Taschenrechner und Notizblock raus! Diese Utensilien brauche ich, wenn ich zur Zeit der Hanse überleben will. Wo kostet was wie viel? Welche Seerouten lohnen besonders? Schnell aufschreiben - die Notizen werdet ihr in den kommenden Wochen brauchen.

Meine handschriftlichen Listen mit Routen und Waren vom ersten und zweiten Teil der Patrizier-Serie habe ich beim vergangenen Umzug leider weggeschmissen. Also: neu schreiben. Was der vierte Teil wie seine Vorgänger spielend schafft: Er fesselt. Stunde um Stunde. Und Stunde. Und Tage. Und... genau, Wochen.

Patrizier IV - Kalyp-und-sonst-so?

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Patrizier IV lädt euch ein, König von Mall... äh, der Hanse zu werden.
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Die Geschichte ist natürlich die gleiche: Im 14. Jahrhundert blüht der überregionale Kommerz per Schiff - die Landwege sind zu unsicher. Ich will daran teilhaben und starte in der Kampagne mit meiner Schnigge, einer besseren Nussschale, im plätschernden Hafenwasser von Lübeck. Von dort aus soll ich die Hanse aufmischen. Im freien Spiel haben ich die komplette Auswahl, wo ich damit anfange. London? Köln? Nowgorod? In der Stadt meiner Wahl steht zunächst mein einziges Kontor, also Lagerhaus und zugleich Niederlassung meines Unternehmens.

Durch die Kampagne führt mich ein Berater, der immer ein neues Ziel vorgibt. Erste Aufgabe: Kaufe eine Ware und werde sie in einer anderen Stadt wieder los. Nachdem ich also mein einziges Schwimmgefährt mit Eisenwaren und Bier beladen habe, wechsele ich auf die Übersichtskarte und schicke es nach Aalborg. Dort freuen sich die Händler sichtlich über meine Fässer mit Mitbringseln, meine Beliebheit in der Bevölkerung steigt sofort. Offenbar gibt es in der dänischen Küstenstadt viele durstige Matrosenkehlen. Wenn eine Ware besonders knapp ist, wird sie rot markiert, sodass ich schnell Abhilfe schaffen und mein Ansehen erhöhen kann.

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Schlicht, übersichtlich, funktional: die Menüs.
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Die Beliebtheit in einer Stadt ist wichtig, weil die örtliche Gilde erst ab einer bestimmten Prozentzahl für mich offen ist. Und die brauche ich, um ein neues Kontor errichten zu können. Dort lagere ich dann Waren ein, die mein Verwalter peu à peu für mich verkauft - um höhere Gewinne zu erzielen. Künstliche Verknappung kann den Profit maximieren, das weiß nicht nur Steve Jobs.

Die Seekarte macht's

Über die 3-D-Stadtansicht habe ich Zugang zu wichtigen Gebäuden, was eine zusätzliche Menüsteuerung ersetzt. Im Rathaus gibt es Sonderaufträge – etwa wenn besondere Waren fehlen -, in der Taverne kann ich Matrosen anheuern und in manchen Städten gibt es zudem eine Werft. Die bewaffnet meine Handelsschiffe oder nimmt Aufträge für Neubauten an: für Schnigge, Kraier oder Kogge. Später kommt unter anderen noch eine Flusskogge hinzu, die wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch Binnenstädte wie Köln anfahren kann. Weitere Schiffstypen werden im Laufe der Partie erforscht.

Jede Stadt stellt bestimmte Waren her, wobei die Patrizier-Macher nah an der Historie geblieben sind. So produzieren die Skandinavier viel Holz und Käse, die Deutschen billiges Bier und im wilden Osten gibt's Pelze zu Spottpreisen. Der alte Patrizier-1-Trick - die Kogge in Nowgorod mit Fellen vollladen und in Hamburg zum Wuchertarif verhökern - funktioniert beim neuesten Teil nur bedingt und ist nicht mehr spielentscheidend. Stattdessen ist viel Kleinarbeit gefragt.

