Wenn Perry-Fans fachsimpeln, versteht der Laie meist nur Bahnhof. Von Superintelligenzen ist dann die Rede, von einer terminalen Kolonne, kosmischen Ordnungsmächten und einem Zwiebelschalenmodell. In den Romanen erleben die Protagonisten nicht nur oberflächliche Abenteuer, sie geraten regelmäßig in den Strudel kosmischer Ereignisse. Immer wieder sind sie der Antwort auf die existenziellste aller Fragen auf der Spur.

Der durchschnittliche Stamm-Leser der Romanserie ist männlich, über 30 und überdurchschnittlich gebildet. Zahlreiche renommierte Wissenschaftler gehören zur Leserschaft, auch Theologen und Ingenieure. Wöchentlich erscheint ein neuer Roman, entworfen von der Redaktion, geschrieben von einem der festen Autoren. Die Serie ist ein Phänomen, brachte insgesamt mehr als 250.000 Seiten hervor, seit 1961. Was Ableger in anderen Medien betrifft, waren die Perry Rhodan-Schöpfer schon immer extrem zurückhaltend.

Wir lösen die letzten Geheimnisse: Zu diesem Spiel bieten wir euch auch eine ausführliche Komplettlösung.

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Fan oder nicht Fan, das ist hier die Frage

Das „Perryversum“ ist nicht nur groß, es ist auch ausgesprochen akkurat und detailreich ausgearbeitet. Alles muss stimmig sein. Ein inhaltlich verpfuschtes Spiel könnte da nur allzu schnell zerstören, was man seit fast einem halben Jahrhundert sorgsam aufgebaut und gepflegt hat. Nun allerdings steht es in den Regalen, das Perry Rhodan-Adventure. Was der reguläre Computerspieler mit einem „na und?“ kommentieren würde, bereitete dem echten Fan schon seit der ersten Ankündigung schlaflose Nächte.

Perry Rhodan - Terminale Kolonnen, Muurt-Würmer und Co.: Dieses Adventure ist eine Offenbarung für Perry-Fans .

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Glanz und Glorie spiegeln sich in Arkons Architektur.
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Damit wird deutlich, welche Aufgabe das Entwicklerteam von 3d-io aus Wiesbaden mit dem Spiel zu bewältigen hatte. Eine virtuelle Welt zu entwerfen, die für Perry-Fans wie für „Unwissende“ gleichermaßen geeignet ist. Eine „Mission Impossible“, befürchteten viele Fans. Um schon bei der Story den gewohnten Ansprüchen zu genügen, arbeiteten die Entwickler des Adventures eng mit den Autoren der Serie zusammen. Perry-Chefredakteur Robert Feldhoff und Stammautor Michael Marcus Thurner, zeichnen für die Geschichte verantwortlich, die inhaltlich vor dem aktuellen Heft-Zyklus anzusiedeln ist.

Entmachtet und eingesperrt

Mondra Diamond wurde von unbekannten Robotern entführt – direkt aus der Stahlorchidee, der Solaren Residenz. Verteidigungsminister Reginald Bull ruft sogleich eine Art Notstand aus und stellt Perry Rhodan damit unter Hausarrest. Das kann der Resident natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er begibt sich auf die Suche nach dem Grund für all die rätselhaften Ereignisse, findet bald heraus, dass Freundin Mondra vor ihrem Verschwinden einem alten Mythos auf der Spur war – den sagenumwobenen Illochim, einer engelsartigen Rasse.

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Wer die Technologie der Illochim beherrscht, regiert die Milchstraße.
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Der Spieler findet sich in der Rolle des berühmten Raumfahrers wieder. Mithilfe einfacher Point & Click-Steuerung erkundet man die Umgebung. Spezielle Befehle gibt es nicht – möchte man mit einem Gegenstand oder einer Person interagieren, geschieht dies beim Klicken automatisch. Auch Gesprächsthemen wandern schlicht als Bild ins Inventar. Für das Spiel wurde eine echte 3D-Engine bemüht. Die Welt wirkt dadurch ausgesprochen lebendig.

