Es klingt wie ein aberwitziger Plan: Ein Berliner Indie-Studio entwickelt mit einem Mini-Team in kaum mehr als einem Jahr ein Spiel, das im Haifischbecken der großen Stealth-Action-Spiele mitschwimmen will.

Past Cure - Story Trailer

Wenn man von einem Indie-Spiel eines neuen, kleinen Berliner Teams hört, entstehen dabei wertfrei bestimmte Bilder im Kopf: Ein Adventure vielleicht. Aufbaustrategie wäre auch denkbar. Oder ein cleveres, kleines Konzept, das sich auch prima auf mobilen Geräten umsetzen lässt. An ein 3D-Stealth-Action-Survival-Horror-Spiel denkt man vermutlich nicht. Aber genau das wird Past Cure von Phantom 8 Studio.

Past Cure - Wenn Indie- und Hollywood-Action aufeinandertreffen

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Past Cure in der Vorschau: Der Albtraum hat einen ästhetischen Flair
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Das hört sich nicht nur ambitioniert an, in Videos bildete das Spiel bisher auch genau das Beschriebene ab: Protagonist und Ex-Soldat Ian schleicht und kämpft sich zum einen durch die Realität, was an Remedy-Titel wie Max Payne und Quantum Break erinnert. Nutzt Ian den sogenannten „Mindfly“, kann er zeitweise seinen Körper verlassen und die Umgebung erkunden sowie Kameras manipulieren. Gerade der Mindfly-Einsatz schadet aber Ians geistiger Gesundheit, die ohnehin nicht die allerbeste ist, und so landet er zum anderen immer wieder in düsteren Alptraumwelten. Dort lassen Silent Hill und The Evil Within schön grüßen. In diesen Abschnitten ist Ian nicht mehr der souveräne Fern- und Nahkämpfer, den er in der echten Welt verkörpert. Stattdessen flüchtet er meist vor seltsamen, komplett weißen Wesen, die wie lebendige Schaufensterpuppen anmuten. Richtig gruselig sind sie allerdings nicht, eher wirken sie ein wenig wie Platzhalter.

Past Cure - Wenn Indie- und Hollywood-Action aufeinandertreffen

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Rache ist süß: Ende 2017 könnt ihr selbst mit Ian auf die Jagd gehen
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Den Eindruck, dass einiges noch nicht richtig fertig ist, hatten wir immer wieder mal, als Phantom-8-Chef Simon Gerdesmann uns das Spiel auf der gamescom präsentierte. Im Grunde ist es sehr beeindruckend, ein Spiel solcher Machart zu sehen, das von nur etwa zehn Personen kreiert wird. In Bewegung offenbaren sich dann aber noch Schwächen. Gerade die Nahkämpfe liefen unrund und seltsam kraftlos ab, obwohl die Entwickler Martial-Arts-Profis zum Motion-Capturing angeheuert haben. Ansonsten sieht Past Cure an vielen Stellen wie ein typisches Unreal-Engine-4-Actionspiel aus, nur eben auf recht rudimentären Niveau. So wie die Spielmechaniken bisher nicht wirklich über das Zitieren zahlreicher Vorbilder hinauskommen, fehlt auch audiovisuell der eigene Charakter.

Der Release ist noch für dieses Jahr anvisiert und eventuell macht die (Rache-)Story, zu der wir uns nach der Präsentation keine Einschätzung erlauben können, das Spiel stärker. Und vielleicht werten Phantom 8 Studio in der Feinschliff-Phase Präsentation und Spielablauf noch so auf, dass das Gesamtwerk besser wird als die uns präsentierten Versatzstücke. Wir würden uns freuen, denn grundsätzlich braucht es mehr Indie-Spiele, die etwas wagen und eine große Vision verfolgen.