Arme Prinzessin. Wie schön sie doch einst war mit ihrer blonden Mähne, dem niedlichen Kleid und den Klimperäuglein. Und jetzt steht hier eine übergewichtige, unverdrossen Torte in sich hinein spachtelnde Prinzessin vor mir.

Warte mal, das ist gar nicht Super Smash Bros? Nein, denn wir befinden uns in Sonys Pendant zum Nintendo-Prügler, den Playstation All-Stars. Hier trefft ihr neben der Fat Princess auf weitere bekannte Gesichter wie Nathan Drake aus „Uncharted“, dem Sackboy aus „Little Big Planet“ oder dem Big Daddy aus den „Bioshock“-Teilen.

Alles nur geklaut?

Hier steht schon seit den ersten Infos zum Titel ein „Vorwurf“ im Raum: Sony hat bei dem Titel vom Smash-Brothers-Pionier aus dem Konkurrenz-Hause Nintendo abgeschaut, nachgemacht, abgekupfert. Zum einen kann man sagen: Ja, natürlich erinnern viele Spielmechaniken an die Smash-Bros-Serie. Aber man muss auch fragen, was daran so schlimm ist. Bisher kamen nur Nintendo-Konsolen-Besitzer in den Genuss dieser Art Multiplayer-Klopperei, warum sollten Sony-Konsolen-Besitzer deswegen nicht auch das Recht auf das muntere Vergnügen haben?

Carl Benz hat das Automobil erfunden, trotzdem fährt auf den Straßen der Welt doch nicht nur Mercedes. Das Grundprinzip des Automobils stand und nun gibt es unzählige Marken, unter denen jeder nach seinen Vorlieben und Geschmäckern genau das Richtige herauspicken kann. Viel eher sollte man sich doch freuen, dass in diesem Fall Nintendo als erster diese großartige Spielidee hatte und diese Idee jetzt auch plattformübergreifend Menschen zusammen vor den Bildschirm bringt. Und jetzt eben glücklicherweise auch vor die Playstation 3 und PS Vita.

Und dank des Cross-Play bekommt ihr zum Kauf der PS3-Version einen Gutschein über einen kostenlosen Download der PS-Vita-Version, könnt als Vita-Spieler online gegen PS3-Gegner antreten und euren PS3-Spielstand unterwegs auf eurer PS-Vita weiterspielen. Dass das Spiel nicht unbedingt für den Einzelspieler gemacht ist, können sich sicherlich nicht nur die denken, die die Grundidee von „Smash Bros“ kennen.

PlayStation All-Stars Battle Royale - Wer hat hier die fette Prinzessin in mein Smash Bros. geschmuggelt?

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Highspeed-Kloppen: Die Ähnlichkeiten zwischen Playstation All-Stars: Battle Royale und Mash Bros. sind unverkennbar.
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Natürlich könnt ihr auch alleine in die Arena stapfen und mit eurem Helden einen angedeuteten Storymodus durchschreiten. Dieser wirkt aber eher alibimäßig. Ein wenig „Rawwwr, ich mach euch alle platt!“ stilistisch meist als kurzes, in einzelnen Bildern auf den Charakter zugeschnittenes Intro und nach einigen Kämpfen inklusive Bossfight gegen den Polygon Man seid ihr dann schon wieder mit dem Storymodus durch, gefolgt von einem stilistisch identischen Outro nach dem Motto „Ha! Hab ich's doch gesagt – Alle platt gemacht!“

Packshot zu PlayStation All-Stars Battle RoyalePlayStation All-Stars Battle RoyaleErschienen für PlayStation Vita und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Aber große Geschichten sucht man ja auch beim Nintendo-Pendant vergebens. Eigentlich in fast jedem Prügler, wenn man mal ehrlich ist. Wurde nicht erwartet – kann also auch nicht enttäuschen. Es ist nun mal ein auf Multiplayer-Gekloppe ausgelegter Titel, kein neues „Heavy Rain“. Dafür macht das eigentliche Gekloppe richtig viel Spaß. Ihr könnt zwischen 20 Charakteren wählen und sie in 14 unterschiedlichste Arenen jagen. Wirklich viel Auswahl habt ihr an Helden nicht, aber Sony hat ja bereits kostenlose DLCs angekündigt.

Dafür sind die Charaktere vielfältig und halten für jeden, nicht nur Sony-Jünger der ersten Stunde einen Helden bereit. Natürlich fragt man sich, welcher 18-jährige Zocker jetzt etwas mit PaRappa the Rapper oder Sir Daniel Fortesque aus MediEvil anfangen kann, aber auch für die jüngere Generation ist dank Nathan Drake aus den Uncharted-Teilen oder dem Big Daddy aus Bioshock etwas dabei.

Abteilung Attacke

Genug gesabbelt, raus auf's Feld. Die Stages sind wirklich schön geworden und haben mich manchmal wirklich zum Schmunzeln gebracht. Da hab ich mir doch extra die bedrohliche Kratos-Arena mit dem gigantischen Zyklopen ausgesucht und während des Kampfes marschieren hinter eben jenem auf einmal die Patapons auf – mit bekannt akustischer Untermalung. Dieser geniale Widerspruch hat mich in dem Moment wirklich kurz vom Kampf abgelenkt, weil ich so lachen musste.

