Pariah (PC-Test)
von Jörg Pitschmann

UT 2004 goes Story: »Digital Extremes«, die Macher des beliebten Multiplayer-Shooters, haben sich etwas neues ausgedacht. In »Pariah« geht es nämlich nicht darum, nur auf alles zu ballern, was sich bewegt.

Der Spieler folgt in der Rolle des Arztes Dr. Jack Mason einer spannenden Geschichte - und ballert dabei auf alles, was sich bewegt. Hat das kreative Potential der Entwickler gereicht, neben zünftiger Ballerromantik auch eine gescheite Story auf den heimischen PC zu bringen?

Pariah - Movie Trailer Part 29 weitere Videos

Wir wollten es genau wissen und begaben uns deshalb zu einem ausführlichen Arztbesuch in die virtuelle Praxis von Dr. Mason.

Rezeptfrei, aber nicht ohne Nebenwirkungen
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, heißt es im allgemeinen. Wahrscheinlich hätte Doc Mason, seines Zeichens ausgebrannter Arzt und unfreiwilliger Held in Digital Extremes neuem Shooterabenteuer »Pariah«, gut daran getan, einen Kollegen zu befragen. Der hätte ihm dann möglicherweise vor seinem Abflug genauere Informationen über die Gefahren des Transports geben können, den er zu begleiten hatte.

Doch so führt die Rahmenhandlung ohne große Umschweife direkt in den digitalen Ärger. Seine in einem Stasis-Behälter liegende Komapatientin Karina J. wurde nämlich von einem unbekannten Virus infiziert. Vermutlich hätte Mr. Mason damit kein Problem gehabt, wenn das Transportraumschiff nicht

durch eine Bruchlandung auf einem öden Planeten namens Erde gestrandet wäre. Und weil ein Unglück selten allein kommt, wacht die gute Karina auf und hat nach einem kurzen Disput mit ihrem Hausarzt nichts besseres zu tun, als das Weite zu suchen. Allerdings nicht, ohne ihm ihr Schnellfeuergewehr zu überlassen.

Der geneigte Leser ahnt es schon: Dr. Mason bekommt eine Menge zu tun. Denn die Suche nach seiner Patientin ist bei weitem nicht sein größtes Problem. Auf dem Planeten treiben nämlich jede Menge uniformierter und schwer bewaffneter Frechdachse ihr Unwesen. Und die sind alles andere als erfreut über den ungebetenen Besuch der jungen Dame und ihres Hausarztes.

Doch die Auseinandersetzungen mit dem Flegelpersonal sind lediglich ein Bestandteil der Handlung. Um dem ganzen noch einen zusätzlichen fluffigen Touch zu geben, hat der studierte Mediziner nämlich nur 16 (Spiel-)Stunden Zeit, ein Gegenmittel

Pariah - Ballern, bis der Arzt kommt? Nicht nötig, denn der ist schon da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

für Karina zu finden. Danach löst eine Weltraumstation ein Notprogramm aus, welches die Eindämmung biologischer Gefahren gewährleisten soll: eine 50-Megatonnen-Bombe, gezündet oberhalb des Meeresspiegeles. Kein Wunder also, daß der gute Mann äußerst motiviert ans Werk geht.

Medizinische Eingriffe
Nach der oben beschriebenen kurzen Einführungssequenz geht es ohne Umschweife zur Sache. Bewaffnet mit einer Knochensäge und Karinas Schnellfeuergewehr des Kalibers »Feuere ein ganzes Magazin auf den Gegner ab und sieh zu, wie er sich in eine rote Masse verwandelt« zieht der

Pariah - Ballern, bis der Arzt kommt? Nicht nötig, denn der ist schon da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

gute Mason los und muß zunächst das kranke Küken wiederfinden, denn die Zeit bis zur finalen Explosion läuft gnadenlos. Dabei macht er sehr schnell die Feststellung, daß er auf der Erde kein gern gesehener Gast ist. Diverse maskierte Soldaten stürmen mit gezückten Waffen auf ihn zu und ballern aus vollen Rohren. Glücklicherweise verfügt der Doc ja bereits über gleiches Gerät, und so passiert, was passieren muß: die Unholde geben nach und nach den virtuellen Löffel ab.

