spannende Geschichten ohne albernes Herumfuhrwerken.

Ich bin gespannt, wie wohl sich „Resident Evil 5“ und „Heavy Rain“, „Killzone 3“ und Co. am Ende unter der Move-Fuchtel fühlen.

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  • 26%Mal abwarten - muss es erst ausprobieren
  • 18%Unbedingt! Ich freu mich tierisch drauf
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  • 5%Ich warte lieber auf Kinect
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