2014 ist ein Jahr, über das sich Anhänger der Persona-Spielreihe kaum beschweren dürften. Sie wurden mit neuen Videos auf den kommenden fünften Hauptteil heiß gemacht, konnten sich an der Anime-Adaption des PS-Vita-Teils (Persona 4 Golden) erfreuen und vor gerade mal einer Woche verschlug es sie in den Kampfring im neuesten Prügelspielableger Persona 4 Arena Ultimax. Der nächste Ableger ließ auch nicht auf sich warten und soll nun eine Brücke zur Spielreihe Etrian Odyssey schlagen.

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Mit Persona Q: Shadow of the Labyrinth feiert die Spielreihe ihr Debüt auf einer Nintendo-Plattform. Dabei handelt es sich weniger um ein Crossover zwischen den beiden Spielserien Shin Megami Tensei: Persona und Etrian Odyssey an sich, sondern mehr um einen Zusammenschluss aus Persona 3 und Persona 4.

Bei dem einen oder anderen kamen angesichts der Ankündigung Déjà-vu-Erlebnisse auf. Als vor zwei Jahren das Kampfspiel Persona 4 Arena erschien, war sich auch niemand so sicher, ob die Kreuzung aus den verschiedenen Genrelementen wirklich gut gehen kann. Im Gegensatz zum besagten Ableger wirkt Persona Q: Shadow of the Labyrinth zumindest nicht ganz so konträr gegenüber den Haupttiteln. Schließlich teilen sich Etrian Odyssey und die Persona-Reihe einige Spielelemente wie rundenbasierte Kämpfe und Erkundungstouren durch große, von Monstern behauste Dungeons.

Persona Q: Shadow of the Labyrinth - Ist auch Persona drin, wo Persona draufsteht?

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Wiedersehen macht Freude: Persona-4-Fans können sich auf viele vertraute Gesichter (im Chibi-Look) freuen.
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Während des Ausflugs in das von Monstern heimgesuchte Labyrinth müssen Spieler in beiden Spielen mit stark begrenzten Item-Kapazitäten taktieren und früher oder später sogar einen Rückzug in Erwägung ziehen. Je mehr Abschnitte des Dungeons erforscht werden, desto mehr Abkürzungen ergeben sich, so dass der gesamte Weg vom Startpunkt aus nicht noch einmal abgeklappert werden muss. Die parallel zur Erkundung angesammelten Sammelobjekte durch Kämpfe oder abgegraste Rohstoffquellen und Truhen können im Warenladen verkauft und so zu neuen Ausrüstungsgegenständen verarbeitet werden.

Damit aber eine Fusion aus zwei Serien funktioniert, kommt es nicht nur auf viele Gemeinsamkeiten an. Bestenfalls sollten die jeweils für sich stehenden Spielkonzepte sich gegenseitig positiv ergänzen.

Amüsanter Hybrid mit viel Zuckerguss

Wenn zu euren positiven Assoziationen bezüglich der Persona-Serie die Interaktionen der Teamcharaktere zählen, die euch während des Spielverlaufs ans Herz gewachsen sind, so hat dieser Ableger eine gute Chance, eure Erwartungen zu erfüllen. Aufgrund einer Anomalie von Raum und Zeit treffen die zwei Teams aus Persona 3 und Persona 4 aufeinander und sind in einem geheimnisvollen Labyrinth gefangen, das auf dem ersten Blick einer Schulgebäude gleicht und von Schatten, altbekannte Monstergegner der Serie, heimgesucht wird. Zu Beginn entscheidet ihr euch jeweils für eines der beiden Teams und schließt euch nach einigen Spielabschnitten mit den Protagonisten des jeweils anderen Teils zusammen.

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Auch Team SEES aus Persona 3 ist mit von der Partie
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Dabei kommt Persona Q: Shadow of the Labyrinth einem nahezu durchgängig unterhaltsamen Sketch gleich, in dem die typischen Macken der Figuren und so mancher Insider-Gag aus beiden Spielen noch überspitzter zum Tragen kommt. Vor allem wenn ein Vertreter des einen Hauptteils mit seinem Pendant aus dem anderen interagiert, der innerhalb seines Teams eine ähnliche Rolle erfüllt, erreichen die Dialoge teilweise regelrechte Metadimensionen. Während euer persönlich ausgewählter Protagonist und Anführer genauso wortkarg daherkommt wie im entsprechenden Hauptteil, ist der andere Teamleiter hingegen weitaus gesprächiger und kommentiert eure Verschwiegenheit gelegentlich auch mal.

