Autor: Nedzad Hurabasic

Jaja, die verrückten Wissenschaftler sind Schuld. Wie immer, wenn es um plötzlich freilaufende Dinos geht. So wars bei Jurassic Park, so ist es auch bei Paraworld, dem Echtzeitstrategiespiel der Berliner Spieleschmiede SEK.

Dummerweise sind die Wissenschaftler in diesem Fall nicht nur auf einer abgelegenen Insel gelandet, sondern gleich in einer Parallelwelt. Wir haben sie auf ihrer Suche nach dem Ausweg begleitet und konnten unsere Notizen in die reale Welt retten.

Paraworld - Intro11 weitere Videos

Deutschland ist eine der Hochburgen der RTS-Fans, in kaum einem anderen Land werden die Strategiespiele mit mehr Hingabe gezockt als hier. Allerdings leidet die Szene teilweise unter einfallslosen Spielkonzepten. Vor allem das WW II-Szenario kann mittlerweile kaum noch jemand sehen. Auch innovative Gameplay-Ideen muss man häufig mit der Lupe suchen - ein Spiel ist wie das andere. Kein Wunder, dass häufig noch die Strategie-Klassiker alter Tage gespielt werden. In diese Lücke will Paraworld stoßen und die Riege der Echtzeitstrategen unter einer Flagge vereinen. Ein erster Schritt auf diesem Wege ist schon vor der Veröffentlichung gelungen, indem die ESL (Electronic Sports League) das Spiel schon vor dessen Erscheinen als offizielles Liga-Mitglied aufgenommen hat. Damit ist das Spiel auf einen Schlag in 18 Ländern mit Europas größter Online-eSports-Liga vertreten. Kein schlechter Start für das Dino-Abenteuer. Doch sind all die Vorschlusslorbeeren gerechtfertigt? Was steckt wirklich hinter Paraworld? Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Spiel nicht von seinen Genre-Kollegen und bietet neben einer Einzelspieler-Kampagne und Skirmish-Partien (Gefechte) auch einen Multiplayer-Modus.

Die ersten beiden Missionen des Story-Modus bilden das Tutorial, das aber auch schon die ersten Story-Elemente beinhaltet und dadurch nicht als abgekoppelte, sterile Einheit wirkt. So werden die ersten unterhaltsamen Schritte in Paraworld zum Kinderspiel.

Paraworld - Das RTS Monster aus deutschen Landen: Gelingt der Sprung auf den Genre Thron?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 155/1591/159
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Die drei Wissenschaftler Anthony Cole, Stina Holmlund und Bela Andreas Benedek landen in einer Parallelwelt, in der Dinos noch immer ihr Unwesen treiben, aber zumindest teilweise von den dort lebenden Menschen gezähmt wurden. Sie werden vom Mathematiker Jarvis Babbit in diese Welt gelockt, der sich schon seit dem 19. Jahrhundert dort aufhält, das Geheimnis der Weltentore jedoch für sich behalten möchte. Kein Wunder, schließlich altert man dort nicht. Neben Dinos leben dort auch noch drei unterschiedliche Völker: Das Nordvolk, die Wüstenreiter und der Drachen-Clan. Alle mit verschiedenen Technologien versehen. Die drei Gelehrten kämpfen während der Kampagne als Helden-Figuren für uns, weitere werden im Verlauf des Spiels freigeschaltet.

Packshot zu ParaworldParaworldErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Auch der zweite oberflächliche Blick offenbart zunächst keine weltbewegenden Neuerungen. Ich starte wie immer mit einigen eher konventionellen Starteinheiten, baue schnellstmöglich meine Siedlung aus und benötige dafür wertvolle Resourcen. Doch der Teufel steckt wie immer im Detail. Gerade der Aspekt der Resourcengewinnung könnte für einigen Gesprächsstoff sorgen. Rohstoffe können nur so viele gesammelt werden, wie die maximal ausgebaute Stufe zulässt. Wird jedoch ein Lager zerstört, sind alle darin befindlichen Ressourcen futsch. Das greift stark ins Spielgeschehen ein, da die Rohstoffe nicht unendlich vorhanden sind. Ist das Maximum beim Rohstoffgewinn erreicht, stellen die Arbeiter übrigens sofort die Tätigkeit ein und stehen in der Landschaft herum.

Ein zweiter diskussionswürdiger Aspekt ist die Größe der Bauelemente. Oftmals lassen sich die Objekte nicht frei in der Landschaft platzieren. Einerseits, weil sie zu groß sind, auf der anderen Seite sind die Gründe dafür überhaupt nicht nachvollziehbar. Obwohl genug Platz zur Verfügung steht, sehen wir die "rote Karte". Das führt zu eher chaotischem Siedlungsbau und nervt auf Dauer.

