Paradox Interactive, das ist ein kleiner, unabhängiger Entwickler aus Schweden, der sich Strategie ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat. Zum Aufgebot der Paradoxen gehören Serien wie „Mount & Blade“, „Europa Universalis“ oder „Hearts of Iron“ – sicherlich keine Spiele für jeden, aber doch Titel mit einer ausgeprägten Fangemeinde. Was demnächst aus Stockholm auf uns zukommt, durften wir bei einer Präsentation in London genauer in Augenschein nehmen. Und wir waren überrascht, denn es sind nicht nur Hardcore-Strategie-Titel.

Tower-Defense mit Twist: Defenders of Ardania

Die Monster kommen in Scharen angerannt, und ihr errichtet mit euren begrenzten Ressourcen strategisch Türme zur Verteidigung. Klaro, Tower-Defense-Spiele kennt jeder. Auch bei Defenders of Ardania müsst ihr eure Burg nach dem bewährten Spielprinzip gegen die feindlichen Horden verteidigen. Allerdings gibt’s ein paar Erweiterungen der eigentlichen Idee, die aus dem Spiel einen actionlastigen Taktiktitel machen.

Das Wichtigste: Ihr verteidigt nicht nur, sondern schickt selber Leute in den Krieg, müsst also gleichzeitig Angriff und Verteidigung im Auge behalten. Nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip rennen schnelle Bodeneinheiten, schwer gepanzerte Kerle und Flugeinheiten gegen die entsprechende Verteidigung an Türmen an. Zusätzlich gibt es Spezialeinheiten, die gegnerische Türme knacken oder sich die Bodentruppen vornehmen. Schließlich gibt es auch noch Helden, die eure Truppen stärken und selber formidable Kampfmaschinen sind.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 4/121/12
Sieht nach Aufbaustrategie aus, ist aber tatsächlich taktisch-hektisches Tower-Defense.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Einheiten unterscheiden sich in ihren Ausprägungen je nach gewählter Fraktion. Menschen, Elfen und Zwerge kämpfen zusammen gegen die Wesen der Unterwelt, wie Dämonen und Untote. Als dritte Partei wollen auch Minotauren, Monster und Drachen mitmischen – alles angesiedelt vor der aus Majesty bekannten Fantasy-Spielwelt.

Und da darf natürlich auch Magie nicht fehlen: Ihr habt ein Arsenal an Zaubern zur Verfügung, mit denen ihr etwa eure Kämpfer schützt, Gegner mit Blitzen wegzappt oder Effekte entschärft. Verteidigt wird in einer Kampagne mit vier bis fünf Stunden Spielzeit, in freien Skirmish- oder Defend-Missionen oder natürlich im Mehrspieler gegen oder mit bis zu drei Mitspielern, wobei dieser Modus bei der auch ansonsten etwas abgespeckten, aber dennoch rundum ansprechenden Version fürs iPad fehlt.

Fazit: Ansprechende Tower-Defense-Variante mit einigen Twists, die Geschwindigkeit, Strategie und Taktik fordert und vor allem in den Mehrspieler-Modi aufblüht.

Ersteindruck: Gut

Pirates of Black Cove

Arrr! Captain Jack Sparrow entert wieder die Kinos und zieht in seinem Fahrwasser so einiges an Piraten und Freibeutern hinterher. Auch die Paradoxen setzen die Segel und lassen die Pirates of Black Cove vom Stapel – wenn auch mit einiger Verspätung, denn vor Juli/August laufen die sicher nicht in unserem Hafen ein.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Garr! Die Seegefechte sind nicht realistisch, sondern humorvoll. So gibt’s menschliche Kanonenkugeln oder Mega-Salven.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der kunterbunte Piratencocktail, entwickelt im finnischen Hause von Nitro Games, besteht aus einer guten Portion Monkey Island, abgeschmeckt mit Sid Meier’s Pirates und einem Schuss Pirates of the Caribbean. Der Humor steht im Vordergrund und zieht sich vom cartoonhaften Look mit schicken 2-D-Animationssequenzen im Concept-Art-Stil über Namen und Dialoge bis hin zu den Spielelementen.

