Noch immer glüht der Maiskolben in meinen Händen... obwohl es vielleicht richtiger wäre zu sagen, dass die Kolben meine Hände sind. Neben mir versucht eine Orange verzweifelt, in ihren letzten Momenten ihr noch zuckendes Fruchtfleisch in ihren Körper zurückzustopfen. Ich mache schwere Schritte vorwärts, die Wände sind beschmiert mit untotem Blut und äußerst gesundem Multivitaminsaft gleichermaßen. Ich bemerke schon kaum noch, dass ich auf den Leichen von Sonnenblumen wandle. Krieg ist die Hölle. Die Hölle ist Abwesenheit von Vernunft. Und Garden Warfare 2 ist Krieg. Der Kreis schließt sich.

Eigentlich mag ich keine szenischen Einstiege in Texte, aber den konnte ich mir dann doch nicht verkneifen – wann werd ich jemals wieder Gelegenheit haben, solchen Stuss zu schreiben? Konnte ja auch vor ein paar Jahren noch keiner ahnen, dass Pflanzen vs. Zombies jemals als Marke groß genug sein würde, als dass sie nicht nur äußerst erfolgreiche Mobile-Spiele, sondern auch wirklich coole Multiplayer-Shooter hervorbringen würde?

Der Vorgänger, das erste Garden Warfare, war mehr als nur ein Achtungserfolg, sondern vor allem gegen Ende, mit zahlreichen Updates, ein richtig launiger Casual-Shooter, der zu recht eine treue Fangemeinde und einigen Erfolg hat. Seltsam zu sehen, wenn die immens erfolgreiche Hauptreihe auf Mobile-Geräten die Freemium-Schiene fährt, während der sich erst noch etablierende Spin-Off auf Konsolen wie der PS4 rumkrebst.

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Spätestens mit dem zweiten Teil sollte sich Garden Warfare aber wirklich bei allen Interessierten durchsetzen und sich in deren Wohnzimmern einfinden. Was zunächst als ein einigermaßen flaches, unkompliziertes Gestrüpp aus unmöglich zu balancierenden Klassen und unüberschaubaren Maps präsentiert, stellt sich schon innerhalb weniger Stunden als ein sehr cooler, aber gut zu bewältigender Shooter mit einer Menge Möglichkeiten und Tricks heraus.

Haken wir zunächst den Kampagnen-Modus ab, der nicht gerade das Herzstück des Titels ist. Vielmehr dient er als Aufhänger dafür, dass der charmant geisteskranke Krazy Dave (bzw. sein durchgeknalltes Roboter-Alter-Ego) oder, wenn man sich auf der Untoten-Seite rumtreibt, der diabolische Dr. Zomboss über lose arrangierte Quests erklären, wie die Mechaniken funktionieren und welche Spielmodi es gibt. Knuddelig und auf seine Art auch durchaus ganz unterhaltsam, aber hauptsächlich dazu gut, dass man das erste bisschen Penunze erspielt und darüber ein paar Booster-Packs erwirbt. In denen gibt es neben Consumables auch Kostümtele zu finden.

Plants vs. Zombies Garden Warfare 2 - Call of Fruity

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Wo sonst kriegt man schon Szenen wie diese zu sehen?
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Mit "Consumables" sind ausnahmsweise mal nicht Heiltränke oder derlei gemeint, sondern eher kleine Pflanzen oder Standard-Zombies, mit denen man die letzten Flecken Tower Defense in garden Warfare realisiert. Gilt es, ein bestimtmes Areal zu verteidigen, kann zum Beispiel eine heilende Sonnenblume in der Nähe oder ein zusätzlicher Peashooter schon helfen.

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Und Kostüme sind auch nicht nur Kostüme. Sicher ist es niedlich, wenn mein Mais-Soldat plötzlich mit Bart und Hut durch die Gegend... äh, rennt. Oder wenn mein Militär-Zombie plötzlich einen Ghillie-Anzug trägt. Doch dahinter steckt mehr: Wie erwähnt gibt es pro Seite fünf Klassen. Doch jede dieser Klassn hat fünf Kostüme, und jedes Kostüm sieht nicht nur Schmuck aus, sondern verleiht auch Zusatzeigenschaften.

