Die Geschichte der selbsternannten Rollenspiel-Strategie-Mischung beginnt womit? Mit einer Meuterei. Die Mannschaft eines Seelenverkäufers der britischen Marine hat von ihrem Kapitän die Schnauze voll und wirft ihn über Bord. Nun darf ich mich zwischen drei Anführercharakteren entscheiden, mit denen ich dann die Geschicke meiner Bande von Halsabschneidern lenken kann. Jeder beherrscht was anderes: Der eine schießt besonders gut, während ein anderer ein starker Nahkämpfer ist. Jedem das Seine.

Pirates Of Black Cove - Release Trailer

Man beginnt sein Abenteuer auf der Insel der Piraten, einer von drei Fraktionen, bei denen man sich anbiedern muss, um sie schlussendlich zusammenzuführen und ihr König zu werden. Jedenfalls fängt man erst mal ganz klein bei den Piraten an, die ziemlich abgeranzt daherkommen. So etwas wie die Prügelpenner der Karibik. Kein Vergleich zu den versnobt-arroganten Bukanieren oder den Korsaren. Hier erhalte ich meine ersten Aufträge, mit denen ich meinen Ruf steigern kann, und damit beginnt das Spiel auch schon zu langweilen. Aber eins nach dem anderen...

Die Insel selbst ist mit Gebäuden ausbaubar, sodass man beispielsweise Truppen anheuern kann. Anheuern oder auch Kaufen sind überhaupt gute Stichwörter. Es gefällt mir recht gut, dass ich mit Gold neue Gebäude kaufen, mein Schiff verbessern, Truppen anheuern und Zaubertränke erstehen kann. Das unterstreicht den Open-World-Charakter des Spieles, denn Gold kriege ich in erster Linie durch das Überfallen von anderen Schiffen und kleinen Siedlungen. Wie, was und wo, das bleibt mir überlassen. Von der Idee her schön gemacht. Allerdings brauche ich so saumäßig viel Pinke-Pinke, dass das Goldbeschaffen schnell zu einem nervigen „Farmen“ wird, zumal die Mechaniken immer die gleichen sind.

Ohne das glitzernde Edelmetall geht es jedenfalls nicht weiter, weshalb ich also losziehe und wie blöd mehr oder minder hilflose Schiffe versenke. Von gezielter Piraterie hat das nichts, eher etwas von Grinden, zumal ich die Schiffe nicht entern oder sogar übernehmen kann, sondern sie lediglich in Trümmer ballere und dann eine Truhe mit ein paar Goldmünzen bergen darf.

Pirates Of Black Cove - Versuch eines raubeinigen Rum-Rummels

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Auch derart seltsame Konstruktionen können nicht über die Langsamkeit hinwegtäuschen.
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Das wird vor allem deshalb schnell langweilig, weil die überfallenen Schiffe (teilweise immerhin stolze Mehrmaster) meiner Schaluppe nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen haben. Sie helfen sich noch nicht einmal untereinander, auch dann nicht, wenn ich ein Schiff vor den Augen eines anderen angreife und sie beide unter derselben Flagge segeln. Kameradschaft war in der Karibik wohl eher nicht so...

An dieser Langweile ändert auch die grundlegende „Seeschlachtmechanik“ nichts. Also Schiff ausrichten, Breitseite abfeuern, Ausweichmanöver, nachladen und so weiter. Das liegt zum einen daran, dass sich der Möchtegern-Fliegende-Holländer steuern lässt wie ein Autoscooter auf Bananenschalen, und zum anderen daran, dass es effektiver ist, einfach die Feuertaste gedrückt zu halten und eine Kanonenseite konsequent auf das Ziel auszurichten. Das sich daraufhin einstellende Dauerfeuer – die Kanoniere laden binnen Sekunden nach – vernichtet jede Gegenwehr.

Packshot zu Pirates Of Black CovePirates Of Black CoveErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Jetzt wird man sich fragen, weshalb ich das Gold denn brauche, wenn ich die Schiffe eh ohne sonderliche Gegenwehr in Scharen zu Davy Jones schicken kann. Ja, ich kann mein Schiff damit aufrüsten, auch wenn das nicht nötig ist. Aber ich brauch unbedingt Soldaten für die Landgänge. Denn Pirates of Black Cove bietet einen Strategiepart mit Landmissionen an. Allein hab ich jedoch kaum eine Chance gegen die feindlichen Landratten. Und leider, leider führen viele der Quests immer wieder an Land. Ich brauche also Männer. Haudraufs. Ballermänner. Helfershelfer.

Von diesen gibt es unterschiedliche Typen, die man in den verschiedenen Kasernen anwerben kann. Dafür muss man selbige aber erst einmal gebaut haben (Gold!) Die Truppen selbst kann man bei den Landmissionen dann strategisch befehligen. Die potenzielle Varianz der Truppenteile ist allerdings völlig wumpe, da man a) eh keine Taktik braucht und b) die Kanoniere so übermächtig sind, dass jeglicher Widerstand sofort zusammengeschossen wird. Warum sollte ich dann noch andere Truppen kaufen? Sobald man die oben genannten Kanoniere hat, ist man an Land genauso unbesiegbar wie auf See.

Ui, toll! Piraten, die Grog saufen und „Arrr!“ sagen...Fazit lesen

Gold, Gold, Gold ist alles, was ich mag...

Auf diese Weise farmt man sich durch die Missionen, erschleicht sich den Ruhm bei den Fraktionen, steigt zum König auf. Unterwegs sogar ab und zu im Level. Allerdings beschränkt sich das Rollenspiel darauf, dass man vielleicht besser mit den Schiffskanonen zielen kann, mehr Grog (Healthpacks) tragen kann und so weiter.

Pirates Of Black Cove - Versuch eines raubeinigen Rum-Rummels

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Die Grafik ist... nett.
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So dümpelt Pirates of Black Cove vor sich hin, ohne sonderliche Schwierigkeiten, ohne großartige Geschichten und ohne Herausforderung. Zu keiner Zeit fühlt man sich von den Gegnern bedroht. Dazu trägt auch die knuddelige Comicgrafik bei. Auch der Soundtrack, der zwar angenehm karibisch vor sich hinplätschert, sich aber schnell wiederholt, ist für das Kuschelfeeling mit verantwortlich. Spannung kommt so nicht auf, und die Sprecher der Piraten lassen selbst den bärbeißigsten Charakter so tönen, als wäre er der Prototyp aller Witzfiguren. Alles in allem passt die Kulisse jedoch zum „easy living“ der Piraten. Heißt: dazu, wie sich Lieschen Müller das karibische Piratenleben nach „Fluch der Karibik“ vorstellt.

Überhaupt ist das Spiel in mancher Hinsicht lustig. Ob das gewollt ist oder ob die Entwickler es nicht besser wussten, sei dahingestellt. Die Sprecher „pirateln“ vor sich hin, sodass man versucht, möglichst schnell die eh unnützen Dialoge wegzudrücken. Warum auch zuhören? Die Karte zeigt einem eh unmissverständlich, wohin man reisen muss. Dort angekommen muss man dann entweder schießen oder an Land gehen und schießen – es gibt außerdem 1000 (!) Flaschen mit Piratenwitzen zu finden, die sich alle um das mittlerweile genauso alte wie ausgelutschte „Arrr!“ drehen. Abgesehen davon wiederholen sie sich schnell.