Die Suche nach Karina gestaltet sich zunächst nicht sonderlich schwierig, denn es gibt stets nur einen Weg, dem der Doktor folgen kann.Und so trifft er seine Patientin denn auch recht bald wieder und steht ihr in brenzligen Situationen bei. Das scheue Reh faßt dabei nach und nach Vertrauen zu Dr. Mason. Wer jetzt aber an eine romantische Lovestory mit Rosen und ähnlichem denkt, sieht sich getäuscht. »Pariah« ist ein Shooter. Da gibt es keine Liebe unter den Menschen. Jedenfalls nicht im üblichen Sinne.

Und weil wir es hier mit einem 3D-Ballerspiel zu tun haben, darf der Spieler auch keine schwierigen Rätseleinlagen oder anderes anspruchsvolles Zeugs erwarten. Die Aufgaben beschränken sich vielmehr darauf, hier eine Alarmanlage auszuschalten, dort einen Generator wieder in Betrieb zu setzen oder womöglich eine Tür zu öffnen. Das war's dann auch schon. Insofern steht dem uneingeschränkten Ballervergnügen nichts im Weg.

Chirurgenbesteck
Im Laufe des Spiels sammelt der Doktor so einiges an interessanten Spielsachen ein. Neben dem schon

erwähnten Schnellfeuergewehr erwarten den abenteuerlustigen Shooterfreak unter anderem ein Schrotgewehr, ein kräftiger Granatwerfer und - besonders effizient - ein Scharfschützengewehr, das die Gegnerscharen mit einem einzigen Schuß wegputzt. Eine zweite Waffenfunktion gibt es allerdings nicht. Ein Klick auf die rechte Maustaste bringt stattdessen bei allen Waffen einen geringen Zoomfaktor.

Dafür können Knarren mit sogenannten »Weapon Energy Cores« aufgerüstet und so individuell zusammengestellt werden. Das läßt das Herz eines jeden experimentierfreudigen Meisterschützen Purzelbäume schlagen, denn der Schaffung phantastischer Mordgeräte steht auf diese Weise nichts mehr im Weg. Lustig ist auch die Möglichkeit, fahrbare Untersätze zu benutzen.

Die haben natürlich auch schöne Geschütze an Bord, die während der Fahrt für einigen Frust bei den

Pariah - Ballern, bis der Arzt kommt? Nicht nötig, denn der ist schon da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gegnern sorgen. Gelenkt werden die Fahrzeuge mit der Maus, Gasgeben oder Bremsen kann man mit den Richtungstasten. Auch nett: der tapfere Doktor fungiert als aufmerksamer Gunner an einem Bordgeschütz, während Karina fährt. Beeinflussen läßt sich die Strecke dann allerdings nicht, dafür dürfen diverse Gegnerfahrzeuge mitsamt ihren Besatzungen zum Teufel gejagt werden. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Medipacks gibt es deshalb reichhaltig. Die kleinen Erste-Hilfe-Köfferchen enthalten jeweils vier Injektionen, die sich Mason bei Bedarf in den Unterarm hauen kann. Zudem verfügt unser Held über geringe Selbstheilungskräfte. Wird er angeschossen, heilen seine Verletzungen nach einigen Sekunden bis zu einem gewissen Grad wieder. A propos verletzbar: da die Entwickler eine stark modifizierte UT2004-Engine mit moderner Havoc-Physik-Technologie kombiniert haben, sind dynamische Grafikeffekte und eine lebendig anmutende Umwelt selbstverständlich.

Und natürlich dürfen auch durch die Luft wirbelnde Fässer nicht fehlen, die man dem einen oder anderen Gegner auf die Rübe dotzen kann. Einige Betonträger sind ebenfalls perforierbar, was besonders dann Spaß macht, wenn Unholde dahinter in Deckung gegangen sind. Wer Schleicheinsätze liebt, kommt bei »Pariah« gelegentlich ebenfalls auf seine Kosten. An manchen Stellen ist es nämlich durchaus empfehlenswert, nicht mit singendem, klingenden Spiel vor den Gegnermassen aufzutauchen, sondern es dezent anzugehen. Ansonsten schlagen die Jungs nämlich sehr schnell Alarm, was wiederum weitere Horden unfreundlicher Zeitgenossen nach sich zieht.

Dennoch: wer es brachial bevorzugt, der kümmert sich nicht um Kleinigkeiten wie schrillendeAlarmsirenen, sondern hält einfach drauf. Das funktioniert auch und bringt keinerlei Nachteile mit sich. Nur die permanent jaulenden Sirenen nerven dann etwas. Aber angesichts des Lärms, den viele Wummen verursachen, macht das eigentlich kaum einen Unterschied.