Neben diesen RTS-Standards bietet Paraworld aber einen wirklich herausragenden Aspekt: den so genannten Army Controller. Wo in anderen Spielen das Einheiten-Chaos herrscht, finde ich hier alle von mir kontrollierten Figuren fein sortiert am linken Bildschirmrand. Über dieses Fenster werden nicht nur alle verfügbaren Einheiten angezeigt, ich sehe auch deutlich, ob Arbeiter gerade beschäftigt sind und womit, ich kann sie anwählen und gruppieren, sehe ihren Rang und vieles mehr. Der Army Controller ist in einer Baumstruktur aufgebaut und bildet bis zu 52 Einheiten ab - mehr könnt ihr bei Paraworld auch gar nicht besitzen. Der Baum verjüngt sich natürlich nach oben hin. Wie in einer realen Armee gibt es nur eine Einheit mit der höchsten Stufe, darunter gibt es drei mit Stufe 4, acht mit Stufe 3 und so weiter. Die Ränge verdienen sich die Einheiten natürlich vorwiegend auf dem Schlachtfeld, wo es für jeden Sieg eine gewisse Anzahl von "Schädeln" zu verdienen gibt. Diese Erfahrungspunkte können "on the fly" in Stufenaufstiege investiert werden oder werden aufgespart. Mit dem Aufstieg erhalten reguläre Einheiten beispielsweise mehr Trefferpunkte. Die Heldenfiguren bekommen aber Spezialfähigkeiten, die sie zu spielbestimmenden "Persönlichkeiten" machen sollen. Je nach Level gibt es Fähigkeiten wie "Schrotflinte", "Tierhypnose" oder "Scharfschützenschuss". Kratzt einer der Helden mal ab, ist das kein Beinbruch. In Tavernen können sie wieder eingekauft werden, die Kosten steigen jedoch mit jeder Wiederbelebung.

Der Clou: Ihr könnt jeden Stufenaufstieg individuell kontrollieren. Auf diese Weise habt ihr taktischen Einfluss auf die Zusammensetzung eures aktuellen "Mannschaftskaders". Ihr könnt auch zu eurem Vorteil nutzen, dass Einheiten, die gerade befördert wurden, völlig geheilt werden. Das kann für unliebsame Überraschungen beim Gegner sorgen, der sich dem Sieg schon nahe sah und plötzlich gegen stärkere und fittere Einheiten kämpfen muss. Dass vor allem die stärkeren und die Helden-Einheiten hohe Ränge einnehmen sollten versteht sich von selbst. Zusätzliche Boni für meine Truppen sammle ich mit Artefakten ein, die in Schatztruhen auf den Maps verteilt sind. Allerdings sollten sie nur von den stärksten Einheiten aufgesammelt und getragen werden, da sie bei deren Tod auch wieder verloren gehen.

Verständliches Missionssystem
Die Missionen von Paraworld sind immer in einige Haupt- und Nebenaufgaben gegliedert, für die es unterschiedlich viele Punkte zu ergattern gibt. Je nachdem ob Aufträge erledigt wurden, sammeln sich mehr oder weniger Punkte auf dem Konto des Spielers an.

Paraworld - Das RTS Monster aus deutschen Landen: Gelingt der Sprung auf den Genre Thron?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 155/1591/159
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwischen den Missionen können diese Punkte in zusätzliche Einheiten investiert werden, die fortan gleich zu Beginn neuer Missionen zu unserer Verfügung stehen und so den Start vereinfachen. In der Praxis verwirrte jedoch der Umstand, dass in den Missionen deutlich mehr Punkte verdient wurden, als letztlich zum Einkaufen zur Verfügung standen. Davon abgesehen sind die Aufgaben aber erfreulich abwechlungsreich gestaltet und binden die prähistorische Spielwelt gekonnt ein. Wann haben wir sonst die Möglichkeit, Mammuts vor ihrer Auslöschung durch einen anderen Stamm zu retten?Excellente Steuerung
Die Steuerung erweist sich insgesamt als sehr intuitiv. Als wäre es das Normalste der Welt, platzieren wir unsere Einheiten auf den riesigen Urwesen und lassen sie von dort unsere Feinde beschießen. Trotz der gelungenen Steuerung und der guten KI, herrscht oft genug Chaos auf dem Schlachtfeld. Schuld daran ist die nicht vorhandene Formationsordnung. Da beide Seiten nicht über Unmengen von Einheiten verfügen, relativiert sich das aber. Nervig ist der Umstand, dass beim Anklicken feindlicher Einheiten häufig der Mauszeiger "schwimmt". Anstatt unsere Einheiten angreifen zu lassen, wird stattdessen nur der Marschbefehl gegeben. Hier ist die Mausabfrage viel zu empfindlich.