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Jede der Stages hat so ihre kleinen, auch einzigartigen Momente und bringt den Spieler ein ums andere Mal beim Entdecken liebevoller Details zum Schmunzeln. Das vergeht euch aber spätestens dann, wenn der erwähnte God-of-War-Zyklop plötzlich ausholt und euch während des hitzigen Gefechts mit seinen riesigen Pranken eine langt.

Neben dem Gegner müsst ihr also auch auf die Eigenheiten der Arena achten, das kann in einem Gefecht unter vier Spielern und dem Kampf gelegentlich mal etwas unübersichtlich werden, hält sich aber in Grenzen. Das Beruhigende ist: Ihr könnt nicht sterben, habt also keine Energieanzeige. Im Gegensatz zu „Smash Bros“ könnt ihr aber auch nicht aus der Arena fliegen, denn hier werden die Sieger anders ermittelt.

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Die Hintergründe orientieren sich an bekannten Spieleserien.
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Ihr habt zwar keinen Lebens-, aber einen Energiebalken. Durch erfolgreiche Angriffe oder beim Gegner durch Würfe geklaute Punkte füllt ihr die Superenergie in bis zu drei Stufen auf. Je nach Stufe habt ihr die Möglichkeit, einen Superangriff auszuführen, mit dem ihr dann einen der Gegner treffen müsst, um einen Punkt für euch zu verbuchen.

Auf der ersten Stufe ist der Superangriff mitunter etwas schwieriger auf den Gegner zu lenken als auf der dritten Stufe. Hier müsst ihr das richtige Timing abpassen und wissen, auf was für eine Distanz ihr euren Kontrahenten für den erfolgreichen Superangriff haben müsst. Die dritte Stufe dagegen ist der Chuck-Norris-Roundhouse-Kick unter den Superangriffen, der je nach Charakter mit einer für den Charakter bekannten und bezeichnenden Sequenz eingeleitet wird.

Beim BigDaddy verwandelt sich die Stage in eine Unterwasserwelt und ihr müsst innerhalb eines Zeitfensters eure Gegner einfach nur treffen, um für jeden einzelnen Treffer dann aber auch sofort einen Punkt zu bekommen. Heihachi Mishima, bekannt aus den Tekken-Teilen, schnallt die Gegner um eine Rakete und jagt sie in die Wolken, während sich die Gegner bei Raidens Superattacke in die aus den Metal-Gear-Teilen bekannten Kisten verwandeln und Zerstückelung mit dem bekannten Entdeckt-Ausrufezeichen und dem dazugehörigen Geräusch quittieren.

Kratos gegen Big Daddy

Hier haben sich die Entwickler von SuperBot Entertainment wirklich einiges einfallen lassen und sorgen für viele, manchmal schon fast wehmütige Lacher. Aber auch abseits der Signature-Moves sind die Angriffe der Charaktere, die sich aus einer Kombination aus Richtung und einer von drei Schlagbuttons ergeben absolut individuell und entlocken dem Spieler oft genug ein „Ach nein, die Attacke haben sie ihm auch mitgegeben, wie geil!“.

Hier muss man sich dann eben gut überlegen, ob man sein Glück nur mit der Superattacke der relativ schnell aufgeladenen ersten Stufe zufrieden gibt oder Geduld und Nervenstärke beweist, um dann auf der dritten Stufe richtig Scheibe zu spielen.

Und hier entfaltet Playstation All-Stars: Battle Royale sein Potenzial. Je nachdem, ob ihr Nahkämpfer seid oder euren Opponenten aus der Ferne drangsaliert, müsst ihr euch auch dem Kampfstil und den Attacken des Gegners anpassen und eure Herangehensweise dementsprechend darauf einstellen. Während Kratos und Raiden lieber direkt auf den Mann gehen, hilft sich ein Drake oder ein Colonel Radec lieber mit Knarren aus der sicheren Distanz.

Blocken ist ebenso möglich wie ein Ausweichen in die Tiefe, was euch damit sogar die Möglichkeit gibt, bei entsprechendem Timing den so hart verdienten Superattacken des Gegners am Ende noch zu entwischen.

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Wer seine Kombos beherrscht, ist klar im Vorteil.
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Und so überladen die Steuerung für so manchen zu Beginn vielleicht wirken mag und eher zu Button-Smashing als kontrollierten Angriffssalven verleiten will, gegen einen eingespielten Charakter, dessen Attacken man dank viel Training und Erfahrung in und auswendig kennt, hat kein Blindprügler langfristig den Hauch einer Chance. Nicht einmal, wenn er sich Stage-Gadgets wie Raketenwerfer, Granaten oder Jump-Boots zu Hilfe nimmt.

Je mehr ihr mit eurem Helden spielt, desto höher steigt dieser im Level und ihr schaltet für diesen Individualisierungen frei. So könnt ihr ihm ein anderes Outfit oder Intro verpassen, hier hätte es aber ruhig mehr Auswahl sein dürfen.

Und dank Cross-Play dürft ihr wie in der Werbung wortwörtlich mit eurer PS Vita auf dem Scheißhaus sitzen und euren Kumpel auf seiner Playstation 3 den Hintern versohlen. Spaß macht der Erstling aus dem Hause Sony allemal und lässt trotz etwas schmalen Umfangs auf weitere Teile hoffen.