Planetside Test (PC)
(von Patrick Streppel)

Teambasierte Ego-Shooter erreichen mit »Planetside« völlig neue Dimensionen. Mehrere Tausend Spieler kämpfen schon kurz nach der Veröffentlichung auf den Servern von Sony Online Entertainment zu Fuß, in Fahrzeugen und aus der Luft um Stationen und

blühende Landstriche.Ist das die Wachablösung von »Battlefield« und Co?

Seit es schnelle Internet-Verbindungen gibt, erfreuen sich Mehrspieler-Shooter immer größerer Beliebtheit. Den ersten zarten Versuchen von ID Software, Valve und Epic folgte eine Flut von Spielen,

die nicht nur über einen zusätzlichen Multiplayer-Part verfügten, sondern im Solo-Modus faktisch wertlos waren. Neben taktisch orientierten »Counterstrike«-Varianten, an denen höchstens ein gutes Dutzend Spieler teilnehmen durften, knackigen Deathmatches, wie sie nahezu jeder moderne Ego-Shooter bietet, kristallisierten sich mit Einführung der »Tribes«-Serie auch epischere Schlachten heraus.

Mehr als hundert Spieler durften zuletzt in »Tribes 2« auf gigantischen Karten um Ruhm und Ehre kämpfen - im Team versteht sich. Und EA's Erfolgstitel »Battlefield 1942« fügte dem Ganzen auch noch eine Vielzahl von Fahr- und Flugzeugen hinzu.

Der nächste Schritt »Planetside« ist in dieser Evolution zweifellos der nächste Schritt, denn das Spiel führt Multiplayer-Shooter in die Riege der Massively-Multiplayer-Titel, die bislang nur von Online-Rollenspielen wie »Everquest« oder »Dark Age of Camelot« besetzt wurden.

Auf gut Deutsch: Es kämpfen unzählige Spieler gleichzeitig auf riesengroßen Karten. Selbstredend findet sich eine solche simultane Spielerschar in keinem LAN mehr, deshalb ist »Planetside« nur noch im Internet spielbar. Dafür aber 24 Stunden am Tag, gegen Spieler aus aller Welt. Für die nicht gerade geringen Kosten (50 Euro Kaufpreis für die Schachtel mit den CDs, nach kostenlosen vier Wochen weitere 13 Dollar monatlich) stellt Sony nicht nur genügend Server bereit (zur Zeit des Tests waren es drei in den USA und ein Server in Europa), sondern versorgt das Spiel auch mit regelmäßigen Updates.

Übrigens: Die Entwickler von »Planetside« sind passenderweise die Online-Experten von Verant. Die haben »Everquest« ins Leben gerufen und arbeiten gerade an dessen Fortsetzung. Nebenbei entwickeln sie das Rollenspiel »Star Wars Galaxies«.
Inmitten eines epischen Konflikts Nachdem Sie einen Server gewählt und einen Charakter erschaffen haben, stellt »Planetside« Sie vor die Wahl der drei Imperien, die um die zehn Kontinente des Planeten Auraxis kämpfen. Die Terran Republic ist das älteste Reich der Menschheit und verfolgt das Ziel, die beiden Gruppen der Abtrünnigen zurückzuholen.

Beim New Conglomerate handelt es sich um eine Gruppe liberal eingestellter Militärs, denen die irdische Regierung zu militant war. Bleibt die so genannte Vanu Sovereignity, die sich Alien-Technologie zu Nutzen macht.

Klar, dass dies bei den anderen beiden Parteien Begierlichkeiten weckt und so befinden sich die drei Gruppierungen auch in einem permanenten Konflikt.

Für Sie als Spieler hat die Wahl der Parteien vor allem Auswirkungen auf Ihre Ausrüstung. Treten Sie der Terran Republic bei, so bekommen Sie Waffen mit höherer Feuerrate.Entscheiden Sie sich für das New Conglomerate, so verfügt Ihre Waffe über eine höhere Durchschlagskraft. Die Ziele der drei Parteien sind jedoch immer die gleichen: Sie müssen mit Ihren Kameraden möglichst viele feindliche Stationen einnehmen.

