Pikmin ist Abenteuer. Pikmin ist Entdeckung, Besiedlung und Krieg, Käfer, Blumen, Bomben und Brücken. Der Stärkste gewinnt, der Schwächste fliegt. Sonne, Mond, Sterne, Fluss, Blätter, Natur, Liebe, Autsch und Auweia.

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Nicht viel, was hier fehlt. Nach endlosen Märschen durch einen Mikrokosmos voller haushoher Tulpen und wild wucherndem Unkraut verschiebt sich die Perspektive für üblicherweise festgeschriebene Videospielprobleme, man wird gelassen, entkrampft und sieht irgendwann nur noch Sternfrucht, Aubergine und Gelbsaurier. Oder schwimmt auf Seerosenblättern über friedlich wogende Gewässer. Pikmin, das ist Ruhe und Unberührtheit.

Es startete vor zwölf Jahren auf Nintendos Gamecube als zeitkritischer, leider viel zu kurzer Raumschiffteil-Suchtrupp und bleibt auf Wii U eine treue Tomate: sich selbst und auch euch gegenüber, die zwei Generationen später noch die besten Gründe kennen, warum sie einen lilafarbenen Würfel mit Tragegriff dran schätzten und ihn am liebsten nie hätten gehen lassen.

Pikmin 3 bleibt ein Spiel der Entdeckung, ein bisschen schwierig zu erfassen, wenn man klare Strukturen wünscht, zwischen mehreren Stühlen, auf denen woanders "Strategie", "Taktik" oder "Geschicklichkeit" stünde. Es fordert nichts von all dem im Übermaß, tat es noch nie, und hält die Balance in seinen 15 bis 20 Stunden, die es bis zum Abspann braucht. Am Ende fällt es mir nach wie vor schwer, ein Genre zu nennen, und je länger ich darüber nachdenke, desto weniger will ich es. Mit dem Finger drauf deuten und jeder weiß sofort Bescheid, das klappte in diesem Universum bisher nicht und wird auch diesmal nicht klappen.

Pikmin 3 - Blau, Rot, Kirsche, Banane, Felsspinne, Aal

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Mit drei Anführern dirigiert ihr die kleinen Wesen unter Wasserfällen hindurch, über Brücken, durch Teiche, Höhlen und Sandstrände. Viel zu erkunden.
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Was würde jemand Ahnungsloses sagen, wenn ich ihm erzähle: "Ich habe mit kleinen roten Männchen gepunktete Käfer zusammengeschlagen und ihre leblosen Körper in eine Zwiebel gestopft"? Bestenfalls freundlich lachen. Oder vorsichtig zurückweichen und nach etwas Schwerem greifen. Ihr könntet hundert Leute nach "Pikmin, damals, sach was" fragen und bekämt Antworten wie Erkundung, Komplettierung, Perspektive, Kampf und Truppenmanagement.

Wie seine Vorgänger entlässt euch Teil 3 mit klarem Ziel vor Augen in ein Abenteuer erst einfacher Dimensionen, die zunehmen, je weiter man fortschreitet: Drei zentimetergroße Raumreisende sollen Vorräte für die hungernden Bewohner ihrer Heimatwelt auftreiben und müssen getrennt voneinander auf einem fremden Planeten notlanden.

Packshot zu Pikmin 3Pikmin 3Erschienen für Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Das Ziel: zueinander und Nahrung finden. Gar nicht so einfach in zwergenhaften Größenverhältnissen, wenn selbst Käfer größer sind als Ponys und Blumenstängel dicker als Baumstämme. Von der ersten Minute an erkundet ihr in Erdbeerengröße einen Mikrokosmos, überragt von sonnengelbem Löwenzahn und schuhsohlenhohen Felsvorsprüngen, darauf Kirschen und Pfirsiche so prall wie Medizinbälle.

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Währenddessen trefft ihr Dutzende fantasievoll entworfene Kreaturen.
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Betrachtet die Welt aus den Augen der gestrandeten Crew: Hier Seilkonstruktionen mit Zugang zu Regionen, die noch stundenlang unpassierbar sind, dahinter ausgehöhlte Baumstümpfe mit Rissen, die aussehen wie finstere Gesichter. Dort Einkaufstüten auf schier unerreichbaren Vorsprüngen und erst später, von der anderen Seite dann, schafft man sich damit eine Abkürzung. Alleine ist da nichts zu wollen in dieser Welt der fremden Wunder, ihr braucht jene, von denen das Spiel seinen Namen hat.

Pikmin, kleine Kerlchen unterschiedlicher Farbe, die ihr um euch scharen, heranpfeifen, wegschicken, werfen, züchten, verheizen, trennen und zusammenfassen könnt. Arbeitstiere und rüpelhafte Haudraufmaschinen in einem, je nach Situation entweder Packesel oder Bauernopfer. Die Frage der Menge und Zusammenstellung ist eine der Kapazitäten und des gewünschten Einsatzes: ein überschaubarer Erkundungstrupp für die nächste Ecke, zum Wegschleppen einer Orange, oder eine mittelschwere Armee gegen den riesigen, scharfzahnigen Monsteraal, der aus einem Sandmeer schießt wie eine Fontäne und die bunten Männchen im Dutzend verschlingt.

