Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob es wirklich aus heiterem Himmel kam oder ich es hätte besser wissen müssen. Ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal gewesen. Doch auch eine erwartbare Überraschung trifft immer noch ein Stück weit unvorbereitet und in diesem Fall sogar getarnt als das beste Déjà-vu, das ihr derzeit auf der Xbox One bekommen könnt.

Peggle 2 - Xbox 360 Launch TrailerEin weiteres Video

„Vor der ersten Preissenkung und mehr als anderthalb brauchbaren Spielen soll mir Microsofts Kiste nicht ins Wohnzimmer kommen!“, hörten es die Kollegen in den vergangenen Wochen immer wieder aus meiner Richtung plärren. Kein ganz schlechtes Vorhaben. Eigentlich. Und trotzdem: Wäre sie vergangene Woche nicht noch immer in ganz Berlin ausverkauft gewesen – ich hätte mir eine Xbox One gekauft. Für ein Downloadspiel im Wert von 12 Euro, das es so im Grunde schon seit über sechs Jahren auf der 360 gibt.

Ihr werdet im ganzen Internet vermutlich keinen Test zu Peggle 2 ohne die Worte „süchtig“ oder „verrückt“ finden – und das aus gutem Grund. Was sich hier mit Kinderbuchoptik, irrem Witz und Pausenspielcharme tarnt, ist so viel mehr als das, was man auf den ersten Blick dahinter vermuten könnte. Euer Pech, falls ihr damals eine der Initialzündungen einer Spieleschublade verpasst habt, die an Kreativität kaum zu übertreffen war und von Microsoft unspektakulär unter dem „Xbox Live Arcade“-Slogan zusammengefasst wurde. Euer Glück, falls ihr dieses Versäumnis jetzt, eine Generation später, nachholen könnt. Der Zauber ist fast derselbe.

Peggle 2 - Von nackten Yeti-Ärschen, Beethoven und süchtig machenden Kugeln

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Der nackte Hintern eines Yetis. Ganz normaler Peggle-Alltag.
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Genialität kennt kein Alter (und nur wenig Fortschritt)

Zufall ist das nicht: PopCap tat nur das Allernötigste, um die Legitimation für die Fortsetzungs-2 hinter dem prägnanten Titel zu erhalten. Bloß keinen Deut von der merkwürdig wie einzigartigen Formel abweichen, die in ihren Grundzügen am ehesten als eine krude Mischung aus Breakout und Pachinko durchgeht. Oder so ähnlich.

Zumindest fällt mir ad hoc keine besseren Beschreibung dafür ein, eine Kugel vom oberen Bildschirmrand mit dem Ziel abzufeuern, so viele Blöcke wie möglich zu treffen. Vorzugsweise die roten Exemplare, gilt ein Level immerhin erst dann als erfolgreich abgeschlossen, wenn all diese Steine getroffen und damit entfernt wurden. Ein paar kleinere und größere Besonderheiten - das Salz in der Suppe, wenn ihr so wollt – gibt es: spezielle Blöcke, bewegliche Ziele, Freikugeln, Spezialfähigkeiten der Peggle-Meister. Witziges Zeug, wichtiges Zeug, aber dann doch nichts, was man so noch nie gesehen hätte.

Packshot zu Peggle 2Peggle 2Erschienen für Xbox One, Xbox 360 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Peggle ist nicht für seine Zutaten berühmt geworden, sondern für die Art und Weise, wie es diese vermengt. Statt unnötig komplizierter Erklärungstexte grinst euch das leicht debile Einhorn Bjorn zu Beginn entgegen, als würde es euch sagen wollen: „Hey, Dude! Warum hast du nicht schon längst ein paar Kugeln abgefeuert?“ Zögerliches Herantasten sieht anders aus. Ein Glücksspiel allerdings auch.

Sucht kennt kein Alter: Im Grunde unnötiger, etwas mickriger Nachfolger, dessen zeitloses Prinzip den Sprung in die neue Generation aber völlig unbeschadet überstanden hat.Fazit lesen

Mit Beharrlichkeit allein ist's nicht getan; eine Irgendwann-wird's-schon-klappen-Attitüde führt nicht über die ersten paar Level hinaus. Klar hat mir auch mal ein „lucky punch“ den Hintern gerettet – und das ist genauso gewollt wie der gelegentliche Frust, der letztlich nur noch mehr anspornt. Denn das ist die Essenz dessen, was PopCaps Dauerbrenner von unzähligen Glückspielderivaten unterscheidet, die jeden belohnen, der verzweifelt oder gelangweilt genug ist, es nur immer wieder zu probieren: planbares Glück. Von mir aus auch Strategie, Taktik oder Kalkül. Nennt es, wie ihr wollt.

Peggle 2 - Von nackten Yeti-Ärschen, Beethoven und süchtig machenden Kugeln

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Optisch wie inhaltlich hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig geändert. Ob das schlecht ist, müsst ihr selbst entscheiden.
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Nur war das bereits weitestgehend vor über sechs Jahren der Fall und Peggle 2 hat seiner perfekt ineinandergreifenden Maschinerie nicht sonderlich viele sinnvolle Zahnräder hinzufügen. Es sieht ein bisschen besser aus, hebt die nunmehr nur noch fünf verschiedenen Meister ein wenig präsenter aufs Treppchen und scheint seine Ballphysik einen Tick polierter, glaubwürdiger darzustellen. Ob das nach dieser Zeit noch ein fairer Deal ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Gesamtpaket ist es zum Preis von 12 Euro nur bedingt.

Zu oft hatte ich während der etwa fünf Stunden bis zum Beenden aller 60 Level (weitere 60 Herausforderungen stehen ebenfalls zur Verfügung) das Gefühl, auf Platzhalter zu stoßen. Peggle 2 riecht auffällig nach dem Gestank, der beinahe jedem Xbox-One-Spiel derzeit anhaftet: Mikrotransaktionen. Sind euch der leicht unterdurchschnittliche Umfang und die halbierte Anzahl schrulliger Meister dafür nicht bereits Indiz genug, offenbart ein kleines Einkaufssymbol im unteren Bereich des Startbildschirms, das PopCap auch in Zukunft noch den ein oder anderen Euro mit Peggle 2 verdienen will.

Hoffen wir, dass sie den Bogen nicht überspannen. Bis dahin bleibt es das, was es bereits 2009 auf der Xbox 360 war: Einer der besten Vertreter seiner Arcade-Zunft.