Paraworld - Das RTS Monster aus deutschen Landen: Gelingt der Sprung auf den Genre Thron?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 155/1591/159
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nicht hundertprozentig zufriedenstellend ist auch der Zoomfaktor der Kameraansicht. Für meinen Geschmack sollte es möglich sein, etwas weiter herauszuscrollen. Die angebotene Sicht ist etwas zu nah am Geschehen.

Grafisch auf der Höhe der Zeit
Paraworld präsentiert sich grafisch opulent. Die Dinos, Einheiten und Gebäude sind alle mit viel Liebe zum Detail entworfen. Die Urviecher sollen sogar nach wissenschaftlichen Erkenntnissen entworfen worden sein. Als Manko erweist sich aber das fehlen einer Physik-Engine: Es sieht schon etwas merkwürdig aus, wenn meine Titanen mehrere Einheiten platt walzen und diese einfach umkippen, statt zur Seite geschleudert zu werden.

Paraworld - Das RTS Monster aus deutschen Landen: Gelingt der Sprung auf den Genre Thron?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 155/1591/159
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Landschaften sind ebenfalls überzeugend, an den Karten gibt es kaum etwas zu bemängeln. Gut auch, dass feste Bauten undurchlässig sind für Beschuss.

Dieses fehlende Feature war vielen Fans etwa bei AOE 3 übel aufgestoßen. Soundseitig lassen die Entwickler keinen Grund zur Kritik aufkommen. Der sehr gute Soundtrack passt sich bestens ins Ambiente ein, auch die Soundeffekte sind von Premiumqualität. Lediglich bei der Vertonung sind kleinere Aussetzer aufgetreten, die eingesetzen Stimmen wirken nicht immer professionell. Die Dialoge hingegen sind oft genug amüsant und rotzig-frech und machen Spaß.Im Multiplayer-Bereich bietet das Spiel bis zu acht Spielern gleichzeitig Platz auf den Maps. Neben dem Standard Deathmatch-Modus können sich Spieler auch noch in den neuen Modi Defender und Domination austoben. Während sich in Defender ein Spieler für eine festgelegte Zeit gegen alle anderen verteidigen muss und dafür eine große Anzahl von Rohstoffen und Gebäuden erhält, müssen in Domination bestimmte Positionen auf einer Karte erobert und gehalten werden, um zu gewinnen. In der Praxis hat sich das Balancing der Völker und Klassen als sehr ausgewogen gezeigt. Man merkt deutlich, dass SEK hier einem Blizzard nachgeeifert hat und sich viel Zeit für ein gutes Balancing genommen hat. Eine wichtige Bedeutung kommt hier den Startarmeen ("Decks") zu, die jeder selbst einkaufen kann. Zur Debatte steht jedoch, wie viel Startkapital dafür zur Verfügung stehen soll. Die Landschaften sind ebenfalls überzeugend, an den Karten gibt es kaum etwas zu bemängeln. Gut auch, dass feste Bauten undurchlässig sind für Beschuss.

Dieses fehlende Feature war vielen Fans etwa bei AOE 3 übel aufgestoßen. Soundseitig lassen die Entwickler keinen Grund zur Kritik aufkommen. Der sehr gute Soundtrack passt sich bestens ins Ambiente ein, auch die Soundeffekte sind von Premiumqualität. Lediglich bei der Vertonung sind kleinere Aussetzer aufgetreten, die eingesetzen Stimmen wirken nicht immer professionell. Die Dialoge hingegen sind oft genug amüsant und rotzig-frech und machen Spaß.Im Multiplayer-Bereich bietet das Spiel bis zu acht Spielern gleichzeitig Platz auf den Maps. Neben dem Standard Deathmatch-Modus können sich Spieler auch noch in den neuen Modi Defender und Domination austoben. Während sich in Defender ein Spieler für eine festgelegte Zeit gegen alle anderen verteidigen muss und dafür eine große Anzahl von Rohstoffen und Gebäuden erhält, müssen in Domination bestimmte Positionen auf einer Karte erobert und gehalten werden, um zu gewinnen. In der Praxis hat sich das Balancing der Völker und Klassen als sehr ausgewogen gezeigt. Man merkt deutlich, dass SEK hier einem Blizzard nachgeeifert hat und sich viel Zeit für ein gutes Balancing genommen hat. Eine wichtige Bedeutung kommt hier den Startarmeen ("Decks") zu, die jeder selbst einkaufen kann. Zur Debatte steht jedoch, wie viel Startkapital dafür zur Verfügung stehen soll.