Nur keine Hektik

Normalerweise muss man nicht über die Handhabung eines Spiels sprechen. Versteht sich alles von selbst, viel falsch machen nur die wenigsten, aber bei einem Pikmin zwei Generationen und zwölf Jahre nach seinem Urknall wäre es vielleicht angebracht, ein paar Worte darüber zu verlieren.

Ihr habt die Wahl zwischen Nunchuk und Wiimote, dem Pro-Controller und dem wuchtigen Touchscreen-Gamepad. Klappt alles auf seine Art gut, ich habe sämtliche Möglichkeiten gern ausprobiert, blieb der Bequemlichkeit halber – und dank der hervorragenden Akkulaufzeit – am Pro-Controller kleben. Wobei man nur mit dem Wii-U-Touchscreen ständig eine Übersichtskarte zur Hand hat (haha!), die man Fingerbewegungen verschiebt, um Vorräte zu suchen, versteckte Pfade zu finden oder versprengte Pikmin zu lokalisieren.

Zauberhaftes und umfangreiches Abenteuer für lange Sommernächte.Fazit lesen

Der Tag-Nacht-Wechsel und die heruntertickende Uhr (ein Tag entspricht einer knappen Viertelstunde) waren schon immer ein wichtiges Thema. Auch in Teil 3 stecken sie die Grenzen eures täglichen Tuns ab, und im schlimmsten Fall die Lebensspanne der kleinen Helfer, wenn ihr nicht aufpasst. Wer nach Einbruch der Dämmerung nicht die Karte nach Zurückgelassenen abklopft und sie zurück ins Rudel pfeift, muss mitansehen, wie stämmige Käfer im Sonnenuntergang die Basis stürmen und das Maul genüsslich aufreißen.

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Wie üblich hat jede der fünf Pikmin-Arten andere Fertigkeiten und ermöglicht euch Zugang zu anderen Bereichen innerhalb der vier großen Gebiete.
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Sehr nützlich und nur per Touchscreen-Karte verfügbar ist die Zielfunktion. Habt ihr auf eurer Suche nach überdimensionalen Zitronen, Kiwis und Äpfeln bereits entlegene Orte entdeckt, könnt ihr einem Crewmitglied die Route dorthin vorgeben – die es automatisch abläuft, mit all seinen Pikmin im Gefolge. Wechselt dann zu einem anderen der drei und kümmert euch um andere Dinge, tragt endlich die Weintrauben von der scheinbar undurchdringbaren Steinmauer weg oder knobelt aus, was es mit dem braunen Schalter inmitten des Waldes auf sich hat. Einer erkundet, der andere vergrößert die Pikmin-Population, der dritte sucht Beeren für den süßen Kraftnektar.

Pikmin 3 ist kein hektisches Spiel. Selten. Keines, in dem man üblicherweise an mehreren Fronten kämpfen muss. Es betont den Anführerwechsel nur stärker als der zweite Teil, fordert ihn sogar, verwehrt euch den Zugang zu bestimmten Gebieten, wenn ihr nicht einer oder beide Crewkollegen begleiten.

Oft müsst ihr zurückkehren in besuchte Abschnitte, meist nachdem ihr etwas Neues gefunden habt – Bomben oder eine neue der insgesamt fünf Pikmin-Sorten –, es von der anderen, vorher unerreichbaren Seite probieren, erkunden, erkunden, erkunden. Gucken, was man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hinbekommt, welche Mauer zu hoch ist, welches Gewässer zu tief.

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Früchte sind das A und O in Pikmin 3. Nicht nur für eure drei Hauptfiguren, die nach jedem vergangenen Tag eine Ration zu sich nehmen müssen, sondern auch für die Bewohner ihres Heimatplaneten, für die sie Nahrung beschaffen sollen.
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Ihr alle kennt diese Welt und ihre Beschaffenheit, kennt Zäune, wilde Wurzeln und knöchelhohes Wasser, aber in der bodennahen Perspektive und aus der Sicht der zentimeterkleinen Crew sind es unüberwindbare Hürden und jahrhundertealte Rätsel.

Hindernisse, ob natürlicher Natur oder nicht, sind der Messstein für euren Fortschritt. Ihr klatscht ständig mit dem Gesicht gegen etwas im ersten Moment Mysteriöses. Während man Lehmtore einfach einreißen kann, indem man eine Pikmin-Rotte darauf loslässt, steht ihr später vor Bambusbarrieren und Glaswänden, dahinter funkenschlagende Stromkabel, Autobatterien, Früchte, Eimer, Scherbenhaufen, Konservendosen, Kristalle…

Elektrische Zäune meidet man besser, bis die gelben Pikmin das Gefolge ergänzen, aufgeschüttete Erdhaufen sind bestimmt nicht umsonst hervorgehoben und zertrümmerte Brücken unheimlich wichtig, will man Nichtschwimmer-Pikmin auf die andere Seite bringen. Hmm.

