Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der beliebten Wirtschaftssimulation Patrizier 2 soll im Herbst 2010 dessen Nachfolger Patrizier 4 in den Handel kommen. Ihr habt richtig gelesen, der dritte Teil wird quasi übersprungen, weil Patrizier 2 damals international als Patrizier 3 vertrieben wurde. Zehn Jahre sind für eine Fortsetzung eine lange Zeit, doch die Community ist heiß auf diesen Titel. Wovon wir uns bei einem Event überzeugen konnten, an dem neben Pressevertretern auch eine Reihe von Fans eingeladen waren…

Patrizier IV - Sven Väth Parodie4 weitere Videos

Neues 3D-Gewand

Der von den anwesenden Patrizier-Anhängern umlagerte und mit Fragen bombardierte Daniel Dumont ist in der deutschen Entwicklerszene kein Unbekannter. Der sympathische, leitende Game Designer von Gaming Minds arbeitete zuvor für Ascaron an Spielen wie Port Royale, Darkstar One und zuletzt auch Sacred 2, wo er für die Konsolenumsetzung zuständig war. Mit Patrizier 4 schließt sich für ihn der Kreis, denn er war auch schon beim Patrizier 2 an der Entwicklung beteiligt.

Patrizier IV - Der Klassiker kehrt zurück

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Die automatisierten Handelsrouten sind ein wahrer Segen für angehende Elderman.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Da es also kaum einen geeigneteren Gesprächspartner gibt, der uns mit den Neuerungen und Unterschieden vertraut machen kann, haben wir uns an Bord der "Lisa von Lübeck" (dem Nachbau einer Kraweel) vom Spiritus Rector einweisen lassen.

Bereits die ersten Eindrücke zeigen, dass Patrizier 4 im "heute" angekommen ist - 3D-Grafiken bestimmen das Bild. So beispielsweise bei der bunten Seekarte oder der Städteansicht, die frei zoombar ist und neben Gebäuden auch die umherlaufende Bevölkerung zeigt. Die noch im Beta-Status befindliche Optik ist jedoch noch lange nicht final, was eine Reihe von fehlenden Texturen u.a. bei Figuren erklärt. Etwas irritierend ist der automatische Schwenk der Kamera von der Nahansicht der Stadt in die Vogelperspektive, wenn man mit der Maus zugange ist. Im Endeffekt wird man wohl doch meist in dieser Übersichtsansicht über das Spielfeld gleiten und Nordeuropa begutachten, anstatt dem Gewusel direkt zuzuschauen.

Patrizier IV - Der Klassiker kehrt zurück

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Wetterereignisse wie diese beeinflussen zukünftig die Produktion von Waren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das grundlegende Spielprinzip des Strategiespiels wird größtenteils unangetastet bleiben. Nach wie vor werdet ihr als Spieler um die wirtschaftliche Vormachtstellung im Bereich der Hanse streiten, die zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts den Handel der Nord- und Ostseeanrainer dominierte und deren Ausdehnung beinahe 300 See- und Binnenstädte des nördlichen Europas in der Städtehanse umfasste. In Patrizier 4 werdet ihr jedoch erneut auf maximal 32 Städte (20 zu Spielbeginn) beschränkt sein, mit denen der wirtschaftliche Austausch florieren soll.

Nach wie vor wird die "Weltkarte" in acht Regionen mit je vier Städten gegliedert sein, in denen auch Ereignisse stattfinden, denen sie sich anpassen. Bei Sturm, Dürre oder Winter wird etwa die Produktion von Gütern reduziert, der Wirtschaftskreislauf unterliegt also dynamischen Prozessen.

Stabilerer Wirtschaftskreislauf

Im Vergleich zu Patrizier 2 soll "das Handelssystem stabiler sein und keine Schummelei zulassen", so Dumont. Die KI-Widersacher werden stärker auf bestimmte Waren fokussiert sein und damit auch die stärkere Warenkonzentration nutzen. Überall wird etwas Spezielles produziert, an einigen Orten gibt es zudem exklusive Waren. "So beispielsweise in Aalborg", erklärt Dumont, "denn nur hier wird Fleisch verfügbar sein und diese Stadt zu einem strategisch wichtigen Faktor machen."

