Es ist die Woche der Wochen, der Tag der Tage, die Stunde der Stunden: Es ist PlayerUnknown's-Battlegrounds-Zeit, denn die Battle-Royal-Rakete setzte heute Nacht 3.00 Uhr zum Launch an und landete 8.00 Uhr morgens bei Steam. Damit verlässt eines der erfolgreichsten Spiele 2017 den Early-Access; allerdings nicht, ohne ein paar blinde Passagier an Bord: Fortnite, Warface und vielleicht auch CS:GO schnitten sich in der Vergangenheit eine Scheibe vom PUBG-Kuchen ab oder wollen es noch: Ist das in Ordnung? Oder vielleicht sogar richtig gut?

Auch wir haben PUBG zum erschießen gern: Seht uns zu, wie wir unbeholfen über die Karte stolpern:

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PlayerUnknown ist verärgert

Brendan Greene alias “PlayerUnknown” ist der schlaue Fuchs hinter PlayerUnknown's Battlegrounds und er ist sauer. Battle-Royal-Modi schießen wie Unkraut aus dem Boden; insbesondere in Asien, wie Greene in einem Interview berichtet. Aber auch hierzulande:

Ich will, dass andere Entwickler ihre Ideen in das Genre einbringen und nicht nur von unserem Spiel kopieren“, erzählt Brendan Greene in einem Interview mit Radio BBC (News), „Bei Filmen und Musik gibt es bereits einen Schutz für geistiges Eigentum und man kann sein Werk wirklich schützen. Bei Spielen existiert dies noch nicht. Das ist etwas, was unbedingt geändert werden sollte. Damit das Genre aber weiter wachsen kann, muss es neue Wendungen für den Spielmodus geben. Wenn es da draußen nur Trittbrettfahrer gibt, wird es die Leute irgendwann langweilen.

Thema der Woche: Battle Royal - PUBG, Fortnite oder Warface: Wer holt das Chicken Dinner?

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In PlayerUnknown's Battlegrounds springt ihr zu Beginn jeder Runde mit einem Fallschirm auf die Karte
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Nun ist Brendan Greene weder der Erfinder des Videospiel-Genres noch der Schöpfer des Begriffs “Battle Royal”, der sich auch über andere Medieninhalte zieht. Wie es hier heißt, kann die Wortgruppe “Battle Royal” bis ins Jahr 1672 zurückverfolgt werden, wo sie in James Howard's Theaterstück “All Mistaken, or the Mad Couple” auftritt. So weit, so gut. Ein paar Jährchen später war Battle Royal ein geläufiger Begriff, der während Hahnenkämpfen benutzt wurde. Und noch viel später hat der Autor Koushun Takami ein kleines Buch geschrieben, mit dem Titel – ihr erratet es – “Battle Royal”: Dabei ging es um eine Gruppe japanischer Highschool-Schüler, die gezwungen wurden, sich gegenseitig in einer Art Showkampf umzubringen. Auf einer Insel, die ebenfalls immer kleiner wurde. Falls ihr mehr über Brendan Greene und die Entstehung von PUBG lesen wollt, führt euch unser Special zu PlayerUnknown’s Battlegrounds zu Gemüte (Artikel).

Thema der Woche: Battle Royal - PUBG, Fortnite oder Warface: Wer holt das Chicken Dinner?

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Fortnite: Battle Royal wurde von PUBG inspiriert
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Hahnenkampf im Genre

Das Genre “Battle Royal” beinhaltet einige Regeln und Grundsätze, die jedes Spiel darin einhalten muss. Allerdings brachte PUBG neuen Wind in diesen Sammeltopf an Spielen; etwa, indem PlayerUnknown den Fallschirm-Sprung zu Beginn jeder Runde einbaute. Oder, indem er die Spieler zwang, immer weiter in einen gewissen Bereich zu laufen, um nicht von den blauen Wänden des Todes verschlungen zu werden. Was auch keine komplett neue Idee ist; siehe Koushun Takamis Werk. All diese Mechaniken heben sich vom universellen Prinzip “Jeder gegen Jeden” ab und charakterisieren, was PUBG eigentlich ist. All diese Mechaniken machten PUBG so erfolgreich, denn natürlich ist es nicht das erste Battle-Royal-Spiel auf dem Markt. Aber eben das bis dato erfolgreichste.

Nun gibt es Fortnite oder Warface, Spiele, die nicht nur Battle Royal machen, sondern die Spieler mit Fallschirmen auf die Karte springen lassen oder ihnen blaue Wände des Todes auf den Hals hetzen. Klauen sie? Oder darf Greene sich gar nicht beschweren?

Neben den erwähnten Spielen gibt es noch weitere Klone, wie etwa diesen Mix aus Terminator 2 und Battle Royal, über den unsere Kollegen von PCGamer berichtet haben. Selbst Counter Strike: Global Offensive plant womöglich einen Battle-Royal-Modus (News). Fakt ist auch, dass Games wie Warface kostenlos sind und damit eine billige Alternative zu PUBG bieten.

Kein Schutz des geistigen Eigentums? Wat?

Was Greene hier sagt, ist zudem nicht richtig. Die IPs (Intellectual Properties) von Videospielen werden geschützt; etwa die im Spiel verwendete Musik, der unterliegende Code oder Bilder; das Aussehen von Charakteren und so weiter. Bleiben wir bei Fortnite: Der beliebte Battle-Royal-Modus ist sicher von PUBG inspiriert, aber haben Epic Games hier wirklich geklaut?

Wenn es um die Fallschirmabsprünge und die blauen Wände geht, dann hat PUBG wohl ebenfalls langer Finger bekommen und sich unrechtmäßig an Koushun Takamis Roman bedient. Außerdem könnte es schwierig werden, sich Mechaniken wie “Spieler springt mit Fallschirm auf Welt” zu sichern. Wo kämen wir denn dann hin?

So sieht die neue Wüsten-Map Miramar in PUBG aus:

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Trittbrettfahrer oder ein Gewinn für’s Genre?

Ohne PUBG hätte es den Battle-Royal-Modus in Fortnite und Warface nicht gegeben. Ideen und grobe Spielmechaniken können nicht geschützt werden, und sollten wohl auch nicht in das Geistige Eigentum einfließen.

Trotzdem können wir uns die Frage stellen: Bringt es das Genre vorwärts, wenn immer mehr Games einen solchen Battle-Royal-Modus einführen? Immerhin streuen Fortnite sowie Warface ein paar Variationen ins Gameplay; sie erweitern also den PUBG-Kuchen mit eigenen Plätzchen. Letztendlich wird sich der beste Modus durchsetzen; oder aber alle diese Spiele existieren nebenher und bieten für jeden Battle-Royal-Geschmack die richtige Nuance.