Patrizier gehörte zu den Spielen, mit denen der deutsche Publisher Ascaron einst groß wurde. Die komplexe Wirtschaftssimulation ist dermaßen umfangreich und bietet soviel Wiederspielwert, dass selbst lange Jahre nach der Veröffentlichung des zweiten Teils noch eine lebendige Fangemeinde besteht.

Zusammen mit der Erweiterung wurde das Paket, das hierzulande als Gold-Version im Handel landete, international als Patrizier III verkauft, was den plötzlichen Versionsprung in Deutschland erklärt. Nach der Insolvenz von Ascaron hat Kalypso Media die Lizenz erworben und einen Teil des ursprünglichen Entwicklerteams eingestellt.

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Schon mit Tropico 3 haben die Wormser bewiesen, dass sie sich auf qualitativ hochwertige Fortsetzungen verstehen, und diese Tradition scheint bewahrt zu bleiben. Allerdings ist unsere Preview-Version trotz der bevorstehenden Veröffentlichung Anfang September noch weit von der Fertigstellung entfernt, so fehlen die KI-Gegner in den Hansestädten, die maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftskreisläufe nehmen sollen.

Patrizier IV - Handel im Wandel

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Die Wirtschaftspolitik wird in den Städten vorangetrieben, die seit dem letzten Preview einen gewaltigen Sprung nach vorne vollzogen haben.
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Doch auch ohne die Konkurrenz sind die Grundfunktionen der Wirtschaft schon gut erkennbar. Egal, ob man sich in die Kampagne oder das freie Spiel stürzt, man beginnt in einer Hansestadt samt Kontor und einem kleinen Frachtkahn. Die Kontore sind immens wichtige Gebäude, denn in Städten mit einem dieser Handelsknoten lassen sich deren Wirtschaftsdaten jederzeit einsehen.

Fehlt die Filiale hingegen, können wir aktuelle Preisentwicklungen nur verfolgen, wenn ein Schiff vor Ort im Hafen liegt. Grundlegende Stadtinformationen sind jedoch stets einsehbar. So lässt sich immerhin schnell erkennen, welche Waren vor Ort produziert werden und vermutlich günstig einzukaufen sind. Der Handel an sich ist von der Weltkarte aus steuerbar.

Trockenphase mit Geschäftseinbußen

Über ein kleines Icon unterhalb des Städtesymbols öffnen wir die Warenliste, wo Schieberegler mit dynamisch angepasster Warenstückzahl und Handelspreis intuitive Bedienung zulassen. Immens wichtig ist auch die Vorratsanzeige, denn kaufen wir beispielsweise sämtliche Bierbestände einer Stadt auf, machen uns die Bürger für die daraus resultierende Dürreperiode persönlich verantwortlich.

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Die Weltkarte ist das zentrale Element von Patrizier IV und sieht noch etwas nüchtern aus.
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Apropos Hopfenkaltschorle: Jede Region verfügt über eine Handelsware, die sie exklusiv produziert und die an anderen Standorten naturgemäß hohe Preise erzielt. In Deutschland ist dies eben der Gerstensaft, in Russland sind es Felle und in Dänemark wird Fleisch gepökelt. Haben wir ausreichend Gewinn eingefahren, klettern wir die Karrierreleiter in der Hansehierarchie hinauf.

Das bringt uns Sonderrechte wie den Bau der wichtigen Kontore. Als Eldermann, das höchste Amt des Handelsbundes, lassen sich sogar politische Entscheidungen treffen. In einer Stadt können wir uns außerdem zum Bürgermeister wählen lassen, wenn die Einwohner uns wohlgesonnen sind. Gelingt der politische Coup, verfügen wir dort über erweiterte Baurechte.

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Ohne Kontor oder Schiff in der betrachteten Stadt können wir nur auf grundlegende Informationen zugreifen.
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So lässt sich der Verlauf der Stadtmauer anpassen und man kann Verteidigungstürme errichten. Diese spielen eine wichtige Rolle, sollte es zum Zwist mit dem Landesfürsten kommen, denn die Landkämpfe laufen im Stile eines Tower-Defense-Spieles ab. Auf See hingegen zünden wir die Kanonen manuell.

Jeweils bis zu drei ausgewählte Schiffe des involvierten Konvois treten gegeneinander an, sollte es zum Beispiel zu Piratenüberfällen kommen. Die Schlachten steuern sich klassisch und wurden um einige Ärgernisse bereinigt, so fällt der manuelle Munitionskauf in den Häfen weg, außerdem scheinen langwierige Verfolgungen weitestgehend der Vergangenheit anzugehören. Wahlweise kann man sich auch seinem Schicksal ergeben, verliert seine Waren, behält aber seine Flotte.

Freibeuter und Sehenswürdigkeiten

Historische Persönlichkeiten wie der legendäre Klaus Störtebeker sollen im Spiel übrigens zeitgemäß vertreten sein, was zusätzlich für Atmosphäre sorgt. Seit unserer letzten Vorschau an Bord der Lisa von Lübeck hat sich darüber hinaus in Sachen Atmosphäre einiges getan.

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Der Handel wurde stark vereinfacht, ohne dabei an Komplexität zu verlieren.
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Wider Erwarten wurden die Städte der unterschiedlichen Regionen doch noch optisch unterschiedlich ausgearbeitet, zumindest fielen uns mehr lokale Eigenheiten auf als noch Anfang des Jahres. Und auch die Einwohner der Orte kommen wesentlich schöner daher. Liefen sie damals noch alle in Einheitsgröße kreuz und quer ohne Texturen durch die Gegend, sind sie jetzt zumindest schlicht eingefärbt, unterschiedlich geformt und verfolgen eigene gezielte Wege.

Kalypso hat nicht nur den guten Namen Patrizier übernommen, sondern auch die Tugenden der Serie. Wenn jetzt noch die KI gut funktioniert, setzen wir im September gerne die Segel.Ausblick lesen

Trotzdem ist die Grafik viel zu undetailliert, um optisch mit aktuellen Hits wie Anno 1404 oder Die Siedler 7 mitzuhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Patrizier IV nicht seinen eigenen Charme hat. Lediglich die Weltkarte wirkt arg langweilig, trotz der dreidimensionalen Darstellung mitsamt Wettereffekten, die sich auch in der Spielmechanik und dem Bild der Städte in der Detailansicht niederschlagen.

Die hauptsächlichen Verbesserungen finden sich tatsächlich im Interface, das nicht nur deutlich entschlackt wurde, sondern sich auch in weiten Teilen intuitiv bedienen lässt. Lediglich das noch fehlende Tutorial hat uns einige Minuten gekostet, bis wir herausfanden, wie wir Handel starten konnten. Doch auch ohne Anleitung haben wir schnell erste Waren verschifft und automatische Handelsrouten erstellt.