Ein kleines, unscheinbares und extrem nischiges Rhythmusspiel hält mich dieser Tage in seinem Bann. Hätte mir das jemand vor einigen Monaten prognostiziert, hätte ich ihn ausgelacht. Doch jetzt zeigt die Uhr rund 15 Stunden Spielzeit und irgendwie bin ich immer noch nicht ganz satt. Verrückt!

Persona 4: Dancing All Night - Launch TrailerEin weiteres Video

Ich muss für diesen Test ein klein wenig ausholen, entschuldigt. Wenn ihr auf durch persönliche Eindrücke gefärbtes Geschwafel keine Lust habt, solltet ihr zum ersten kursiv geschriebenen Absatz springen. Ich nehm‘s euch auch wirklich nicht krumm. Trotzdem habe ich das Gefühl, da etwas ausholen zu müssen. Denn: Persona 4 ist etwas ganz Besonderes. Dabei will ich aber nicht in diesen typischen Duktus abdriften, der mit einem „damals“ anfängt und lauter blumige, da verklärte Erinnerungen beinhaltet.

Nein, genauer gesagt habe ich Persona 4 erst vor einigen Monaten zu schätzen gelernt. Als junger Bub war ich eine lange Zeit ein großer Fan japanischer Rollenspiele, aber irgendwann haben sie mich einfach verloren. Sei es, dass ich älter geworden bin, oder das Genre sich nicht wirklich weiterentwickelt hat – warum ist letztlich nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass mich Persona 4: The Golden auf meiner kleinen PlayStation Vita über 80 Stunden lang zutiefst gefesselt hat. Das JRPG von Atlus hat mich im Alleingang davon überzeugt, dass JRPGs doch noch etwas drauf haben.

Persona 4: Dancing All Night - Die Reunion-Tour

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Für Fans ist Persona 4: Dancing All Night ein Fest.
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Das soll zwei Dinge deutlich machen: Ich bin nicht aus nostalgischen Gründen verklärt und ich bin ein Fan, kann mich aber sehr gut in diejenigen unter euch hineinversetzen, die es nicht sind.

Den Test von Persona 4: Dancing All Night teile ich etwas auf. Während der normale Text die Sicht des Fans mit rosaroter Brille widerspiegelt, zeigt der kursiv geschriebene Teil den etwas nüchterneren und distanzierteren Blick auf das Spiel.

Story Mode

Yu, Yosuke, Chie, Yukiko und der Rest des Investigation Teams helfen Rise bei ihrem Comeback. Das Pop-Idol tritt im Rahmen eines Festivals auf und hat sich ihre alten Freunde als Backup-Tänzer eingeladen. Wie es das Schicksal der Clique so will, kommt es im Rahmen von Proben zu einem Vorfall, in dem die Mädchengruppe Kanamin Kitchen in ein Paralleluniversum entführt wird. Yu und sein Team folgen ihnen, um das Unglück abzuwenden. Und… ganz ehrlich: Auch für einen Fan klingt der Plot wenig plausibel und ziemlich gezwungen. Gerade wenn es zum Showdown mit einem Endgegner kommt, das Team sich gegenseitig aufmunternde Parolen entgegen jubelt und dann den Dämon mit feschen Dance-Moves zu Boden tanzt. Nun ja…

Packshot zu Persona 4: Dancing All NightPersona 4: Dancing All NightErschienen für PlayStation Vita kaufen: Jetzt kaufen:

Aber trotzdem fühlt es sich toll an, die alte Gang wiederzusehen. Persona 4: Dancing All Night hat ein bisschen was von einer Reunion-Tour eurer Lieblingsband, während der du strahlend wie ein Honigkuchenpferd im Publikum sitzt. Es ist einfach herrlich sympathisch mitanzusehen, wie sich Yu und sein Team noch immer untereinander aufziehen, in den wichtigen Momenten aber auch fest zusammenhalten. Das kann auch die seltsame Tanz-Thematik nicht kaputt machen. Ja, das ganze Geschwafel um „wir müssen unsere Gefühle ausdrücken, indem wir tanzen!“ hat seine Längen, aber zum Schluss der gut sieben Stunden dauernden Geschichte bleibt trotzdem ein gutes Gefühl zurück.