Neben den vielen vertrauten gibt es auch ein paar neue Gesichter. Der ruhige Zen und die leidenschaftliche Esserin namens Rei sind die Neuzugänge des Teams und wissen ebenso wie der ganze Rest genauso wenig, wie sie in das Labyrinth geraten sind. Kurioserweise kommt noch hinzu, dass die beiden im Gegensatz zu den anderen keine persönlichen Persona besitzen, die sie im Kampf gegen die Schatten einsetzen können. Im weiteren Verlauf des Spiels rückt das geheimnisvolle Pärchen immer stärker in den Fokus der Geschichte und nur so viel sei gesagt: Sobald ihr das Spiel beendet habt, wird euch der Abschied der beiden tatsächlich wehmütig werden lassen. Schon innerhalb der ersten Gesprächssituationen hat sich das ungleiche Duo so gut in die kunterbunte Gruppe integriert, als wären sie schon immer ein fester Bestandteil der Gruppe gewesen.

Auch Minimalismus kann Spaß bedeuten

Bis ihr das Spiel allerdings beendet habt, dauert es eine Weile. Zwar müsst ihr bei weitem nicht so viele Stockwerke des Dungeons auskundschaften wie in einem klassischen Etrian Odyssey. Massig Umfang besitzt das Spiel dank der Zwischensequenzen und unzähligen Dialogszenen aber genug.

Ein geglückter Hybrid aus den besten Elementen beider Spielserien, der vor allem von einer charmanten Charakterkomik lebt.Fazit lesen

Auch das eigenständige Füllen und Zeichnen der Karte - ein Hauptbestandteil der Etrian-Odyssey-Spiele - macht einen Großteil eurer Spielzeit aus. Je nach Schwierigkeitsgrad können zudem die Dungeonkämpfe eine echte Herausforderung darstellen. Eine neue Ergänzung im Kampf stellt der Einsatz gleich zweier Persona dar. Neben den Haupt-Persona haben nahezu alle Teammitglieder die Möglichkeit, den zweiten Persona beliebig auszutauschen und so an eine große Auswahl an Fertigkeiten zu kommen. Dazu könnt ihr die Attribut-Schwachpunkte der Gegner ausnutzen, um mehr Zeit beziehungsweise Runden zu gewinnen, doch mit etwas Pech kann der Spieß ganz schnell umgedreht werden.

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In typischer Etrian-Odyssey-Manier kommen die vertrauten Waffen und Persona beider Hauptteile zum Einsatz.
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Besonders in den höheren Schwierigkeitsgraden zielen die Monster öfters mal auf eure Schwachstellen ab, um euch dauerhaft kampfunfähig zu machen. Schnell kann es dabei passieren, dass ihr ohne Chance auf Widerstand sterbt. Liegt der letzte Speicherzeitpunkt zusätzlich lange zurück, kann euch der große Verlust der Spielzeit auch einen Motivationstief verpassen.

Jeder weitere Schritt innerhalb eines neuen Stockwerks im Dungeon sollte daher gut überlegt sein. Gerade bei nahezu vollbeladenen Taschen schadet es nie, sich einmal früher in den eigenen Unterschlupf inmitten der Highschool zurückzuziehen und so auf Nummer sicher zu gehen.

Stellt Persona Q euren ersten Dungeon-Crawler-Trip dar, könnte eure Geduld aufgrund des gemächlichen Spielfortschritts gerade zu Beginn etwas in Anspruch genommen werden. Im Hauptquartier gibt es außer dem Laden oder der Heilstation so gut wie keine anderen Standtorte, wo ihr mit anderen Charakteren reden könnt. Noch dazu sind Heilaktionen nicht gerade eine kostengünstige Angelegenheit und auch beim Verkauf und Kauf habt ihr gerade mal genug Geld, um ein, zwei Charaktere ordentlich aufzurüsten.

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Die gefräßige und quirlige Rei ist einer von beiden Teamneuzugängen in Persona Q.
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Trotz akuter Geldprobleme, teilweise anstrengender Kämpfe und sparsamer Spielfunktionen kann Persona Q: Shadow of the Labyrinth mit viel charakterspezifischem Humor, knuffig wirkenden Charme und einer eigenständigen Geschichte langfristig unterhalten. Obwohl das Szenario so dermaßen verdreht ist, bleibt sich der Ableger seiner Herkunft bis zum Ende überraschend treu und schafft ein angenehm unterhaltsames Gleichgewicht zwischen Parodie und Ernst.

Dabei ergänzen sich nicht nur die einzelnen kennzeichnenden Spielelemente beider Serien wie die Kartengestaltung oder das Persona-System, sondern auch die alten und neuen Charaktere, deren Interaktion den größten Unterhaltungsfaktor des Ablegers ausmacht. Wer sowohl Persona 3 und auch Persona 4 gespielt hat, wird sogar doppelt so viel Spaß mit den Dialogen haben.