Wo wir gerade bei den Spielelementen sind, darf eine Erklärung des Spiels natürlich nicht fehlen. Die fällt nicht leicht, denn das Spiel ist so schwer in ein bestimmtes Genre-Korsett zu pressen, wie es fällt, einen Piraten von seinem Rumfass zu trennen. Mit einem Schiff schippert ihr über viel befahrene Gewässer der offenen Spielwelt, liefert euch actionlastige Seegefechte oder steuert Häfen an.

Auf den Inseln warten Aufträge, anheuerbare Crew und fast schon Adventure-ähnliche Begegnungen. Auf anderen Inseln wird dann gekämpft – in bester RTS-Manier steuert ihr einen kleinen Trupp, der aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzt wird, und verhaut, was euch so in den Weg kommt. Geht es euren Jungs dabei mal schlecht, spendiert ihr ihnen eine Buddel Rum, die zwar heilt, aber auf die Dauer auch betrunken macht.

Das war aber noch nicht alles in Punkto Spielmechanik – das Spiel kann auch noch mit leichten Rollenspielelementen aufwarten. So verbessert ihr im Laufe der Zeit euren Charakter, heuert weitere Kapitäne für eure Crew an, bastelt an euren Schiffen herum und könnt im Laufe des Spiels sogar eine Piratenfestung befehligen und ausbauen.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 4/121/12
In den RTS-Abschnitten befehligt euer Held ein paar Truppen. Aber: Fähigkeiten gibt’s keine.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Versprochen wird eine längere Kampagne. Alleine die Haupthandlung soll bereits auf eine Spieldauer von zehn Stunden kommen, und insgesamt sehnen sich über 50 verschiedene Locations nach Piratenbesuch. Ihr habt die Wahl zwischen drei Figuren, die ihr zu Ruhm und Rum steuert. Eure Aufgabe: die drei Fraktionen Piraten, Korsare und Bukaniere vereinen, um die bösen Black Covians zu besiegen. Und nebenbei noch Piratenobermotz werden. Alles roger, savvy?

Fazit: Wilder Piraten-Genre-Mix mit viel Humor. Die Ausrichtung des Spiels ist eher „arcade-lastig“ als taktisch, und das Verhältnis von den RTS-Einsätzen an Land zu den Gefechten auf See wird mit 70 zu 30 abgeschätzt. Mir hat’s gefallen und Lust auf mehr gemacht.

Ersteindruck: Gut

Sword of the Stars II

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer eines tapferen Raumfahrers, der sich rundenbasiert eine komplette Zivilisation aufbaut, den Weltraum besiedelt und sich gegen andere Zivilisationen behaupten muss, gemäß den klassischen 4x-Grundsätzen „explore“, „expand“, „exploit“ und „exterminate“.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 4/121/12
Auch in den Echtzeitraumkämpfen gibt’s viele Infos zu verarbeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Spiel verspricht daher auch erst einmal bewährte Kost. Ihr erforscht den Weltraum, besiedelt und verwaltet Planeten. Das Mikro-Managment hält sich zurück, die Planetenverwaltung geschieht über ein paar grundlegende Einstellungen. Eure Ressourcen steckt ihr in die Forschung und natürlich in eure Raumflotte. Die Schiffe werden dabei von euch persönlich gestaltet, und da ihr aus drei verschiedenen Schifftypen (ohne Jäger) wählen könnt und für die drei verschiedenen Schiffssektionen etliche Auswahlmöglichkeiten habt, gehen die Konfigurationsoptionen schnell ins Astronomische.

Nicht zuletzt, da es sieben verschiedene Rassen zu spielen gibt, die alle auf ihre eigenen Schiffstypen setzen. Neuland betritt das Spiel beim Thema Raumkampf, der ganz klar das Herzstück des Spiels darstellt. Die Schlachten werden nämlich in Echtzeit-3-D-Kämpfen ausgefochten. Ihr seht die Raumschiffe Marke Eigenbau durchs All düsen und aus allen Kanonenrohren ballern. Nach Belieben könnt ran- oder rauszoomen, Flugvektoren festlegen und Befehle für bestimmte Manöver geben. Das wirkt derzeit zwar noch ein wenig steril und sperrig, für echte Genre-Fans könnte sich dieses Feature aber zu einer wahren Offenbarung mausern.