Patrizier IV - Der Klassiker kehrt zurück

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Beim Städtebau erhaltet ihr mehr Freiheiten - natürlich alles in 3D-Grafik zu bewundern.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Landesfürsten werden die Möglichkeit haben, Städte anzugreifen, diese Attacken können jedoch vom Spieler abgewehrt werden. Landkämpfe können aber nicht persönlich ausgefochten, sondern über den Einsatz von Verteidigungstürmen (á la Tower-Defense) ausgetragen. Um den Weg an die Spitze schwerer zu machen, wird es übrigens in jeder Region eine Stadt geben, die komplett einem KI-Spieler gehört, und dessen Wirtschaftsmacht daher schwer zu brechen sein wird. Spieler werden allerdings Sabotagefertigkeiten einsetzen können, um ihre Ziele zu erreichen.

Der Bau von Städten wird auch in Patrizier 4 sehr wichtig sein, aber mehr Freiheiten bieten und organischer ablaufen als in der Vergangenheit. Beispielsweise beim Mauerbau, der abhängig von der Positionierung der Stadttore ist. Die Straßen richten sich dann automatisch an der Ausrichtung der Häuser aus. Generell erscheint das halbkreisförmig um den Marktplatz aufgebaute Stadtgebiet deutlich größer zu sein als noch beim berühmten Vorgänger, was die Baumöglichkeiten vermutlich vergrößern wird.

Patrizier IV - Der Klassiker kehrt zurück

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Die Grafik ist meilenweit von den 2D-Bildern der Uralt-Vorgänger entfernt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wichtig wird zudem eine gute Planung der Gebäudestruktur sein: Während außen die eher armen Bürger wohnen, haben es sich die Reichen in der Innenstadt gemütlich gemacht, zahlen aber auch mehr Miete und vergrößern damit den Wohlstand des gesamten Ortes. Übrigens wird es möglich sein, Bauwarteschlangen einzurichten, also Aufträge einzureichen, die zwar mangels Waren noch nicht abgearbeitet werden, aber perspektivisch in Angriff genommen werden sollen.

Deutlich weniger Meldungen und Buttons

Stichwort Handelssystem: Hier wurde einiges überarbeitet und vor allem in Sachen Entschlackung und Verschlankung getan. "Wir haben die Anzahl der Bestätigungsfenster und Meldungen um 80% Prozent verringert", gibt Dumont zu Protokoll. Diese Infos gehen dem Spieler jedoch nicht verloren, sie können jederzeit beim Berater eingesehen werden. Ähnliches gilt für den Handelsscreen, hier soll es zukünftig 50 Buttons weniger geben.

Patrizier IV - Der Klassiker kehrt zurück

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Alle Handelsfenster und viele Bildschirmanzeigen wurden entschlackt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im An-/Verkaufsfenster wird nun auf einen Slider gesetzt, blinkende Icons in Rot und Grün geben darüber hinaus Auskunft über die Verfügbarkeit von Waren und sollen die Übersichtlichkeit erhöhen. Wer seine Waren zu habgierig zusammenrafft, erleidet jedoch einen Ansehensverlust, der verschiedene Parameter (wie beispielsweise die Bürgermeisterwahl oder die Eignung als Elderman) beeinflusst. Umgekehrt erhaltet ihr Zuspruch, indem ihr etwa für Familien betet oder für Arme spendet. Die Einrichtung automatischer Handelsaufträge erlaubt euch Aktivitäten, ohne das Warensystem ständig beobachten zu müssen.

Fans dürfen sich auf eine sanfte Evolution ihres Lieblingsspiels freuen.Ausblick lesen

Automatisierung steht auch beim Umgang mit euren Schiffsflotten ganz hoch im Kurs. Bereits ab einem Schiff besitzt ihr mindestens einen Konvoi, den ihr selbst erstellte Routen abfahren lassen könnt, um von euch definierte Güter auszutauschen. Manuell geht es dann aber wieder in den Seeschlachten ab, die ähnlich wie in Patrizier 2 ablaufen sollen. Maximal drei der eigenen Kampfschiffe treten auf einer speziellen Map gegen Feinde wie Piraten an. Diese Beschränkung soll das Kuddelmuddel, Wegfindungsprobleme und ähnliche Probleme der Vergangenheit verhindern.

Dafür beeinflussen unterschiedliche Munitionsarten die Gefechtsführung, wie man es beispielsweise aus Total War: Empire kennt. Während Spieler geschont werden, wenn sie schnell kapitulieren, winkt ihnen im Siegesfall eine stattliche Beute, da sie die unterlegenen Schiffe plündern dürfen. Weiterer Pluspunkt: Piraten werden nicht mehr endlos flüchten, sondern bis zu ihrem Untergang kämpfen, was nervige Verfolgungsjagden verhindern soll.