Tick. Tack. Tick. Tack. Kabuuum! Dual Destinies beginnt unerwartet. Nicht nur, weil es gleich den ganzen Gerichtsaal in die Luft sprengt, sondern auch, weil es endlich wieder Phoenix Wright an den Start schickt, nachdem der Staranwalt im letzten Teil der Ace-Attorney-Serie durch Jungspund Apollo Justice abgelöst wurde. Nun packt er selbst wieder den ein oder anderen Fall an. Trotzdem gibt’s keine fünf vollen Episoden ausschließlich mit Mr. (W)right.

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Das Gericht tagt

Wir dürfen uns nämlich nicht nur ein weiteres Mal mit dem Mann mit den „Stimmbändern aus Stahl“ der Wahrheitssuche widmen, sondern uns auch über weiblichen Zuwachs freuen. Nach Maya und Pearl Fey und Trucy Wright komplettiert nun Athena Cykes das Anwaltstrio mit feministischem Enthusiasmus. Sie bringt nicht nur neuen Humor in die Serie, sondern auch ein neues Feature. Mit Widget, ihrem Minicomputer in Form einer Halskette und dessen Mood-Matrix-Programm, kann sie die Emotionen eines Zeugen in seiner Aussage bestimmen.

Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies - Einspruch!

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Schräge Charaktere, knifflige Fälle: Ace Attorney, wie man es kennt.
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Als ihre erste Zeugin plötzlich Freude empfindet, während große Steinbrocken auf sie fallen, wird diese ungewöhnliche Regung sofort registriert und führt uns auf die erste Spur. Das lockert nicht nur die Kreuzverhöre auf, sondern macht das Ganze auch anschaulicher. Und wenn Widget nicht genutzt wird, zeigt es Athenas Emotionen – ein netter Zusatz zu den sowieso schon überzeichneten Gefühlsausbrüchen.

Denn auch Dual Destinies präsentiert sich im gewohnt bunten Animestil, der vor allem bei seinen völlig überzeichneten Charakteren zur Geltung kommt und die mitunter endlos scheinenden verbalen Wortgefechte zum heiteren Schlagabtausch werden lassen. So dürfen wir uns durchweg mit immer neuen schrägen Leuten auseinandersetzen, die mal dies oder jenes auf dem Kerbholz haben, sich als unschuldig erweisen oder uns als „In Justice we trust“-Detective über den Weg laufen.

Dual Destinies spielt ungefähr ein Jahr nach Apollo Justice: Ace Attorney, in dem der gleichnamige Hauptcharakter unserem Staranwalt seine Lizenz wiederbesorgt hat. Gleich zu Beginn des Nachfolgers explodiert der Gerichtsaal, wodurch sich dunkle Zeiten ankündigen, in der die Wahrheit auf eine harte Probe gestellt wird. Ein Ausblick auf die Zukunft? Den gibt’s Häppchenweise im Spiel, denn Dual Destinies wird in nicht-chronologischer Reihenfolge erzählt. So steigen wir mit dem eigentlich dritten Fall ein und erleben die erhellende Vorgeschichte erst später durch immer wieder eingestreute Rückblenden.

Packshot zu Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual DestiniesPhoenix Wright: Ace Attorney - Dual DestiniesErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Ein echter Pro oder doch nur durch geraten?

Die Rätsel sind wie Hackfleisch: halb-halb. Die eine Hälfte lässt sich durch cleveres Kombinieren und Analysieren von Hinweisen und Beweismitteln lösen. Bei der anderen Hälfte klickt man sich planlos durch Zeugenaussagen und Indizien und rät lediglich, was zusammenpassen könnte. Manchmal schwirrt einem so der Kopf vor lauter Fakten, Dialogen und Zeugenaussagen, dass man den einfachsten Widerspruch in einem Statement übersieht.

Schöner und abwechslungsreicher: Der Sprung auf den 3DS hat der Ace-Attorney-Reihe gutgetan.Fazit lesen

Oder man sieht ihn vielleicht und findet nicht das passende Beweisstück dazu. Glücklicherweise stehen euch in den meisten Fällen Athena oder Apollo mit dem ein oder anderen Ratschlag zur Seite. Im späteren Spielverlauf helfen euch zusätzlich Features wie die erwähnte Mood Matrix, Apollos Notizen oder eine Art Gedankenlinie, die die Überlegungen der Ermittlungen zusammenfasst.

Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies - Einspruch!

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Die Grafik ist auf dem 3DS hübscher, detaillierter, dreidimensional.
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Einen Anime auf die Hand bitte

Wenn man die letzten Teile der Serie mit dem aktuellen vergleicht, hat es sich wirklich gelohnt, so lange auf die Rückkehr von Phoenix Wright zu warten. Obwohl schon das Spin-off Professor Layton vs. Ace Attorney (Release in Europa erst 2014, in Japan kam es jedoch schon Ende 2012 raus) toll aussah, schafft es Dual Destinies noch einen Tick besser auszusehen. Die Hintergründe, vor allem bei den Außenanlagen, sind liebevoll gezeichnet und detailreich.

Die Zwischensequenzen wurden diesmal vollkommen synchronisiert und animiert. Auch wenn sie nur sporadisch zum Einsatz kommen, geben sie vor allem den Hauptcharakteren mehr Tiefe und sorgen für Auflockerung, wenn die ganze Leserei selbst einem Bücherwurm wie mir zu viel wird.

Im Zuge der Grafik-Kernsanierung wurden auch die Charakterdesigns von Phoenix Wright und Apollo Justice optisch aufpoliert. Vor allem Letzterer hat es nach seinem Debüt dringend nötig gehabt. Dafür stehen seine Haarsträhnen jetzt noch schöner ab. Ebenso sind die Neu-Charaktere, wie Staatsanwalt Simon Blackquill mit seinem Falken Taka (wobei Taka passenderweise „Falke“ auf japanisch heißt) und Detective Bobby Fulbright überzeugend designt mit den typisch haarproduktlastigen Frisuren.