Die Sache mit dem Anvisieren

Schon wieder ein Tag rum und ich konnte nicht mal die Höhle erforschen oder die Brücke an den dicken Spinnweben vorbei bauen. Wieso? Weil ein Tag viel zu kurz ist! Die Umgebungen sind wilder und verworrener als in den Vorgängern – diesmal: tropische Wälder mit Sternfrüchten an den Ästen und Sandstrand, verschneite Landstriche, herbstliche Flussläufe. Malerische Wasserfälle sind eine Todesfalle für nicht schwimmfeste Pikmin und Bosse die Wächter fremder Technologie, die in ihrem letzten Atemzug Handys und Wassermelonen hochwürgen.

Vorsicht bei ihrem wilden Aufstampfen. Stehen eure Freunde am falschen Fleck, hinterlassen sie vielleicht selbst nur noch einen...

Hier hat das Spiel seinen größten Schwachpunkt, wenn man ihm unbedingt einen mitgeben will: Obwohl die Bosse eine Spur taktischer zu bekämpfen sind als die in den ersten Teilen, ist es eben nur eine Spur und das Prinzip „Alle druff da und feste!“ immer noch ein sehr prominentes. Ihr werdet nicht ewig und drei Tage an ihnen festhängen.

Aber dafür hoffentlich staunen über die Liebe zu bizarrer Flora und Fauna: Es gibt Käfer mit gefräßigen Schnauzen, langen Zungen und dicken Beinen, Frösche, feuerspeiende Rüsselschweine, Flammenschnecken, Zwiebelkrabben, Kaulquappen, Raubblätter, Felsspinnen, viel Altbekanntes, viel Neues, Kriechendes, Rennendes, Aufgeplustertes, Fliegendes, Schwimmendes. Ein kleines Ökosystem, durch das man manchmal ein bisschen beschämt marodiert.

Pikmin 3 - Blau, Rot, Kirsche, Banane, Felsspinne, Aal

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Freut euch auf viele drollige Kreaturen - alte Bekannte wie neue Gesichter.
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Irgendwo ist immer ein merkwürdiges Gefühl, ein solches Wesen plattzuwalzen mit einer Übermacht, gegen die es nichts ausrichten kann, egal wie sehr es sich schüttelt und trampelt. Pikmin, das ist Krieg.

Nintendos Zombie-Variante, wenn man so will: Sobald man einen leblosen Tierkörper in die Basis schleppt, entstehen daraus neue Pikmin – je nach Größe mehr –, bis irgendwann nichts anderes übrig bleibt als die kleinen, im letzten Teil noch unheimlichen Singsang verbreitenden Kerle. Irgendwie gespenstisch, auf eine „Verstörter Kinderchor“-Art. Man kann auch einfach bei Ameisen bleiben, denen sie in ihrem Verhalten sehr ähneln.

Ich hatte mir fest vorgenommen, den gelben C-Stick zu betrauern. Oder, besser gesagt, seine Funktion in den Gamecube-Teilen: das Ausschwärmenlassen der Pikmin, in welche Richtung auch immer man ihn drückte. Das war klasse. Hauptsache viele von ihnen mit lautem Geschrei auf den Pelz einer armen Kreatur scheuchen, von der sie nichts übrig ließen – klappte immer irgendwie. Mit dem rechten Stick dreht man heute die Kamera.

Pikmin 3 - Blau, Rot, Kirsche, Banane, Felsspinne, Aal

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In jedem Abschnitt wartet ein großer Boss auf euch.
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Um den Schwarm loszuschicken, muss man den Punkt anvisieren und eine Taste drücken. Das Prinzip ist ein ähnliches, aber es bleibt eben ein Tastendruck mehr und manchmal unnötig fummelig. Drei, vier Mal brachte mich das Spiel damit in Rage, weil das Anvisieren des gewünschten Punktes einfach nicht klappte (*hust, Boss im vorletzten Abschnitt, hust*): "Linkes Bein in den Fokus nehmen. Linkes Bein! Das ist nicht links! Das andere Links, KackmistICHkönntedenFuckindenFernseherwerfen!!! Verdammtes Pad, du hattest die Wahl: Links aufs Bein oder links vom Balkon, hehehe!"

Ähem. Auch das Herauszoomen und Kippen der Kameraperspektive sind Opfer des Generationenwechsels. Das Spiel entzieht euch die vertikale Kontrolle und müht sich sichtlich, diesen Kontrollverlust zu überspielen. Klappt die meiste Zeit sehr gut, aber wie das nun mal so ist mit Dingen, die man kennt: Manchmal wünschte ich sie mir zurück.

Nichts Schlimmes. Wir haben ja sonst alles. Natur, Sonne, Bach, Blätter, Leben, Lachen. Gut, dass es nach neun Jahren immer noch so ist, als wäre man nie weg gewesen.