Man sollte denken, dass eine Kombination aus Visual Novel und Adventure es gerade auf dem westlichen Markt schwer haben sollte. Und tatsächlich klingen Aussagen wie "Ace Attorney gehört zu den 30 erfolgreichsten Capcom-Franchises." erstmal nicht besonders beeindruckend. Doch man vergisst dabei leicht, wie immens viele Titel Capcom hat, darunter auch solche Knaller wie Street Fighter.

Man muss also doch festhalten, dass sich die Geschichte um Anwälte im abartigsten Rechtssystem aller Zeiten (und man kann eine Gänsehaut kriegen, wenn man hört, dass die japanische Justiz von der in den Spielen gar nicht mal so weit entfernt sein soll) kommerziell ganz ordentlich schlägt. Umso eigenartiger ist ihre durchwachsene Release-Historie hierzulande. Die ersten Teile erschienen auf dem DS, allerdings ohne englische Texte, weil... das zuviel Speicherplatz weggenommen hätte?

Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy - Schon wieder Einspruch?!

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Ist sie? Ist sie wirklich?
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Der erste Teil der Spin-Off-Reihe um Staatsanwalt Miles Edgeworth, Ace Attorney Investigations, erhielt einen westlichen Release, allerdings keinen deutschen, also musste man mit Englisch vorlieb nehmen. Ace Attorney Investigations 2 erschien erst gar nicht außerhalb von Japan. Der jüngste Ableger der Hauptreihe, Dual Destinies, schaffte es dann zumindest in den Nintendo-eigenen EShop, war allerdings einmal mehr nicht auf Deutsch zu haben. Der Crossover mit Professor Layton hingegen wieder war es durchaus.

Gäbe es das Wort "unbeständig" noch nicht, man hätte es für diesen Release-Plan erfinden müssen. Nun hab ich die Spiele allesamt intus, manche sogar mehrmals, aber auch ich freute mich, als bekannt wurde, dass die ersten drei Teile mit aufgebohrter Optik bald auch den 3DS unsicher machen würden. Eine prima Gelegenheit für alle, die sie noch nicht kennen und die Portierungen für Smartphones nicht spielen konnten oder wollten, diese charmante Reihe nachzuholen... oder etwa nicht?! (An dieser Stelle müsst ihr euch dramatischen Donner im Hintergrund denken.)

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Hochauflösende Maya, eher grob gemalte Wachen - wer das Aussehen der iOS-Portierung kennt, kennt auch das des "neuen" 3DS-Ports.
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Der erste Eindruck ist durchaus erfreulich. Die überarbeiteten Sprites sind nicht das, was man "gestochen scharf" nennen würde, aber es wurde ohne Frage eine Menge Arbeit hineingesteckt und die gehobene Qualität der Figuren ist sehr merklich, vor allem vor Gericht. Phoenix selbst hat nach wie vor die schönsten Gesichtsengleisungen überhaupt, der allseits beliebte und weitestgehend namenlose Richter wechselt zwischen Verwunderung und missmutigen Blicken und wenn dicke Krokodilstränen die Wangen von Dahlia Hawthornes engelsgleichem Antlitz runterkullern, dann bleibt allerspätestens jetzt kein Auge vor dem Bildschirm trocken – sei es wegen der hübschen neuen Fassade oder, weil man bereits weiß, was es mit Dahlia auf sich hat.

Die ganz großen Sprünge darf man also nicht erwarten – an der Animationsqualität wurde nicht geschraubt und wenn zum Beispiel in einer der seltenen Cutscenes doch mal ein Standbild per Kameraschwenk "bewegt wird", dann Flimmern die Kanten, dass auch Leute ohne Epilepsie Unwohlsein verspüren. Darüber hinaus sei vielleicht die Frage erlaubt, warum man, wenn man schon Sprites und dergleichen bearbeitet, Elemente wie das Konfetti am Ende eines Falles bespielsweise in einer so starr-steifen Form lässt, dass es einfach nur wie statische farbige Pixel aussieht, die wie federgewichtige Blöcke zu Boden rieseln.

Dass die (längst vorhandene) deutsche Übersetzung nicht dabei ist, ist ebenso unverständlich wie ärgerlich, der Rest ist durchaus gelungen.Fazit lesen

Noch etwas auffälliger, wenn auch nicht sehr störend, ist eine gewisse Diskrepanz zwischen den doch deutlich aufgebohrten Sprites und den im Verhältnis recht behutsam angepassten Hintergründen. Seit jeher gibt es natürlich diesen starken Kontrast, weil die Umgebungen nunmal einen gemalten Stil haben, nicht unähnlich einem Ölgemälde, und die Charaktere davor doch deutlich als Anime-Charaktere hervorstechen. Durch die Überarbeitung wird dieses Missverhältnis, wenn man es denn so nennen will, noch etwas deutlicher. Nicht, dass das schlimm wäre.

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Das Bild stammt zwar aus der iOS-version, aber wir wollten es euch einfach nicht vorenthalten.
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Was allerdings im Gegensatz schon sehr schade ist: Die verworrene Release- und Lokalisierungspolitik wurde insofern "konsequent" fortgesetzt, als dass man die über den Eshop herunterladbare Trilogie wieder nur auf Englisch oder Japanisch spielen kann. Sollte es dafür nicht irgendeinen verdammt guten Grund geben, der mir nicht offensichtlich ist, gibt es dafür eigentlich keine Rechtfertigung: Die Übersetzungen sind vorhanden, die Rechte sollten komplett bei Capcom liegen und von technischen Standpunkt dürfte es kein Problem darstellen. Es riecht, wenn man auch nicht alle Details kennt, nach Faulheit. Andere sinnvolle Änderungen in Textdingen (etwa eine behutsame Anpassung des berüchtigten Baseball-Handschuh-Rätsels im Tutorial-Fall von Justice For All) braucht man demzufolge auch gar nicht erst zu erwarten.

Das hinterlässt einen fahlen Beigeschmack und macht die Remakes für Spieler, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, quasi nutzlos, was natürlich den Gesamteindruck etwas runterzieht. Dennoch, gegen den aufgehübschten Look lässt sich abgesehen von Kleinigkeiten wenig sagen, und wer schon immer mal die englische Version spielen wollte oder sogar bevorzugt, der kann ohne große Skrupel zugreifen.