Gespielt wird auf vorkonstruierten Sternenkarten mit bis zu 200 Sternen. Jeder Stern ist Mittelpunkt eines eigenen Systems, das wiederum zufällig generiert wird. Zufällig ist auch – in bestimmten Grenzen – die genaue Ausprägung des Technologiebaums, jede Partie wird so zu einer komplett neuen Herausforderung.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 4/121/12
An der Spitze der Raumschifftypen stehen die gewaltigen Leviathan-Schiffe.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Spiel ist der direkte Nachfolger zu Sword of the Stars, führt die Geschichte weiter und erweitert das bekannte Universum um eine neue Rasse. Neben der Kampagne lockt natürlich vor allem der Mehrspielermodus für bis zu acht Spieler, der auch nahtloses Aus- und Wiedereinsteigen in eine Partie möglich macht. Wir pumpen schon einmal die Schilde auf Maximum und laden die Torpedos – im Spätsommer/Herbst soll es mit der Eroberung des Weltraums losgehen!

Fazit: Klassische 4x-Weltraumstrategie, die die bekannten Genre-Elemente um 3-D-Raumschlachten in Echtzeit erweitert.

Ersteindruck: Befriedigend

Sengoku

Japan im 16. Jahrhundert. Es ist die Sengoku-Zeit, die Epoche der „streitenden Reiche“: Das Land ist in zahllose kleine Gebiete zersplittert und etliche Clans streben nach Macht, Einfluss und dem Posten des Shoguns.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Armee gibt’s auch im alten Japan – abstrahiert durch übergroße Samurai.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ihr spielt eine solche Sippe auf dem Weg zu Ruhm und Macht. Und das ist auch gleich das Besondere an Sengoku: Es dreht sich nicht um Reiche oder Armeen, sondern um Charaktere. Und von denen gibt es viele in Japan. Ihr baut ein Geflecht an Beziehungen zwischen diesen Figuren auf. Ihr müsst beispielsweise rechtzeitig für eine fruchtbare Frau sorgen, um aus der Verbindung Kinder zu erhalten, die euren Familiennamen eines Tages weiterführen können, wenn euer Clan-Führer das Zeitliche segnet.

Am besten schlagt ihr aus einer solchen Ehe aber auch gleich noch politisches Kapital, um eure Verbindungen zu einem anderen Fürstentum zu stärken. Und auch eure Kinder lassen sich diplomatisch nutzen: Schickt sie beispielsweise zu einem anderen Herrscher, als Geiseln quasi, und ihr baut ein Vertrauensverhältnis zu ihm auf.

Die wichtigste Eigenschaft eines Charakters ist seine Ehre. Ist sie hoch genug, kann er aus seinem Clan ausscheiden und einen eigenen gründen. Ehre erhaltet ihr, indem ihr gute Taten vollbringt, etwa Schreine weiht oder eure Provinzen ausbaut. Ehre wieder loszuwerden ist deutlich einfacher: Quasi jeder kriegerische oder feindliche Akt kostet Ehre.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 4/121/12
Japan ist bevölkert – zahlreiche Charaktere mit eigenen Agendas sind der Mittelpunkt des Spiels.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn ihr die Ninja loshetzt, etwa um jemanden zu meucheln, geht das zulasten eures Ansehens. Ihr müsst also viele Faktoren balancieren – einerseits eine starke Familie aufstellen, dann durch geschickte Diplomatie treue Vasallen schaffen und natürlich für Einkommen sorgen, das Militär will schließlich bezahlt werden, und Geld für die Anheuerung von Ronin sollte ebenfalls da sein. Wenn es euch dann noch gelingt, viel Ehre anzusammeln, sodass ihr auch mit kriegerischen Mitteln nach der Kontrolle über andere Provinzen greifen könnt, seid ihr auf dem besten Weg zum Shogun.