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Die Geschichte ist etwas an den Haaren herbeigezogen, doch wer Persona 4 kennt, freut sich über ein Wiedersehen mit den Yu, Yosuke, Yukiko und Co.
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Der Aufbau des Story Modus ist durchaus ungewöhnlich. Davon abgesehen, dass die meisten Rhythmusspielchen ohne echte Kampagne auskommen: Eine Visual Novel vermengt mit Tanzeinlagen sieht man nicht alle Tage. Doch was zu Beginn interessant klingt, zieht sich doch ganz schön in die Länge. Der saudämliche Plot braucht zu Beginn über eine Stunde, ehe das erste Mal wirklich getanzt wird. Für jemanden, der die Charaktere nicht kennt, eine Geduldsprobe.

Bringen wir es auf den Punkt: Nicht-Kenner werden mit dem Story Mode kaum Freude haben. Dafür ist nicht nur die Geschichte zu lahm, sondern auch die Inszenierung zu nüchtern. Einige wenige Anime-Sequenzen setzen zwar eine gute Grundstimmung, doch die restliche Geschichte wird in Standbildern und synchronisierten Dialogzeilen erzählt. Und auch wenn man sich auf die starre Präsentationsweise einschießt, stört es doch arg, dass wenig Abwechslung geboten wird. Hintergründe wiederholen sich häufig und sogar einige Sequenzen, wie das Auftauchen der Schatten, werden immer und immer wieder wiedergekäut.

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Statt auf Angriffszauber und Fausthiebe setzen auch die Personas lieber auf die Macht der Musik.
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Free Dance

Die Tanzeinlagen sind toll präsentiert: Die bekannten Figuren haben sehr detaillierte 3D-Modelle auf den Leib geschneidert bekommen, die noch immer den Stil der Vorlage einfangen. Optisch ist das hervorragend umgesetzt. Die Animationen sind smooth und repräsentieren den jeweiligen Stil des Charakters auf witzige Art. Ja, es geht in Dancing All Night weit weniger um die Geschichte an sich, sondern mehr um den Spaß bei der Sache. Fans feiern mit.

Wer nämlich nach dem schon recht umfangreichen Story-Modus noch Lust hat, kann sich am Free Dance probieren. Die kompletten 27 Tracks können noch einmal für Highscores und ingame-Zaster durchgetanzt werden. Mit dem Geld wiederum schaltet ihr neue Kostüme, neue Schwierigkeitsgrade und weitere Charaktere frei. Ja, rein an Umfang mangelt es Persona 4: Dancing All Night wirklich nicht. Meine derzeitige Spielzeit von rund 15 Stunden spricht da Bände…

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Die Präsentation der Tänzer ist hervorragend gelungen.
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Wer Gefallen an der Musik findet, kann auch ohne Kenntnis des JRPGs seinen Spaß haben. Nur an der Oberfläche während der Tanzeinlagen muss ich meckern: Zwei Halbkreise umgeben das Bild, in dessen Mitte unser Anime-Strahlemännchen zur Musik herumhopst. Aus der Mitte des Bildschirms surren in der Geschwindigkeit der Musik Symbole in Richtung Halbkreis, treffen sie auf den Rahmen muss entsprechend der jeweilige Button gedrückt werden. Während das Prinzip schnell verstanden ist, fehlt es aber gerade bei schwereren Liedern deutlich an Übersicht.

Einige Symbole werden auffällig groß dargestellt, lassen aber andere wiederum untergehen. Außerdem ist es oft schwer, beide Bildschirmseiten im Auge zu behalten. Dabei dann noch den richtigen Rhythmus zu erkennen ist schwer, vor allen Dingen weil Dancing All Night ziemlich oft zwischen onbeat und offbeat wechselt. Richtig eingängig ist das nur, wenn man die Lieder kennt, oder sie bereits etwas geübt hat. Ziemlich sperrig ist es außerdem, Scratches für Bonuspunkte auszulösen. Dafür muss nämlich einen der beiden Analogsticks schnell in eine Richtung drücken – wenn beide Daumen schon mit den restlichen Tasten gut beschäftigt sind, ist das nahezu unmöglich.

Für Fans von Persona 4 ist Dancing All Night ein Fest, für alle anderen nur tänzelndes Mittelmaß.Fazit lesen

Noch mehr Musikspiel-Lesestoff? Bitteschön: