Gibt es viele gute deutsche Spiele? Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt viele deutsche Werke, die den Sprung aus dem Studio heraus auf die Bildschirme etlicher Menschen schaffen? Nicht wirklich, weswegen ich mir immer gern deutsche Produktionen anschaue; ganz besonders, wenn sie so wundervoll aussehen, wie Past Cure. Der Psychothriller kam am 23. Februar auf den Markt und ist das Erstlingswerk von Phantom 8 Studio, die im heimeligen Berlin seit einer Weile an dem Action-Stealth-Superkräfte-Spiel werkeln. Grafisch top, aber was steckt dahinter?

Spielzeit: 4 Stunden

Kleines Entwicklerstudio, beeindruckender Trailer:

Past Cure - Launch Trailer PS4, X Box One & PCEin weiteres Video

Dieser schöne Minimalismus

Räume, die auf dem Kopf stehen, gesichtslose Mannequins mit brennenden Augen und eine Frau in der Dunkelheit, die ihre Hand hoffnungsvoll nach mir ausstreckt: Past Cure will schon in den ersten Minuten viel erzählen und spüren lassen; das jedoch mit einer Gewalt, die mich wie eine Ohrfeige ins Gesicht trifft. Dazu kommt ein repetitives Shooter-Tutorial, in dem ich eine immer größere Anzahl von Schaufensterpuppen niederstrecken muss. Spaß? Der kauert traurig in einer dunklen Ecke des Spiels, unwillig, herauszukommen.

Mann mit Bart träumt von geometrischen Figuren

Dennoch. Und dennoch sieht Past Cure wundervoll aus. Während der Protagonist selbst in einer stylisch-minimalistisch eingerichteten Wohnung lebt, verschlagen ihn seine Träume in komplett weiße, symmetrische Räume voller geometrischer Wunder, die sich drehen oder Stufe für Stufe den Weg zum nächsten Level freigeben. Auch hier heißt es jedoch: Tutorial! In der Manier von Beyond Two Souls kann der bärtige Mann seinen Geist von seinem Körper befreien und durch den Raum schweben sowie die Zeit verlangsamen. Spaß? Der versucht sich keuchend aus der Umklammerung des Gameplays zu lösen; ohne Erfolg.

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Nach den seltsamen Träumen, die mich mehr frustriert als unterhalten haben, geht es endlich mit der Story los: In der echten Welt heißt der Mann Ian und ist ein ehemaliger Elitesoldat mit übernatürlichen Kräften. Wie das Klischee so will, experimentierte das Militär so lange an ihm herum, bis er sein Gedächtnis verlor und fliehen konnte. Sein Ziel: Rache. Harte, männliche Rache. Und Spaß? Der ging leider gänzlich verloren, als ich nach den Tutorial-Traum-Übungen in ein Parkhaus voller NPC-Klone stolperte und mich von einem öden Level zum nächsten schleichen musste.

Schön sein ist nicht alles

Was bleibt mir nach vier Stunden Past Cure in Erinnerung? Eine wenig originelle, geschlauchte Story, ein wundervoller Grafik-Stil und Gameplay-Mechaniken, die mich bereits nach kurzer Zeit angeödet haben. Beyond Two Souls ohne den wunderbaren Koop und mit einer vor Pathos überquellenden Erzählung: Past Cure versucht zu viel, schafft aber leider nur recht wenig und … Spaß?

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Der Spaß; das, was einen guten Titel schließlich von anderen unterscheidet, kommt einfach nicht auf. Ganz egal, wie interessant die Geschichte ist oder wie überwältigend die Grafik ins Auge sticht. Ein Spiel muss eben unterhalten; etwas, woran Past Cure leider scheitert. Not.