Mehr als rein schönes, verrottendes Gesicht

Der erwähnte bärtige Maiskolben zum Beispiel hat im Vergleich zu seinem Standard-Kollegen kein Maschinengewehr-artiges Dauerfeuer mehr, sondern feuert Salven von drei Körnern – dafür ist sein Zoom deutlich besser. Andere Pflanzen und Zombies verlieren zum Beispiel Schadenspotential, erhalten aber Möglichkeiten zu Crowd Control. Oder sie verteilen Schaden über Zeit. Eine Rotation ermöglicht, auch noch nicht freigespielte Klassen auszusprobieren, wir kamen zum Beispiel in den Genuss einer Frost-Citron. Normalerweise rollen diese orangenartigen Gesellen wie Droideka in die Kämpfe, klappen sich dann aus und schmelzen mit Energiestrahlen alles weg. Diese Variante (davon abgesehen, dass sie cool aussieht) richtet etwas weniger Schaden an, kann aber Zombies erst verlangsamen, dann einfrieren. Das kann Gold bzw. Sonne wert sein.

Ob als Kraut oder lebender Toter: Garden Warfare 2 ist ein richtig unterhaltsamer Casual-Shooter, der dennoch Zombiefleisch auf den Rippen hat.Fazit lesen

Und schwupps – schon ist die ganze Chose schon eine Spur weniger flach. Aber, und das ist eine große Stärke: immer noch einfach, gut zu handhaben, gut zu überblicken. Obwohl unvorstellbar ist, dass alle Klassen in allen Variationen gut gebalanced sein sollen (und verzeiht uns, dass es innerhalb eines Testzeitraums nicht möglich ist, derlei Feinheiten präzise auszumachen), haben wir doch schnell mit vielen unterschiedlichen Pflanzen und Zombies Erfolgserlebnisse gefeiert und, das ist das wichtigste Element jedes Spiels, hatten immer Spaß.

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Was für Außenstehende nach buntem Chaos aussieht, verbirgt tatsächlich erstaunlich viele Möglichkeiten.
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Das mag auch zumindest teilweise an anderen Elementen liegen. Etwa an der zuckersüßen Optik, die wesentlich näher an dem zweidimensionalen Vorbild liegt, als man sich (zumindest vor dem Erscheinen von Garden Warfare 1) hätte träumen lassen. An dem Sammel-Aspekt mit den Booster-Packs. An den wundervoll großen, abwechslungsreichen und im Vergleich zum Vorgänger auch zahlreichen Maps, in denen es verschiedene Spielmodi gibt, die zwar nicht vor Kreativität platzen, die aber wegen kompetenter Umsetzung und spleeniger Atmosphäre schlagartig und für lange Zeit bocken.

Überhaupt: Garden Warfare 1 war ja kein schlechtes Spiel. Nur eben eines, von dem man sich noch eine Menge wünschen konnte, und die meisten dieser Wünsche erfüllt der zweite Teil gerne und reichhaltig. Wer Singleplayer-Inhalte wollte, hat sie jetzt. Mehr Klassen mit mehr Nuancen? Bittesehr. Mehr Maps? Na logo.

Dass Garden Warfare 2 nicht das perfekte Spiel ist, keine noch höhere Wertung absahnt, liegt einfach daran, dass das Konzept letztendlich nicht auf Komplexität ausgelegt ist. In seinem Rahmen ist es wahnsinnig gut, nur ist es der Rahmen selbst, der bewusst etwas kleiner gesteckt ist. Wer sich an der Team-Fortress-Formel versucht, der muss sich, selbst, wenn er bescheidener auftritt, dann eben auch am Genrekönig messen lassen. Da ist man bei Valves kunterbunter Ballerei eben eine Spur besser aufgehoben, und die ist auch noch Free-to-Play. Derselbe Sport, aber nicht dieselbe Liga, wenn auch vielleicht freiwillig so erwählt.

Dennoch: Innerhalb seines eigenen Maßstabs ist GW2 großartig, proppenvoll, wunderbar motivierend, abwechlungs- und facettenreich genug, geeignet für so ziemlich jedermann und einfach ein richtig toller klassenbasierter Shooter, der nicht nur seinem Vorgänger, sondern auch vielen anderen Kollegen im Genre haushoch überlegen ist.