Die Räumlichkeiten und Raumschiffe basieren auf den Entwürfen und Risszeichnungen zur Serie und wurden optisch sehr ansprechend in die Engine eingearbeitet. NPCs gehen ihren Tätigkeiten nach, reisen von A nach B, werfen dabei Schatten und sind ansprechbar. Interagieren sie allerdings miteinander, wirken die Übergänge bisweilen etwas unrealistisch. An manchen Stellen erfreuen kurze Renderszenen das Spielerauge.

Mit Muurt-Würmern im Gespräch

Die Musik wirkt genregerecht geheimnisvoll sphärisch. Sie ist an die Stimmung der einzelnen Szenen angepasst und ein wiederkehrendes Motiv animiert zum Mitsummen. Auch die Geräuschkulisse wurde solide ausgearbeitet, erinnert an ein Hörspiel. Die Stimmen stammen von professionellen Sprechern. Selbst unbedeutende Nebencharaktere wurden mit Liebe vertont. Dass Perry Rhodan selbst etwas emotionslos wirkt, wird den Fan kaum verwundern.

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Ein tellerköpfiger Gataser – gehört nicht gerade zu Rhodans Fans.
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Immerhin handelt es sich um einen Mann mit über 3000 Jahren Lebenserfahrung, der nicht umsonst als „Sofortumschalter“ dafür berühmt ist, in jeder noch so verfahrenen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Das Spiel selbst verläuft ansprechend gemütlich. Per Tastendruck scannt man in jedem Raum bequem nach Gegenständen, Ausgängen und Personen. Dass der Großteil der Einrichtung nichts mit dem konkreten Spielablauf zu tun hat, verwirrt Normalspieler. Für Rhodan-Leser ist es allerdings ein Paradies.

Erfreulich solides Sci-Fi-Abenteuer für jeden Spieler – für Perry-Leser absolute Referenzklasse.Fazit lesen

Der Fan kann nach Herzenslust in Bullys chaotischem Büro herumstöbern, einen Plausch mit einem liebesbedürftigen Unither halten oder die Suggestionskraft von Muurt-Würmern auf sich einwirken lassen. An allen Enden und Ecken stößt man auf Bekanntes und Bekannte. Was für den einen ein fliegender Kasten ist, bewundert der Leser erstmals auch optisch – als den genialen Malcolm Daellian. Ein unaufdringlich platzierter Perry-Humor entlockt dem Spieler so manchen Schmunzler.

Der schwebende Zyniker Daellian forscht im Spiel gerade am kantorschen Ultra-Messwerk, dessen Weiterentwicklung in der Heft-Serie noch eine entscheidende Rolle spielen wird. Derlei Verknüpfungen gibt es überall. Wer die Serie kennt, wird sofort in die virtuelle Welt eintauchen. Neulinge, die zumindest ein oberflächliches Interesse an den Hintergründen haben, bekommen im Spiel die Möglichkeit, sich ein wenig in die Materie einzulesen.

Des Rätsels Lösung

Einlesen, wird sich bald auch so mancher gestrandete Abenteurer müssen – nämlich in eine Komplettlösung. Die Rätsel sind zwar allesamt recht kreativ, bisweilen aber ziemlich knackig. Zwar ist die Welt in fünf Abschnitte unterteilt, lange Laufwege und die vielen unbedeutenden Gegenstände erschweren das flüssige Vorankommen mancherorts jedoch deutlich.

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Die Rendersequenzen sorgen für so manche Überraschung.
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Regelmäßiges Speichern ist ratsam, da man sich an einigen Stellen durchaus auch ungewollt verhaken kann. Insgesamt ist das Spiel angenehm komplex. Dank steigender Spannungskurve sieht sich der neugierige Perry-Fan gegen Ende allerdings auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Wäre man in dieser Hinsicht doch nur so cool wie der Resident.