Patrizier IV - gamescom 2010 Trailer4 weitere Videos

Vieles davon kann man über die übersichtliche Seekarte erledigen, die den kompletten Handelsraum darstellt. Icons neben den Städtesymbolen zeigen, woran es den Händlern und Bürgern besonders mangelt. Meine Schiffe schicke ich dann per Klick auf die Reise, um Bedürfnisse möglichst schnell zu befriedigen. Manche Güter werden auch direkt vor Ort hergestellt. Wenn später genug Geld vorhanden ist, reiße ich in einer Stadt die komplette Produktion an mich und diktiere per Monopol die Preise. Dachte ich zumindest. Dumm nur, dass die KI-Konkurrenz nicht schläft und mir über den Seeweg einen Strich durch die Rechnung macht. Auf Dauer etwas anstrengend: Es gibt keinen Hotkey, um zwischen Stadt und Seekarte zu wechseln.

Vollautomatisierter Handel

Mit wachsender Schiffszahl wird es immer unübersichtlicher und stressiger, die Handelsgeschäfte sämtlicher Konvois manuell zu steuern. Die automatisierten Routen nehmen mir diese Arbeit ab – und lassen Patrizier 4 so richtig Fahrt aufnehmen. Ich lege die Städte fest, die meine Konvois anfahren sollen, was wie und zu welchem Preis gehandelt werden soll - oder überlasse es einfach meinem Kapitän, wenn mir die Einstellungen zu aufwändig sind.

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Die Städte in der Nahansicht können sich sehen lassen.
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Theoretisch kann ich meine komplette Flotte automatisierte Routen abfahren lassen. In meinen Kontor setze ich für 50 Goldstücke pro Tag einen Verwalter ein, der meine Waren in dieser Stadt verwaltet und meine Betriebe mit Rohstoffen versorgt. Dabei sind die Produktionsketten relativ simpel gehalten. Für meine Salzsiederei etwa brauche ich Holz und Arbeiter. Bevor ich allerdings selbst Produktionsstätten errichten darf, benötige ich die Erlaubnis der örtlichen Gilde, wie für vieles andere auch.

Schaaaaatz, haben wir noch genug Salz? Ich fahre morgen nach Lübeck!Fazit lesen

Auch ich kann mir das zunutze machen und etwa gönnerhaft Getreide zum doppelten Preis an Städte verkaufen, in denen eine Hungersnot die Bevölkerung plagt. Netter und nützlicher Nebeneffekt ist selbstredend, dass mein Ansehen der Situation angemessen in die Höhe schießt. Je mehr Schiffe und Gold ich anhäufe, desto höher wird mein Rang. Ziel des Spiels ist der Rang des Patriziers, des Eldermanns. Je länger der Weg dorthin dauert, umso fesselnder das Geschehen. Die grundlegenden Handgriffe sitzen, auf dem Notizblock oder im Kopf sind die wichtigsten Ein- und Verkaufspreise vermerkt und die Haupthandelsrouten werden von den Konvois abgefahren. Die kann ich praktischerweise auch abspeichern. Besonders einträgliche Strecken verschwinden also nicht im Nirwana des tausendundersten Schiffs.

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Schiffe, überall Schiffe! Auf dem Wasser. Wahnsinn!
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Um später nicht mehr als Krämer oder Händler zwischen Rostock und Danzig zu versumpfen, sollte ich die Aufträge des comichaften Gesichts in der Ecke des Bildschirms ernst nehmen. Verdiene Summe X, baue Y neue Schiffe, jage Pirat Z - die Kampagne erinnert dabei an neuere Anno-Titel und ist mehr ausgedehntes Tutorial als echte Herausforderung. Wem die Tipps des Beraters nicht reichen, der kann sich zudem erklärende Videos anschauen.

Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad der Kampagne niedrig angesetzt: So ist die Anzahl der Handelsstädte geringer als im freien Spiel. Während dort etwa etwa Flensburg oder Malmö auftauchen, sind sie in der Kampagne wie von der Seekarte verschluckt. Die Schwierigkeitsstufe macht sich vor allem im täglichen Handelsgeschäft bemerkbar. Auf der höchsten sind die Gewinnspannen wesentlich niedriger, die Häfen im Norden Europas frieren im Winter ab und an zu, und penetrante Piraten sind fast an der Tagesordnung. Erreiche ich den Rang Fernkaufmann, kann ich meine Konvois auf Expeditionen schicken, damit ich die wertvollen Gewürze nicht immer zum Mondpreis erwerben muss – sondern sie dafür verkaufen kann.

Piraten!

Piraten? Ganz richtig gehört: Neben den Computerkonkurrenten, die mir mit dem Ausbau ihrer Handelsbeziehungen eher plump als herausfordernd das Gold abgraben wollen, haben es auch Horden von Freibeutern auf meine vollgeladenen Schiffsbäuche abgesehen. Ständig sind die Räuber unter der Totenkopfflagge unterwegs. Von Zeit zu Zeit greife ich sie mit Kriegsschiffen an, damit sie nicht übermütig und -mächtig werden. Je länger die Partie dauert, desto wichtiger sind mit Kanonen bewaffnete Begleitschiffe für meine Handelskonvois.

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Auch nordische Temperaturen stehen euch auf dem Weg an die Spitze bevor.
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Piraten sind eine Plage, sorgen aber für die Seeschlachten in Patrizier 4. Und die sind das Actionreichste im Spiel – mit nur einem wendigen Schiff schicke ich mit etwas Übung und vielen Kanonenkugeln komplette Konvois unter Jolly Roger auf den Meeresgrund und kapere nebenher meist noch ein neues Wassergefährt. An der manuellen Steuerung der Kämpfe hätte Gaming Minds ruhig noch feilen können. So bleibt die Ansicht auf die angewählte eigene Einheit zentriert, ein Klick auf die Minikarte bringt ebenfalls nichts. Direkte Befehle kann ich immer nur dem jeweils aktiven Schiff geben. Den anderen verordne ich ihr generelles Verhalten: angreifen, verteidigen, unterstützen, beschützen oder fliehen.

Wenn ich die Freibeuter zu lange gewähren lasse, rauben sie immer häufiger meine Schiffe aus. Das treibt mich möglicherweise in den Ruin, wenn es besonders wertvolle Ladung wie Kleidung, Tuch oder Pelze an Bord hatte. Auf der anderen Seite können aber auch Kampfschiffe aus meiner eigenen Flotte unter Totenkopfflagge die Meere kreuzen - und so gut getarnt Handelskonkurrenten ausrauben. Leider sind das nie menschliche Gegner, denn einen Mehrspielermodus hat sich Gaming Minds gespart.

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So ruhig und beschaulich alles. In der Nacht.
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Wird eine Stadt belagert oder bricht eine Hungersnot aus, kann ich mich endgültig als goldener Wellenreiter beim Erntedankfest feiern lassen. Ich habe euren Arsch gerettet, also wo ist bitte der rote Teppich, damit ich auf dem Wasser gehen kann? Passenderweise bin ich als Bürgermeister unter Umständen sogar selbst Auslöser des Nahrungsmittelmangels. Politik kann so verdammt profitabel sein! Leider aber nur bis 2.147.483.647 Gold. Dann ist bei Patrizier 4 nämlich Schluss, der Zähler bleibt stehen. In Worten: zwei Milliarden, hundertsiebenundvierzig Millionen, vierhundertdreiundachtzig Tausend und sechshundertsiebenundvierzig. Das sollte für ein paar Wochen Handelsspaß reichen. Wem das noch nicht genug ist, der kann im freien Spiel einfach die Warenproduktion auf zufällig stellen - die notierten und gespeicherten Handelsrouten sind dann alle hinfällig, und es geht von vorne los.