Perimeter (PC-Test)
(von Manfred Duy)

»Nicht noch so ein Echtzeit-Strategiespiel« - dürfte manch kriegmüder Wohnzimmerstratege nun gelangweilt aufstöhnen. Aber stimmt nicht so ganz, denn Perimeter spielt sich denn doch ein wenig anders als die Genre-Konkurrenz.

Dies gilt freilich nicht für die abgenudelte Epik-Story, die bereits seit "Kampfstern Galactica»-Zeiten einen mächtigen Rauschebart ihr Eigen nennt. Jedenfalls hat auch bei Perimeter die Menschheit den verwüsteten Planeten Erde verlassen und sucht nun im Weltall nach einer

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galaktisch schönen Unterkunft - was sich hier über mehrere Jahrhunderte hinzieht und in unglaublich schön gerenderten Zwischensequenzen dokumentiert wurde.

Blöd nur, dass die Menschheit auf Schritt und Tritt von einer aggressiven Alienrasse, den sogenannten "Scourge» verfolgt wird, und es darüber hinaus auch noch interne Querelen in Gestalt abtrünniger Separatisten gibt, die nichts Blöderes im Sinn haben, als ihre ganz eigene Suppe zu kochen und einen unabhängigen Staat zu gründen. Dies alles führt nun dazu, dass Sie sich in Konkurrenz mit Ihren Feinden auf diversen Planeten ansiedeln und getreu dem Highlander-Motto "Es kann nur einen geben» sämtlichen Gegner den kürzesten Weg über den Jordan zeigen.

Genretypisch geschieht dies durch den Aufbau einer Basis samt der üblichen Gebäude und der nachfolgenden Fabrikation einer schlagkräftigen Armee. So weit, so bekannt. Was aber Perimeter von

Perimeter - Nur Grafikblender oder doch mehr? Manfred Duy hat das Echtzeitspektakel mal etwas genauer unter die Lupe genommen!

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den Konkurrenten unterscheidet, sind vor allem zwei Dinge: Die Grafik und der Spielablauf.

Orgien - Wir wollen mehr Grafik-Orgien
Das unvermeidliche Gemetzel wird in frei zoom- und drehbarer 3D-Bombast-Optik geschlagen, wobei die Grafikengine laut Angaben des russischen Entwicklers 3D-Lab ("Vangers») rund eine Million Polygone pro Sekunde ins Bild schleudert (Nachgezählt habe ich sie allerdings nicht). So viele Polygone bekommt man allerdings nur zu Gesicht, wenn man sämtliche Grafikdetails bis auf das Maximum hochschraubt, aber auch Besitzer eines Steinzeit-Rechners (1 Gigaherz,
256 MB) können sich bei gedämpfter Detailstufe auf zwar etwas ruckelige, aber dafür sehr eindrucksvolle Bilderorgien gefasst machen. Um mir eine weitere Beschreibung der Phänomenaloptik zu ersparen, ein kleiner Tipp: Werfen Sie einfach mal einen Blick auf die Bilder und stellen Sie sich diese animiert, sprich mit pulsierenden Energieströmen, farbigen Lichtblitzen und (leider eher mäßig) animierten Einheiten vor.

Warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht
Die 3D-Optik verdient also schon mal einen kräftigen Applaus, ist aber so neu nun auch wieder nicht. Zeigten doch bereits Genre-Konkurrenten wie "Emperor-Battle for Dune» oder die "Ground Control»-Serie, dass Echtzeit-Strategie und 3D-Optik eine durchaus harmonische Beziehung eingehen können. Was nun aber Perimeter wirklich einzigartig macht, ist sein Spielsystem. Das wurde alles in allem nach der Devise "Warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht" gestrickt.Um etwa eine Basis mit den üblichen Gebäuden wie Kasernen, Forschungslaboratorien, Energiegeneratoren und Verteidigungstürmen zu errichten, müssen Sie zunächst mal das hügelige Land einebnen. Diese Tätigkeit wird übrigens in der Spielpraxis einen Großteil Ihrer Zeit verschlingen.

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Immerhin stehen für diesen Zweck kleine Spezialeinheiten, die sogenannten Nanobots zur Verfügung. Ein kleiner Mausklick auf ein zuvor ausgesuchtes Gelände, und schon schwärmen die insektenkleinen Winzlinge aus, wuseln umher und ebnen dabei das Land ein.