Dazu kämpfen Sie sich bis zur feindlichen Basis vor, durchbrechen die Verteidigung, gelangen ins Innere und Hacken den Hauptcomputer. Was sich leicht anhört, sollte jedoch nicht unterschätzt werden: Die Einnahme einer Station dauert unter Umständen mehrere Stunden und ist ein zähes Ringen, dass nur im Team zu gewinnen ist.

Gemeinsam stark
Wer »Tribes 2« kennt, der weiß, dass in großdimensionierten Online-Shootern nur selten der Einzelne über den Sieg entscheidet. Ist es bei »Counterstrike« und »Battlefield« bereits schwierig, aber noch nicht unmöglich auch alleine auf einen grünen Zweig zu kommen, sind Sie in »Planetside« garantiert tot.Erste zaghafte Versuche eines Solo-gewöhnten Testers hinaus in die üppig bewachsenen Landschaften endeten nach wenigen Minuten mit dem Tod - ohne selbst einen Abschuss verbucht zu haben. Nein, wenn Sie in »Planetside« erfolgreich sein wollen, müssen Sie sich anderen Kämpfern anschließen - vor allem am Anfang, wenn ihre Rüstung dünn und ihre Waffen schwach sind.

Wahlweise laufen Sie einfach ein paar imposant wirkenden Kollegen hinterher oder suchen ganz offen nach einer Gruppe, der Sie sich anschließen können.

Das Chat-Fenster sowie die Community drum herum geben Ihnen jedenfalls alle Gelegenheit. Ihre ersten Spielstunden sollten Sie also tunlichst damit verbringen, sich im Schatten der alten Hasen an kleinen Erfolgen zu erfreuen, im Rank aufzusteigen und zu lernen.

Langsamer Aufstieg
Denn wie in einem Online-Rollenspiel steigen Sie mit Abschüssen und eingenommenen Stationen langsam im Rang auf. Für jeden neuen Erfahrungspunkt dürfen Sie sich wiederum neue Ausrüstung zulegen, was wie so viele Elemente im Spiel zwar recht komplex ist, im umfangreichen Tutorial aber ausgiebig und verständlich erklärt wird.

Der Grundgedanke hängt damit zusammen, dass Sie beim Spielen regelmäßig ins Gras beißen werden. Wollen Sie sich da immer wieder neue Ausrüstung kaufen?

Statt also die Gegenstände zu erwerben, kaufen Sie sich die Nutzungsrechte beziehungsweise Lizenzen.

Das könnte also eine Konzession für schwere Waffen sein, die Sie einmal erwerben, um sich fortan an jedem Basis-Terminal mit Nachschub eindecken zu können.Oder Sie sparen für eine Pilotenlizenz und düsen anfangs mit einem leichten Jäger, später mit großen Bombern über die Landschaften. Neben Mech-ähnlichen Rüstungen dürfen auch Fahrzeuge nicht fehlen - angefangen vom »Halo«-ähnlichen Jeep bis hin zum schweren Panzer können Sie sich eine Reihe netter Lizenzen zusammensparen.

Technik wie im Solo-Shooter? Die Screenshots von »Planetside« sehen toll aus, doch im Spiel selbst gibt es auch grafische Schwächen.

Die Außen-Level sind nicht nur gigantisch groß, sondern auch mit unzähligen Bäumen und Gräsern bewachsen. Wenn sich Dutzende Soldaten am Fuß eines Hügels bekämpfen, in der Luft Jäger kreisen und von weitem Panzer heranrollen, ist das ein phantastisches Bild.

Nicht ganz so beeindruckend, im Vergleich mit Solo-Titeln aber immer noch zweckmäßig, sind die Innen-Level. Leider sehen die Basen immer gleich aus und sind schwach texturiert.

Als Hintergrund für schnelle Gefechte ist dies jedoch voll ausreichend. Optisch kommt ein Vergleich mit »Command & Conquer: Renegade« in den Sinn. Für »Planetside« sollten Sie möglichst einen Rechner oberhalb der 2 GHz-Marke, mit 500 MB RAM und eine modernen Grafikkarte besitzen. Auf einem solchen läuft das Spiel überraschend flüssig.

Packshot zu PlanetsidePlanetsideErschienen für PC

Selbst wenn die Kämpfe richtig intensiv wurden, blieb beim Test die Frame-Rate konstant und es waren keine größeren Lags zu spüren - sogar das Spielen auf US-Servern war problemlos möglich.