Ich bin kein Freund von Hype. In den meisten Fällen halte ich Hype für etwas Fatales – und allzu oft werde ich in meiner Denke auch bestätigt. Ob No Man’s Sky, Final Fantasy XV oder Pokémon Go, selten kann ein Spiel dem riesigen Hype, den es im Vorfeld generiert hat, gerecht werden. Dementsprechend versuchte ich, mich von Persona 5 selbst überraschen zu lassen und Superlative wie “Das beste JRPG aller Zeiten” zu ignorieren. Tja, und jetzt, nach meinem ersten Hands-On? Jetzt muss ich in die Lobgesänge mit einstimmen: Persona 5 wird mindestens ein Meisterwerk. Vielleicht sogar eines der besten Spiele aller Zeiten.

Der Style? Die Krönung!

Eine Regel des Schreibens ist es, das Beste immer erst zum Schluss zu nennen. Hier breche ich bewusst mit dieser Regel, weil der generelle Stil von Persona 5 nunmal das Erste ist, dass einem markant und positiv ins Auge sticht: In einem fantastischen Mix aus popkulturellen Einflüssen der US-Amerikanischen 60er Jahre und dem klassischen Anime-Stil aus Nippon, präsentiert sich die Persona-Reihe in ihrem bislang schönsten Gewand.

Persona 5 - Ein kommendes Meisterwerk

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Wenn Roy Lichtenstein das wüsste: Persona 5 präsentiert sich in einer großartigen Kombination aus Pop Art und Manga-Stil
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Alles ist bis auf das kleinste Detail durchdacht: Die Menüs könnten direkt aus einem Marvel-Comic stammen, die Spielwelt ist 1:1 Tokyo nachempfunden und selbst die EXP-Anzeigen, die nach jedem gewonnenen Kampf eingeblendet werden, sind so fantastisch designed, dass ich es kaum übers Herz brachte, sie wegzudrücken. Auch die Dungeons, die ich bisher begutachten konnte, sind kreativ und abwechslungsreich – schnöde Klone und Dungeon-Raster scheint es in Persona 5 nicht zu geben.

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Ästhetik pur: Sogar die EXP-Anzeigen haben Bildschirmschoner-Qualitäten
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Persona 5 ist, rein optisch gesehen, ein stilistisches Feuerwerk der Popkultur und selbst für Menschen ohne Kunstkenntnisse eine farbenfrohes Erlebnis, das seinesgleichen sucht.

Interessant aus heutiger Sicht: Der Persona 5 Teaser-Trailer von damals.

Persona 5 - Teaser 23 weitere Videos

Das Gameplay? Eine JRPG-Offenbarung!

Hierzu sei gesagt: Persona 5 war mein erstes Persona, das ich selber spielen durfte. Bislang war mir der Genuss dieser Serie nicht vergönnt, ohne eine PSVita und aufgrund fehlender Muße meine PS2 zu entstauben, um die älteren Teile nachzuholen. Aber auch als Neueinsteiger war ich von Persona 5 sofort überzeugt – alles fühlte sich auf Anhieb stimmig an. Das Gameplay spaltet sich grob in drei Teile auf, die allesamt ihren Sinn erfüllen:

1) Das Tagesgeschäft des Hauptcharakters, in dessen Haut ihr euch zwischen die Menschen mischt, euch mit anderen Charakteren unterhaltet und allerlei sekundäre Aufgaben erledigt.

Mit Persona 5 erwartet uns, aller Voraussicht nach, ein absolutes Meisterwerk.Ausblick lesen

2) Das Dungeon-Gameplay, das euch durch Gemäuer schleichen lässt und in dem ihr euch entweder auf Gegner stürzt oder auch versucht, sie zu umgehen – je nachdem, welche Strategie ihr verfolgt.

3) Das Kampfsystem, mit dem ihr klassisch und rundenbasiert auf Gegner eindrischt, die Spezialfähigkeiten eurer Persona ausreizt und versucht, neue Persona für eure Gruppe zu bekehren.

In allen drei dieser Gameplay-Bereiche präsentiert sich Persona 5 als die Crème de la Crème des Genres: die zwischenmenschlichen Dialoge wirken realistisch und sind qualitativ weit entfernt von leichter Kost aus Seifenopern. Das Dungeon-Gameplay lässt Taktikgefühl aufkommen, was durch die fehlenden Random Encounter noch weiter unterstützt wird. Jeder eurer Schritte sollte wohlüberlegt sein. Eine gelungene Abwechslung zu vergleichbaren JRPGs!

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Taktik-Liebhaber und JRPG-Fetischisten frohlocken: Persona 5 lässt keine Wünsche offen.
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All das wird perfekt abgerundet durch das Kampfsystem, das Altbekanntes mit frischen Ideen mixt: ihr habt nur eine begrenzte Anzahl regulärer Angriffe, dafür bieten euch die Persona aber ein angenehmes Attacken-Arsenal zur Auswahl. Auch spektakuläre Kombo-Angriffe sind möglich, doch die Krönung sind die Kreuzverhöre. Darin versucht ihr, die Gegner zur Herausgabe von Geld oder Items zu überreden – im Austausch dafür, dass ihr sie am Leben lasst. Herrlich schräge Dialoge inklusive.

Die Story? Wunderbar konfus und gleichzeitig genial!

An dieser Stelle will ich euch natürlich nicht spoilern. Deshalb sei nur soviel gesagt: euer Protagonist ist aufgrund eines “Zwischenfalls” an eine neue Schule strafversetzt worden und die meisten eurer Mitschüler halten euch für einen Freak. Gerüchte über eure Vergangenheit werden gestreut, die ihr im Verlauf der Geschichte zu widerlegen versucht. Schritt für Schritt arbeitet ihr eure Vergangenheit auf, während ihr allerlei skurrile Gestalten kennenlernt und innerhalb einer Parallelwelt ausschaltet. Als Teil der Phantom Thieves könnt ihr euch nämlich in das Innerste von Menschen katapultieren, deren Unterbewusstsein sich allerdings zu wehren weiß. Und so erlebt ihr einen wahnsinnig abwechslungsreichen und kunterbunten Mix aus Schulalltag und dem Kampf gegen obskure Monster.

Persona 5 mag verrückt wirken, spricht aber auch wichtige und gesellschaftskritische Themen wie Missbrauch von Schülern durch Lehrer oder Suizid an. Natürlich ist Persona 5 teils auch großer Klamauk, bleibt in wichtigen Situationen aber ernst.