Das Interessanteste an dem Spielprinzip und dem Setting ist aber die Möglichkeit, die sich dadurch im Mehrspielerbereich eröffnet. So verspricht Paradox Partien für bis zu 32 rivalisierende Clan-Daimyōs.

Fazit: Alle wollen Shogun werden im feudalen Japan. Dies gelingt nur dem, der das komplexe Geflecht an agierenden Personen richtig aber beeinflusst und ausnutzt. Ein Strategiespiel aus der Charakterebene – mal was anderes, durchaus interessant.

Ersteindruck: Befriedigend

Supreme Ruler: Cold War

Wer auf imposante Grafik steht oder Wert darauf legt, dass ein Spiel eine moderate Lernkurve und eine überschaubare Spieldauer bietet, könnte sich aus einem bestimmten Grund auf Supreme Ruler: Cold War freuen – das Spiel kann in jeder dieser Beziehungen in künftigen Diskussionen als abschreckendes Negativbeispiel fungieren.

Cold War als hässlich zu bezeichnen wäre geschmeichelt. Die funktionale Grafik wirkt wie ein Rücksturz in die Games-Steinzeit. Und die Handhabung wirkt mit jeder verstrichenen Minute der Einführung ins Spiel noch unübersichtlicher, komplexer und abschreckender als zuvor.

Aber darum geht es ja auch nicht.Wer sich mit Supreme Ruler abgibt, weiß, worauf er sich einlässt: auf ein hochkomplexes Strategiespiel. In Cold War geht es um den Kalten Krieg, den Konflikt Kapitalismus gegen Kommunismus, das schwelende, dicht an der Grenze zum Atomkrieg stehende Kräftemessen zwischen den USA und der Sowjetunion.

Paradox Interactive - Hardcore-Strategie, Piraten und Samurai-Familien: Neues von Paradox Interactive

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden8 Bilder
Komplex bis ins Detail: Zur Kriegsführung stehen etliche Einheiten zur Verfügung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ihr lenkt eine dieser beiden Nationen (oder im Sandbox-Modus ein beliebiges anderes Land) und versucht, die Geschicke der Welt zu eurem Vorteil zu verändern und eure Weltanschauung durchzusetzen. Dazu müsst ihr nicht nur eure eigenen Ressourcen verwalten, die Infrastruktur eures Landes aufbauen, forschen und rüsten, sondern euch vor allem auch um all die anderen Länder des Planeten kümmern. Ihr nehmt vor und hinter den Kulissen Einfluss, spioniert oder zettelt Aufstände an und versucht, die Länder von ihren Bündnispartnern zu entfernen oder näher an euch zu binden. Ihr schließt Pakte, handelt und lasst die Waffen sprechen.

Die zur Verfügung stehenden Optionen wirken auf den ersten, zweiten und dritten Blick erschlagend. Um nicht zu sehr im Mikromanagment zu versinken, können euch KI-Minister zwar einen Teil der Arbeit abnehmen, trotzdem stellt die Beherrschung dieses Spiels in all seinen Facetten eine echte Herausforderung dar. Uns dröhnte nach der Einführung auf jeden Fall noch eine Weile der Schädel.

Was nicht heißen soll, dass wir nicht fasziniert waren – wer vor der (vermutlich) beträchtlichen Lernkurve nicht zurückschreckt, wird mit einem sehr umfangreichen Strategiespiel belohnt, das die Epoche des kalten Krieges bis in Details wiedergibt und viele spannende Partien verspricht – und das für bis zu acht Spieler.

Fazit: Komplex, komplexer, Supreme Ruler: Cold War. Das rundenbasierte Global-Strategiespiel bildet die Zeit des Kalten Krieges nach treibt vor allem durch die ausgefeilten politischen Möglichkeiten die Tränen der Verzückung in die Augen eines jeden echten Hardcore-Strategie-Fans.

Ersteindruck: Speziell