Gehirnchirurg
Eines der größten Probleme bei 3D-Shootern war von je her die mangelnde KI der Gegner. »Pariah« bildet bei dieser unseligen Tradition leider keine Ausnahme. Obwohl laut Entwicklerangaben sogar Hollywood-Drehbuchautoren an der Story mitschrieben, hat dies offenbar keine Auswirkungen auf das Verhalten der Dummbolde gehabt.

So bleiben Gegner selbst dann wie angewurzelt stehen, wenn ihr Nebenmann gerade mit einem gezielten Kopfschuß aus der Ferne das Zeitliche gesegnet hat. Dr. Mason verfügt anscheinend über ein erschreckendes Äußeres, denn wenn er mit gezückter Pumpgun im Schweinsgalopp auf einen Soldaten

zuläuft, kann es passieren, daß dieser vor Schreck wie gelähmt stehenbleibt und auf sein digitales Ende wartet. Auch die Reaktionszeit der Gegner läßt teilweise sehr zu wünschen übrig. Bis sie ihre Knarre in Anschlag gebracht haben, sind sie bereits an einer massiven Bleivergiftung zugrunde gegangen. Nur selten reagieren die Burschen im Sinne einer echten KI und agieren tatsächlich im Team oder gehen bei Beschuß in Deckung. Manchmal laufen sie auch weg und kommen mit ein paar Kumpels zurück, doch auch das passiert nicht allzu häufig.

Wirklich ärgerlich ist zudem das mißlungene Speichersystem, das ein Sichern des Spielstands nur an bestimmten Stellen ermöglicht. Da »Pariah« sowohl für die Xbox als auch für den PC entwickelt wurde, hat man sich anscheinend entschieden, nur ein System für beide Versionen zu implementieren. Und so ist der verwöhnte PC-Nutzer gezwungen, sich im Falle seines digitalen Hinscheidens abschnittsweise erneut auf die Jagd zu begeben.

Pariah - Ballern, bis der Arzt kommt? Nicht nötig, denn der ist schon da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Glück im Unglück: die Speicherpunkte sind halbwegs großzügig verteilt. Abgesehen davon macht das Spiel allerdings Spaß. Daß keine Langeweile aufkommt, liegt an der Atmosphäre, die den Zocker bei der Stange hält und selten Zeit zum Durchatmen lässt.

Der Musik kommt dabei keine besonders tragende Rolle zu. Sie ist akzentuiert eingesetzt, absolute Durchschnittsware und stört nicht weiter. Die Lokalisierung ist wohltuenderweise mit professionellen Sprechern besetzt worden, doch leider passen die Stimmen nicht wirklich zu den Charakteren. Außerdem wiederholen sich die Sprüche der Fiesnicks sehr schnell, was der allgemeinen Laune auf Dauer abträglich ist. Von daher empfiehlt sich nach Möglichkeit die Installation der englischen Sprachausgabe, die ein wenig abwechslungsreicher daherkommt. Inhaltlich wurde die deutsche Version gegenüber dem Original übrigens kaum verändert. Zwar spritzt bei uns deutlich weniger Blut über den Monitor, doch an der Geschichte selbst wurde nichts verändert. Das ist erfreulich und sollte deshalb niemanden, der Spaß an spannenden Actiontiteln hat, vom Kauf des Spiels abhalten. Auch wenn die Jungs von Digital

Extremes hier sicherlich noch nachlegen können.

Aber na gut, wir wollen nicht zu streng sein. Schließlich haben sich die Burschen in ihren Spielen bislang nicht gerade durch erzählerisches Talent hervorgetan, wohl aber immer mit einer erlesenen Garnitur edelster Ballerwerkzeuge. Und das ist schließlich auch was. Man darf also gespannt sein, ob Dr. Mason seine Sprchstunde für weitere virtuelle Abenteuer öffnen wird.

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Grafik + Atmosphäre + Waffenupgrades

Contra:
- Konsolenportierung - Speichersystem - Unpassende Stimmen in der deutschen VersionPro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Grafik + Atmosphäre + Waffenupgrades

Contra:
- Konsolenportierung - Speichersystem - Unpassende Stimmen in der deutschen Version