Je größer das eingeebnete und bebaute Land ist, desto mehr Energie können Ihre Generatoren aus dem Boden ziehen. Und Energie ist der einzige Rohstoff, den Sie zum Bauen von Gebäuden und Einheiten benötigen. Aus diesen Gründen wachsen die Basen auch nach und nach zu gigantischer Größe heran. Da das Gelände durch Beschussmit neuerlichen Unebenheiten verunziert wird, besteht eine beliebte Taktik darin, das gegnerische Terrain durch Bombardements in eine Buckelpiste zu verwandeln. Naturkatastrophen wie etwa ein kleines Unwetter, ein Erdrutsch oder ein Erdbeben lösen übrigens ebenfalls diesen Effekt aus und behindern damit jegliche Bautätigkeit.

Verteidigung ist der beste Angriff
Spätestens nach dem Bau der ersten Gebäude kommt auch der namensgebende "Perimeter» ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen Verbund beliebig vieler Generatoren, die sämtliche nahestehenden Gebäude miteinander verbinden und mit aus dem Boden gesaugter Energie beliefern.

Darüber hinaus verfügen sie über einen aktivierbaren Energieschild, der Ihre gesamte Basis umhüllt und somit vor feindlichem Beschuss sehr effektiv schützt. Allerdings verbraucht dieser Schutzschild sehr viel Energie und schaltet sich -nachdem die vorhandenen Energiereserven verbraucht wurden - automatisch ab. Er sollte also nur im Notfall eingeschaltet werden. Dennoch handelt es sich hierbei um einen schier undurchdringlichen Defensivwall, der zusammen mit den Verteidigungstürmen praktisch jeden feindlichen Angriff mit leichter Hand abschmettern kann. Anders als bei den meisten anderen Echtzeit-Strategiespielen, wo die aggressivsten und schnellsten Angreifer in aller Regel obsiegen, kommen hier endlich auch mal die Defensivkünstler zu Ihrem Recht. Das kann soweit gehen, dass man seine Basis bis hin zur gegnerischen Basis ausbaut, um den Gegner alleine mit den weitreichenden Verteidigungstürmen einzuäschern.

Schlechte Karten für Angreifer
Die eher schwachbrüstigen mobilen Angriffseinheiten jedenfalls sind in sämtlichen Ausbaustufen gegenüber den gewaltigen Verteidigungssystemen klar im Nachteil. Und auch in punkto Truppenbetreuung kommt wiedereine interessante Neuerung ins Spiel:Maximal dürfen Sie fünf Squads in die Schlacht führen, wobei jeder dieser Squads aus beliebig vielen Einheiten besteht. Im Grunde genommen können Sie nur drei Truppengattungen produzieren: Techniker, Soldaten und Offiziere.

Durch ein System namens Nanomorphing lassen sich diese Basisformen allerdings in Sekundenschnelle in höherwertige Truppentypen updaten. Beispielsweise verwandeln sich auf diese Art drei schwächliche Söldner per simplem Mausklick in einen einzigen starken Panzer. Sollten Sie inmitten einer Schlacht Einheiten morphen, so verschlechtert sich das Umtauschverhältnis sogar noch.

In kürzester Zeit lässt sich auf diese Weise eine Squad von unsichtbaren Scouts zunächst in Bombenflugzeuge und danach in Grabmaschinen umwandeln, um sich erst an den gegnerischen Schutzschild unbemerkt anzuschleichen, dann diesen zu bombardieren und danach zu untergraben.

Perimeter - Nur Grafikblender oder doch mehr? Manfred Duy hat das Echtzeitspektakel mal etwas genauer unter die Lupe genommen!

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Taktische Möglichkeiten gibt es also zuhauf und das reine Ausprobieren solcher taktischer Finessen macht natürlich insbesondere im Mehrspielerbetrieb (maximal vier Spieler via LAN oder Internet) einen Heidenspaß. Im Solobetrieb dagegen, egal ob in der riesigen, linearen Kampagne oder in den Einzelmissionen führen fast immer die gleichen Taktiken zum Erfolg: Erst mal wird solide aufgebaut (und das kann aufgrund der Bodeneinebnung durchaus ein Weilchen dauern), dann lässt man den dümmlich angreifenden A.I.-Feind kommen, schmettert ihn locker ab und überrollt ihn danach per Gegenangriff. Das hört sich allerdings sehr viel einfacher an als es ist, denn der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf dem niedrigsten Level wahrlich nichts für Genre-Neulinge. Geeignet erscheint Perimeter daher vor allem für Genre-Spezialisten mit viel Zeit, die in aller Ruhe aufbauen wollen und nichts lieber täten, als es allen Tank-Rushern dieser Welt mal so richtig heimzuzahlen.